BRÜCKE  des  FRIEDENS   

weitere Artikel:
Building Bridges to Bethlehem Schritte der Wiederherstellung
Deutschland - Österreich - Weimar 2007 Versöhnung von Schwarz und Weiss in Südafrika
Österreichisch - slowenisches Freundschaftstreffen Österreichischen und Slowakischen Frauen
Deutschland - Österreich - CR - SK - Melk 2006 Thema Todesstrafe
Deutschland - Österreich - Bingen 2005 Schwesternschaft „lebendig“ erhalten 
Deutschland - Österreich Partnerships for Peace
Internationale Dekade für eine Kultur des Friedens  Innere Versöhnung 
 

BRÜCKE DES FRIEDENS

Deutschland – Österreich
25. –26. Mai 2002, SEEBENSTEIN/ NÖ

Einleitung

 

Langersehnt und endlich gelungen fand die Österreichisch – Deutsche Schwesternschaft im Frühsommer im nun wieder aktivierten Seminarzentrum  „Haus Regenbogen“ statt. Mancherorts war die Frage zu hören: Warum so spät, warum erst jetzt?... Mögt ihr einander nicht?... Von Seiten Der Österr. Frauenföderation ist das Gegenteil der Fall gewesen – es gab immer einen Austausch, Zusammenarbeit (nicht zuletzt tragen unsere Zeitungen den gleichen Namen), etc.. Nach meinem Empfinden gab es brennendere Anliegen nachdem mit der „Brücke des Friedens“ in Europa begonnen wurde: Wir in Österreich „kümmerten uns um unsere osteuropäischen Nachbarn, da von dort her auch kurz nach der Öffnung ein sehr reges Interesse an Austausch vorhanden war.
In Deutschland gab es ebenfalls zahlreiche „Friedensbrücken“ mit Polen, Russland, etc... Österreich und Deutschland leben wie selbstverständlich als Schwestern nebeneinender, und dennoch wie gut tut es, sich noch besser und bewusster kennen zu lernen! In mir bleibt immer ein Eindruck eines historischen Ereignisses , trotz der Einfachheit der Umgebung, in die wir als „kleine Schwester“ die „große“ einluden. 
 

Ingrid Lindemann – Ophelia Wressnig

Die Wahl der Paare überließen wir – wie schon so oft - dem Zufall, oder richtiger gesagt einer höheren Fügung: Oder wie sonst ist es zu erklären, dass Ophelia, sie kommt aus Spanien und ist in Österreich verheiratet und kämpft noch immer mit der deutschen Sprache und wollte aus diesem Grund beinahe nicht teilnehmen, mit der einzigen deutschen Frau der Runde zusammenkam, die auf grund eines 17jährigen Aufenthaltes in Uganda Spanisch sprechen konnte!? Uns als Organisatoren war dies nicht bekannt. Ich habe schon so oft die Freude der Frauen mit ihren Schwestern erlebt, und die tiefe Bedeutung, die sie in dem Zusammenkommen mit eben dieser Frau erkennen. Es berührt mich stets aufs neue und zeigt mir zugleich, dass die „Brücke des Friedens“ ein uns von Gott gegebenes Werkzeug ist um Bausteine für eine Welt des Friedens zu legen. 

Wie immer wurde jede Gelegenheit zu Gespräch und Diskussion (zu den Themen ERZIEHUNG, ALLTAGSBEWÄLTIGUNG und PARTNERSCHAFT) von den Teilnehmerinnen mit großem Interesse wahrgenommen.

Zur Seiten Anfang

Renate Amesbauer

Im Folgenden weitere Erlebnisberichte und Inhalte der Vorträge 

Erlebnisberichte
Heide Schwarzl
Elvira Ebinger
Irmgard Mäntler

Vorträge 
Ingrid Lindemann

 

Impressionen zur "Brücke des Friedens" zwischen Deutschland und Österreich

Nun ist endlich auch mit Deutschland eine "Brücke des Friedens" errichtet. Warum dauerte es so lange, bis deutsche und österreichische Frauen sich zu diesem schönen Brauch zusammenfanden? Vielleicht weil sie so ähnlich und doch anders sind; auf eine gemeinsame und doch getrennte Geschichte blicken; die gleiche und doch nicht dieselbe Sprache sprechen ... Ein Sessel ist kein Stuhl, der Kübel heißt Eimer, statt Marillen gibt es Aprikosen: Es sind kleine Verschiebungen, die allzu oft zu Verwerfungen führen.

