BRÜCKE DES FRIEDENS
Deutschland
– Österreich
25. –26. Mai
2002, SEEBENSTEIN/ NÖ
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Einleitung
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Langersehnt
und endlich gelungen fand die Österreichisch – Deutsche
Schwesternschaft im Frühsommer im nun wieder aktivierten Seminarzentrum
„Haus Regenbogen“ statt. Mancherorts war die Frage zu hören: Warum so
spät, warum erst jetzt?... Mögt ihr einander nicht?... Von Seiten Der
Österr. Frauenföderation ist das Gegenteil der Fall gewesen – es gab
immer einen Austausch, Zusammenarbeit (nicht zuletzt tragen unsere
Zeitungen den gleichen Namen), etc.. Nach meinem Empfinden gab es
brennendere Anliegen nachdem mit der „Brücke des Friedens“ in Europa
begonnen wurde: Wir in Österreich „kümmerten uns um unsere
osteuropäischen Nachbarn, da von dort her auch kurz nach der Öffnung ein
sehr reges Interesse an Austausch vorhanden war.
In Deutschland gab es ebenfalls zahlreiche „Friedensbrücken“ mit Polen,
Russland, etc... Österreich und Deutschland leben wie selbstverständlich als
Schwestern nebeneinender, und dennoch wie gut tut es, sich noch besser und
bewusster kennen zu lernen! In mir bleibt immer ein Eindruck eines historischen
Ereignisses , trotz der Einfachheit der Umgebung, in die wir als „kleine
Schwester“ die „große“ einluden.
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Ingrid Lindemann – Ophelia
Wressnig |
| Die Wahl der
Paare überließen wir – wie schon so oft - dem Zufall, oder richtiger gesagt
einer höheren Fügung: Oder wie sonst ist es zu erklären, dass Ophelia, sie
kommt aus Spanien und ist in Österreich verheiratet und kämpft noch immer mit
der deutschen Sprache und wollte aus diesem Grund beinahe nicht teilnehmen, mit
der einzigen deutschen Frau der Runde zusammenkam, die auf grund eines 17jährigen
Aufenthaltes in Uganda Spanisch sprechen konnte!? Uns als Organisatoren war dies
nicht bekannt. Ich habe schon so oft die Freude der Frauen mit ihren
Schwestern erlebt, und die tiefe Bedeutung, die sie in dem Zusammenkommen mit
eben dieser Frau erkennen. Es berührt mich stets aufs neue und zeigt mir
zugleich, dass die „Brücke des Friedens“ ein uns von Gott gegebenes
Werkzeug ist um Bausteine für eine Welt des Friedens zu legen.
Wie immer
wurde jede Gelegenheit zu Gespräch und Diskussion (zu den Themen
ERZIEHUNG,
ALLTAGSBEWÄLTIGUNG und PARTNERSCHAFT) von den Teilnehmerinnen mit großem
Interesse wahrgenommen. |
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Renate Amesbauer |
| Im
Folgenden weitere Erlebnisberichte und Inhalte der Vorträge
Erlebnisberichte
Heide
Schwarzl
Elvira Ebinger
Irmgard Mäntler
Vorträge
Ingrid
Lindemann
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Impressionen
zur "Brücke des Friedens" zwischen Deutschland und Österreich
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Nun
ist endlich auch mit Deutschland eine "Brücke des Friedens"
errichtet. Warum dauerte es so
lange, bis deutsche und österreichische Frauen sich zu diesem
schönen Brauch zusammenfanden? Vielleicht weil sie so ähnlich und doch
anders sind; auf eine gemeinsame und doch getrennte Geschichte blicken; die
gleiche und doch nicht dieselbe Sprache sprechen ... Ein Sessel ist kein Stuhl,
der Kübel heißt Eimer, statt Marillen gibt es Aprikosen: Es sind kleine
Verschiebungen, die allzu oft zu Verwerfungen führen.
Ich
habe mein halbes Leben in Deutschland verbracht, liebe beide Länder und empfinde
schmerzlich eine gegenseitige Ahnungs- und Achtlosigkeit. Die Frauenföderation
wagte den Versuch, diese Mauer aus Vorurteilen und Desinteresse
niederzureißen.
