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Damit
die Liebe wachsen kann
Siegfried Klammsteiner
..... Unser letzter Sprecher am Vormittag war Herr Siegfried Klammsteiner,
Frankfurt. Er ist seines Zeichens Familienberater. In Vorträgen und
persönlichen Beratungsgesprächen hat er vielen Paaren und Einzelpersonen
Auswege aus schwierigen Familiensituationen und neue Hoffnung geschenkt. Er
stammt aus Südtirol und studierte Medizin in Innsbruck. Dort erkannte er, daß
oft der Leib krank wird weil schmerzliche zwischenmenschliche Beziehungen die
Seele krank machen. Herr Klammsteiner sprach über die Entfaltung der
emotionalen Inteligenz, einer ganz neuen Definition von Intelligenz.
Siegfried Klammsteiner,
Familienberater:
Man möchte Dinge fundiert
behandeln, aber ich werde sie (wegen der Kürze der zur Verfügung stehenden
Zeit) nur anreißen können. Das was den Menschen wirklich zum Menschen macht,
ist die Fähigkeit zu lieben. Die Liebesfähigen finden nicht nur ihr eigenes Glück
sondern beglücken auch andere, die in ihren Einflußbereich geraten. Wir alle fühlen
uns wohl, wenn wir in der Nähe von Menschen sind, die wirklich fähig sind über
sich, ihren eigenen Egoismus hinauszugehen und die Anliegen und Bedürfnisse der
anderen wahrnehmen und sich dafür mit einbringen.
Es ist natürlich auch eine absolut
wichtige Grundlage für die Ehebeziehung, daß man fähig ist, füreinander da
zu sein und nicht nur für sich selbst. Man fragt sich immer wieder - wie
passiert das, so viele Ehen werden geschieden, vor allem hier bei uns im Westen
- entgegengesetzt zum Alten China, wie wir eben gehört haben: dort kam zuerst
die Ehe und dann die Liebe. Hier haben wir die feste Tradition der romantischen
Ehe, das heißt Paare verlieben sich und entscheiden sich dann zu heiraten.
Eigener Entschluß, Freiwilligkeit ist Voraussetzung. Trotzdem haben wir so hohe
Scheidungsraten. Nach einer gewissen Zeit verfliegen die positiven Gefühle und
so viele verhärtete Situationen treten auf.
Als Familienberater bin ich da
mitten drin. Man sieht Ehen, die beinahe schon gescheitert sind oder wo der
verzweifelte Versuch da ist, die Ehe noch zu retten. In diesen
Auseinandersetzungen gibt es immer wieder so viele Emotionen - Verletzungen,
Enttäuschungen und die Unfähigkeit, mit diesen Gefühlen umzugehen. Daran
scheitern dann die Beziehungen. Deswegen sehe ich es schon als eine ganz
wesentliche Komponente, als eine ganz wesentliche Voraussetzung, intelligent mit
seinen Emotionen umgehen zu können, damit die Liebesbeziehungen überhaupt
gelingen können.
Nun - kochen vor Wut, kalte Angst,
Freude, die das Herz wärmt - Emotionen sind ein zentraler Bestandteil unseres
Lebens. Richtig damit umzugehen ist eine wahre Kunst - wobei der Umgang mit den
positiven Gefühlen wie:
Lust, Freude, Genuß, Befriedigung,
Genugtuung, Erwartung, Hoffnung, Zuversicht, Auftrieb, Beschwingtheit,
Erleichterung, Befreiung, Gleichmut, Ruhe, Freundlichkeit, Gelassenheit,
Sicherheit usw. - keine Schwierigkeiten macht, oder zumindest empfinden wir es
nicht so. Anders ist es mit den sogenannten negativen Empfindungen und Emotionen
wie:
Unlust, Widerwille, Ekel,
Unbefriedigung, Ärger, Apathie, Hoffnungslosigkeit, Zweifel, Bedrücktheit,
Kummer, Trauer, Schwermut, Zorn, Unfreundlichkeit, Unruhe, Gehetztheit, Angst,
Unsicherheit, Neid, Haß, Ressentiment usw. - das ist die eigentliche
Problematik: Wie gehe ich damit um? Darüber hinaus spricht man von den
unverarbeiteten Gefühlen und Erlebnissen in Form von „verdrängtem
Material", oder „Energetischen Nebenzentren", die uns die Handhabung
der Gefühle ganz schön schwer machen.