Ich habe mein halbes Leben in Deutschland verbracht, liebe beide Länder und empfinde schmerzlich eine gegenseitige Ahnungs- und Achtlosigkeit. Die Frauenföderation wagte den Versuch, diese Mauer aus Vorurteilen und Desinteresse niederzureißen.

Susanna Ingramm – Heide Schwarzl

 

Am 25. Mai trafen sich rund 50 Frauen aus beiden Ländern in Seebenstein und wurden zu Freundinnen-Paaren zusammengelost. Wer wird meine "Schwester" sein? -  Susanne! Gefährtin aus alter Zeit, mit der ich eine Weile das Schicksal teilte! Gut siehst du aus, was macht dein Mann, die Kinder? Was, du hast auch schon Enkelkinder?

Ein vertrautes Gesicht nach dem anderen taucht auf. Rita Seewald, langjährige Leiterin der deutschen Frauenföderation für Weltfrieden, Ingrid Lindemann, die jetzt die Organisation leitet, unterstützt von Christine Sato. Elizabeth Riedl hat, ähnlich wie ich, vor kurzem den Umsprung von Deutschland nach Österreich gemacht und widmet sich internationalen Projekten.

Durch das offizielle Programm führt freundlich-souverän Elisabeth Brandner. Nach der Begrüßung durch die neue österreichische Vorsitzende, Frau Renate Amesbauer, folgen zwei historische Betrachtungen. Zunächst bringt Dr. Maria Riehl den deutschen Gästen die große Kaiserin Maria Theresia näher - sie ist in deutschen Geschichtsbüchern nur eine Randfigur. Dann überrascht Ingrid Lindemann mit einem geschichtlichen Abriss, der ein recht wechselvolles Mit- und Gegeneinander aufzeigt; wirkliche Feinde waren wir jedoch nie.

Zur Seiten Anfang

Rita Seewald – Esther Brauneder

Das liebliche parkähnliche Gelände lockt ins Freie. Überall plaudernde Grüppchen, Fotos und Geschichten werden ausgetauscht. dankbar genießen alle die Chance, die "unbekannte Nachbarin" endlich kennenzulernen. Die liebevolle Bewirtung trägt zum Wohlbefinden bei.

Schließlich der Festakt. Über die symbolische Brücke des Friedens werden die Schwesternpaare zusammengeführt. Nach einer ehrerbietigen Verbeugung werden Rosen und Umarmungen ausgetauscht, Hand in Hand schreitet man weiter. Es packt mich, ich empfinde den Hauch der Geschichte. Ja, wir können gute Schwestern sein, die Verschiedenartigkeit respektieren, Frieden statuieren.

Während des "bunten Abends" mit Musik und Gesang blende ich mich langsam aus, kann auch am nächsten Tag beim Sightseeing in Wien nicht dabei sein. Man wandelte auf den Spuren des imperialen Wien von der Gloriette hinab zum Schloss Schönbrunn, dann vom Stephansdom über den Graben zur Hofburg und weiter, so weit die müden Beine trugen. Die lange Autoreise nach München, Dresden, Stuttgart, Frankfurt und weiter ist gut verlaufen, hörte ich. Kommt doch wieder, und bewahrt euch diesen Funken des Friedens, der hier gezündet wurde, und der in meinem Herzen wunderbar versöhnlich nachwirkt.

Zur Seiten Anfang

Heide Schwarzl,

Am letzten Mai-Wochenende (25./26.5.2002) fand eine Verschwesterung der „besonderen Art“ statt: die lange geplante und endlich realisierte Begegnung deutscher und österreichischer Frauen!

Dazu muss ich folgendes sagen. Ich bin deutsche Staatsbürgerin und lebe seit 1983 in Österreich bzw. Wien, wo ich geheiratet und meine Kinder geboren habe. Nach so langer Zeit fühle ich mich irgendwie schon als Österreicherin. Und als ich von manchen Freundinnen gefragt worden bin, für welches Land ich mich zur Verfügung stellen würde, kam es doch ein bisschen entrüstet von mir: „natürlich für Österreich!“

Ich hatte mich auch schon darauf eingestellt, evtl. eine deutsche „Schwester“ zu bekommen. Womit ich auch einverstanden gewesen wäre, da ich außer zu meinen Verwandten, eigentlich kaum Kontakte in Deutschland habe.

