BRÜCKE  des  FRIEDENS   

weitere Artikel:
Building Bridges to Bethlehem Schritte der Wiederherstellung
Deutschland - Österreich - Weimar 2007 Versöhnung von Schwarz und Weiss in Südafrika
Österreichisch - slowenisches Freundschaftstreffen Österreichischen und Slowakischen Frauen
Deutschland - Österreich - CR - SK - Melk 2006 Thema Todesstrafe
Deutschland - Österreich - Bingen 2005 Schwesternschaft „lebendig“ erhalten 
Deutschland - Österreich Partnerships for Peace
Internationale Dekade für eine Kultur des Friedens  Innere Versöhnung 
 

BRÜCKE DES FRIEDENS

Deutschland – Österreich - Weimar
Juni 2007

 

 Weimar und die (wir) Frauen

 

Wir Frauen bzw. Schwestern von Wien fuhren mit einem Kleinbus, den ein netter Mann (anscheinend ein Freund der Frauen - bzw. Frauenföderation für Weltfrieden) für uns organisiert und gelenkt hat! Es war zwar heiß, aber nach einer zügigen Fahrt kamen wir spät (11 Uhr abends), aber wohlbehalten in Weimar an, wo wir noch von einigen aufgebliebenen Frauen (Schwestern) liebevoll empfangen wurden!

Vorher gab es noch ein riesiges Gewitter, das bei jedem Blitz die ganze Gegend erhellte. Aber gewiss war es ein reinigendes Gewitter: denn der Aufenthalt in Weimar und in der Jakob Kaiser Stiftung, wo das Seminar und die Unterbringung stattfanden, war von Harmonie, Freude und gegenseitigem Verstehen geprägt.

Gleich am anderen Morgen beim Frühstück lernten wir die anderen Seminarteilnehmerinnen kennen. Teils kannten wir uns schon von früheren Begegnungen, teils waren neue Frauen dabei.

Offiziell war es eine Begegnung von Frauen aus Deutschland und Österreich - dazu gehören in Zeiten der Globalisierung auch einige Japanerinnen, eine Koreanerin, eine Französin, eine Südafrikanerin, eine Chinesin aus Taiwan, usw.

Frau Dr. Edda Hanisch, die dieses Bildungsseminar leitete, wusste sehr viel über Weimar und seine bewegte Geschichte zu erzählen. Und natürlich auch, welchen Einfluss die verschiedenen Frauen auf die Entwicklung der Stadt ausübten. Im Anschluss daran sahen wir einen Film über Weimar, der besonders die großen Epochen der Stadt behandelte: Die literarische Epoche - die Weimarer Klassik (Goethe, Schiller, Herder und Wieland), die musikalische Epoche (Franz Liszt) und die architektonische Epoche (Bauhaus-Architekten und Künstler). Aber auch die dunkle Seite der Stadt wurde behandelt und kommentiert (NS-Zeit und KZ Buchenwald).

Am Nachmittag führte uns eine sehr nette, gebildete Dame durch Weimar und erklärte uns viele wichtige Gebäude, Parks und Plätze. Am Abend gab es dann bodenständige Thüringer Küche (z.B. Rindsrouladen, Kartoffelknödel und Blaukraut). Der weitere Abend war dafür gedacht eine von drei Kulturveranstaltungen zu besuchen. Ich entschied mich für „Schiller heiter“ Der Schauspieler, der Schillers unbekannte, heitere Seite und Dichtung rezitierte, war - man glaubt es kaum - ein Burgschauspieler. Da es nach der Vorstellung noch hell war, schlenderten meine Freundin und ich noch über den Frauenplan und ließen den Abend mit einem schönen Gespräch und einem Glas Rotwein ausklingen.

Am Pfingstsonntag schüttete unsere Seminarleiterin Frau Dr. Hanisch nochmals ein Füllhorn an Wissen und Information über Weimar, Thüringen und die Deutsche Wiedervereinigung über uns aus. Was wir als sehr bereichernd und wertvoll empfanden. Auch deshalb, weil für die „ausländischen“ Frauen die Problematik der Deutsch/Deutschen Geschichte bis dato noch nicht so geläufig war. Am Nachmittag brachen wir nach Buchenwald auf. Buchenwald selber ist ein kleiner Ort. Nach diesem wurde das nahegelegene Konzentrationslager (KZ) benannt. Dort sahen wir einen 40-minütigen Film über die Entstehung des Lagers und die Zustände, die dort herrschten bis zur Befreiung durch die Alliierten. Nach diesem starken Eindruck machten wir eine Führung durch das Lagerareal mit. Am schlimmsten war für mich der Anblick der Verbrennungsanlage für die vielen Leichen und die winzigen Zellen für Gefangenen, die verhört und gefoltert wurden.

Ich habe mir schon viele Dokumentationen über die NS-Zeit und die KZs angeschaut, aber wenn man das in Wirklichkeit sieht, kann man sich das einfach nicht vorstellen! Dass unter diesen schrecklichen Umständen es noch Überlebende gibt bzw. gab, grenzt an ein Wunder. Ernst und nachdenklich fuhren wir wieder zurück nach Weimar.

Nach einer Verschnaufpause und einem Abendessen trafen wir uns zum letzten gemeinsamen Abend im Seminarhaus der Jakob Kaiser Stiftung. Einige Frauen hatten kleine Beiträge (Lieder, Tänze oder Scatches) vorbereitet, mit denen sie uns erheiterten. Und Frau Dr. Hanisch gab noch einige kuriose Wortkompositionen aus der ehemaligen DDR zum Besten (muss ich noch recherchieren).

Damit klang der Abend aus. Der Pfingstmontag fing feucht an (Wetter)! Nach einem ausgiebigen Frühstück und der letzten Gelegenheit, Adressen auszutauschen fuhren wir Österreicher wieder nach Hause.

Ich bin sehr froh und dankbar, diese Reise gemacht zu haben. Mir wurden viele Dinge bewusst. Ich kann jetzt auch besser verstehen, warum manche Menschen oder ganze Nationen immer noch starke Vorbehalte gegen die Deutschen haben. Aber auf der anderen Seite weiß ich, dass es möglich ist, am besseren Verständnis füreinander zu arbeiten. Bei uns Frauen (Schwestern) scheint das vielleicht leichter zu sein; ich weiß es nicht. Jedenfalls war bei unserem Seminar nichts von Aggressionen und Ressentiments zu spüren.

Elvira Ebinger

 last edited July 29th 2007 lg

Mit Herz und Hand ist die Online Zeitschrift der 
Österreichischen Frauenföderation für Weltfrieden

Redaktion: Renate Amesbauer
Freie Mitarbeit: Mag. Maria Pammer, Ingrid Hauseder,  Therese Heitzinger,

 

Die Österr. Frauenföderation für Weltfrieden (OEFF) (Z.V.R. 367192876) arbeitet als nicht-staatliche Organisation mit allgemein beratendem Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen,
ist ein Teil der Internationalen WFWP (NGO in general consultative status with the Economic and Social Council of the UN) www.herzundhand.at

The Women's Federation for World Peace - Austria (WFWP-Austria) is registered in Austria as a not for profit organisation (Die Österr. Frauenföderation für Weltfrieden) with registration number: Z.V.R. 367192876. WFWP-Austria is the Austrian local chapter of WFWPI an NGO in general consultative status with the Economic and Social Council of the UN and in association with UN Department of Public Information. www.wfwp.org

Kontaktadressen  Newsletter