FRAUEN
To the women in my life Das Heldentum arabischer Frauen in der Folklore
9. Oesterreichischer Journalistinnenkongress 2007

Beitrag  der Frauen zur Bildung der heutigen Gesellschaft

Internationalen Frauentag Frauenföderation International
Besinnliches Weihnachts Treff Frauenhoffnung für den Frieden
Die Chance der Geschichte Verschwesterung
Globalisierung und die Arabischen Frauen Die Rolle der Frau
Gleichberechtigung = Gleichbehandlung Empowering Women
Die Chance der Geschichte

 

 

Danke, dass Sie den Weg hierher auf sich genommen haben. Für mich ist es eine große Freude, heute zu Ihnen zu sprechen. Wir sind alle hier, da wir einen gemeinsamen Wunsch haben. Wir wollen eine Kultur des Friedens schaffen und der nächsten Generation den Schlüssel zu einer Welt des Friedens übergeben.

Daher ist das Thema meiner  Willkommensansprache heute:

 

Die Rolle der Frau im Wechselspiel der Geschichte

 Friede ist eine besondere Aufgabe der Frauen

In einem Aufruf der Westdeutschen Frauenfriedensbewegung,  Dezember 1956 heißt es, dass Friede eine besondere Aufgabe der Frauen ist.

„Wir sind uns bewusst, dass die Frau, die ihrer Natur nach zum Behüten ausersehen ist, eine Verpflichtung im öffentlichen Leben hat, die ihr niemand abnehmen kann.“

 

Die Pazifistin Klara Maria Fassbender war davon überzeugt, dass Frauen die besondere Aufgabe zukäme, entschieden für eine friedliche Koexistenz der Völker einzutreten. Sie sagte auf der Tagung zum 5-jährigen Bestehen der Westdeutschen Frauenfriedensbewegung 1956:

„Es gibt keine Möglichkeit, den Frieden zu erhalten und eine neue Welt zu schaffen, wenn nicht ein neuer Geist den Menschen beseelt. Und diesen Geist in uns zu entfalten, ist die Aufgabe, die wir uns gestellt haben. Aber nicht nur einen neuen Geist bei uns, auch die Männerwelt, die männliche Politik braucht diesen neuen Geist, um von den  alten politischen Begriffen des Freund - Feind - Denkens weg zu kommen und um Gedanken zu fassen, dass es  möglich sein soll, dass sie  alle ihre  widerstreitenden Interessen  auf einer höheren  Ebene zu lösen versuchen.  Wir als Frauen haben die Aufgabe, unser Herz zu bilden, es  offen zu halten  für alle diese Dinge.“

  

Frauen in der Geschichte

Wo stehen wir Frauen heute? Wissen wir, dass unser Dasein  eine herausragende Bedeutung für den Weltfrieden hat?

Beschäftigt man sich mit der Geschichtsbetrachtung in bezug auf die Frau, können wir eine reale Hoffnung entdecken.

Lassen Sie uns kurz auf die Vergangenheit zurückblicken.

Blättert man in den gängigen Geschichtsbüchern ist seltsamerweise fast ausschließlich von Männern die Rede. Frauen werden meistens nur dargestellt als Intrigantinnen, Giftmischerinnen und machtgierige Herrscherinnen.

Die Geschichte wird aus einer eindeutig androzentrischen Perspektive gesehen. So wurde auch in der Forschung und Archäologie, die sich mit den Anfängen der Menschheit beschäftigt, die paläolithische Kunst

(altsteinzeitliche) als maskuline Jagdszenerie interpretiert. Erst jetzt entdeckt man, dass die Frau eine ehrenvolle und bedeutende Rolle einnahm. Wandmalereien und die archäologischen Funde von Sibirien bis nach Mitteleuropa lassen auf die Konzeption eines höheren weiblichen Wesens schließen. Nach Riane Eisler („Kelch und Schwert“) war bis in die Jungsteinzeit und darüber hinaus die vorherrschende Ideologie  gynozentrisch, in ihrem Mittelpunkt stand die Frau, repräsentiert durch eine Gottheit in weiblicher Gestalt. So war für eine männliche Dominanz über die Frauen oder die generelle Überlegenheit „maskuliner“ gegenüber „femininer“ Werte keine Grundlage.