Aber es kam anders! Ich zog das Los Nr. 13 (eine Glückszahl, seit meine Tochter an einem 13. geboren wurde) und suchte nach der Frau, die ebenfalls die 13 gezogen hatte. Und nachdem wir uns kennen lernten, stellte sich heraus, dass sie (Brigitte) eine Steirerin ist und schon lange in Deutschland lebt! Also genau umgekehrt wie bei mir. Darüber haben wir uns sehr gefreut. Am anderen Tag, als die Frauen nach Wien kamen, stellte ich ihr meine Familie vor. Wir sind fast gleich alt und haben beide zwei Kinder (je einen Buben und ein Mädchen) in fast dem gleichen Alter und haben auch innerlich einige Übereinstimmungen feststellen können. 

Margot Wiesner - Dietlind Bauch  

Beim gemeinsamen Mittagessen kamen wir so richtig in Schwung. Ich erzählte von den Erfahrungen einer deutschen Hausfrau, wenn sie in Österreich einkaufen will (Karfiol = Blumenkohl etc.). Besonders für die norddeutschen Frauen waren viele Bezeichnungen völlig neu und wir haben viel gelacht. Das lockte Brigitte aus der Reserve und sie gab ein ursteirisches Lied zum besten: „Was is heit für a Tag, heit is Knödeltag.“

Dazu haben wir geklatscht und den Refrain mitgesungen. So entspannt und ausgelassen war ich schon lange nicht mehr und ich denke gerne an dieses Wochenende zurück!

Elvira Ebinger

Zur Seiten Anfang

  BEGEGNUNG MIT MEINER DEUTSCHEN SCHWESTER

Wie meine Situation so ist (vier Kinder und einen beruflich überlasteten Ehemann) konnte ich erst am Nachmittag nach Seebenstein kommen. 

Ich hatte bereits große Sehnsucht meine vertrauten deutschen Schwestern wieder zu sehen. Schließlich bin ich ja selbst Deutsche und wir hatten auch noch als Familie 6 Jahre in Gießen gelebt. In dieser Zeit besonders waren einige tiefe Beziehungen entstanden, die ich sehr vermisste als wir nach Österreich zogen. So freute ich mich schon sehr auf das eine oder andere Wiedersehen!

Als ich ankam saßen alle bereits beim Mittagessen. Ich wollte mich nicht gleich in die Menge stürzen und blieb auf der Terrasse sitzen. Nach und nach begrüßten mich die Frauen und mit den Bekannten gab es eine große Wiedersehensfreude.

Meine Schwester, die ich zog, war leider nicht persönlich anwesend; sie hatte einen Brief mit Foto mitgeschickt, um so an der Verschwesterung teilnehmen zu können. Sie lebt in der Nähe von Gießen. Ich hoffe sie durch brieflichen Kontakt besser kennen lernen zu können. Für mich war es nicht so schlimm, dass sie nicht anwesend war, denn so konnte ich mich uneingeschränkt meinen alten Freundinnen widmen: z.B.: Sarah Zimmermann – ihr fühle ich mich besonders verbunden, da sie wie ich vier Söhne hat und all die Herausforderungen kennt, die dieser Umstand in sich birgt. Sie ist mir wie eine jüngere Schwester.

Christine Sato, deren innere Tiefe ich sehr schätze; Brigitte Makkonen , deren geradliniges Denken mich immer wieder überrascht Auch Rita Seewald ist für mich eine erstaunliche Frau mit viel Erfahrung und Durchblick.

Die Schwesternschaftszeremonie selbst verlief mit viel Herzlichkeit, obwohl der äußere  Rahmen eher einfach gehalten war. Ich halte es für Historisch sehr wichtig, dass Deutschland und Österreich sich mehr kennen lernen, und in Zukunft vielleicht auch mehr zusammen arbeiten.(vor allem auch innerhalb der Vereinigungskirche) Ich wunderte mich in all den Jahren seit  Schwesternschaftszeremonien gefeiert werden, dass es noch zu keinem treffen zwischen Deutschland und Österreich kam. Ich persönlich sehnte mich immer nach der großen Schwester –Deutschland....

