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Familie - Schule der Liebe Fünf Sterne Sexualität
ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGIE Liebe mit Verantwortung
Gesunde Liebe Sexualität und unsere Gesellschaft
Damit die Liebe wachsen kann Damit sich die Liebe entfalten kann

DAMIT SICH DIE LIEBE ENTFALTEN KANN

Tagungsbericht von
Dr. Friedrich Mooshammer, Bildungswissenschaftler und Publizist, Wien

 Das Thema Liebe stand im Mittelpunkt der Tagung am 16. November im Intercity Hotel in München.
 Rita Seewald, Präsidentin der FFW in Deutschlands stellte die Broschüre „Liebe mit Verantwortung" vor.

„Die viel zitierte ‘sexuelle Befreiung’ seit den 60er Jahren hat unserer Gesellschaft nicht viel mehr Liebe gebracht. Obwohl alle sexuellen Tabus gefallen sind und obwohl jeder von Kindheit an in alle Fragen der Sexualität eingeweiht wird, mangelt es den zwischenmenschlichen Beziehungen mehr denn je an Herzlichkeit und Spontaneität. Im Zeitalter von AIDS und vieler anderer Geschlechtskrankheiten ist es außerdem von größter Bedeutung, verantwortlich mit Liebe und Sexualität umzugehen.

Menschen sind die einzige Ausnahme innerhalb der belebten Natur, die in der ehelichen Liebesbeziehung frei sind, in der Tierwelt dient sie ausschließlich dem Zweck der Fortpflanzung. Jedoch verlangt die wahre Freiheit, die Gott gewährt, auch nach der Verantwortung des Menschen....

Diese Verantwortung können wir uns auf dreifache Weise vergegenwärtigen: die erste Verantwortung besteht darin, Meister der Wahren Liebe zu werden (Freiheit, kultiviertes und kontrolliertes Verhalten). Die zweite Verantwortung betrifft das Objekt der Liebe. Von Natur aus möchte der Mensch die Liebe seines Partners nicht mit jemand anderem teilen. Die Liebe zwischen Mann und Frau unterscheidet sich von der Liebe zwischen Eltern und Kindern: in dem Augenblick in dem sie geteilt wird, verliert sie ihr Potential zur Vollkommenheit. Die dritte Verantwortung der Liebe ist die gegenüber Kindern. die Liebe der Eltern ist die Basis für das Selbstbewußtsein und das Glück der Kinder.... Aus diesem Grund ist die Familie so wertvoll."

Von Frau Cindy Rosenmeier, INKU - Fürstenfeldbruck lernten wir etwas über Aspekte von Ehe, Liebe und Treue kennen, wie diese in Naturvölkern auf den Philippinen und in der traditionellen Gesellschaft dort gesehen werden. Uns beeindruckte der Gedanke, daß Seele, Geist und Sexualität eine untrennbare Einheit bilden und wahres Glück nur in der Erfüllung der Träume in dieser Dreiheit möglich ist.

Herr Prof. Ye aus Nanking, China sprach zu uns über Ehe und Sexualität im alten China (bis 1911), einer patriarchalischen Gesellschaft, die stark von der konfuzianistischen Philosophie geprägt war, bis hin zur Gegenwart, in der Gleichberechtigung und kleine Familien an der Tagesordnung sind. Obwhol sich die Chinesen mehr und mehr am westlichen Lebensstil orientieren, gibt es jedoch dort noch keine so große Freizügigkeit wie in der westlichen Welt.

Herr Siegfried Klammsteiner, Familienberater aus Frankfurt, erzählte uns seine praktischen Erfahrungen mit der neu erkannten Emotionalen Itelligenz, die weit wichtiger ist für unser Lebensglück als der IQ. Die Art und Weise wie wir unsere Gefühle managen - ob sie mit uns durchgehen wie zügellose Pferde oder ob wir im Einklang mit ihnen leben ist von großer Bedeutung.

Durch das Nachmittagsprogramm, führte Frau Irmi Ingwersen (Malerin).

