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Danke, dass Sie
den Weg hierher auf sich genommen haben. Für mich ist es eine große Freude,
heute zu Ihnen zu sprechen. Wir sind alle hier, da wir einen gemeinsamen
Wunsch haben. Wir wollen eine Kultur des Friedens schaffen und der nächsten
Generation den Schlüssel zu einer Welt des Friedens übergeben.
Daher ist das Thema meiner Willkommensansprache heute:
Die Rolle der Frau im
Wechselspiel der Geschichte
Friede ist eine besondere Aufgabe der
Frauen
In einem Aufruf der Westdeutschen Frauenfriedensbewegung,
Dezember 1956 heißt es, dass Friede eine besondere Aufgabe der Frauen ist.
„Wir sind uns bewusst, dass die Frau, die ihrer Natur nach
zum Behüten ausersehen ist, eine Verpflichtung im öffentlichen Leben hat,
die ihr niemand abnehmen kann.“
Die Pazifistin Klara Maria Fassbender war davon überzeugt,
dass Frauen die besondere Aufgabe zukäme, entschieden für eine friedliche
Koexistenz der Völker einzutreten. Sie sagte auf der Tagung zum 5-jährigen
Bestehen der Westdeutschen Frauenfriedensbewegung 1956:
„Es gibt keine Möglichkeit, den Frieden zu erhalten und eine
neue Welt zu schaffen, wenn nicht ein neuer Geist den Menschen beseelt. Und
diesen Geist in uns zu entfalten, ist die Aufgabe, die wir uns gestellt
haben. Aber nicht nur einen neuen Geist bei uns, auch die Männerwelt, die
männliche Politik braucht diesen neuen Geist, um von den alten politischen
Begriffen des Freund - Feind - Denkens weg zu kommen und um Gedanken zu
fassen, dass es möglich sein soll, dass sie alle ihre widerstreitenden
Interessen auf einer höheren Ebene zu lösen versuchen. Wir als Frauen
haben die Aufgabe, unser Herz zu bilden, es offen zu halten für alle diese
Dinge.“
Frauen in der Geschichte
Wo stehen wir
Frauen heute? Wissen wir, dass unser Dasein eine herausragende Bedeutung
für den Weltfrieden hat?
Beschäftigt man
sich mit der Geschichtsbetrachtung in bezug auf die Frau, können wir eine
reale Hoffnung entdecken.
Lassen Sie uns
kurz auf die Vergangenheit zurückblicken.
Blättert man in
den gängigen Geschichtsbüchern ist seltsamerweise fast ausschließlich von
Männern die Rede. Frauen werden meistens nur dargestellt als Intrigantinnen,
Giftmischerinnen und machtgierige Herrscherinnen.
Die Geschichte
wird aus einer eindeutig androzentrischen Perspektive gesehen. So wurde auch
in der Forschung und Archäologie, die sich mit den Anfängen der Menschheit
beschäftigt, die paläolithische Kunst
(altsteinzeitliche) als maskuline Jagdszenerie interpretiert. Erst jetzt
entdeckt man, dass die Frau eine ehrenvolle und bedeutende Rolle einnahm.
Wandmalereien und die archäologischen Funde von Sibirien bis nach
Mitteleuropa lassen auf die Konzeption eines höheren weiblichen Wesens
schließen. Nach Riane Eisler („Kelch und Schwert“) war bis in die
Jungsteinzeit und darüber hinaus die vorherrschende Ideologie gynozentrisch,
in ihrem Mittelpunkt stand die Frau, repräsentiert durch eine Gottheit in
weiblicher Gestalt. So war für eine männliche Dominanz über die Frauen oder
die generelle Überlegenheit „maskuliner“ gegenüber „femininer“ Werte keine
Grundlage.