Der Niedergang dieser Gesellschaft begann mit den Invasionswellen von indoeuropäischen Hirtenvölkern, die ihre Kriegsgötter mitbrachten.  Das Kernstück ihres Systems war, dass sie die Macht Leben zu nehmen höher bewerteten  als die, die Leben gibt.  Die beherrschende und zerstörende Macht des Schwertes ersetzte mehr und mehr die Vorstellung von Macht als lebensspendender und nährender Kraft. Mit den zerstörerischen  Eroberungswellen ging auch eine kulturelle Verarmung einher. Die Göttinnen wurden Gattinnen der mächtigen Kriegsgötter, wurden ermordet oder  durch Vergewaltigung entehrt.  Solche  Legenden, priesterliche Erlasse, Rituale und der Gehorsam den Göttern gegenüber rechtfertigen und symbolisieren den Wechsel zur dominanten Männerherrschaft.  Auf diese Weise wurden den Frauen ihre Entscheidungsbefugnisse und spirituelle Autorität genommen, um die Macht der neuen herrschenden Elite zu konsolidieren.

Zur gleichen Zeit, als die Griechen über die Welt philosophierten und die Römer sie eroberten, lebte in einem Winkel der Mittelmeerküste ein halbnomadisches Volk, später Israeliten genannt. Ihr Glaube, dass sie das von dem einen wahren Gott auserwählte Volk seien, half ihnen, Verfolgungen und Schwierigkeiten zu überwinden. In der jahwistischen Auffassung der Schöpfung des Menschen ist die Frau kein eigenständiger Mensch. Sie war nur eine Hilfe für den Mann und nicht einmal Abbild Gottes, sondern Abbild des Mannes, da sie aus seiner Rippe geschaffen wurde. Juden wie Christen haben sich mehr auf diese Schöpfungsgeschichte bezogen als auf die erste in Genesis 1:27, in der es heißt, dass Gott den Menschen zu seinem Bilde erschuf als Mann und als Frau.

Durch die verschiedenen Reinheitsvorschriften war die Frau im jüdischem Glauben  von einem großen Teil des religiösen Lebens ausgeschlossen, durfte nicht an Riten teilnehmen und den Tempel nicht betreten.

Zur Zeit der Entstehung des Christentums kamen unter Einfluss der griechischen Philosophie erste frauenfeindliche Züge im Judentum auf. In den dualistischen Philosophien wie Stoizismus, Neupythagoreismus und Neuplatonismus wurde die Frau der Klasse des Bösen, der Finsternis, der Materie und der Unreinheit  zugeteilt. Ins Bild der patriarchalischen Kultur des Mittelmeerraumes gehörte, dass die Frau nicht länger als Gebärerin alles Lebens angesehen wurde, sondern nur als Gefäß.

Dann wurde Jesus, der Sohn Gottes von einer Frau geboren.

Jesu Verhalten zu den Frauen war für seine Zeit ganz ungewöhnlich.

Er zeigte durch sein Beispiel, dass Frauen Respekt verdienen,  behandelte sie gleichwertig, obwohl das zu seiner Zeit als skandalös angesehen wurde. Er warnte seine Jünger nie vor der Falschheit der Frauen oder sprach von ihnen als minderwertiges Wesen. Er schockierte die religiösen Autoritäten mit seinen Ankündigungen, dass Juden und Griechen, Knechte und Freie, Männer und Frauen spirituelle Gleichheit besitzen.  Die Frauen des Neuen Testamentes sind lebendige Wesen, religiös gesinnte Persönlichkeiten. Jesu Predigten zufolge sollen die weiblichen Tugenden wie Nächsten - und sogar Feindesliebe, andere so zu behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen, Mitgefühl, gegenseitige Verantwortung in die zentrale Position erhoben werden. Im frühen Christentum  hatten Frauen hohe Führungsaufgaben inne. Die Versammlungen fanden in den Häusern seiner Jüngerinnen statt. Die Frauen waren Jesu treueste Bekehrten, sie verfügten über prophetische Fähigkeiten, sie waren wohltätig und gastfreundlich, sie verkündeten den Menschen das Evangelium und unterwiesen die Menschen im Glauben. Aber Jesu Erkenntnis, dass unsere spirituelle Evolution durch ein neues Wertesystem der weiblichen Tugenden (Mitgefühl, Fürsorge, Gewaltlosigkeit, Nächstenliebe etc.) zu einer fundamentalen Gesellschaftsveränderung führen würde, konnte die Obrigkeit nicht akzeptieren. Schon der Apostel Paulus konnte nicht akzeptieren, dass die Frauen so tüchtig und klug sein konnten wie die Männer. Sie hatten in den Versammlungen zu schweigen, sie durften weder lernen noch ihren Mann zurechtweisen. Die Ehe war dem Apostel Paulus eine ärgerliche Institution, die den Menschen von Gott entfremdete. Paulus war Patriarch und seine Gedanken galten fast zwei Jahrtausende dem Christentum als Richtschnur.