Frau Prof. Dr. M. Hinkelmann-Toewe, PROFW - Uni Fulda, rüttelte uns auf als sie über die gegenwärtige Situation vieler Frauen und Mädchen zu uns sprach. Ganz besonders prägte sich der Gedanke ein, daß alljährlich 100 Millionen ungewollte Schwangerschaften ausgetragen werden. Das bedeutet, daß ca. die Hälfte aller auf Erden lebenden Menschen aus ungewollten Schwangerschaften hervorgegangen sind! Frau Prof. Dr. Hinkelmann-Toewe fordert deshalb, daß alles dafür getan werden muß, damit vor allem die Männer verantwortlich mit ihrer Sexualität umzugehen lernen.

Im Weiteren bot sie auch wunderbare Einsichten und Lösungen an, sich immer wieder auf den Philosophen Erich Fromm beziehend. In der Erziehung von Buben und Mädchen plädierte sie dafür, daß diese nicht geschlechtssprzifisch sondern an der Persönlichkeit des Kindes orientiert werden sollte.

Frau Prof. Dr. Hinkelmann-Toewe wünscht sich liebevolleres Verhalten von Menschen in allen Lebensbereichen. Damit sprach sie allen Teilnehmern aus dem Herzen. Zitat: "Liebloses Verhalten hinzunehmen, es über sich ergehen zu lassen, oder gar daran aktiv mitzuwirken, das erweist sich ebenfalls als mit liebevollem Verhalten nicht vereinbar. Das Wesen von liebevollem Verhalten ist.... gegen liebloses, gewalttätiges Verhalten, wo dieses auch immer zugemutet wird, vorzugehen. Es mit Entschiedenheit abzulehnen, es zurückzuweisen, in jedem Falle nicht mitzumachen."

Von WAHRE LIEBE WARTET kam Frau Dr. med. Marion Gimmler zu uns. Sie sprach davon, wieviel gesünder es für Teenager wäre, mit der sexuellen Liebe zu warten bis sie den Partner gefunden haben, mit dem sie ihr Leben teilen möchten. Schon 5000 junge Menschen in Deutschland haben durch ihre Unterschrift den festen Entschluß bekräftigt, bis zur Ehe zu warten. Sie sprach auch davon, daß viele junge Menschen zu ihnen kommen, die schon sexuelle Erfahrungen gemacht haben und sich aufgrund dieser nicht so guten Erfahrungen entschließen, ihren Lebensstil zu ändern und lieber zu warten bis sie eine dauerhafte Beziehung gefunden haben. Diese Bewegung basiert auf dem christlichen Gedanken und stammt aus den Vereinigten Staaten.

An die Vorträge von Frau Prof. Dr. M. Hinkelmann-Toewe und Frau Dr. med. Gimmler schloß sich eine lange und interessante Diskussion, die allen Teilnehmern und Sprechern noch viele Denkanstöße und Einblicke bot.

Die bei der Veranstaltung gemachten Erfahrungen zeigten uns, wie aktuell und wichtig es ist, dieses Thema ausführlich zu behandeln. Alle Beteiligten wünschten sich, daß weitere Seminare dieser Art an vielen Orten in Deutschland durchgeführt werden können. Inzwischen entwickelte sich aus dieser ersten Veranstaltung eine ganze Reihe von ähnlichen Tagungen und Folgetreffen in München und auch in Frankfurt. 

 

Damit Frau Liebe entfalten kann!
von den Voraussetzungen - zur praktischen Entfaltung

Vortrag zum Thema: Damit sich Liebe entfalten kann

Herzlichen Dank für Ihr Klatschen. Das ist nicht selbstverständlich, wenn in dem Titel einer Organisation das Wort feministisch oder Feminismus auftaucht. Und das auch zurecht. Vielleicht darf ich kurz erklären, wie es zu dieser Bezeichnung gekommen ist, was es damit auf sich hat, damit Sie alle ein warmes Gefühl dazu bekommen bzw. das Ihrige behalten.

Ich habe die naturwissenschaftlich begründete Pädagogik ins Leben gerufen. Das ist eine Pädagogik, die auf Gesetzmäßigkeiten des eigentlich-Menschlichen aufbaut. Ziel dieser Pädagogik ist, die individuelle Entwicklung von jedem Menschen zu fördern, d. h. von Jungen und Mädchen in gleicher Weise, von Männern und Frauen in gleicher Weise. Es geht um die individuelle Entwicklung - das betone ich noch einmal - nicht um irgendeine Entwicklung. Als ich damit anfing, mußte ich feststellen, daß Mädchen, daß Frauen in derartigen Behinderungen stecken, daß sie gar nicht an ihre Entwicklungsmöglichkeiten, an ihre Potentiale, herankommen. Das führte zur Entscheidung, diese Behinderungen zu bearbeiten und auflösen zu helfen. So ist die Bezeichnung entstanden, Praxis-orientierte feministische Wissenschaft.