Der Niedergang
dieser Gesellschaft begann mit den Invasionswellen von indoeuropäischen
Hirtenvölkern, die ihre Kriegsgötter mitbrachten. Das Kernstück ihres
Systems war, dass sie die Macht Leben zu nehmen höher bewerteten als die,
die Leben gibt. Die beherrschende und zerstörende Macht des Schwertes
ersetzte mehr und mehr die Vorstellung von Macht als lebensspendender und
nährender Kraft. Mit den zerstörerischen Eroberungswellen ging auch eine
kulturelle Verarmung einher. Die Göttinnen wurden Gattinnen der mächtigen
Kriegsgötter, wurden ermordet oder durch Vergewaltigung entehrt. Solche
Legenden, priesterliche Erlasse, Rituale und der Gehorsam den Göttern
gegenüber rechtfertigen und symbolisieren den Wechsel zur dominanten
Männerherrschaft. Auf diese Weise wurden den Frauen ihre
Entscheidungsbefugnisse und spirituelle Autorität genommen, um die Macht der
neuen herrschenden Elite zu konsolidieren.
Zur gleichen Zeit,
als die Griechen über die Welt philosophierten und die Römer sie eroberten,
lebte in einem Winkel der Mittelmeerküste ein halbnomadisches Volk, später
Israeliten genannt. Ihr Glaube, dass sie das von dem einen wahren Gott
auserwählte Volk seien, half ihnen, Verfolgungen und Schwierigkeiten zu
überwinden. In der jahwistischen Auffassung der Schöpfung des Menschen ist
die Frau kein eigenständiger Mensch. Sie war nur eine Hilfe für den Mann und
nicht einmal Abbild Gottes, sondern Abbild des Mannes, da sie aus seiner
Rippe geschaffen wurde. Juden wie Christen haben sich mehr auf diese
Schöpfungsgeschichte bezogen als auf die erste in Genesis 1:27, in der es
heißt, dass Gott den Menschen zu seinem Bilde erschuf als Mann und als Frau.
Durch die
verschiedenen Reinheitsvorschriften war die Frau im jüdischem Glauben von
einem großen Teil des religiösen Lebens ausgeschlossen, durfte nicht an
Riten teilnehmen und den Tempel nicht betreten.
Zur Zeit der
Entstehung des Christentums kamen unter Einfluss der griechischen
Philosophie erste frauenfeindliche Züge im Judentum auf. In den
dualistischen Philosophien wie Stoizismus, Neupythagoreismus und
Neuplatonismus wurde die Frau der Klasse des Bösen, der Finsternis, der
Materie und der Unreinheit zugeteilt. Ins Bild der patriarchalischen Kultur
des Mittelmeerraumes gehörte, dass die Frau nicht länger als Gebärerin alles
Lebens angesehen wurde, sondern nur als Gefäß.
Dann wurde Jesus, der Sohn Gottes von einer Frau geboren.
Jesu Verhalten zu
den Frauen war für seine Zeit ganz ungewöhnlich.
Er zeigte durch
sein Beispiel, dass Frauen Respekt verdienen, behandelte sie gleichwertig,
obwohl das zu seiner Zeit als skandalös angesehen wurde. Er warnte seine
Jünger nie vor der Falschheit der Frauen oder sprach von ihnen als
minderwertiges Wesen. Er schockierte die religiösen Autoritäten mit seinen
Ankündigungen, dass Juden und Griechen, Knechte und Freie, Männer und Frauen
spirituelle Gleichheit besitzen. Die Frauen des Neuen Testamentes sind
lebendige Wesen, religiös gesinnte Persönlichkeiten. Jesu Predigten zufolge
sollen die weiblichen Tugenden wie Nächsten - und sogar Feindesliebe, andere
so zu behandeln, wie wir selbst behandelt werden wollen, Mitgefühl,
gegenseitige Verantwortung in die zentrale Position erhoben werden. Im
frühen Christentum hatten Frauen hohe Führungsaufgaben inne. Die
Versammlungen fanden in den Häusern seiner Jüngerinnen statt. Die Frauen
waren Jesu treueste Bekehrten, sie verfügten über prophetische Fähigkeiten,
sie waren wohltätig und gastfreundlich, sie verkündeten den Menschen das
Evangelium und unterwiesen die Menschen im Glauben. Aber Jesu Erkenntnis,
dass unsere spirituelle Evolution durch ein neues Wertesystem der weiblichen
Tugenden (Mitgefühl, Fürsorge, Gewaltlosigkeit, Nächstenliebe etc.) zu einer
fundamentalen Gesellschaftsveränderung führen würde, konnte die Obrigkeit
nicht akzeptieren. Schon der Apostel Paulus konnte nicht akzeptieren, dass
die Frauen so tüchtig und klug sein konnten wie die Männer. Sie hatten in
den Versammlungen zu schweigen, sie durften weder lernen
noch ihren Mann zurechtweisen. Die Ehe war dem Apostel Paulus eine
ärgerliche Institution, die den Menschen von Gott entfremdete. Paulus war
Patriarch und seine Gedanken galten fast zwei Jahrtausende dem Christentum
als Richtschnur.