Lange Zeit galt der
Intelligenzquotient als die wichtigste Komponente bei der Bewertung ob ein
Mensch erfolgreich sein wird oder nicht. Das hat sich vor allem im Westen
herauskristallisiert und das hat seine Geschichte. Wir haben die Renaissance,
danach die Aufklärung in der vor allem die Vernunft des Menschen als
wesentlichster Aspekt gesehen wurde. Wir haben die Früchte dieser Entwicklung,
den wirtschaftlichen Fortschritt und wir haben den Glauben, sozusagen mit der
Vernunft kann man alles regeln und ein intelligenter Mensch hat alles in der
Hand, was er für sein Leben braucht.
Aber mehr und mehr hat man erkannt,
daß neben dem Intellekt eine andere Komponente für das glückliche
Zusammenleben eine wesentliche Rolle spielt und das ist der emotionale Bereich.
Und so haben in Anlehnung an den Intelligenzquotient Peter Salkovey und John
Mayer, amerikanische Psychologen, den Begriff „Emotionale Intelligenz"
geprägt. Das ist ein Ausdruck dessen, wie sehr man inzwischen begriffen hat,
welch wichtige rolle nicht nur der Intellekt des Menschen spielt, sondern eben
auch die emotionale Seite des Menschen. Der Psychologe Daniel Goleman hat es
dann wunderbar zusammengefaßt in einem Buch, das sehr vielen schon bekannt ist,
mit dem Titel „Die emotionale Intelligenz".
Goleman erklärt u. a., daß man im
Berufsleben meistens auf Grund des Intelligenzquotienten eingestellt wird, aber
befördert wird man aufgrund des Emotionalen IQ, d. h. die Art und Fähigkeit,
wie man es versteht, mit Kollegen umzugehen, wie man sich im Miteinander verhält.
Auch im Management ist „Intelligenz pur" - das ganz kalte, berechnende
Vorankommen gar nicht mehr so gefragt, sondern Teamgeist und die Fähigkeit,
Konflikte zu lösen, diese Elemente spielen mehr und mehr einen wichtige Rolle.
Er nennt für die emotionale Intelligenz fünf Fähigkeiten, die uns emotional
intelligent machen. An diesen möchte ich mich heute hier orientieren. Und ich
muß sagen, sie haben mir schon sehr, sehr geholfen bei der Bewertung und bei
der Entschlüsselung und Entwirrung von emotionalen Problemen in den Beziehungen
Ratsuchender und auch mir selbst um meinen Emotionshaushalt besser zu handhaben.
1. Die Emotionen erkennen,
oder besser gesagt: Achtsamkeit - sie zu beachten. Sehr lange hatte man die
Auffassung - vor allem auch in Deutschland - daß man mit starkem Willen und
Disziplin seine Persönlichkeit unter Kontrolle behalten kann - man sollte sich
Gefühle einfach nicht erlauben, sie einfach zu verdrängen durch harte, klare,
starke Disziplin. Aber man erlebte immer wieder, daß in unkontrollierten
Momenten diese verdrängten, und nicht zugelassenen Gefühle wie Pferde mit
einem davon galoppierten.
Wer seine Gefühle wahrnimmt und
lernt, darüber nachzudenken, ob er gerade Wut, Scham oder verletzte Eitelkeit
in sich spürt, beherrscht die hohe Kunst der Achtsamkeit. Dies ist die
Voraussetzung für eine Art Selbstkontrolle, für Goleman ein Eckpfeiler der
emotionalen Intelligenz. Dazu gehört eben, sich der eigenen Gefühle in dem
Augenblick, da sie auftreten, bewußt zu sein. Auf den ersten Blick scheinen
unsere Gefühle etwas Offenkundiges zu sein, aber wenn wir es uns etwas genauer
überlegen, fällt uns auf, daß wir bisweilen gar nicht bemerkt haben, was wir
wirklich empfanden oder daß wir diese Gefühle erst nachträglich wahrnahmen.
Achtsamkeit bedeutet, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: absichtlich
und nicht urteilend. Es bedeutet, uns unserer Stimmung als auch unserer Gedanken
über diese Stimmungen bewußt zu sein. Das Schwierigste dabei ist, zu erfassen,
warum wir eine solche Basis in uns haben, die uns zu entsprechenden Reaktionen
veranlaßt.