Im 3. Jahrhundert nach Christus war das Christentum nicht mehr eine Idee des einfachen Volkes, sondern eine hervorragend organisierte Bewegung mit klaren politischen Zielen. In den Märtyrerarenen durften die Frauen ihre Haut zu Markte tragen, aber in der Gemeindeversammlung hatten sie demütig ihr Haupt zu verhüllen. Als im Jahre 313 das Christentum offiziell akzeptiert wurde, war die Stellung der Frau im Christentum geklärt. Sie war die Tochter Evas, die Verführerin, der Ursprung der Sünde.  Das Christentum folgte so dem damaligen Zeitgeist. Aber in seinen Grundzügen, der Lehre Jesu, ist es eine Religion der geistlichen Gleichberechtigung. Obwohl diese Prinzipien oft vergessen oder verleugnet wurden, hatten sie ihren Einfluss auf die Entwicklung auf die Geschichte der europäischen Frau.

Das größte geistliche Geschenk des Christentums für die Frauen war über lange Zeit die Klöster. Die großen englischen Nonnenklöster Whitby und Ely galten als Bildungszentren. Viele Nonnen waren große Gelehrte. Für die Mädchen waren die Klöster lange Zeit der einzige Ort, wo sie Unterricht erhalten konnten. Die Geschichtsbücher schweigen jedoch  über die Beiträge der Frauen zu Wissenschaft, Politik und Theologie. So gibt es im christlichen Bereich ganz klar eine Geschichte weiblicher Theologietraditionen von den Jüngerinnen über die Diakoninnen und Predigerinnen der christlichen Gemeinde bis zu den Mystikerinnen des Mittelalters. Die venezianische Theologin und Schriftstellerin Christine de Pizan (1405) schrieb in ihrem Buch von der Stadt der Frauen über diese weibliche Geschichte der Theologie, die so beharrlich totgeschwiegen wird. Sie sagte, die Werke der Frauen sind Leitern, die in den Himmel führen. Viele der Theologinnen und führenden Glaubensschwestern  der verschiedenen religiösen Gruppierungen stellten die männliche Gelehrsamkeit durch Leben ihrer weiblichen Tugenden in Frage.

Durch die Reformation bekam die Frau wieder die Möglichkeit, als geistlich gleichberechtigte Glaubensschwester zu leben. Die Bibel wurde in die Landessprachen übersetzt und die Frauen mussten lesen lernen um ihre Kinder im Glauben unterrichten zu können.

Soweit ein Ausflug in die europäische Kirchengeschichte, die unsere Gesellschaft hier geprägt hat.  Sicher gibt es in allen anderen Religionen ebenso den bedeutenden Einfluss der Frauen und man könnte auch hier viele Beispiele erwähnen.

Im gesamten historischen Ablauf schwankt  die Menschheit zwischen Epochen des partnerschaftlichen und männerzentrierten  Weltbildes wie Historiker beobachten können.

In den partnerschaftlichen Epochen ist  große kulturelle Kreativität zu beobachten. Wohlstand und sozialer Fortschritt werden oft durch Frauen erreicht.

In Phasen der Unterdrückung der Frau nimmt auch Gewalt, Rassismus und Unterdrückung andersdenkender Minderheiten zu. Diese Zeiten waren immer Vorläufer von repressiven und blutigen Epochen.

Wenn wir auf diese Geschichte zurückblicken, können wir gar nicht anders, als unsere Aufgabe zu erkennen und wahrzunehmen.