Im 3. Jahrhundert
nach Christus war das Christentum nicht mehr eine Idee des einfachen Volkes,
sondern eine hervorragend organisierte Bewegung mit klaren politischen
Zielen. In den Märtyrerarenen durften die Frauen ihre Haut zu Markte tragen,
aber in der Gemeindeversammlung hatten sie demütig ihr Haupt zu verhüllen.
Als im Jahre 313 das Christentum offiziell akzeptiert wurde, war die
Stellung der Frau im Christentum geklärt. Sie war die Tochter Evas, die
Verführerin, der Ursprung der Sünde. Das Christentum folgte so dem
damaligen Zeitgeist. Aber in seinen Grundzügen, der Lehre Jesu, ist es eine
Religion der geistlichen Gleichberechtigung. Obwohl diese Prinzipien oft
vergessen oder verleugnet wurden, hatten sie ihren Einfluss auf die
Entwicklung auf die Geschichte der europäischen Frau.
Das größte
geistliche Geschenk des Christentums für die Frauen war über lange Zeit die
Klöster. Die großen englischen Nonnenklöster Whitby und Ely galten als
Bildungszentren. Viele Nonnen waren große Gelehrte. Für die Mädchen waren
die Klöster lange Zeit der einzige Ort, wo sie Unterricht erhalten konnten.
Die Geschichtsbücher schweigen jedoch über die Beiträge der Frauen zu
Wissenschaft, Politik und Theologie. So gibt es im christlichen Bereich ganz
klar eine Geschichte weiblicher Theologietraditionen von den Jüngerinnen
über die Diakoninnen und Predigerinnen der christlichen Gemeinde bis zu den
Mystikerinnen des Mittelalters. Die venezianische Theologin und
Schriftstellerin Christine de Pizan (1405) schrieb in ihrem Buch von der
Stadt der Frauen über diese weibliche Geschichte der Theologie, die so
beharrlich totgeschwiegen wird. Sie sagte, die Werke der Frauen sind
Leitern, die in den Himmel führen. Viele der Theologinnen und führenden
Glaubensschwestern der verschiedenen religiösen Gruppierungen stellten die
männliche Gelehrsamkeit durch Leben ihrer weiblichen Tugenden in Frage.
Durch die
Reformation bekam die Frau wieder die Möglichkeit, als geistlich
gleichberechtigte Glaubensschwester zu leben. Die Bibel wurde in die
Landessprachen übersetzt und die Frauen mussten lesen lernen um ihre Kinder
im Glauben unterrichten zu können.
Soweit ein Ausflug
in die europäische Kirchengeschichte, die unsere Gesellschaft hier geprägt
hat. Sicher gibt es in allen anderen Religionen ebenso den bedeutenden
Einfluss der Frauen und man könnte auch hier viele Beispiele erwähnen.
Im gesamten
historischen Ablauf schwankt die Menschheit zwischen Epochen des
partnerschaftlichen und männerzentrierten Weltbildes wie Historiker
beobachten können.
In den
partnerschaftlichen Epochen ist große kulturelle Kreativität zu beobachten.
Wohlstand und sozialer Fortschritt werden oft durch Frauen erreicht.
In Phasen der
Unterdrückung der Frau nimmt auch Gewalt, Rassismus und Unterdrückung
andersdenkender Minderheiten zu. Diese Zeiten waren immer Vorläufer von
repressiven und blutigen Epochen.
Wenn wir auf diese
Geschichte zurückblicken, können wir gar nicht anders, als unsere Aufgabe zu
erkennen und wahrzunehmen.
Die Zeit in der
wir leben, gilt als die „ moderne“, das Zeitalter der Vernunft. Aufklärung
statt Aberglaube, Humanismus statt Barbarei, empirische Wissenschaft statt
Dogmatismus.