Wodurch wird unser Emotionsbereich
geprägt und geformt? In diesem Bereich spielt die Erfahrung der Kindheit eine
ganz wesentliche Rolle. Wir saugen die Emotionen unserer Eltern geradezu auf und
später, wenn wir z. B. in der selben Situation wie die Eltern sind, tauche sie
wieder auf. Wir sind leichter in der Lage, unser Verhalten zu verändern und
nicht fortzusetzen, wenn uns diese Zusammenhänge bewußt sind. Wenn wir zudem
in der Lage sind, den Eltern trotz dieser Erfahrung zu verzeihen und wenn wir
ihnen Nicht Vorwürfe machen oder sie wegen ihrer Unzulänglichkeit
beschuldigen, haben wir gute Möglichkeiten, uns davon zu lösen und uns neue
Verhaltensweisen anzueignen.
Es gibt viele Verhinderer einer
direkten Gefühlswahrnehmung. Eine ganz wesentliche ist ein starres
Selbstkonzept, das wir von uns haben. Habe ich zum Beispiel das Selbstbild,
„Ich bin ein Mann, der seine Frau und seine Kinder und seine Eltern
liebt" - dann kann ich Aufwallungen von Bitterkeit und Haß ihnen gegenüber
mir selbst nicht zugestehen und kann mit diesen Gefühlen nicht vernünftig
umgehen. Eine Hilfe, Emotionen zu erkennen und zu verstehen, ist sie zu
benennen, sie mitzuteilen, sie auszudrücken. Natürlich ist das leichter in
einer Atmosphäre des Vertrauens, der Offenheit und Ehrlichkeit. Das zeigt uns
einmal mehr, wie wichtig die emotionale Basis für die Kommunikation ist.
2. Für die eigenen Gefühle Verantwortung übernehmen:
Aufbauend auf dem Aspekt der Achtsamkeit folgt eine gewisse Kultiviertheit im
Umgang mit den Emotionen. Wie schwierig der intelligente Einsatz der Gefühle
ist, beschrieb schon Aristotoeles: „Jeder kann wütend werden, das ist leicht.
Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit,
zum richtigen Zweck und auf die richtige Art - das ist nicht leicht."
Benjamin Franklin hat das so schön
formuliert: „Wir sind nie grundlos wütend, aber selten aus einem guten
Grund."
Eine Kultiviertheit im Umgang mit
den Gefühlen beginnt damit, daß wir für unsere Gefühle Verantwortung übernehmen.
Jeder ist für seine Gefühle selbst verantwortlich! Gewisse Umstände oder
andere Personen sind zwar immer wider der Auslöser bestimmter Emotionen, welche
Gefühle wir jedoch zulassen, dafür sind wir selbst verantwortlich. Wenn wir
diese Verantwortung nicht übernehmen, werden wir zu Wesen, die fremdbestimmt
sind. Genau diese Abhängigkeit ist es, die uns innerlich unfrei macht und die
wir dann heftigst bekämpfen. Da wir nicht selbst dafür Verantwortung übernehmen,
versuchen wir, die Umstände zu ändern oder klagen die Personen an, die in uns
ganz bestimmte Gefühle hervorrufen.
Wie wertvoll ist es, zu lernen, die
eigenen Gefühle zu managen, die Impulse in der richtigen Weise zu
kontrollieren, zeigt uns das Experiment, das der US-Psychologe Walter Mischel in
San Francisco durchführte und zwar an Kindern in einem Kindergarten. Den
Kindern wurde gesagt, daß sie einen Marshmallow sofort bekommen könnten, aber
wenn sie 20 Minuten warten würden, bis der Versuchsleiter etwas erledigt hätte,
dann bekommen sie zwei Marshmallows. Ein Drittel der Kinder wollte nicht warten
und griff sofort zu, eine weiteres Drittel wartete wenige Minuten und der Rest
der Kinder harrte aus um sich zwei Marshmallows holen zu dürfen. 14 Jahre später
wurden dieselben Kinder wieder untersucht und es ergab sich, daß die
Geduldigeren von ihnen, später beliebter, unternehmungslustiger, selbstbewußter
und verläßlicher waren als Teenager als diejenigen, die damals bei dem Versuch
mit den Marshmallows nicht ausharren konnten. Die Kinder, die der Versuchung
schnell nachgaben, waren mit größerer Wahrscheinlichkeit einsam, leicht
frustriert und eigensinnig.