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Susanna Ingramm – Heide Schwarzl |
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Am
25. Mai trafen sich rund 50 Frauen aus beiden Ländern in Seebenstein und wurden
zu Freundinnen-Paaren zusammengelost. Wer wird meine "Schwester" sein?
- Susanne! Gefährtin aus alter
Zeit, mit der ich eine Weile das Schicksal
teilte! Gut siehst du aus, was macht dein Mann, die Kinder? Was, du
hast auch schon Enkelkinder?
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| Ein
vertrautes Gesicht nach dem anderen taucht auf. Rita Seewald, langjährige
Leiterin der deutschen Frauenföderation für Weltfrieden, Ingrid Lindemann,
die jetzt die Organisation leitet, unterstützt von Christine Sato.
Elizabeth Riedl hat, ähnlich wie ich, vor kurzem den Umsprung von Deutschland
nach Österreich gemacht und widmet sich internationalen Projekten.
Durch
das offizielle Programm führt freundlich-souverän Elisabeth Brandner. Nach
der Begrüßung durch die neue österreichische Vorsitzende, Frau Renate
Amesbauer,
folgen zwei historische Betrachtungen. Zunächst bringt Dr. Maria Riehl
den deutschen Gästen die große Kaiserin Maria Theresia näher - sie ist in
deutschen Geschichtsbüchern nur eine Randfigur. Dann überrascht Ingrid Lindemann
mit einem geschichtlichen Abriss, der ein recht wechselvolles Mit- und
Gegeneinander aufzeigt; wirkliche Feinde waren wir jedoch nie. |
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Rita Seewald – Esther
Brauneder
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Das
liebliche parkähnliche Gelände lockt ins Freie. Überall plaudernde Grüppchen,
Fotos und Geschichten werden ausgetauscht. dankbar genießen alle die
Chance, die "unbekannte Nachbarin" endlich kennenzulernen. Die liebevolle
Bewirtung trägt zum Wohlbefinden bei.
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Schließlich
der Festakt. Über die symbolische Brücke des Friedens werden die Schwesternpaare
zusammengeführt. Nach einer ehrerbietigen Verbeugung werden Rosen
und Umarmungen ausgetauscht, Hand in Hand schreitet man weiter. Es packt
mich, ich empfinde den Hauch der Geschichte. Ja, wir können gute Schwestern
sein, die Verschiedenartigkeit respektieren, Frieden statuieren.
Während
des "bunten Abends" mit Musik und Gesang blende ich mich langsam aus,
kann auch am nächsten Tag beim Sightseeing in Wien nicht dabei sein. Man
wandelte auf den Spuren des imperialen Wien von der Gloriette hinab zum Schloss
Schönbrunn, dann vom Stephansdom über den Graben zur Hofburg und weiter,
so weit die müden Beine trugen. Die lange Autoreise nach München, Dresden,
Stuttgart, Frankfurt und weiter ist gut verlaufen, hörte ich. Kommt doch
wieder, und bewahrt euch diesen Funken des Friedens, der hier gezündet wurde,
und der in meinem Herzen wunderbar versöhnlich nachwirkt.
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Heide
Schwarzl,
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Am letzten
Mai-Wochenende (25./26.5.2002) fand eine Verschwesterung der „besonderen
Art“ statt: die lange geplante und endlich realisierte Begegnung deutscher und
österreichischer Frauen!
Dazu muss ich
folgendes sagen. Ich bin deutsche Staatsbürgerin und lebe seit 1983 in Österreich
bzw. Wien, wo ich geheiratet und meine Kinder geboren habe. Nach so langer Zeit
fühle ich mich irgendwie schon als Österreicherin. Und als ich von manchen
Freundinnen gefragt worden bin, für welches Land ich mich zur Verfügung
stellen würde, kam es doch ein bisschen entrüstet von mir: „natürlich für
Österreich!“
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Ich hatte mich
auch schon darauf eingestellt, evtl. eine deutsche „Schwester“ zu bekommen.