Philosophen und
Wissenschaftler beherrschten in der westlichen Welt die Diskussionen. Sie
schienen Propheten einer kulturellen Transformation zu sein. Aber dieser „
rationale Mensch“ fuhr das ganze 19. und 20.Jahrhundert und sogar bis heute
fort zu töten, zu unterdrücken, auszubeuten. Wo ist da die Vernunft? Warum
können die Ideologien dieser Zeit keine Welt des Friedens herbeiführen?
Partnerschaft als
Grundlage einer Welt des Friedens
In der Natur
existieren alle Dinge in Paaren, die eine Partnerschaft bilden. Eine Frau
ist somit eine ganze und vollkommene Partnerin. Daher ist die Frau nicht ein
Gehilfe oder ein Objekt des Mannes, das seinen Schutz benötigt. Sie ist
vielmehr eine eigenständige Entität, die den Mann vollendet, indem sie Liebe
gibt und erwidert. Mann und Frau sind somit vollkommen gleichwertig. Und,
Mann und Frau brauchen sich gegenseitig um ein Ganzes zu bilden.
Ich denke, der
Satz „Hinter jedem großen Mann steht eine große Frau“ müsste eigentlich
heißen „ Neben jedem großen Mann steht eine große Frau“.
Es ist daher
selbstverständlich, dass die Beziehung zwischen Mann und Frau nicht durch
Feindseligkeiten und Konkurrenzdenken belastet sein sollte. Jeder hat seine
eigenen Qualitäten und Wesenszüge und beide können einander ergänzen.
Dadurch entsteht etwas Größeres und Schöneres als bloß die Summe ihrer
Qualitäten und Wesenszüge.
Wir leben
glücklicherweise hier in einer Kultur, in der uns das leicht bewusst werden
kann und wir können dafür dankbar sein. Doch
immer noch gibt es auf der Welt viele Frauen, die keine Chance haben,
ihre wahre Identität zu finden. Dort bedarf es guter Ausbildung beider
Geschlechter um das Wunderbare der gleichwertigen Beziehung zu erkennen und
leben zu lernen.
Die Rolle der Frau
in einer Partnerschaft für den Frieden
Was ist also die
Rolle der Frau in dieser Partnerschaft? Warum ist die Frau so wichtig für
den Weltfrieden? Chris Griscom sagte in ihrem Buch „Der weibliche Weg“, dass
das Weibliche danach trachtet, in allen Ideen, in der Schöpferischen Kraft,
das Gemeinsame zu finden und zu vereinen, indem es bei Widerständen
Öffnungen und Lösungen und in allen Ideologien und Philosophien das
Verbindende entdeckt. Welcher Blickwinkel wäre besser geeignet, die
Möglichkeiten des Friedens zu erforschen, gestalten und verwirklichen? Wer
wäre besser dazu geeignet, den Frieden erringen und die nächste Generation
zum Frieden zu erziehen?
Ich erinnere noch
einmal an das Zitat von Klara Maria Fassbender „Es gibt keine Möglichkeit
den Frieden zu erhalten, und eine neue Welt zu schaffen, wenn nicht ein
neuer Geist den Menschen beseelt. Und diesen neuen Geist in uns zu
entfalten, dass ist die Aufgabe, die wir uns gestellt haben“. Wir
Frauen tragen das neue Leben in uns, wir bringen es zur Welt, wir ernähren,
erziehen und beschützen unsere Kinder. Daher empfinden wir viel tiefer die
Notwendigkeit, Frieden zu schaffen und darum ruft die Frauenföderation
Frauen in der ganzen Welt auf, Samen des Friedens zu säen.
Indem wir als
Mütter die Menschheit gebären und nähren, tragen wir die Zukunft der
Menschheit in unserem Schoss. Mütterlichkeit ist ein essentieller Wesenszug
der Frau. Auch wenn eine Frau selbst keine Kinder zur Welt bringt, kann sie
diesen Wesenszug verwirklichen. Warum nennen wir eine Frau, die sich für
andere einsetzt Mutter, so wie unsere Mutter Teresa? Mutter Teresa hat kein
Kind zur Welt gebracht, ist aber Mutter für tausende leidende Menschen und
viele junge Frauen, die ihrem Beispiel folgen, geworden.