Als ich das Thema der heutigen Tagung zum ersten Male las, dachte ich: wie mutig, über die Liebe eine Tagung zu veranstalten - und dazu so viele Expertinnen und Experten (Anm.: Der Tagungsraum war voll.)

Wundervoll! Ich bedanke mich bei den Organisatorinnen für diese mutige Initiative!

Was mich hier und heute besonders freut, das ist die Atmosphäre. Eine Atmosphäre wie diese macht Bewegung möglich, Bewegung aufgrund von neuen Einsichten, von neuen Informationen. Was mich betrifft, mich hat sie schon erfaßt. Auch dafür herzlichen Dank an die Organisatorinnen, vor allen Dingen an Frau Riedl..

1. Wir haben heute schon einiges zur Liebe gehört und es hat sich gezeigt: wir alle haben Erfahrungen in der Liebe. Haben wir nicht alle irgendwann einmal von der Liebe geträumt - oder träumen noch davon?

Sie werden alle Ihre Vorstellungen haben, was Liebe sei, was dazu gehöre - was noch Liebe und was keine Liebe mehr sei - was nicht mehr zu ihr gehöre - wo Liebe aufhöre bzw. wo sie anfange. Vielleicht haben Sie sogar Ihre Liebesphilosophie!

Wenn uns etwas gemeinsam ist, so sind es Erfahrungen in diesem Bereich - wie verschieden sie im Einzelnen auch ausgefallen sein mögen.

Ich kenne kein Phänomen, über das so viel geredet - gesagt - nachgedacht - geträumt - geschrieben - gesungen - philosophiert wird - und das so vermarktet wird wie die Liebe. Und mir ist kein zwischenmenschlicher Bereich bekannt, in dem so viel Enttäuschung - Schmerz - Leid erfahren wird, sie in der Liebe / im Namen der Liebe - ich kenne keinen anderen Sachverhalt, der so viele Tränen auslöst, so viel Verzweiflung aufkommen läßt, zu so vielen Selbstmorden führt, wie Liebe.

Auf der einen Seite die prächtigen Vorstellungen von Liebe -

auf der anderen ihre ernüchternde Realität!

Herzlichen Dank für Ihr Klatschen. Das ist nicht selbstverständlich, wenn in dem Titel einer Organisation das Wort feministisch oder Feminismus auftaucht. Und das auch zurecht. Vielleicht darf ich kurz erklären, wie es zu dieser Bezeichnung gekommen ist, was es damit auf sich hat, damit Sie alle ein warmes Gefühl dazu bekommen bzw. das Ihrige behalten.

Ich habe die naturwissenschaftlich begründete Pädagogik ins Leben gerufen. Das ist eine Pädagogik, die auf Gesetzmäßigkeiten des eigentlich-Menschlichen aufbaut. Ziel dieser Pädagogik ist, die individuelle Entwicklung von jedem Menschen zu fördern, d. h. von Jungen und Mädchen in gleicher Weise, von Männern und Frauen in gleicher Weise. Es geht um die individuelle Entwicklung - das betone ich noch einmal - nicht um irgendeine Entwicklung. Als ich damit anfing, mußte ich feststellen, daß Mädchen, daß Frauen in derartigen Behinderungen stecken, daß sie gar nicht an ihre Entwicklungsmöglichkeiten, an ihre Potentiale, herankommen. Das führte zur Entscheidung, diese Behinderungen zu bearbeiten und auflösen zu helfen. So ist die Bezeichnung entstanden, Praxis-orientierte feministische Wissenschaft.

Als ich das Thema der heutigen Tagung zum ersten Male las, dachte ich: wie mutig, über die Liebe eine Tagung zu veranstalten - und dazu so viele Expertinnen und Experten (Anm.: Der Tagungsraum war voll.)

Wundervoll! Ich bedanke mich bei den Organisatorinnen für diese mutige Initiative!

Was mich hier und heute besonders freut, das ist die Atmosphäre. Eine Atmosphäre wie diese macht Bewegung möglich, Bewegung aufgrund von neuen Einsichten, von neuen Informationen. Was mich betrifft, mich hat sie schon erfaßt. Auch dafür herzlichen Dank an die Organisatorinnen, vor allen Dingen an Frau Riedl..