Die Zeit in der wir leben, gilt als die „ moderne“, das Zeitalter der Vernunft. Aufklärung statt Aberglaube, Humanismus statt Barbarei, empirische Wissenschaft statt Dogmatismus.

Philosophen und Wissenschaftler beherrschten in der westlichen Welt die Diskussionen. Sie schienen Propheten einer kulturellen Transformation zu sein. Aber dieser „ rationale Mensch“ fuhr das ganze 19. und 20.Jahrhundert und sogar bis heute fort zu töten, zu unterdrücken, auszubeuten.  Wo ist da die Vernunft? Warum können die Ideologien dieser Zeit keine Welt des Friedens herbeiführen?

  

Partnerschaft als Grundlage einer Welt des Friedens

In der Natur existieren alle Dinge in Paaren, die eine Partnerschaft bilden. Eine Frau ist somit eine ganze und vollkommene Partnerin. Daher ist die Frau nicht ein Gehilfe oder ein Objekt des Mannes, das seinen Schutz benötigt. Sie ist vielmehr eine eigenständige Entität, die den Mann vollendet, indem sie Liebe gibt und erwidert. Mann und Frau sind somit vollkommen  gleichwertig. Und, Mann und Frau brauchen sich gegenseitig um ein Ganzes zu bilden.

Ich denke, der Satz „Hinter jedem großen Mann steht eine große Frau“  müsste eigentlich heißen „ Neben jedem großen Mann steht eine große Frau“.

Es ist daher selbstverständlich, dass die Beziehung zwischen Mann und Frau nicht durch Feindseligkeiten und Konkurrenzdenken belastet sein sollte. Jeder hat seine eigenen Qualitäten und Wesenszüge und beide können einander ergänzen. Dadurch entsteht etwas Größeres und Schöneres als bloß die Summe ihrer Qualitäten und Wesenszüge.

Wir leben glücklicherweise hier in einer Kultur, in der uns das leicht bewusst werden kann und wir können dafür dankbar sein. Doch immer noch gibt es auf der Welt viele Frauen, die keine Chance haben, ihre wahre Identität zu finden. Dort bedarf es guter Ausbildung beider Geschlechter um das Wunderbare der gleichwertigen Beziehung zu erkennen und leben zu lernen.

Die Rolle der Frau in einer Partnerschaft für den Frieden

Was ist also die Rolle der Frau in dieser Partnerschaft? Warum ist die Frau so wichtig für den Weltfrieden? Chris Griscom sagte in ihrem Buch „Der weibliche Weg“, dass das Weibliche danach trachtet, in allen Ideen, in der Schöpferischen Kraft, das Gemeinsame zu finden und zu vereinen, indem es bei Widerständen Öffnungen und Lösungen und in allen Ideologien und Philosophien das Verbindende entdeckt. Welcher Blickwinkel wäre besser geeignet, die Möglichkeiten des Friedens zu erforschen, gestalten und verwirklichen? Wer wäre besser dazu geeignet, den Frieden erringen und die nächste Generation zum Frieden zu erziehen?

Ich erinnere noch einmal an das Zitat von Klara Maria Fassbender    „Es gibt keine Möglichkeit den Frieden  zu erhalten, und eine neue Welt zu schaffen, wenn nicht ein neuer Geist den Menschen beseelt. Und diesen neuen Geist in uns zu entfalten, dass ist die Aufgabe, die wir uns gestellt haben“. Wir Frauen tragen das neue Leben in uns, wir bringen es zur Welt, wir ernähren, erziehen und beschützen unsere Kinder. Daher  empfinden wir viel tiefer die Notwendigkeit, Frieden zu schaffen und darum ruft die Frauenföderation Frauen in der ganzen Welt auf, Samen des Friedens zu säen.

Indem wir als Mütter die Menschheit gebären und nähren, tragen wir die Zukunft der Menschheit in unserem Schoss. Mütterlichkeit ist ein essentieller Wesenszug der Frau. Auch wenn eine Frau selbst keine Kinder zur Welt bringt, kann sie diesen Wesenszug verwirklichen. Warum nennen wir eine Frau, die sich für andere einsetzt Mutter, so wie unsere Mutter Teresa? Mutter Teresa hat kein Kind zur Welt gebracht, ist aber Mutter für tausende leidende Menschen und viele junge Frauen, die ihrem Beispiel folgen, geworden.