Wie kann so eine Kontrolle der
Emotionen aussehen? Laßt uns das am Beispiel der Wut betrachten. Eine gute Möglichkeit
ist, die Überzeugung zu hinterfragen oder zu untergraben, die dem Zorn überhaupt
erst Nahrung gibt. Wenn wir bereit sind, die zornigen Gedanken Z. B. in Frage zu
stellen und einer neuen Bewertung zuzuführen, können wir leichter damit
umgehen. Es geht darum, solche Gefühle zwar nicht zu unterdrücken, aber auch
nicht einfach nachzugeben. Die eigenen Gefühle zu managen beginnt damit, indem
wir sie zulassen, sie akzeptieren und nicht indem wir sie bekämpfen und zu
verdrängen suchen.
C.G. Jung sprach in diesem
Zusammenhang von der Vereinigung mit dem eigenen Schatten. Das Verdrängen von
Gefühlen heißt, sie nicht zu akzeptieren, sie nicht anzunehmen. Das erfordert
viel Energie und macht uns unfrei. Es behindert die Kommunikation, weil in
allem, was wir sagen, Dinge mitschwingen, die wir selber nicht mögen oder
Gesagtes löst Dinge aus, die gar nicht so gemeint waren, da unsere
Befindlichkeit dementsprechend beschaffen ist.
Diese Art der Beherrschung der Gefühle
ist nicht, frei damit umgehen zu können. „Du brauchst dich nicht zu fürchten,
du brauchst keine Angst zu haben, du brauchst nicht weinen" usw. - in all
diesen Aussagen zeigen wir, daß wir in erster Linie gegen die Gefühle angehen,
anstatt sie richtig zu lenken oder dem anderen helfen, sie zuzulassen,
anzunehmen und richtig damit umzugehen. Gefühle wollen sich ausdrücken, wollen
angenommen und verstanden werden und nicht unterdrückt und bekämpft werden.
Ein einfaches Beispiel: So oft
verwechseln wir Auslöser und Ursache. Ein Verhalten von einer anderen Person löst
in uns etwas aus, aber wir betrachten das als die Ursache. Mein kleiner Junge
war in der Lage, schon als er drei Jahre alt war und nicht einmal so groß wie
dieser Tisch, wenn es Zeit war ins Bett zu gehen, mich völlig aus der Fassung
zu bringen. Er war in der Lage, meine Emotionen so sehr herauszufordern und
lange Zeit habe ich ihn als die Ursache gesehen - die Ursache, daß ich so
reagiere ist sein Verhalten. Bis ich eines Tages die Erkenntnis hatte, daß er
meine Reaktion nur auslöst. Die Ursache liegt in mir. Wer sagt, daß ich so
reagieren muß? Ich kann ja auch anders reagieren auf sein Verhalten. Die
Ursache für meine Reaktion ist in mir, und er ist der Auslöser. Ich muß meine
Emotionen richtig handhaben.
Ein großer Prozentsatz der
Streitereien zwischen Menschen sind Schuldzuweisungen weil der andere in mir
etwas ausgelöst hat und ich nicht wahr haben will, daß etwas in mir nicht
aufgearbeitet ist, daß ich solche unbewältigte Reaktionsmuster in mir habe.
Nun, zu lernen, seine Emotionen handzuhaben und sie richtig zu managen, dazu würde
es ein eigenes Seminar erfordern. Nur ein kleiner Gedanke hier: Die Emotionen,
die hochkommen, muß man von der Ursache her hinterfragen und ihnen die richtige
Bedeutung geben. Z. B. wenn mich mein Junge so in Rage bringt weil er nicht
folgt und immer wieder eine Idee hat um das Schlafengehen hinauszuzögern, kann
ich mir in einer ruhigen Minute überlegen, war meine Reaktion berechtigt, war
sie angemessen? Hinterfragen!