1. Wir haben heute schon einiges zur Liebe gehört und es hat sich gezeigt: wir alle haben Erfahrungen in der Liebe. Haben wir nicht alle irgendwann einmal von der Liebe geträumt - oder träumen noch davon?

Sie werden alle Ihre Vorstellungen haben, was Liebe sei, was dazu gehöre - was noch Liebe und was keine Liebe mehr sei - was nicht mehr zu ihr gehöre - wo Liebe aufhöre bzw. wo sie anfange. Vielleicht haben Sie sogar Ihre Liebesphilosophie!

Wenn uns etwas gemeinsam ist, so sind es Erfahrungen in diesem Bereich - wie verschieden sie im Einzelnen auch ausgefallen sein mögen.

Ich kenne kein Phänomen, über das so viel geredet - gesagt - nachgedacht - geträumt - geschrieben - gesungen - philosophiert wird - und das so vermarktet wird wie die Liebe. Und mir ist kein zwischenmenschlicher Bereich bekannt, in dem so viel Enttäuschung - Schmerz - Leid erfahren wird, sie in der Liebe / im Namen der Liebe - ich kenne keinen anderen Sachverhalt, der so viele Tränen auslöst, so viel Verzweiflung aufkommen läßt, zu so vielen Selbstmorden führt, wie Liebe.

Auf der einen Seite die prächtigen Vorstellungen von Liebe -

auf der anderen ihre ernüchternde Realität!

2. Damit Liebe sich entfalten kann,

eine dezente und gleichwohl prägnante Formulierung, die deutlich macht, wir wollen uns mit Problemen des Phänomens der Liebe beschäftigen - genauer: mit der Frage, was muß geschehen, damit Liebe sich entfalten kann oder sich mehr entfalten kann, als bisher möglich war -

Oder anders formuliert:

Was hindert Liebe an ihrer Entfaltung?

Um hier zu tragfähigen, weiterführenden Antworten zu kommen, ist notwendig, nach den Ursachen zu fragen, die Entfaltung von Liebe erschweren oder gar verunmöglichen. Probleme lassen sich bekanntlich nur durch Behebung der Ursachen lösen, in denen sie wurzeln.

Die PROFW hat sich darauf eingerichtet - und ist so ausgerichtet - in Bezug auf drängende Fragen unserer Zeit nach der Ursache oder den Ursachen zu fragen und zu forschen und auf dieser Erkenntnisgrundlage konkrete praktikable praxis-orientierte Lösungsstrategien vorzuschlagen und einzubringen.

Diese Vorgehensweise, von den Ursachen statt von Symptomen aus zu arbeiten, ist oft auch noch unbequem, weil es genau da ansetzt, was eigentlich nicht zur Disposition stehen sollte - unseren Gewohnheiten - das uns so gut Vertraute und Bekannte.

II.

1. Erich Fromm spricht von der „Kunst des Liebens". Dieser Titel macht sogleich deutlich: Lieben erfordert Können, besonderes Können, eben Können, das an Kunst grenzt. Was du können willst, das mußt du

1. lernen wollen,

2. wenn du es gelernt hast, mußt du es ständig praktizieren wollen, damit es nicht verlernt wird.

Mit anderen Worten - Entscheidungen sind gefragt.

Daran zeigt sich schon, daß Liebe weit mehr ist als ein Gefühl - als Gefühlsrausch und Hingabe, mehr als Gefühlsduselei, mehr als lediglich Emotion.

Liebe ist ein Wert - und wie kein Wert sich von selbst zu entfalten vermag, so vermag es auch die Liebe nicht.

Damit Liebe sich entfalten kann - dazu sind wir gefordert und gefragt.

Und folglich stellt sich die Frage, die uns weiterbringt, so:

Was müssen wir tun, was ändern, damit wir aktiv dazu beitragen können, daß Liebe sich entfalten kann?

2. Aus dem Titel meines Beitrages entnehmen Sie, daß es nicht nur darum gehen soll, gemeinsam darüber nachzudenken, was der Mensch tun / verändern müßte, um in bezeichnetem Sinne tätig zu werden, sondern darum, was schwerpunktmäßig die Frau tun und verändern kann, um aktiv, d. h. durch ihr Tun und Verhalten, die Entfaltung der Liebe voranzubringen.