 

Gedanken zur Wurzel der menschlichen Konflikte

Große Pioniere die die Möglichkeiten jenseits der üblichen Antworten auf menschliche Konflikte erforscht haben, haben uns immer  wieder gezeigt, dass es Fertigkeiten gibt, die wir lernen können und die uns fähig machen, „Wunder“ in zwischenmenschlichen Beziehungen zu vollbringen. Einzelne Pioniere haben uns immer wieder gezeigt, dass die Wurzel der Konflikte nicht wirtschaftlich oder politisch bedingt  oder auf Ignoranz zurückzuführen ist. Wirtschaft, Politik und Medien sind menschliche Aktivitäten und als solche manifestieren sie die Zeichen des Zwiespalts und der falschen Ausrichtung der Personen, die an ihnen beteiligt sind. Mit anderen Worten, der menschliche Konflikt beginnt grundsätzlich in Geist und Herz eines jeden Einzelnen.

Obwohl es unbequem scheint, liegt die grundlegende  Lösung also im Geist und Herzen einer jeden Einzelperson. Dieser Bereich muss berührt werden, wenn wir dauerhafte Veränderungen in den Ursachen der Konflikte sehen wollen.

Der innere Zerrissenheit kommt zur Oberfläche, wenn die Richtung des individuellen Zweckes einer Person und der öffentliche Zweck anderer in Widerspruch geraten. Um es einfacher zu sagen, der erste Schritt in Richtung Konflikt ist es, die eigenen selbstbezogenen Interessen über das Wohlergehen anderer zu stellen.

Dies ist keine einfache Angelegenheit. Wenn Einzelpersonen Zusammenschlüsse bilden, seien sie ökonomisch oder politisch (und sehr oft sind sie beides), können die erdrückenden Auswirkungen kollektiver selbstsüchtiger Interessen nicht übersehen werden. Das ist der Anfang des Teufelskreises verletzender Beziehungen, aus denen Konflikte und Kriege hervortreten.

Ob dies absichtlich und bewusst getan wird, ändert nichts an der Tatsache der Konflikte, die entstehen, wenn egoistische individuelle Zwecke im Widerspruch zu öffentlichen  Zwecken stehen. Für sich selbst zu sorgen heißt nicht, dass man automatisch den Kreis des Konflikts in Gang setzt. Jedoch für sein eigenes Wohl auf Kosten eines anderen zu sorgen, wird den Konflikt immer ankurbeln.

Hingegen ist Frieden die natürliche Konsequenz von Übereinstimmung in dieser fundamentalen Stufe von Absicht, Bewusstsein, Gedanke und Tat. Wenn Einzelpersonen ihre persönlichen Zwecke in Übereinstimmung mit dem Allgemeinwohl ausrichten und ordnen  (z.B. im Hinblick auf die Bedürfnisse anderer), auch wenn die erforderlichen Aufgaben schwierig zu erfüllen sind, wird unvermeidlich Gleichgewicht und Frieden errichtet.

Es ist jedoch nicht genug für eine Einzelperson, für einen öffentlichen oder allgemeinen Zweck zu arbeiten. Diese Zwecke müssen in sich selbst selbstlosen Gebens wert sein. Es gibt viele Anlässe, zu denen Menschen gerufen wurden, die nur für einige wenige vorteilhaft waren, aber tödlich für alle außerhalb ihrer Grenzen. Der Aufstieg und Fall solcher anspruchsvollen Ideologien wie Faschismus und Kommunismus erinnern uns an die Gefahr, wenn Individuen einem höheren Zweck dienen wollen ohne ein tieferes Herz des Verständnisses und des Mitgefühls gegenüber der gesamten Menschheit.

Der Zweck des Ganzen muss ausgerichtet sein auf universelle Werte wie zum Beispiel die universellen Menschenrechte, die den unveräußerlichen Wert eines jeden Menschen anerkennen ungeachtet seiner wirtschaftlichen oder sozialen Klasse, seines Erziehungsniveaus, Geschlechtes, seiner Rasse, Religion, Nationalität oder Kultur. Allein dieses Konzept ist immer noch nicht universell akzeptiert. Jedoch, wenn wir einander wahrhaftig als eine „Familie der Menschheit“ sehen würden, dann würde es immer schwerer werden zu rechtfertigen, dass dem größten Teil dieser Familienmitglieder der Zugang zur Bildung und wirtschaftlichen Vorteilen verwehrt wird, die andere Mitglieder heute schon genießen.