Gedanken zur Wurzel der menschlichen Konflikte
Große Pioniere die die Möglichkeiten jenseits der üblichen
Antworten auf menschliche Konflikte erforscht haben, haben uns immer wieder
gezeigt, dass es Fertigkeiten gibt, die wir lernen können und die uns fähig
machen, „Wunder“ in zwischenmenschlichen Beziehungen zu vollbringen. Einzelne Pioniere haben uns immer wieder
gezeigt, dass die Wurzel der Konflikte nicht wirtschaftlich oder politisch
bedingt oder auf Ignoranz zurückzuführen ist. Wirtschaft, Politik und
Medien sind menschliche Aktivitäten und als solche manifestieren sie die
Zeichen des Zwiespalts und der falschen Ausrichtung der Personen, die an
ihnen beteiligt sind. Mit anderen Worten, der menschliche Konflikt beginnt
grundsätzlich in Geist und Herz eines jeden Einzelnen.
Obwohl es unbequem scheint, liegt die grundlegende Lösung
also im Geist und Herzen einer jeden Einzelperson. Dieser Bereich muss
berührt werden, wenn wir dauerhafte Veränderungen in den Ursachen der
Konflikte sehen wollen.
Der innere Zerrissenheit kommt zur Oberfläche, wenn die
Richtung des individuellen Zweckes einer Person und der öffentliche Zweck
anderer in Widerspruch geraten. Um es einfacher zu sagen, der erste Schritt
in Richtung Konflikt ist es, die eigenen selbstbezogenen Interessen über das
Wohlergehen anderer zu stellen.
Dies ist keine einfache Angelegenheit. Wenn Einzelpersonen
Zusammenschlüsse bilden, seien sie ökonomisch oder politisch (und sehr oft
sind sie beides), können die erdrückenden Auswirkungen kollektiver
selbstsüchtiger Interessen nicht übersehen werden. Das ist der Anfang des
Teufelskreises verletzender Beziehungen, aus denen Konflikte und Kriege
hervortreten.
Ob dies absichtlich und bewusst getan wird, ändert nichts an
der Tatsache der Konflikte, die entstehen, wenn egoistische individuelle
Zwecke im Widerspruch zu öffentlichen Zwecken stehen. Für sich selbst zu
sorgen heißt nicht, dass man automatisch den Kreis des Konflikts in Gang
setzt. Jedoch für sein eigenes Wohl auf Kosten eines anderen zu sorgen, wird
den Konflikt immer ankurbeln.
Hingegen ist Frieden die natürliche Konsequenz von
Übereinstimmung in dieser fundamentalen Stufe von Absicht, Bewusstsein,
Gedanke und Tat. Wenn Einzelpersonen ihre persönlichen Zwecke in
Übereinstimmung mit dem Allgemeinwohl ausrichten und ordnen (z.B. im
Hinblick auf die Bedürfnisse anderer), auch wenn die erforderlichen Aufgaben
schwierig zu erfüllen sind, wird unvermeidlich Gleichgewicht und Frieden
errichtet.
Es ist jedoch nicht genug für eine Einzelperson, für einen
öffentlichen oder allgemeinen Zweck zu arbeiten. Diese Zwecke müssen in sich
selbst selbstlosen Gebens wert sein. Es gibt viele Anlässe, zu denen
Menschen gerufen wurden, die nur für einige wenige vorteilhaft waren, aber
tödlich für alle außerhalb ihrer Grenzen. Der Aufstieg und Fall solcher
anspruchsvollen Ideologien wie Faschismus und Kommunismus erinnern uns an
die Gefahr, wenn Individuen einem höheren Zweck dienen wollen ohne ein
tieferes Herz des Verständnisses und des Mitgefühls gegenüber der gesamten
Menschheit.
Der Zweck des Ganzen muss ausgerichtet sein auf universelle
Werte wie zum Beispiel die universellen Menschenrechte, die den
unveräußerlichen Wert eines jeden Menschen anerkennen ungeachtet seiner
wirtschaftlichen oder sozialen Klasse, seines Erziehungsniveaus,
Geschlechtes, seiner Rasse, Religion, Nationalität oder Kultur. Allein
dieses Konzept ist immer noch nicht universell akzeptiert. Jedoch, wenn wir
einander wahrhaftig als eine „Familie der Menschheit“ sehen würden, dann
würde es immer schwerer werden zu rechtfertigen, dass dem größten Teil
dieser Familienmitglieder der Zugang zur Bildung und wirtschaftlichen
Vorteilen verwehrt wird, die andere Mitglieder heute schon genießen.