Historisch gesehen hat sich sicherlich einiges ereignet, was der Aufarbeitung bedarf. Wie mir einige Frauen sagten, gab es bisher für sie noch wenig Erfahrungs- und Berührungspunkte. So sehe ich in diesem Zusammentreffen wichtige erste Schritte für gegenseitige Wertschätzung und weitere Zusammenarbeit.

Ich selbst habe Sehnsucht bekommen als Deutsche das Land Österreich noch mehr kennen und lieben zu lernen, wie auch das Herz der Frauen, die hier leben!

Insgesamt war es für mich besonders schönes und gelungenes Treffen unter Frauen und ich danke allen, die am Zustandekommen mitgewirkt haben. Ebenso den Ehemännern, die beriet waren auf die Kinder zu schauen, so dass wir Frauen ein so schönes Erlebnis miteinander haben konnten!

Besonders berührte mich die Erfahrung, dass die tiefen Beziehungen der „Gießener Jahre“ frisch waren wie wenn wir uns gestern zuletzt gesehen hätten, dabei lagen Jahre dazwischen, in denen wir uns nicht gesehen und kaum geschrieben hatten. Es war wie ein kleiner blick in die Ewigkeit.

Zur Seiten Anfang

   Irmgard Mäntler

   
Liebe Freundinnen, liebe Schwestern,
Von ganzem Herzen möchte ich Euch alle hier in Seebenstein begrüßen. Zusammen möchten wir heute an der Schaffung der internationalen Friedensbrücke teilnehmen.

Als erstes möchte ich euch die Glückwünsche von Frau Tina Coombs, der Vizepräsidentin der Frauenföderation International für Europa ausrichten. Sie begleitet uns an diesem Wochenende mit ihren Gedanken und ihrem Herzen.

Noch mehr Frauen aus Deutschland wären gerne mitgekommen. Ich möchte Euch die Grüße aller Frauen der Frauenföderation Deutschland übermitteln.

Zur Seiten Anfang

Ingrid Lindemann – Renate Amesbauer
Deutschland – Österreich (Nat. Repräsentation)

Ich danke den Frauen der Frauenföderation Österreich für ihre Einladung und die liebevolle Vorbereitung unseres Treffens.

Schon lange habe ich mir dieses Zusammentreffen mit Frauen aus Österreich gewünscht. Im ersten Gespräch mit Frau Dr. Maria Riehl über dieses Thema vor nun schon 2 Jahren ergab sich, dass auch sie diesen Wunsch verspürte. Ich bin überzeugt, dass dies kein Zufall war, so auch wie unser Zusammentreffen heute kein Zufall ist.

Die Friedensbrücken haben immer zwischen ehemals verfeindeten Nationen als Zeichen der Reue, Vergebung und Versöhnung stattgefunden. Jedoch Österreich und Deutschland waren in den letzten Kriegen keine Feinde.

Warum also bestand denn dieser so starke Wunsch in uns, diese Friedensbrücke zwischen Deutschland und Österreich zu verwirklichen? War es die Schönheit des Landes, die großen Musiker, Schriftsteller, die Frauen, die die Geschichte Österreichs geprägt haben? Waren es die berühmten Kaffeehäuser als Keimzelle des kulturellen Lebens? Oder waren es die Frauen aus Osterreich, die mir in meinem persönlichen Leben viel bedeutet haben und bedeuten?

Sicher hatte all dies einen Einfluss, jedoch spürte ich, dass die Begründung tiefer lag. Also machte ich einen Abstecher in die Geschichte.

Ich muss gestehen, ich wusste kaum etwas über die Geschichte Österreichs und seinem Verhältnis zu Deutschland. Die ersten Recherchen verwirrten mich mehr, als dass sie mir Klarheit gebracht hätten. Doch nach weiterem Suchen und Forschen in der Geschichte Österreichs empfand ich große Freude und Hoffnung für unsere gemeinsame Zukunft.

Erlaubt mir, Euch etwas von meinen Erlebnissen bei der Reise durch die Geschichte zu erzählen.  

Teile des heutigen Österreichs zählen zu den ältesten Siedlungsräumen in Europa. Die Römer gelangten im Jahre 15 v.Chr. bis an die Donau und errichteten die Provinz Noricum, die im Westen bis an die Provinz Rätjen und im Osten bis nach Pannonien, das heutige Ungarn, reichte.