Wir leben in einem Zeitalter, in dem Kommunikation mit allen Teilen der Welt möglich ist. Durch die Medien erfahren wir, was auf der anderen Seite des Erdballs geschieht. In Sekundenschnelle können wir Nachrichten per Internet verschicken. In wenigen Stunden bringen uns Flugzeuge zu jedem beliebigen Teil der Welt.

Alle äußeren Bedingungen sind gegeben, um in einer Welt des Friedens, der gegenseitigen Akzeptanz und des Miteinanders zu leben.

Doch noch ist ein weiter Weg zu gehen um diese Ideale zu verwirklichen. Derzeit sind nach Einschätzung des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WEP) 40 Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Besonders betroffen sind die Bürger von Simbabwe, Angola, Lesotho, Swasiland und Mosambik; in den Ländern Sambia, Malawi, Äthiopien und Eritrea sei sogar der Nahrungsmittelnotstand erklärt worden. Bei etwa 15 von insgesamt 40 Millionen betroffenen Menschen gebe es einen Bedarf an Soforthilfe mit bis zu 1,6 Millionen Tonnen Nahrungsmitteln bis April 2003, und einen Bedarf von etwa 1,9 Millionen Tonnen Nahrungsmittel für weitere 11 bis 15 Millionen Menschen bis Juni 2003 in der Region des Horns von Afrika.

Wie kann man bei diesen Zahlen an Krieg denken? Müssten wir nicht zuerst daran denken, diese Leiden zu beheben? Nur zum Vergleich: Nach einem Bericht in „World Military and Social Expenditures“ sind die Kosten für die Entwicklung einer Interkontinentalrakete so hoch, dass dafür 50 Millionen Kinder ernährt werden könnten, 160 000 Schulen gebaut und 340 000 Krankenhäuser eröffnet werden könnten Ein einziges neues atombetriebenes U-Boot, kostet soviel wie die jährlichen Ausgaben für Erziehung und Ausbildung von 23 Entwicklungsländern zusammen genommen, in denen es für 120 Millionen Kinder keine Schulen gibt und elf Millionen Babys vor ihrem ersten Geburtstag sterben. Damit ließen sich Lebenschancen für Millionen von Menschen schaffen, die derzeit zu einem Leben in Armut und Unwissenheit verdammt sind.

Erziehung zum Frieden ist eine Aufgabe der Frau

Wo sind hier die Gedanken an das Wohl und die grundlegendsten Rechte unserer  Geschwister innerhalb der großen Menschheitsfamilie? Ohne den Gedanken der Weltfamilie und ohne Respekt für die Geschwister bleibt die einzige Antwort, andere zu verneinen und den Zyklus des Konfliktes auszuweiten.

Wenn wir die Rechte der anderen anerkennen, uns für ihr Wohlergehen einsetzen, wer immer sie auch sein mögen, so wie wir uns als Mütter um unsere Kinder kümmern, dann sind wir fähig, unseren Geist für die Möglichkeit einer friedlichen Lösung eines jeden Konfliktes zu öffnen. Mit diesem mütterlichen Blickwinkel können Wunder vollbracht werden.

 

Was können wir als Frauen also heute und jetzt tun um auch die inneren Voraussetzungen dafür zu schaffen?

Kriege beginnen in den Köpfen und Herzen der Menschen. Die Menschen versuchen, Konflikte mit Gewalt zu lösen, da ihnen die Fähigkeiten zur konstruktiven Konfliktlösung fehlen. Diese wiederum haben ihre Grundlagen in dem Erlebnis von Geborgenheit, Respekt und Liebe in der Familie. Dort ist der Anfang unserer Aufgabe als Frau- unsere Kinder und die Jugendlichen im allgemeinen zu fördern, Qualitäten zum positiven Miteinander zu entwickeln, d.h. Hinwendung zum anderen, Abwendung von der Egozentrik. Somit wird unsere Familie zum Baustein einer friedlichen Welt.