Warum dieser Schwerpunkt für unsere Betrachtung?

Der Grund für die Notwendigkeit, nach Frauen und Männern zu differenzieren, ist in unserer geschlechtsspezifischen Sozialisation angelegt, sie produziert nämlich zwei Kategorien menschlicher Wesen,

über die typisch männliche Geschlechterrolle - den männlichen Menschen, der dominant zu sein hat, der dominiert, der Macht für sich beansprucht und auch 90 % davon in seinen Händen hält und über die typisch weibliche Geschlechterrolle - den weiblichen Menschen, der sich durch das Gegenteil der Dominanz ausweist, der als minderwertig gilt, so behandelt wird und sich auch so fühlt - und dessen gesellschaftliche Stellung in der Folge durch Ohn-Macht geprägt ist.

Auf der einen Seite Menschen, die in ihrer übergroßen Mehrheit Macht verkörpern, auf der anderen Seite das genaue Gegenteil, Menschen, die in ihrer übergroßen Mehrheit Ohn-Macht verkörpern und die sich in der Folge in einem Verhaltensspektrum bewegen, das von dem der Männer erheblich - in signifikanter Weise - abweicht.

Da Jungen und Mädchen - Männer und Frauen von klein auf so verschieden erzogen werden, wie es durch das Hineinzwängen in die jeweiligen typischen Geschlechterrollen nun einmal passiert, können für beide Geschlechter nicht dieselben Maßnahmen greifen, damit Liebe mehr als bisher zur Entfaltung kommt.

Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen:

Wie kann ich einer Person, die gewohnt ist, andere anzuschreien, und einer Person, die gewohnt ist, sich das Anschreien gefallen zu lassen, ein und dasselbe Vorgehen vorschlagen oder nahelegen? z. B.: Versuch es doch mal ohne Schreien?

Dann braucht sich nicht gewundert zu werden, wenn Probleme nicht gelöst werden.

Solange wir es mit bezeichneten Macht- und Wertgefälle zwischen den Geschlechtern zu tun haben, ist sich auf jedes Geschlecht besonders einzustellen, wenn ihm konkret Möglichkeiten erschlossen werden sollen, konstruktive Beiträge zu leisten.

In meinen Ausführungen wird auf den wichtigen Beitrag von Frauen fokussiert, und auch der männliche Part soll nicht ganz ungeschoren davonkommen.

III.

Bevor wir zu konkreten inhaltlichen Maßnahmen und Vorschlägen kommen, zunächst einig grundsätzliche wissenschafts-theoretische Einsichten zum Phänomen der Liebe.

1. Wir sagten: „Liebe ist ein Wert", als solcher nicht entfaltbar und damit auch nicht erfahrbar. Erfahrbar - weil entfaltbar - ist das Verhalten, das dann entsteht, wenn Verhalten sich an Liebe orientiert. Gemeint ist das Verhalten, das aus der Orientierung am Wert der Liebe folgt, das liebe-volle Verhalten, die Tätigkeit des Liebens. Das kannst du erfahren / wahrnehmen / erkennen / spüren. wie der Wert des Lebens, der uns sicherlich recht nahe ist, erweist sich auch der Wert der Liebe als absoluter Wert. Solche Werte beanspruchen Geltung, die völlig losgelöst ist von unserer Meinung über diese Geltung.

Auch wenn sich nicht nach diesen Werten gerichtet wird: ihre Geltung wird dadurch nicht tangiert.

So wie der Wert des Lebens durch seine absolute Geltung menschliches Leben überhaupt auf Zeit erst möglich macht (denken wir uns diesen Wert für einen Augenblick weg - so wäre Chaos die Folge), so macht der Wert der Liebe menschliches Leben überhaupt erst erträglich. Und wenn es erträglicher werden soll - und das ist bitter von Nöten - dann kann dazu beigetragen werden, indem das konkrete Verhalten an dem Wert der Liebe ausrichtet und so liebe-volles Verhalten realisiert und fortgesetzt Wirklichkeit wird.