Wir leben in einem
Zeitalter, in dem Kommunikation mit allen Teilen der Welt möglich ist. Durch
die Medien erfahren wir, was auf der anderen Seite des Erdballs geschieht.
In Sekundenschnelle können wir Nachrichten per Internet verschicken. In
wenigen Stunden bringen uns Flugzeuge zu jedem beliebigen Teil der Welt.
Alle äußeren Bedingungen sind gegeben, um in einer Welt des
Friedens, der gegenseitigen Akzeptanz und des Miteinanders zu leben.
Doch noch ist ein weiter Weg zu gehen um diese Ideale zu
verwirklichen. Derzeit sind nach Einschätzung des Welternährungsprogramms
der Vereinten Nationen (WEP) 40 Millionen Menschen vom Hunger bedroht.
Besonders betroffen sind die Bürger von Simbabwe, Angola, Lesotho, Swasiland
und Mosambik; in den Ländern Sambia, Malawi, Äthiopien und Eritrea sei sogar
der Nahrungsmittelnotstand erklärt worden. Bei etwa 15 von insgesamt 40
Millionen betroffenen Menschen gebe es einen Bedarf an Soforthilfe mit bis
zu 1,6 Millionen Tonnen Nahrungsmitteln bis April 2003, und einen Bedarf von
etwa 1,9 Millionen Tonnen Nahrungsmittel für weitere 11 bis 15 Millionen
Menschen bis Juni 2003 in der Region des Horns von Afrika.
Wie kann man bei
diesen Zahlen an Krieg denken? Müssten wir nicht zuerst daran denken, diese
Leiden zu beheben? Nur zum Vergleich: Nach einem Bericht in „World Military
and Social Expenditures“ sind die Kosten für die Entwicklung einer
Interkontinentalrakete so hoch, dass dafür 50 Millionen Kinder ernährt
werden könnten, 160 000 Schulen gebaut und 340 000 Krankenhäuser eröffnet
werden könnten Ein einziges neues atombetriebenes U-Boot, kostet soviel wie
die jährlichen Ausgaben für Erziehung und Ausbildung von 23
Entwicklungsländern zusammen genommen, in denen es für 120 Millionen Kinder
keine Schulen gibt und elf Millionen Babys vor ihrem ersten Geburtstag
sterben. Damit ließen sich Lebenschancen für Millionen von Menschen
schaffen, die derzeit zu einem Leben in Armut und Unwissenheit verdammt
sind.
Erziehung zum
Frieden ist eine Aufgabe der Frau
Wo sind hier die
Gedanken an das Wohl und die grundlegendsten Rechte unserer Geschwister
innerhalb der großen Menschheitsfamilie? Ohne den Gedanken der Weltfamilie
und ohne Respekt für die Geschwister bleibt die einzige Antwort, andere zu
verneinen und den Zyklus des Konfliktes auszuweiten.
Wenn wir die Rechte der anderen anerkennen, uns für ihr
Wohlergehen einsetzen, wer immer sie auch sein mögen, so wie wir uns als
Mütter um unsere Kinder kümmern, dann sind wir fähig, unseren Geist für die
Möglichkeit einer friedlichen Lösung eines jeden Konfliktes zu öffnen. Mit
diesem mütterlichen Blickwinkel können Wunder vollbracht werden.
Was können wir als Frauen also heute und jetzt tun um auch die inneren
Voraussetzungen dafür zu schaffen?
Kriege beginnen in
den Köpfen und Herzen der Menschen. Die Menschen versuchen, Konflikte mit
Gewalt zu lösen, da ihnen die Fähigkeiten zur konstruktiven Konfliktlösung
fehlen. Diese wiederum haben ihre Grundlagen in dem Erlebnis von
Geborgenheit, Respekt und Liebe in der Familie. Dort ist der Anfang unserer
Aufgabe als Frau- unsere Kinder und die Jugendlichen im allgemeinen zu
fördern, Qualitäten zum positiven Miteinander zu entwickeln, d.h. Hinwendung
zum anderen, Abwendung von der Egozentrik. Somit wird unsere Familie zum
Baustein einer friedlichen Welt.