Wo unsere Familie sein mag und wie sie aussehen mag spielt keine Rolle. Vielleicht ist sie wie meine sechsköpfig oder es ist die Familie meines Nachbarn. Meine Familie können meine Kollegen sein, meine Schüler – als Frau können wir überall Familie finden und so am Aufbau einer friedlichen Welt teilnehmen. Die zentralen Angelegenheiten des Weltfriedens hängen also an der Frage, wie Friede im Individuum und in der Familie verwirklicht wird.

Friede beginnt also nicht auf der globalen Ebene. Friedensverträge zwischen verfeindeten Nationen sind bedeutungsvoll und erstrebenswert, aber dauerhafter Friede kann nur erreicht werden, wenn wir ihn unserer nächsten Generation ins Herz einpflanzen.

 

Die WFWP und ihre Arbeit zur Friedensgestaltung

Die Politiker sprechen über die Einheit Europas. Durch Vereinbarungen wie eine gemeinsame Währung versuchen sie, die Länder  einander näher zu bringen.

Aber wir wissen, dass äußere Formalitäten die Menschen nicht zusammen bringen. Nur auf der Ebene des Herzens kann Einheit entstehen. Das ist unser Weg und unsere Aufgabe. Den Weg, den wir als Frauen vorbereiten, werden unsere Männer und Familien folgen. Wir als Frauen, die Schwestern sein möchten, können den inneren Zusammenhang unserer Länder stärken und erneuern.

Dort liegt der Ursprung der Frauenföderation für Weltfrieden.  Die FFW ist nicht „noch eine“ Frauenorganisation. Auch ist die FFW keine Organisation, die sich ausschließlich für die Rechte der Frauen einsetzt.

Unsere Arbeit ist sehr vielseitig und der Situation der  jeweiligen Länder angepasst.

Der erste Hauptaspekt unserer Arbeit innerhalb der Frauenföderation für Weltfrieden ist daher die Erziehung der Gesellschaft zum Frieden. Friedenserziehung beginnt im engsten Kreis der Familie, dehnt sich  aber von dort aus in die Gesellschaft, zur nationalen und weltweiten Ebene.  Dazu gehört die Vermittlung eines guten Wertesystems.  Wir möchten den Grundsatz – Ein Leben für andere führen – leben und fördern.

Daraus ergibt sich der zweite Schwerpunkt unserer Arbeit, das ist unser Einsatz in Entwicklungsländern und in sozialen Aktivitäten in unserer Nachbarschaft.

Der dritte Aspekt ist Hilfe und Erziehung zur Konfliktlösung. Die Frauenföderation leistet in diesem Aspekt einen einzigartigen Beitrag zum Frieden. In den letzten Jahren inspirierte die Frauenföderation für Weltfrieden Frauen verfeindeter Nationen, unterschiedlicher Kulturen, Rassen und Religionen, Brücken des Friedens durch Schwesternschaftszeremonien zu bauen. Diese Friedensbrücken helfen zu bereuen und zu vergeben. So werden Samen des Friedens überall in der Welt gesät. Die Gründerin der Frauenförderation, Frau Hak Ja Han sagte in ihrer Rede, „Frauen, die die führende Rolle in der Welt übernehmen werden“: „Wenn Sie wirklich Gottes Herz fühlen, wie können Sie mit Ihren Feinden die Rechnung begleichen? Im Gegenteil, was Sie tun sollten, ist die Menschen dazu zu bewegen, ihrem Feind zu helfen. Der Wunsch Ihren Feind zu umarmen du mit ihm in Liebe eins zu werden wird Sie vor die Türen des Himmelreichs bringen.“

Wenn alle Frauen dieser Welt Schwestern werden, können die Männer keine Kriege mehr führen. Dies ist der Leitgedanke dieser Friedensbrücken. In der Zwischenzeit haben sich viele Männer diesem Gedanken angeschlossen und nehmen an Friedensbrücken teil. Solch liebevollen Umarmungen sind nichts anderes als die Verwirklichung jener Geisteshaltung, die Jesus Christus schon vor 2000 Jahren verbreiten wollte.

Denn wie Martin Luther King jun. sagte: „Schließlich aber stellt die Liebe die einzige Kraft dar, die Feinde in Freunde verwandeln kann.“ Glücklicherweise fordern heute Menschen aller Kulturen das herkömmliche System heraus und die elementare Verbundenheit der Menschen untereinander, die von Sehern und Mystikern „Agape“ genannt wird, wird die von allen ersehnte Transformation herbeiführen.