Womit ich auch einverstanden gewesen wäre, da ich außer zu meinen Verwandten,
eigentlich kaum Kontakte in Deutschland habe.
Aber es kam
anders! Ich zog das Los Nr. 13 (eine Glückszahl, seit meine Tochter an einem
13. geboren wurde) und suchte nach der Frau, die ebenfalls die 13 gezogen hatte.
Und nachdem wir uns kennen lernten, stellte sich heraus, dass sie (Brigitte)
eine Steirerin ist und schon lange in Deutschland lebt! Also genau umgekehrt wie
bei mir. Darüber haben wir uns sehr gefreut. Am anderen Tag, als die Frauen
nach Wien kamen, stellte ich ihr meine Familie vor. Wir sind fast gleich alt und
haben beide zwei Kinder (je einen Buben und ein Mädchen) in fast dem gleichen
Alter und haben auch innerlich einige Übereinstimmungen feststellen können.
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| Margot Wiesner -
Dietlind Bauch |
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Beim gemeinsamen
Mittagessen kamen wir so richtig in Schwung. Ich erzählte von den Erfahrungen
einer deutschen Hausfrau, wenn sie in Österreich einkaufen will (Karfiol =
Blumenkohl etc.). Besonders für die norddeutschen Frauen waren viele
Bezeichnungen völlig neu und wir haben viel gelacht. Das lockte Brigitte aus
der Reserve und sie gab ein ursteirisches Lied zum besten: „Was is heit für a
Tag, heit is Knödeltag.“
Dazu haben wir
geklatscht und den Refrain mitgesungen. So entspannt und ausgelassen war ich
schon lange nicht mehr und ich denke gerne an dieses Wochenende zurück!
Elvira Ebinger
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BEGEGNUNG MIT
MEINER DEUTSCHEN SCHWESTER
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Wie meine
Situation so ist (vier Kinder und einen beruflich überlasteten Ehemann) konnte
ich erst am Nachmittag nach Seebenstein kommen.
Ich hatte bereits
große Sehnsucht meine vertrauten deutschen Schwestern wieder zu sehen. Schließlich
bin ich ja selbst Deutsche und wir hatten auch noch als Familie 6 Jahre in Gießen
gelebt. In dieser Zeit besonders waren einige tiefe Beziehungen entstanden, die
ich sehr vermisste als wir nach Österreich zogen. So freute ich mich schon sehr
auf das eine oder andere Wiedersehen!
Als ich ankam saßen
alle bereits beim Mittagessen. Ich wollte mich nicht gleich in die Menge stürzen
und blieb auf der Terrasse sitzen. Nach und nach begrüßten mich die Frauen und
mit den Bekannten gab es eine große Wiedersehensfreude.
Meine Schwester,
die ich zog, war leider nicht persönlich anwesend; sie hatte einen Brief mit
Foto mitgeschickt, um so an der Verschwesterung teilnehmen zu können. Sie lebt
in der Nähe von Gießen. Ich hoffe sie durch brieflichen Kontakt besser kennen
lernen zu können. Für mich war es nicht so schlimm, dass sie nicht anwesend
war, denn so konnte ich mich uneingeschränkt meinen alten Freundinnen widmen:
z.B.: Sarah Zimmermann – ihr fühle ich mich besonders verbunden, da sie wie
ich vier Söhne hat und all die Herausforderungen kennt, die dieser Umstand in
sich birgt. Sie ist mir wie eine jüngere Schwester.
Christine
Sato,
deren innere Tiefe ich sehr schätze; Brigitte Makkonen , deren geradliniges
Denken mich immer wieder überrascht Auch Rita Seewald ist für mich eine
erstaunliche Frau mit viel Erfahrung und Durchblick.
Die
Schwesternschaftszeremonie selbst verlief mit viel Herzlichkeit, obwohl der äußere
Rahmen eher einfach gehalten war. Ich halte es für Historisch sehr
wichtig, dass Deutschland und Österreich sich mehr kennen lernen, und in
Zukunft vielleicht auch mehr zusammen arbeiten.(vor allem auch innerhalb der
Vereinigungskirche) Ich wunderte mich in all den Jahren seit
Schwesternschaftszeremonien gefeiert werden, dass es noch zu keinem
treffen zwischen Deutschland und Österreich kam. Ich persönlich sehnte mich
immer nach der großen Schwester –Deutschland....