Wo unsere Familie
sein mag und wie sie aussehen mag spielt keine Rolle. Vielleicht ist sie wie
meine sechsköpfig oder es ist die Familie meines Nachbarn. Meine Familie
können meine Kollegen sein, meine Schüler – als Frau können wir überall
Familie finden und so am Aufbau einer friedlichen Welt teilnehmen. Die
zentralen Angelegenheiten des Weltfriedens hängen also an der Frage, wie
Friede im Individuum und in der Familie verwirklicht wird.
Friede beginnt
also nicht auf der globalen Ebene. Friedensverträge zwischen verfeindeten
Nationen sind bedeutungsvoll und erstrebenswert, aber dauerhafter Friede
kann nur erreicht werden, wenn wir ihn unserer nächsten Generation ins Herz
einpflanzen.
Die WFWP und ihre Arbeit zur
Friedensgestaltung
Die Politiker sprechen über die Einheit Europas. Durch
Vereinbarungen wie eine gemeinsame Währung versuchen sie, die Länder
einander näher zu bringen.
Aber wir wissen,
dass äußere Formalitäten die Menschen nicht zusammen bringen. Nur auf der
Ebene des Herzens kann Einheit entstehen. Das ist unser Weg und unsere
Aufgabe. Den Weg, den wir als Frauen vorbereiten, werden unsere Männer und
Familien folgen. Wir als Frauen, die Schwestern sein möchten, können den
inneren Zusammenhang unserer Länder stärken und erneuern.
Dort liegt der Ursprung der Frauenföderation für
Weltfrieden. Die FFW ist nicht „noch eine“ Frauenorganisation. Auch ist die
FFW keine Organisation, die sich ausschließlich für die Rechte der Frauen
einsetzt.
Unsere Arbeit ist
sehr vielseitig und der Situation der jeweiligen Länder angepasst.
Der erste
Hauptaspekt unserer Arbeit innerhalb der Frauenföderation für
Weltfrieden ist daher die Erziehung der Gesellschaft zum Frieden.
Friedenserziehung beginnt im engsten Kreis der Familie, dehnt sich aber von
dort aus in die Gesellschaft, zur nationalen und weltweiten Ebene. Dazu
gehört die Vermittlung eines guten Wertesystems. Wir möchten den Grundsatz
– Ein Leben für andere führen – leben und fördern.
Daraus ergibt sich
der zweite Schwerpunkt unserer Arbeit, das ist unser Einsatz in
Entwicklungsländern und in sozialen Aktivitäten in unserer Nachbarschaft.
Der dritte
Aspekt ist Hilfe und Erziehung zur Konfliktlösung. Die Frauenföderation
leistet in diesem Aspekt einen einzigartigen Beitrag zum Frieden. In den
letzten Jahren inspirierte die Frauenföderation für Weltfrieden Frauen
verfeindeter Nationen, unterschiedlicher Kulturen, Rassen und Religionen,
Brücken des Friedens durch Schwesternschaftszeremonien zu bauen. Diese
Friedensbrücken helfen zu bereuen und zu vergeben. So werden Samen des
Friedens überall in der Welt gesät. Die Gründerin der Frauenförderation,
Frau Hak Ja Han sagte in ihrer Rede, „Frauen, die die führende Rolle in der
Welt übernehmen werden“: „Wenn Sie wirklich Gottes Herz fühlen, wie können
Sie mit Ihren Feinden die Rechnung begleichen? Im Gegenteil, was Sie tun
sollten, ist die Menschen dazu zu bewegen, ihrem Feind zu helfen. Der Wunsch
Ihren Feind zu umarmen du mit ihm in Liebe eins zu werden wird Sie vor die
Türen des Himmelreichs bringen.“
Wenn alle Frauen
dieser Welt Schwestern werden, können die Männer keine Kriege mehr führen.
Dies ist der Leitgedanke dieser Friedensbrücken. In der Zwischenzeit haben
sich viele Männer diesem Gedanken angeschlossen und nehmen an
Friedensbrücken teil. Solch liebevollen Umarmungen sind nichts anderes als
die Verwirklichung jener Geisteshaltung, die Jesus Christus schon vor 2000
Jahren verbreiten wollte.