Im Grunde läuft immer Folgendes ab,
wie das Goleman in seinem Buch sehr gut aufgezeigt hat: Warum weiß ein Kind ab
einem gewissen Zeitpunkt: das ist eine Flasche, das ist eine Blume, das ist ein
Baum? Das erste Mal wird es ihm gesagt und dann hat es den Prototyp in sich und
der Gegenstand wird mit diesem Prototyp verglichen. Wenn es dann wieder einen
Baum sieht, dann kommt die Erkenntnis: Aha, das ist auch ein Baum! Auch in
unseren Gefühlen haben wir Muster in uns.
Diese Schaltung zwischen Auslöser
und Ursache geht sehr schnell, schneller als über den Umweg des denkenden
Gehirns. Das ist meistens ausgeschaltet. Man kann aber sehr wohl gegen
Reaktionen etwas aufbauen und sich vornehmen: das nächste Mal, wenn wieder
eine solche Situation kommt, dann reagiere ich so und so... Aber es
funktioniert nicht immer gleich, man muß es öfter aufbauen und wenn diese
Gedanken stark genug aufgebaut sind, dann ist das gewünschte Verhalten früh
genug zur Stelle.
Was macht eine Feuerwehr, wenn sie
immer wieder zu spät Alarm bekommen. Sie muß ein besseres Alarmsystem
einbauen. In meinem Fall ist das auch so, ich muß dann zur Stelle sein mit
meiner Überlegung „er löst wieder etwas in mir aus" und ich habe
schon ein Reaktionsmuster in mir aufgebaut. Das geht aber nicht über Nacht, es
ist eine harte, harte Arbeit aber es ist möglich. Emotionen sind nicht das
Einzige, was wir haben. Wir haben auch den Intellekt, und wenn wir den dafür
einsetzen, daß wir vernünftig mit den Emotionen umgehen, dann entsteht
Emotionale Inteligenz, das ist eine Kombination.
Die eigentliche Lösung ist aber auf
einer anderen Ebene. Man kann beliebig viele Seminare besuchen und sein ganzes
Leben damit verbringen. Die eigentliche Lösung ist aber auf einer anderen
Ebene: wir müssen lernen, aus unserer personalen Mitte heraus zu leben und den
Emotionen den richtigen Stellenwert zu geben. Es geht nicht darum, die Emotionen
völlig zu beherrschen, sondern von übergeordneter Ebene ihnen eine Richtung zu
geben. So wie Kinder, die es unheimlich schwer haben, miteinander auszukommen
ohne Eltern, die Streit wieder entwirren, die ihnen helfen, alles wider ins Lot
zu bringen, so haben wir ein personales Zentrum, ich bezeichne es einfach einmal
als Herz. Wenn wir mehr und mehr daran arbeiteten, unsere Herzensqualitäten zu
entwickeln, dann hätten wir auch die Grundlage, unseren Emotionen die richtige
Richtung zu geben, sie zu lenken. Ein Mensch, der seine Herzensqualitäten
entwickelt hat, der jemanden wirklich liebt, dem andere wirklich etwas bedeuten,
wird eine andere Gedankenwelt haben.
Wenn ich jemand hasse, so werden
meine Gedanken, mein Intellekt zum Knecht dieser Emotionen und ich überlege
nur, wie kann ich dieser Person etwas antun. Wenn ich aber liebe, dann überlege
ich, was kann ich für die Person tun. Von dieser übergeordneten Ebene aus ist
es die beste Möglichkeit, die Emotionen zu führen und zu lenken.
Bleiben Sie nicht bei den Emotionen
stehen, sondern dringen Sie zu den wirklichen Bedürfnissen vor! Immer wieder
werden wir dadurch blockiert, daß wir in einer Beziehung bei den Emotionen
stehenbleiben, anstatt zu fragen: was ist mein Bedürfnis? Was ist mein
eigentliches Bedürfnis wenn mich mein kleiner Junge hier so aus der Fassung
bringt? In Wirklichkeit möchte ich ihm eigentlich zeigen, daß ich ihn gern
habe und ich möchte, daß wir schöne Abende erleben. Und dann frage ich mich:
wie kann ich diesen Bedürfnissen gerecht werden? Je mehr ich diesen Bedürfnissen
gerecht werde, aufbaue, sie sättige, um so leichter habe ich es dann, meinen
Emotionen eine Richtung zu geben. Der wesentlichste Punkt in dieser ganzen
Angelegenheit ist, daß der Mensch zu seinem innersten Kern findet und von da
heraus lebt. Er entdeckt, daß er einen immensen Reichtum in sich hat. Alle
Dogmen, alle Religionen sind nur eine Hilfe um diesen innersten Reichtum zu
entdecken und aus diesem heraus zu leben, den kosmischen Gesetzen entsprechend.