2. Diese Orientierung, sich liebe-voll verhalten zu wollen, erfordert die Entscheidung, das individuelle Dasein grundsätzlich am Wert der Liebe zu orientieren. Diese Entscheidung erweist sich als erster notwendiger Schritt. Der zweite notwendige Schritt ist, diese Entscheidung ständig, ja fortgesetzt - in jedem einzelnen Falle, in jeder Situation, in der du dich verhalten sollst - zu wiederholen! - Carl JASPERS spricht in diesem Zusammenhang von der Grundbefindlichkeit des Menschen!

Es ist keinesfalls davon auszugehen, wenn einmal die Entscheidung getätigt wurde, das Verhalten am Wert der Liebe zu orientieren, daß dann jedes einzelne Verhalten automatisch liebe-voll ausfällt. Jedes einzelne Verhalten erfordert von neuem die demgemäße Entscheidung. Die Entscheidung, das Verhalten am Wert der Liebe auszurichten, umfaßt sogleich die Entscheidung für weitere Aspekte des absoluten Wertes, wie Frieden und Gerechtigkeit. Dort, wo sich liebe-voll verhalten wird, dort wird sich zugleich fried-voll verhalten und gerecht.

Sich liebe-voll verhalten wollen, erfordert zudem - das ist der dritte Schritt - unsere Entscheidung, gegen das Gegenteil von Liebe / Frieden / Gerechtigkeit vorzugehen - mithin gegen Lieblosigkeit / gegen Unrecht / gegen Unfrieden / gegen Ausbeutung / gegen Gewalt / gegen geschlechtsspezifische Gewalt / gegen Benachteiligung / Behinderung / Diskriminierung.

Es erfordert unsere Entscheidung, Unrecht nicht hinzunehmen. Ausbeutung Nicht zuzulassen, unfaires Verhalten nicht zu dulden. Benachteiligung / Behinderung unserer individuellen Entwicklung nicht zu ertragen / nicht zu akzeptieren!

3. Erich FROMM spezifiziert, was gekonnt werden muß, wenn tatsächlich liebevolles Verhalten gewollt ist, wenn liebe-volles Verhalten greifen / sich entfalten soll.

- tätige Sorge (für das Leben und Wachsen, den wir lieben),

- echtes Interesse (daß der Mitmensch / die Frau wachsen und sich entfalten kann),

- Achtung (- das Fehlen von Ausbeutung)

- Verantwortungsgefühl: meine Antwort auf die ausgesprochenen oder auch unausgesprochenen Bedürfnisse, „fähig und bereit zu antworten",

- Erkenntnis - dringt in den Kern vor.

Liebe-volles Verhalten beinhaltet Milde und Güte genauso wie Strenge und Konsequenz - und Empfindungen von Sanftheit bis zur Wut (angemessene situationsbezogene Wut).

Erich FROMM hat zudem deutlich gemacht: Wenn die Entscheidung gefallen ist, sich liebe-voll verhalten zu wollen, bezieht sich dieses Verhalten auf alle Bereiche. Alle Aufgaben - in welchem Bereich auch immer - sind demgemäß zu gestalten.

IV.

1. Liebe wird den Bereichen Sexualität und Fortpflanzung besonders eng/stark zugeordnet. Dazu ist weitverbreitete Meinung:

Liebe sei dasselbe wie Sexualität

und der Bereich der Sexualität ist identisch

mit dem Bereich der Fortpflanzung.

2. Diese willkürliche Gleichsetzung . von denjenigen, die die Definitionsmacht innehaben, vorgenommene - haben Frauen übernommen - ganz einfach deshalb, weil sie von denen stammt, die sich als wertvoll im Vergleich zu uns Frauen definieren!

Frauen haben in ihrer ansozialisierten Minderwertigkeit gelernt, das für richtig zu halten, was Männer - die vermeintlich höheren Wesen - uns vorgeben. Daher greift der Irrtum, Liebe sei dasselbe wie Sexualität, bei Frauen auch dann noch, wenn über Generationen (von Urgroßmutter über Großmutter über Mutter zu Tochter) persönliche schmerzvolle Erfahrungen vorliegen, die das Gegenteil vermuten lassen.

Frauen halten gleichwohl an der männlichen Definition von Liebe fest und fügen oft hinzu, um des lieben Friedens willen täten sie das.

3. Da kein Bereich automatisch liebe-voll ist - so sind es auch die Bereiche Sexualität und Fortpflanzung nicht. Vielmehr gilt es auch hier, sich zu entscheiden, ob sich liebe-voll oder lieb-los verhalten wird.

