BRÜCKE DES FRIEDENS
Deutschland – Österreich - Weimar
Juni
2007
Weimar
und die (wir) Frauen
Wir Frauen bzw. Schwestern von Wien fuhren mit einem Kleinbus, den ein netter
Mann (anscheinend ein Freund der Frauen - bzw. Frauenföderation für Weltfrieden)
für uns organisiert und gelenkt hat! Es war zwar heiß, aber nach einer zügigen
Fahrt kamen wir spät (11 Uhr abends), aber wohlbehalten in Weimar an, wo wir
noch von einigen aufgebliebenen Frauen (Schwestern) liebevoll empfangen wurden!
Vorher gab es noch ein riesiges Gewitter, das bei jedem Blitz die ganze Gegend
erhellte. Aber gewiss war es ein reinigendes Gewitter: denn der Aufenthalt in
Weimar und in der Jakob Kaiser Stiftung, wo das Seminar und die Unterbringung
stattfanden, war von Harmonie, Freude und gegenseitigem Verstehen geprägt.
Gleich am anderen Morgen beim Frühstück lernten wir die anderen
Seminarteilnehmerinnen kennen. Teils kannten wir uns schon von früheren
Begegnungen, teils waren neue Frauen dabei.
Offiziell war es eine Begegnung von Frauen aus Deutschland und Österreich - dazu
gehören in Zeiten der Globalisierung auch einige Japanerinnen, eine Koreanerin,
eine Französin, eine Südafrikanerin, eine Chinesin aus Taiwan, usw.
Frau Dr. Edda Hanisch, die dieses Bildungsseminar leitete, wusste sehr viel über
Weimar und seine bewegte Geschichte zu erzählen. Und natürlich auch, welchen
Einfluss die verschiedenen Frauen auf die Entwicklung der Stadt ausübten. Im
Anschluss daran sahen wir einen Film über Weimar, der besonders die großen
Epochen der Stadt behandelte: Die literarische Epoche - die Weimarer Klassik
(Goethe, Schiller, Herder und Wieland), die musikalische Epoche (Franz Liszt)
und die architektonische Epoche (Bauhaus-Architekten und Künstler). Aber auch
die dunkle Seite der Stadt wurde behandelt und kommentiert (NS-Zeit und KZ
Buchenwald).
Am Nachmittag führte uns eine sehr nette, gebildete Dame durch Weimar und
erklärte uns viele wichtige Gebäude, Parks und Plätze. Am Abend gab es dann
bodenständige Thüringer Küche (z.B. Rindsrouladen, Kartoffelknödel und
Blaukraut). Der weitere Abend war dafür gedacht eine von drei
Kulturveranstaltungen zu besuchen. Ich entschied mich für „Schiller heiter“ Der
Schauspieler, der Schillers unbekannte, heitere Seite und Dichtung rezitierte,
war - man glaubt es kaum - ein Burgschauspieler. Da es nach der Vorstellung noch
hell war, schlenderten meine Freundin und ich noch über den Frauenplan und
ließen den Abend mit einem schönen Gespräch und einem Glas Rotwein ausklingen.
Am Pfingstsonntag schüttete unsere Seminarleiterin Frau Dr. Hanisch nochmals ein
Füllhorn an Wissen und Information über Weimar, Thüringen und die Deutsche
Wiedervereinigung über uns aus. Was wir als sehr bereichernd und wertvoll
empfanden. Auch deshalb, weil für die „ausländischen“ Frauen die Problematik der
Deutsch/Deutschen Geschichte bis dato noch nicht so geläufig war. Am Nachmittag
brachen wir nach Buchenwald auf. Buchenwald selber ist ein kleiner Ort. Nach
diesem wurde das nahegelegene Konzentrationslager (KZ) benannt. Dort sahen wir
einen 40-minütigen Film über die Entstehung des Lagers und die Zustände, die
dort herrschten bis zur Befreiung durch die Alliierten. Nach diesem starken
Eindruck machten wir eine Führung durch das Lagerareal mit. Am schlimmsten war
für mich der Anblick der Verbrennungsanlage für die vielen Leichen und die
winzigen Zellen für Gefangenen, die verhört und gefoltert wurden.
Ich habe mir schon viele Dokumentationen über die NS-Zeit und die KZs
angeschaut, aber wenn man das in Wirklichkeit sieht, kann man sich das einfach
nicht vorstellen! Dass unter diesen schrecklichen Umständen es noch Überlebende
gibt bzw. gab, grenzt an ein Wunder. Ernst und nachdenklich fuhren wir wieder
zurück nach Weimar.
Nach einer Verschnaufpause und einem Abendessen trafen wir uns zum letzten
gemeinsamen Abend im Seminarhaus der Jakob Kaiser Stiftung. Einige Frauen hatten
kleine Beiträge (Lieder, Tänze oder Scatches) vorbereitet, mit denen sie uns
erheiterten. Und Frau Dr. Hanisch gab noch einige kuriose Wortkompositionen aus
der ehemaligen DDR zum Besten (muss ich noch recherchieren).
Damit klang der Abend aus. Der Pfingstmontag fing feucht an (Wetter)! Nach einem
ausgiebigen Frühstück und der letzten Gelegenheit, Adressen auszutauschen fuhren
wir Österreicher wieder nach Hause.
Ich bin sehr froh und dankbar, diese Reise gemacht zu haben. Mir wurden viele
Dinge bewusst. Ich kann jetzt auch besser verstehen, warum manche Menschen oder
ganze Nationen immer noch starke Vorbehalte gegen die Deutschen haben. Aber auf
der anderen Seite weiß ich, dass es möglich ist, am besseren Verständnis
füreinander zu arbeiten. Bei uns Frauen (Schwestern) scheint das vielleicht
leichter zu sein; ich weiß es nicht. Jedenfalls war bei unserem Seminar nichts
von Aggressionen und Ressentiments zu spüren.
Elvira Ebinger
last edited July 29th 2007 lg
|