Das ist dann sozusagen ein Mensch, der keine Religion mehr braucht, der keine
Gesetze mehr braucht, der in sich alles gefunden hat.
Wir haben diese Quelle noch nicht völlig
aktiviert und „angezapft". Dort ist die Instanz von wo aus man Emotionen
überhaupt erst richtig lenken kann, auch die Sexualität.
Sexualität ist ein ganz starker
emotionaler Aspekt des Menschen. Die sexuellen Gefühle gehören zu den
intensivsten Gefühlen. Dennoch ist es eine Lüge, wenn man der heutigen Jugend
sagt, du kannst alle Gefühle beherrschen, aber die sexuellen Gefühle nicht.
Das wäre genauso wenn wir sagen: wenn du Wut empfindest, dann mach’ dir keine
Vorwürfe - hau’ drauf! Wut ist unbeherrschbar. Darum: wenn du sexuelle Gefühle
hast - ausleben, das ist das einzige - die Gefühle auszuleben ist nie
die richtige Lösung, sondern ihnen den richtigen Stellenwert zu geben, sie zu
lenken und sie richtig einzusetzen und sie erst im richtigen Moment voll
auszuleben. Wenn sie im falschen Moment ausgelebt werden, zerstören sie die
Beziehungen.
Der Umgang mit Sexualität hat auch
sehr viel zu tun mit dem Umgang mit Emotionen im Allgemeinen und ist nicht außerhalb
des Menschen sondern ein Teil von ihm. In diesem Bereich gebt es viele Ausreden,
weil wir uns noch nicht genug um einen richtigen Umgang mit der Sexualität bemüht
haben.
3. Mitfühlen
zu können, sich wirklich in die Lage des anderen hineinversetzen zu können ist
der dritte Aspekt der emotionalen Intelligenz. Der Schlüssel dafür liegt in
der Kindheit. Wenn ein Kind immer wieder erlebt hat, daß seine Gefühle ernst
genommen werden, daß man auf seine Gefühle eingeht, daß seine Empfindungen
wahrgenommen werden, dann geht es später als Erwachsener mit seinen Gefühlen
auch so um und auch mit den Gefühlen anderer.
Aber wer das nicht erlebt hat, wird
seine Achtsamkeit den eigenen Gefühlen gegenüber nicht entwickeln und sie
werden wilde Pferde in seinem Stall bleiben, die ab und zu mit ihm davonlaufen
und man hat schon gar nicht die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen.
Die Stimmungen des anderen schnell wahrzunehmen, darauf einzugehen und
entsprechend zu reagieren, macht einen EQ-Profi aus. Wie jede andere emotionale
Fähigkeit ist auch die Fähigkeit, sich in die Lage eines anderen versetzen zu
können, sich in seine Bedeutungswelt einfühlen zu können, eine Eigenschaft,
die durch Erfahrung geformt werden kann. Kinder, die in einer emotional gesunden
Familie aufwachsen, lernen, sich selbst und ihre Gefühle so zu behandeln, wie
ihre Betreuungs- oder Bezugspersonen sie behandelt haben.
Wenn im Laufe unserer Entwicklung
unsere grundlegendsten Bedürfnisse nicht erfüllt wurden oder wenn wir
unverarbeitete Erlebnisse der Vergangenheit in uns tragen, werden sie in späteren
Beziehungen in Form von unverarbeiteten Gefühlen wieder hervorgerufen. Weil
viele Menschen Nicht gelernt haben, mit solchen Gefühlen umzugehen, trennen sie
sich wieder voneinander, in der Hoffnung, daß in einer neuen Partnerschaft
diese Gefühle nicht mehr geweckt werden. Wichtig wäre, daß in einer solchen
Situation die Möglichkeit besteht, liebevoll und respektvoll darüber zu reden,
Verständnis und Unterstützung zu finden, wenn dem inneren Kind die Fürsorge
zuteil werden kann, wie ein Kind es verdient. Dadurch werden wir frei, uns für
den anderen zu öffnen und wir werden fähig, das Mitgefühl für unseren
Partner, für die Mitmenschen aufzubringen, das alle notwendig brauchen und auch
suchen.