Und es ist ein Verdienst der Frauen-Bewegung, daß mittlerweile unstreitig ist:
das übliche männliche Sexualverhalten - das Frauen gesundheitlichen Risiken und der ständigen Angst vor ungewollter Schwangerschaft aussetzt, das hat mit liebe-vollem Verhalten nichts gemeinsam.

Es ist als das erkannt, was es ist, als lieb-los und destruktiv, als ein Akt gegen die Menschenwürde der Frau, gegen die Unversehrtheit ihres Körpers und zudem wider die eigentliche Natur des Menschen, wie es sich um zwei verschiedene Bereiche, mit zwei verschiedenen Aufgaben des menschlichen Daseins handelt.

4. Die UNO-Weltkonferenzen (Cairo und Peking) fordern in ihren Aktionsplattformen deshalb die Männer auf, endlich Verantwortung für ihr Sexualverhalten zu übernehmen und keine ungewollten Schwangerschaften mehr zu produzieren.

Die Bevölkerungskatastrophe, vor der die Menschheit steht und die nach Lösung schreit, wurzelt in den ca. 100 Mill. ungewollten Schwangerschaften, um die die Weltbevölkerung jährlich weiter ausufert. Die Hälfte der Menschheit - das gilt auch für Europa - ist aus solchen ungewollten Schwangerschaften hervorgegangen. Und immer mehr Menschen aus diesen - die im übrigen in den Familien produziert werden - werden zu Straßen- und Wegwerfkindern.

5. Bereits 1990 - auf dem Weltkindergipfel hat der damalige Bundespräsident Richard von WEIZSÄCKER gefordert:
„Man kann Kinder weder ernähren, noch kleiden mit einer Ethik, die nicht zur besseren Familienplanung aufruft und beiträgt und zwar gerade aus ethischen Gründen."

Bis heute wurde der zitierten Norm männlichen Sexualverhaltens der Öffentlichkeit gegenüber nicht abgesagt - auch nicht von Männern, die in Amt und Würde sind und folglich das notwendige politische und gesellschaftliche Gewicht mitbrächten, hier eine Veränderung herbeizuführen - eine Änderung der Sexualethik.

Soviel zum männlichen Part.

V.

1. Lieb-loses Verhalten hinzunehmen - es über sich ergehen zu lassen oder gar daran aktiv mitzuwirken - das erweist sich ebenfalls als mit liebe-vollem Verhalten nicht vereinbar. Das Wesen von liebe-vollem Verhalten ist, gegen lieb-loses, gewalttätiges Verhalten - wo dieses auch immer zugemutet wird, vorzugehen, es mit Entschiedenheit abzulehnen / es zurückzuweisen / in jedem Falle nicht mitzumachen.

Wer liebt - läßt nicht mit sich machen, läßt nichts über sich ergehen - auch in den Bereichen der Sexualität und Fortpflanzung nicht, gerade dort nicht!

Dort, wo die gesundheitlichen Risiken oder gar das Risiko einer nicht gewollten Schwangerschaft hingenommen werden, da mag sich

- aufopfernd / altruistisch

- hingebungsvoll

- sexy / leidenschaftlich

- duldend / ertragend usf.

verhalten werden. Es wird sich aber nicht liebe-voll verhalten. Liebe-voll wäre vielmehr, denjenigen gegenüber, die sich lieb-los verhalten oder verhalten wollen, klar zu machen, daß solch ein destruktives Verhalten inakzeptabel ist und bleibt und in der konkreten Situation nicht hingenommen wird.

2. Warum fällt dieses Vorgehen uns Frauen so schwer?

Weil es logische Konsequenz ist, die mit Minderwertigkeitsgefühlen einhergeht.

Ich darf in diesem Zusammenhang noch einmal auf Erich FROMM verweisen:

Liebe-volles Verhalten, die Tätigkeit des Liebens, ist grundsätzlich unteilbar. Das liebe-volle Verhalten zu anderen ist vom liebevollen Verhalten zum eigenen Selbst nicht zu trennen. (Die Kunst des Liebens, S. 71)

Erich FROMM nennt es die Selbstliebe (verschieden von der Eigenliebe, dem Egoismus) - die sich als Voraussetzung dafür erweist, anderen liebe-voll begegnen zu können. Und ist diese „Selbstliebe" Frauen - solange sie in ihrer Minderwertigkeit gefangen bleiben, nicht nahezu verschlossen?