Historisch
gesehen hat sich sicherlich einiges ereignet, was der Aufarbeitung bedarf. Wie
mir einige Frauen sagten, gab es bisher für sie noch wenig Erfahrungs- und Berührungspunkte.
So sehe ich in diesem Zusammentreffen wichtige erste Schritte für gegenseitige
Wertschätzung und weitere Zusammenarbeit.
Ich selbst habe
Sehnsucht bekommen als Deutsche das Land Österreich noch mehr kennen und lieben
zu lernen, wie auch das Herz der Frauen, die hier leben!
Insgesamt war
es
für mich besonders schönes und gelungenes Treffen unter Frauen und ich danke
allen, die am Zustandekommen mitgewirkt haben. Ebenso den Ehemännern, die
beriet waren auf die Kinder zu schauen, so dass wir Frauen ein so schönes
Erlebnis miteinander haben konnten!
Besonders berührte
mich die Erfahrung, dass die tiefen Beziehungen der „Gießener Jahre“ frisch
waren wie wenn wir uns gestern zuletzt gesehen hätten, dabei lagen Jahre
dazwischen, in denen wir uns nicht gesehen und kaum geschrieben hatten. Es war
wie ein kleiner blick in die Ewigkeit.
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Irmgard Mäntler |
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| Liebe
Freundinnen, liebe Schwestern,
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| Von
ganzem Herzen möchte ich Euch alle hier in Seebenstein begrüßen. Zusammen möchten
wir heute an der Schaffung der internationalen Friedensbrücke teilnehmen.
Als
erstes möchte ich euch die Glückwünsche von Frau Tina Coombs, der Vizepräsidentin
der Frauenföderation International für Europa ausrichten. Sie begleitet uns an
diesem Wochenende mit ihren Gedanken und ihrem Herzen.
Noch
mehr Frauen aus Deutschland wären gerne mitgekommen. Ich möchte Euch die Grüße
aller Frauen der Frauenföderation Deutschland übermitteln.
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Ingrid
Lindemann – Renate Amesbauer
Deutschland – Österreich (Nat. Repräsentation) |
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Ich
danke den Frauen der Frauenföderation Österreich für ihre Einladung und die
liebevolle Vorbereitung unseres Treffens.
Schon
lange habe ich mir dieses Zusammentreffen mit Frauen aus Österreich gewünscht.
Im ersten Gespräch mit Frau Dr. Maria Riehl über dieses Thema vor nun schon 2
Jahren ergab sich, dass auch sie diesen Wunsch verspürte. Ich bin überzeugt,
dass dies kein Zufall war, so auch wie unser Zusammentreffen heute kein Zufall
ist.
Die
Friedensbrücken haben immer zwischen ehemals verfeindeten Nationen als Zeichen
der Reue, Vergebung und Versöhnung stattgefunden. Jedoch Österreich und
Deutschland waren in den letzten Kriegen keine Feinde.
Warum
also bestand denn dieser so starke Wunsch in uns, diese Friedensbrücke zwischen
Deutschland und Österreich zu verwirklichen? War es die Schönheit des Landes,
die großen Musiker, Schriftsteller, die Frauen, die die Geschichte Österreichs
geprägt haben? Waren es die berühmten Kaffeehäuser als Keimzelle des
kulturellen Lebens? Oder waren es die Frauen aus Osterreich, die mir in meinem
persönlichen Leben viel bedeutet haben und bedeuten?
Sicher
hatte all dies einen Einfluss, jedoch spürte ich, dass die Begründung tiefer
lag. Also machte ich einen Abstecher in die Geschichte.
Ich
muss gestehen, ich wusste kaum etwas über die Geschichte Österreichs und
seinem Verhältnis zu Deutschland. Die ersten Recherchen verwirrten mich mehr,
als dass sie mir Klarheit gebracht hätten. Doch nach weiterem Suchen und
Forschen in der Geschichte Österreichs empfand ich große Freude und Hoffnung für
unsere gemeinsame Zukunft.