Schon damals wurde so also die Grundlage für das durch die Geschichte hindurch sich abzeichnende Muster der provinziellen Nachbarschaft Österreichs mit den deutschen Ländern gelegt. Damals schon wurde uns aufgezeigt, wie sehr wir Nachbarn sind in einem Haus mit vielen Wohnungen.

Später dann, 568 , gelangten Teile des heutigen Österreich unter die Herrschaft der Bajuwaren, heute Bayern. Schließlich entstand das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, zu dem seit Karl dem Großen auch Sachsen, später Preußen und Brandenburg, gehörte. Karl der Große schützte sein Frankenreich im Osten durch Marken. Die Ostmark (791/796) wurde die Keimzelle des heutigen Österreichs.

976 -1246 erhielten zunächst die Babenberger den Hauptteil der Ostmark als Reichslehen. 1156 schuf Kaiser Friedrich I. Barbarossa das selbständige Herzogtum Österreich.

Gegen Mitte des 10. Jahrhunderts traten die Habsburger in Erscheinung. Das schwäbische Geschlecht Habsburg hatte Besitzungen am Oberrhein, dem Elsass sowie zwischen Aare und Reuß. Ihre Stammburg, die Habichtsburg, wurde über dem rechten Aarufer errichtet, in der heutigen Schweiz.

1273 wählten in Frankfurt am Main die deutschen Fürsten Graf Rudolf IV von Habsburg I einen der verm6gendsten Territorialherren Südwestdeutschlands zum Deutschen König, Rudolf I. Dieser belehnte seine Söhne mit Österreich und der Steiermark.

Durch geschickte Heiratspolitik und Erbschaften erweiterte sich der Besitz der Habsburger. Dazu gehörten ein großer Teil der heutigen Schweiz, später Spanien, Böhmen, Ungarn, Neapel-Sizilien, Kolonien in Amerika und die südlichen Niederlande. Das Reich der Habsburger Fürsten wurde zu einem Reich in dem die Sonne nicht unterging.

Aus dem Habsburger Geschlecht wurde nicht nur Rudolf I Deutscher König.1298 wird Albrecht I, 1314 Friedrich der Schöne und 1438 der Habsburger Albrecht II Deutscher König. Der Habsburger Karl I, König von Spanien, wird 1519 zum römisch-deutschen Kaiser Karl V.

Auch als Habsburg sich in die spanische und österreichische Linie spaltet, als die Erbfolgekriege beginnen, als Maria Theresia den Thron besteigt und damit die österreichischen Erbfolgekriege beginnen, ist Österreich noch immer Teil des großen Reiches.

Zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam es im großen Reich nicht oft. Kaiserin Maria Theresia musste sich allerdings gegen Preußen behaupten. Jedoch als die Kaiserin 1780 starb, schrieb Friedrich der Große: " Ich habe den Tod der Kaiserin- Königin bedauert: sie hat ihrem Thron und ihrem Geschlecht Ehre gemacht. Ich habe mit ihr Kriege geführt, aber ich war nie ihr Feind."  

Nur zwischen Tirol und Bayern gab es unter der Herrschaft Napoleons einen schlimmen Krieg. Ich kann nicht umhin, eine tapfere Frau aus dieser Zeit zu erwähnen, Therese von Sternbach. Als Witwe hatte sie ihr Erbe so vermehrt, dass sie als der Aufstand des Jahres 1809 losbrach, für die Kämpfenden reiche Vorräte bereit hatte. Als der Sieg der Tiroler die feindlichen Truppen zum Abzug zwang, geriet sie in Gefangenschaft und wurde mit der Drohung der Exekution nach Straßburg verschleppt. Sie gelangte jedoch wieder in Freiheit und erhielt 1821 eine Medaille vom österreichischen Kaiser als Anerkennung ihrer Tapferkeit.

Bis dahin zeigt uns die Geschichte ein immerwährendes Miteinander unserer beiden Nationen in einem große Reich. Eine Teilung in zwei Nationen begann, als sich 1804 Franz I zum Kaiser von Österreich erklärte und 1806 die römisch deutsche Kaiserkrone nieder legte.