5. Die Soziale Inteligenz,
ist der Umgang mit den Gefühlen Anderer, die auf mich zukommen. Damit ist
gemeint, fähig zu sein, Miteinander so umzugehen, daß die emotionalen Bedürfnisse
abgedeckt und erfüllt werden und nicht Streß und Frustration das Resultat
sind, oder daß es dabei nicht zu emotionalen Verletzungen kommt. Steigende
Kriminalität, Drogenkonsum, Gewalt in den Familien und in den Schulen, die hohe
Selbstmordrate unter Jugendlichen sind Beweis genug, wie sehr wir eine
„Emotionsschule" notwendig hätten. Emotionale Kompetenz lernen wir nur
im Umgang mit anderen Menschen, wobei der Familie gerade in diesem Zusammenhang
eine ganz besondere Rolle zukommt. Wir sind dann viel besser in der Lage mit
Meinungsverschiedenheiten, mit Konflikten und Problemen in unseren Beziehungen
umzugehen, wenn wir unsere eigenen Gefühle bewußt wahrnehmen, erkennen,
annehmen und managen können.
Das ist die größte Kunst die dann
wirklich zum Tragen kommt. Es ist natürlich sehr leicht, auf sehr viel
Wohlwollen, Respekt und Aufmerksamkeit usw. positiv zu reagieren. Aber was ist,
wenn das Gegenteil der Fall ist? Hier gibt es wiederum eine ganz wesentliche
Hilfe, wenn man versteht, daß alles was mir zuteil wird, mir hilft, mich selbst
besser kennenzulernen. Die Art, wie ich die Umgebung oder speziell die
Beziehungen erlebe, gibt mir Aufschluß über mich. Habe ich Ärger, Wut, bin
ich frustriert oder enttäuscht usw., das alles sind Hinweise auf unverarbeitete
Gefühle in mir. Die Umstände, die mir das zeigen, sind gleichzeitig auch die
Chance, die Basis in mir zu verändern, so daß mich diese Umstände oder diese
Probleme in der Beziehung nicht mehr beherrschen können. Nur so können wir uns
in einen wahrlich freien Menschen entwickeln, der sein Leben eigenständig in
die Hand genommen hat. Nicht Schuldzuweisung und Anklage sind die Folge, sondern
letztlich Dankbarkeit und Wertschätzung den Menschen und Umständen gegenüber,
durch die wir mehr über uns lernen konnten.
Alle Beziehungen sind eine Schule,
um uns eine Hilfe zu sein, unser Innenleben in Ordnung zu bringen und
Ausgangspunkt positiver Emotionen zu werden. Das alte Sprichwort „wie man in
den Wald hineinruft, so hallt es zurück" hat gerade auch bei der
Handhabung unserer Gefühle in den Beziehungen seine Richtigkeit.
Wenn jemand zu mir respektlos ist
und ich kann das nicht annehmen, ich reagiere darauf unkorrekt, dann war dieses
Verhalten z. B. eine Hilfe um in mir etwas ans Licht zu bringen und ich habe
jetzt Gelegenheit zur Erkenntnis. Der Andere ist ja nur Auslöser, aber ich habe
es in der Hand, wie ich reagiere. Und so kann das ganze Leben eine Schule werden
um die eigenen Emotionen richtig hand zuhaben. Ich kann dankbar sein, in
Situationen zu kommen, in denen ich verachtet werde, weil ich dadurch lerne, daß
ich auch damit umgehen kann. Es kann mich nicht mehr sozusagen von meinem Weg,
ein positiver, gebender Mensch zu sein, abbringen.
Dies sind die wesentlichen Inhalte
der neuen erkannten emotionalen Intelligenz, die ich im Alltag immer wieder bestätigt
finde und deshalb möchte ich diese Punkte hier noch einmal zusammenfassen: -
Achtsamkeit, die Gefühle managen, durch Verantwortung, sie von einer höheren
Stelle aus lenken, das Leben aus der Mitte her gestalten, Mitgefühl und soziale
Inteligenz, intelligente Reaktionen auf die Gefühle anderer - das ist
emotionale Inteligenz.
Ich möchte mich bedanken für Ihre
Aufmerksamkeit.
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