Denn wie Martin
Luther King jun. sagte: „Schließlich aber stellt die Liebe die einzige Kraft
dar, die Feinde in Freunde verwandeln kann.“ Glücklicherweise fordern heute
Menschen aller Kulturen das herkömmliche System heraus und die elementare
Verbundenheit der Menschen untereinander, die von Sehern und Mystikern „Agape“
genannt wird, wird die von allen ersehnte Transformation herbeiführen.
Wir glauben daran,
dass wir Frauen diese Welt verändern können. Viele Frauen sind schon
vorausgegangen als Wegbereiter. Wer kennt nicht Mutter Teresa? Harriet
Beecher-Stowe, die Autorin von „Onkel Toms Hütte“ bekämpfte die Sklaverei.
Bertha von Suttner konnte mit ihrem Roman „Die Waffen nieder!“ das
Bewusstsein ihrer Gesellschaft verändern und gewann als erste Frau den
Friedensnobelpreis. Die bekannte schwedische Dichterin Selma Lagerlöf war
ihr Leben lang eine Vorkämpferin für den Frieden unter den Völkern. Nicht so
bekannt sein dürfte, dass auch Helen Keller sich neben vielen Anliegen für
Taubstumme und Blinde auch für den Frieden einsetzte. Als eine unserer
Zeitgenossinnen stand Jehan Sadat ihrem Mann, dem damaligen ägyptischen
Präsidenten, tatkräftig zur Seite. Es ist auch ihr Verdienst, dass ihm der
Friedensnobelpreis verliehen wurde.
Dazu möchte ich
ganz besonders die Verdienste um den Frieden von Frau Dr. Hak Ja Han, der
Gründerin der weltweiten Frauenföderation für Weltfrieden, erwähnen, die
sich unermüdlich dafür einsetzt, unter allen Menschen Verständnis und Liebe
füreinander zu entwickeln.
Nicht zu vergessen
die Frauen, die unter oft unsäglichen Bedingungen jeden Tag um das Überleben
ihrer Familien kämpfen müssen. Ihre Tränen sind der kostbare Nährboden für
den Frieden.
Selbstlose
mütterliche Liebe ist die größte Kraft, die in dieser Welt existiert und
diese Kraft wollen wir in die Gesellschaft bringen, in die Politik,
Wirtschaft, Erziehung, die Rechtssysteme und die Diplomatie. Wir müssen mit
großer Überzeugung vorangehen, egal wie verwundet und narbenbedeckt diese
Welt auch sein mag. Sie kann geheilt und gereinigt werden.
Vor diesem Hintergrund ist es mir im Rahmen unserer heutigen
Veranstaltung ein Anliegen darauf hinzuweisen, unsere ganz persönliche
Verantwortung für die Gestaltung einer freien und friedlichen Welt zu
erkennen. Ich hoffe, dass unser Zusammensein hier in Holland uns allen eine
Chance gibt, neue Wege zu finden in dieser historischen Zeit an der
Transformation dieser Welt teilzunehmen.
Frieden ist nicht nur ohne Krieg leben. Frieden ist das Miteinander aller
verschiedenen Rassen, Religionen, Kultur und Nationen in gegenseitiger
Akzeptanz, gegenseitigem Respekt, und gegenseitiger Achtung und
Unterstützung.
Frieden beginnt
also in unserem Herzen und dehnt sich aus zu den Herzen aller unserer
Mitmenschen
Wir können damit
anfangen, jetzt und heute.
Ich möchte meine
Rede mit vier Wünschen für dieses erste Jahrzehnt im dritten Jahrtausend
beenden:
1.) Möge
jede Frau in sich die Qualitäten und Fähigkeiten entdecken, die sie
mitbekommen hat und sie zur Gestaltung einer Welt
des Friedens einsetzen
2.) Möge
sich ein wahres partnerschaftliches Zusammenleben zwischen Mann und Frau
entwickeln.
3.) Möge
Globalisation verstanden werden als Miteinander aller verschiedenen Rassen,
Religionen, Kultur und Nationen in gegenseitiger Akzeptanz, gegenseitigem
Respekt, und gegenseitiger Achtung und Unterstützung
4.) Mögen
die universellen Werte, die alle Unterschiedlichkeiten transzendieren,
Familien, Städte, Nationen und die Welt vereinen |