1814/15 zeigte sich der starke Wunsch nach Gemeinsamkeit wieder als sich 39 Staaten im Wiener Kongress zum Deutschen Bund zusammen schlossen mit Österreich als eine der Führungsmächte.

Doch nun wurde die Konkurrenz zwischen Österreich und Preußen immer stärker. 1862 wird Bismarck preußischer Ministerpräsident und es folgten drei Kriege, die die Form des Reiches entschieden. Bismarck war Verfechter der kleindeutschen Lösung. Grenzen haben ihren Ursprung in den Herzen und Gedanken der Menschen. 1871 wurde das deutsche Kaiserreich und 1877 der norddeutsche Bund ohne Österreich gebildet.

Die neuere Geschichte ist uns allen sicher mehr im Bewusstsein.

Für mich war und ist es eine tiefe Erkenntnis, die die Geschichte uns vermittelt. Bis ins 19.Jahrhundert bildeten unsere beiden Staaten eine geschichtliche, kulturelle und religiöse Gemeinschaft .

Der Wunsch zusammen zu sein, den wir in uns spüren, das Verlangen eine Friedensbrücke zu bauen, beruht auf dieser, unserer gemeinsamen, Geschichte. Wir haben gemeinsame Wurzeln. Wir sind die Äste desselben Baumes.

Es ist also eine Besinnung notwendig über unsere Gemeinsamkeiten. Ich möchte Euch bitten, während unserer Friedensbrücke und im Gespräch miteinander unsere Wurzeln zu erforschen und zu stärken.

Aber wir müssen auch die Wunden heilen, die in den Kriegen, Kämpfen und Missverständnissen zwischen den Fürstentümern in der Zeit unserer gemeinsamen Geschichte entstanden sind. Wir müssen gemeinsam Verantwortung übernehmen für das Leid, dass andere Nationen erlitten haben unter den Kriegen, die wir gemeinsam geführt haben.

Die Politiker sprechen über die Einheit Europas. Durch Vereinbarungen wie eine gemeinsame Währung versuchen sie, die Länder einander näher zu bringen.

Aber wir wissen, dass äußere Formalitäten die Menschen nicht zusammen bringen. Nur auf der Ebene des Herzens kann Einheit entstehen. Das ist unser Weg und unsere Aufgabe. Den Weg, den wir als Frauen vorbereiten, müssen unsere Männer und Familien folgen. Wir als Frauen, die Schwestern sein möchten, können den inneren Zusammenhang unserer Länder stärken und erneuern.

Unsere Länder zusammen sind ein wunderbares Land prädestiniert durch unsere Geschichte, ein Bindeglied für die Einheit Europas zu sein.

In jedem Bereich unseres Lebens können wir uns die Hände reichen, als Frauen und Mütter, in Dichtung, Musik, Kunst, Politik, Wissenschaft Lasst uns die faszinierende Zukunft entdecken und gestalten.

Ich freue mich darauf mit Euch diesen Weg zu gehen, in Worten, im Herzen und in Taten.

Dank Eurer Einladung dürfen wir ein Teil Eurer Heimat kennen lernen. Von der Frauenföderation Deutschland möchte ich Euch einen Bildband über Deutschland überreichen.

Unsere Heimat ist Eure Heimat.

Vielen Dank

 

Ingrid Lindemann  

Zusammengestellt von Renate Amesbauer

 

 Zur Seiten Anfang

Mit Herz und Hand ist die Online Zeitschrift der 
Österreichischen Frauenföderation für Weltfrieden

Redaktion: Renate Amesbauer
Freie Mitarbeit: Mag. Maria Pammer, Ingrid Hauseder,  Therese Heitzinger,

 

Die Österr. Frauenföderation für Weltfrieden (OEFF) (Z.V.R. 367192876) arbeitet als nicht-staatliche Organisation mit allgemein beratendem Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen,
ist ein Teil der Internationalen WFWP (NGO in general consultative status with the Economic and Social Council of the UN) www.herzundhand.at

The Women's Federation for World Peace - Austria (WFWP-Austria) is registered in Austria as a not for profit organisation (Die Österr. Frauenföderation für Weltfrieden) with registration number: Z.V.R. 367192876. WFWP-Austria is the Austrian local chapter of WFWPI an NGO in general consultative status with the Economic and Social Council of the UN and in association with UN Department of Public Information. www.wfwp.org

Kontaktadressen  Newsletter