Wie soll Frau etwas Minderwertiges, sich selbst, lieben - damit liebe-voll umgehen?

Wie soll Frau ihren minderwertigen Körper lieben, der den Mythen der Männer zufolge als so minderwertig angesehen wird, daß er nicht einmal über die Fähigkeit einer eigenen Sexualität verfüge??

Ihr vermeintlich minderwertiger Körper - und damit sie selbst - so der weitverbreitete Mythos - würde erst wertvoll, erst Wert erlangen, wenn er (der Körper der Frau) von Männern begehrt würde.

3. Sich liebe-voll verhalten wollen - fordert zwingend ein gutes, rundes Körpergefühl ein. Die Frauen-Bewegung hat zurecht immer wieder darauf aufmerksam gemacht. Ein gesundes Körpergefühl macht sicher - das läßt zu, sich für liebe-volles Verhalten mit seinen Implikationen zu entscheiden, die durchaus auch anstrengend sein können, aber keinesfalls so anstrengend, wie ungewollte Schwangerschaften hinzunehmen.

4. Unabhängige Untersuchungen zeigen - solange in den Bereichen Sexualität und Fortpflanzung lieb-loses, gewalttätiges Verhalten mit all den schmerzhaft - folgeträchtigen Auswirkungen hingenommen, sich nicht dagegen zur Wehr gesetzt, mithin Konflikten ausgewichen wird, wird auch in anderen Bereichen des Zusammenlebens aggressivem und destruktivem Verhalten Nichts entgegengesetzt.

Mit Feststellungen wie

- So ist er halt mal!

- Du kennst doch Vater! Laß ihn!

- Gib doch nach - laß doch sein - mir zuliebe!

kehren Frauen unter den Tisch, um des lieben Friedens willen, und tragen dadurch zur Aufrechterhaltung des Status quo bei - statt diesen zu verändern. Christina THÜRMER-ROHR bezeichnet dieses Phänomen als Mittäterschaft. Damit meint sie, daß Frauen mit den Tätern schaffen - und damit gegen ihre ureigenen Interessen und Bedürfnisse und die ihrer Mitfrauen.

VI.

1. Sich liebe-voll Verhalten und destruktives Vorgehen hinzunehmen - das schließt sich gegenseitig aus.

Liebe-volles Verhalten, dieses tätige Streben, die eigene individuelle, wertvolle Entwicklung und die von anderen voranzubringen, erfordert - denn das ist Teil seines Wesens - gegen lieb-loses, destruktives, gewalttätiges Verhalten (in welcher Form auch immer) vorzugehen.

D. h. die Entscheidung, sich liebe-voll verhalten zu wollen, dazu beizutragen, daß "Liebe sich entfalten kann", in Ehe, Familie, in Beziehungen, „erfordert zugleich die Entscheidung: die Konflikte mit denjenigen auszutragen, die sich lieb-los, behindernd und gewalttätig verhalten - folglich auch mit dem Mann, mit dem Frau zusammenlebt.

2. Diese Konfliktfähigkeit ist Frauen offensichtlich bisher kaum bzw. gar nicht eigen, wie die Lebensrealität von Frauen belegt.

Was nicht verwundert, denn diese Fähigkeit steht der typisch weiblichen Sozialisation und den ihr implizierten, von Männern gewollten Fähigkeiten diametral entgegen.

Dort, wo tatsächlich Ziel ist, daß „Liebe sich zu entfalten vermag", genauer „daß Frau Liebe zu entfalten vermag", dort ist genau diese Konfliktfähigkeit von Frauen gefragt, die jede, wenn sie sich dafür entscheidet, systematisch erschließen kann.

PROFW Praxis-orientierte Feministische Wissenschaft FH Fulda
Prof. Dr. Muthgard Hinkelmann-Toewe

 
   

 

Mit Herz und Hand ist die Online Zeitschrift der 
Österreichischen Frauenföderation für Weltfrieden

Redaktion: Renate Amesbauer
Freie Mitarbeit: Mag. Maria Pammer, Ingrid Hauseder,  Therese Heitzinger,

 

Die Österr. Frauenföderation für Weltfrieden (OEFF) (Z.V.R. 367192876) arbeitet als nicht-staatliche Organisation mit allgemein beratendem Status beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen,
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