Erlaubt
mir, Euch etwas von meinen Erlebnissen bei der Reise durch die Geschichte zu erzählen.
Teile
des heutigen Österreichs zählen zu den ältesten Siedlungsräumen in Europa.
Die Römer gelangten im Jahre 15 v.Chr. bis an die Donau und errichteten die
Provinz Noricum, die im Westen bis an die Provinz Rätjen und im Osten bis nach
Pannonien, das heutige Ungarn, reichte.
Schon damals wurde so also die Grundlage für das
durch die Geschichte hindurch sich abzeichnende Muster der provinziellen
Nachbarschaft Österreichs mit den deutschen Ländern gelegt. Damals schon wurde
uns aufgezeigt, wie sehr wir Nachbarn sind in einem Haus mit vielen Wohnungen.
Später dann, 568 , gelangten Teile des heutigen Österreich
unter die Herrschaft der Bajuwaren, heute Bayern. Schließlich entstand das
Heilige Römische Reich Deutscher Nation, zu dem seit Karl dem Großen auch
Sachsen, später Preußen und Brandenburg, gehörte. Karl der Große schützte
sein Frankenreich im Osten durch Marken. Die Ostmark (791/796) wurde die
Keimzelle des heutigen Österreichs.
976 -1246 erhielten zunächst die Babenberger den
Hauptteil der Ostmark als Reichslehen. 1156 schuf Kaiser Friedrich I. Barbarossa
das selbständige Herzogtum Österreich.
Gegen Mitte des 10. Jahrhunderts traten die Habsburger
in Erscheinung. Das schwäbische Geschlecht Habsburg hatte Besitzungen am
Oberrhein, dem Elsass sowie zwischen Aare und Reuß. Ihre Stammburg, die
Habichtsburg, wurde über dem rechten Aarufer errichtet, in der heutigen
Schweiz.
1273 wählten in Frankfurt am Main die deutschen Fürsten
Graf Rudolf IV von Habsburg I einen der verm6gendsten Territorialherren Südwestdeutschlands
zum Deutschen König, Rudolf I. Dieser belehnte seine Söhne mit Österreich und
der Steiermark.
Durch geschickte Heiratspolitik und Erbschaften
erweiterte sich der Besitz der Habsburger. Dazu gehörten ein großer Teil der
heutigen Schweiz, später Spanien, Böhmen, Ungarn, Neapel-Sizilien, Kolonien in
Amerika und die südlichen Niederlande. Das Reich der Habsburger Fürsten wurde
zu einem Reich in dem die Sonne nicht unterging.
Aus
dem Habsburger Geschlecht wurde nicht nur Rudolf I
Deutscher König.1298 wird Albrecht I, 1314 Friedrich der Schöne und
1438 der Habsburger Albrecht II Deutscher König. Der Habsburger Karl I, König
von Spanien, wird 1519 zum römisch-deutschen Kaiser Karl V.
Auch als Habsburg sich in die spanische und österreichische
Linie spaltet, als die Erbfolgekriege beginnen, als Maria Theresia den Thron
besteigt und damit die österreichischen Erbfolgekriege beginnen, ist Österreich
noch immer Teil des großen Reiches.
Zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam es im großen
Reich nicht oft. Kaiserin Maria Theresia musste sich allerdings gegen Preußen
behaupten. Jedoch als die Kaiserin 1780 starb, schrieb Friedrich der Große:
" Ich habe den Tod der Kaiserin- Königin bedauert: sie hat ihrem Thron
und ihrem Geschlecht Ehre gemacht. Ich habe mit ihr Kriege geführt, aber ich
war nie ihr Feind."
Nur zwischen Tirol und Bayern gab es unter der
Herrschaft Napoleons einen schlimmen Krieg. Ich kann nicht umhin, eine tapfere
Frau aus dieser Zeit zu erwähnen, Therese von Sternbach. Als Witwe hatte sie
ihr Erbe so vermehrt, dass sie als der Aufstand des Jahres 1809 losbrach, für
die Kämpfenden reiche Vorräte bereit hatte. Als der Sieg der Tiroler die
feindlichen Truppen zum Abzug zwang, geriet sie in Gefangenschaft und wurde mit
der Drohung der Exekution nach Straßburg verschleppt. Sie gelangte jedoch
wieder in Freiheit und erhielt 1821 eine Medaille vom österreichischen Kaiser
als Anerkennung ihrer Tapferkeit.