Wir glauben daran, dass wir Frauen diese Welt verändern können. Viele Frauen sind schon vorausgegangen als Wegbereiter. Wer kennt nicht Mutter Teresa? Harriet Beecher-Stowe, die Autorin von „Onkel Toms Hütte“ bekämpfte die Sklaverei. Bertha von Suttner konnte mit ihrem Roman „Die Waffen nieder!“ das Bewusstsein ihrer Gesellschaft verändern und gewann als erste Frau den Friedensnobelpreis. Die bekannte schwedische Dichterin Selma Lagerlöf war ihr Leben lang eine Vorkämpferin für den Frieden unter den Völkern. Nicht so bekannt sein dürfte, dass auch Helen Keller sich neben vielen Anliegen für Taubstumme und Blinde auch für den Frieden einsetzte. Als eine unserer Zeitgenossinnen stand Jehan Sadat ihrem Mann, dem damaligen ägyptischen Präsidenten, tatkräftig zur Seite. Es ist auch ihr Verdienst, dass ihm der Friedensnobelpreis verliehen wurde.

Dazu  möchte ich ganz besonders die Verdienste um den Frieden von Frau Dr. Hak Ja Han, der Gründerin der weltweiten Frauenföderation für   Weltfrieden, erwähnen, die sich unermüdlich dafür einsetzt, unter allen Menschen Verständnis und Liebe füreinander zu entwickeln.

Nicht zu vergessen die Frauen, die unter oft unsäglichen Bedingungen jeden Tag um das Überleben ihrer Familien kämpfen müssen. Ihre Tränen sind der kostbare Nährboden für den Frieden.

Selbstlose mütterliche Liebe ist die größte Kraft, die in dieser Welt existiert und diese Kraft wollen wir in die Gesellschaft bringen, in die Politik, Wirtschaft, Erziehung, die Rechtssysteme und die Diplomatie. Wir müssen mit großer Überzeugung vorangehen, egal wie verwundet und narbenbedeckt diese Welt auch sein mag. Sie kann geheilt und gereinigt werden.

Vor diesem Hintergrund ist es mir im Rahmen unserer heutigen Veranstaltung ein Anliegen darauf hinzuweisen, unsere ganz persönliche Verantwortung für die Gestaltung einer freien und friedlichen Welt zu erkennen. Ich hoffe, dass unser Zusammensein hier in Holland uns allen eine Chance gibt, neue Wege zu finden in dieser historischen Zeit an der Transformation dieser Welt teilzunehmen.

Frieden ist nicht nur ohne Krieg leben. Frieden ist das Miteinander aller verschiedenen Rassen, Religionen, Kultur und Nationen in gegenseitiger Akzeptanz, gegenseitigem Respekt, und gegenseitiger Achtung und Unterstützung.

Frieden beginnt also in unserem Herzen und dehnt sich aus zu den  Herzen aller unserer Mitmenschen

Wir können damit anfangen, jetzt und heute.

 Ich möchte meine Rede mit vier Wünschen für dieses erste Jahrzehnt im dritten Jahrtausend beenden:

1.)           Möge jede Frau in sich die Qualitäten und Fähigkeiten entdecken, die sie mitbekommen hat und sie zur     Gestaltung einer Welt des Friedens einsetzen

2.)           Möge sich ein wahres partnerschaftliches Zusammenleben zwischen Mann und Frau entwickeln.

3.)           Möge Globalisation verstanden werden als Miteinander aller verschiedenen Rassen, Religionen, Kultur und Nationen in gegenseitiger Akzeptanz, gegenseitigem Respekt, und gegenseitiger Achtung und Unterstützung

4.)           Mögen die universellen Werte, die alle Unterschiedlichkeiten transzendieren, Familien, Städte, Nationen und die Welt vereinen

 

Dank an Holland WFWP für liebevolle Vorbereitung dieses Treffens und Einladung zu diesem wunderschönen Platz: Haus Glory, September 2003.

Tina Coombs, Presidentin WFWPI - Europa

 last edited: 21.9.3

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Redaktion: Renate Amesbauer
Freie Mitarbeit: Mag. Maria Pammer, Ingrid Hauseder,  Therese Heitzinger,

 

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