Bis dahin zeigt uns die Geschichte ein immerwährendes
Miteinander unserer beiden Nationen in einem große Reich. Eine Teilung in zwei
Nationen begann, als sich 1804 Franz I zum Kaiser von Österreich erklärte und
1806 die römisch deutsche Kaiserkrone nieder legte.
1814/15 zeigte sich der starke Wunsch nach
Gemeinsamkeit wieder als sich 39 Staaten im Wiener Kongress zum Deutschen Bund
zusammen schlossen mit Österreich als eine der Führungsmächte.
Doch nun wurde die Konkurrenz zwischen Österreich und
Preußen immer stärker. 1862 wird Bismarck preußischer Ministerpräsident und
es folgten drei Kriege, die die Form des Reiches entschieden. Bismarck war
Verfechter der kleindeutschen Lösung. Grenzen haben ihren Ursprung in den
Herzen und Gedanken der Menschen. 1871 wurde das deutsche Kaiserreich und 1877
der norddeutsche Bund ohne Österreich gebildet.
Die
neuere Geschichte ist uns allen sicher mehr im Bewusstsein.
Für mich war und ist es eine tiefe Erkenntnis, die
die Geschichte uns vermittelt. Bis ins 19.Jahrhundert bildeten unsere beiden
Staaten eine geschichtliche, kulturelle und religiöse Gemeinschaft .
Der Wunsch zusammen zu sein, den wir in uns spüren,
das Verlangen eine Friedensbrücke zu bauen, beruht auf dieser, unserer
gemeinsamen, Geschichte. Wir haben gemeinsame Wurzeln. Wir sind die Äste
desselben Baumes.
Es ist also eine
Besinnung notwendig über unsere Gemeinsamkeiten. Ich möchte Euch bitten, während
unserer Friedensbrücke und im Gespräch miteinander unsere Wurzeln zu
erforschen und zu stärken.
Aber wir müssen auch die Wunden heilen, die in den
Kriegen, Kämpfen und Missverständnissen zwischen den Fürstentümern in der
Zeit unserer gemeinsamen Geschichte entstanden sind. Wir müssen gemeinsam
Verantwortung übernehmen für das Leid, dass andere Nationen erlitten haben
unter den Kriegen, die wir gemeinsam geführt haben.
Die
Politiker sprechen über die Einheit Europas. Durch Vereinbarungen wie eine
gemeinsame Währung versuchen sie, die Länder einander näher zu bringen.
Aber wir wissen, dass äußere Formalitäten die
Menschen nicht zusammen bringen. Nur auf der Ebene des Herzens kann Einheit
entstehen. Das ist unser Weg und unsere Aufgabe. Den Weg, den wir als Frauen
vorbereiten, müssen unsere Männer und Familien folgen. Wir als Frauen, die
Schwestern sein möchten, können den inneren Zusammenhang unserer Länder stärken
und erneuern.
Unsere
Länder zusammen sind ein wunderbares Land prädestiniert durch unsere
Geschichte, ein Bindeglied für die Einheit Europas zu sein.
In
jedem Bereich unseres Lebens können wir uns die Hände reichen, als Frauen und
Mütter, in Dichtung, Musik, Kunst, Politik, Wissenschaft Lasst uns die
faszinierende Zukunft entdecken und gestalten.
Ich
freue mich darauf mit Euch diesen Weg zu gehen, in Worten, im Herzen und in
Taten.
Dank Eurer Einladung dürfen wir ein Teil Eurer Heimat
kennen lernen. Von der Frauenföderation Deutschland möchte ich Euch einen
Bildband über Deutschland überreichen.
Unsere
Heimat ist Eure Heimat.
Vielen
Dank
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Ingrid
Lindemann
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Zusammengestellt von Renate
Amesbauer
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