„Die viel zitierte ‘sexuelle
Befreiung’ seit den 60er Jahren hat unserer Gesellschaft nicht viel mehr Liebe
gebracht. Obwohl alle sexuellen Tabus gefallen sind und obwohl jeder von
Kindheit an in alle Fragen der Sexualität eingeweiht wird, mangelt es den
zwischenmenschlichen Beziehungen mehr denn je an Herzlichkeit und Spontaneität.
Im Zeitalter von AIDS und vieler anderer Geschlechtskrankheiten ist es außerdem
von größter Bedeutung, verantwortlich mit Liebe und Sexualität umzugehen.
Menschen sind die einzige
Ausnahme innerhalb der belebten Natur, die in der ehelichen Liebesbeziehung frei
sind, in der Tierwelt dient sie ausschließlich dem Zweck der Fortpflanzung.
Jedoch verlangt die wahre Freiheit, die Gott gewährt, auch nach der
Verantwortung des Menschen....
Diese Verantwortung können wir
uns auf dreifache Weise vergegenwärtigen: die erste Verantwortung besteht
darin, Meister der Wahren Liebe zu werden (Freiheit, kultiviertes und
kontrolliertes Verhalten). Die zweite Verantwortung betrifft das Objekt der
Liebe. Von Natur aus möchte der Mensch die Liebe seines Partners nicht mit
jemand anderem teilen. Die Liebe zwischen Mann und Frau unterscheidet sich von
der Liebe zwischen Eltern und Kindern: in dem Augenblick in dem sie geteilt
wird, verliert sie ihr Potential zur Vollkommenheit. Die dritte Verantwortung
der Liebe ist die gegenüber Kindern. die Liebe der Eltern ist die Basis für
das Selbstbewußtsein und das Glück der Kinder.... Aus diesem Grund ist die
Familie so wertvoll."
Von Frau Cindy Rosenmeier,
INKU - Fürstenfeldbruck lernten wir etwas über Aspekte von Ehe, Liebe und
Treue kennen, wie diese in Naturvölkern auf den Philippinen und in der
traditionellen Gesellschaft dort gesehen werden. Uns beeindruckte der Gedanke,
daß Seele, Geist und Sexualität eine untrennbare Einheit bilden und wahres Glück
nur in der Erfüllung der Träume in dieser Dreiheit möglich ist.
Herr Prof. Ye aus Nanking, China sprach
zu uns über Ehe und Sexualität im alten China (bis 1911), einer
patriarchalischen Gesellschaft, die stark von der konfuzianistischen Philosophie
geprägt war, bis hin zur Gegenwart, in der Gleichberechtigung und kleine
Familien an der Tagesordnung sind. Obwhol sich die Chinesen mehr und mehr am
westlichen Lebensstil orientieren, gibt es jedoch dort noch keine so große
Freizügigkeit wie in der westlichen Welt.
Herr Siegfried Klammsteiner,
Familienberater aus Frankfurt, erzählte uns seine
praktischen Erfahrungen mit der neu erkannten Emotionalen Itelligenz, die weit
wichtiger ist für unser Lebensglück als der IQ. Die Art und Weise wie wir
unsere Gefühle managen - ob sie mit uns durchgehen wie zügellose Pferde oder
ob wir im Einklang mit ihnen leben ist von großer Bedeutung.
Durch das Nachmittagsprogramm, führte
Frau Irmi Ingwersen (Malerin).
Frau Prof. Dr. M. Hinkelmann-Toewe, PROFW
- Uni Fulda, rüttelte uns auf als sie über die
gegenwärtige Situation vieler Frauen und Mädchen zu uns sprach. Ganz besonders
prägte sich der Gedanke ein, daß alljährlich 100 Millionen ungewollte
Schwangerschaften ausgetragen werden. Das bedeutet, daß ca. die Hälfte aller
auf Erden lebenden Menschen aus ungewollten Schwangerschaften hervorgegangen
sind! Frau Prof. Dr. Hinkelmann-Toewe fordert deshalb, daß alles dafür getan
werden muß, damit vor allem die Männer verantwortlich mit ihrer Sexualität
umzugehen lernen.
Im Weiteren bot sie auch
wunderbare Einsichten und Lösungen an, sich immer wieder auf den Philosophen
Erich Fromm beziehend. In der Erziehung von Buben und Mädchen plädierte sie
dafür, daß diese nicht geschlechtssprzifisch sondern an der Persönlichkeit
des Kindes orientiert werden sollte.
Frau Prof. Dr. Hinkelmann-Toewe wünscht
sich liebevolleres Verhalten von Menschen in allen Lebensbereichen. Damit sprach
sie allen Teilnehmern aus dem Herzen. Zitat: "Liebloses Verhalten
hinzunehmen, es über sich ergehen zu lassen, oder gar daran aktiv mitzuwirken,
das erweist sich ebenfalls als mit liebevollem Verhalten nicht vereinbar. Das
Wesen von liebevollem Verhalten ist.... gegen liebloses, gewalttätiges
Verhalten, wo dieses auch immer zugemutet wird, vorzugehen. Es mit
Entschiedenheit abzulehnen, es zurückzuweisen, in jedem Falle nicht
mitzumachen."
Von WAHRE LIEBE WARTET kam
Frau Dr. med. Marion Gimmler zu uns. Sie sprach davon, wieviel gesünder es
für Teenager wäre, mit der sexuellen Liebe zu warten bis sie den Partner
gefunden haben, mit dem sie ihr Leben teilen möchten. Schon 5000 junge Menschen
in Deutschland haben durch ihre Unterschrift den festen Entschluß bekräftigt,
bis zur Ehe zu warten. Sie sprach auch davon, daß viele junge Menschen zu ihnen
kommen, die schon sexuelle Erfahrungen gemacht haben und sich aufgrund dieser
nicht so guten Erfahrungen entschließen, ihren Lebensstil zu ändern und lieber
zu warten bis sie eine dauerhafte Beziehung gefunden haben. Diese Bewegung
basiert auf dem christlichen Gedanken und stammt aus den Vereinigten Staaten.
An die Vorträge von Frau Prof.
Dr. M. Hinkelmann-Toewe und Frau Dr. med. Gimmler schloß sich eine lange und
interessante Diskussion, die allen Teilnehmern und Sprechern noch viele Denkanstöße
und Einblicke bot.
Die bei der Veranstaltung
gemachten Erfahrungen zeigten uns, wie aktuell und wichtig es ist, dieses Thema
ausführlich zu behandeln. Alle Beteiligten wünschten sich, daß weitere
Seminare dieser Art an vielen Orten in Deutschland durchgeführt werden können.
Inzwischen entwickelte sich aus dieser ersten Veranstaltung eine ganze Reihe von
ähnlichen Tagungen und Folgetreffen in München und auch in Frankfurt.
Herzlichen Dank für Ihr Klatschen.
Das ist nicht selbstverständlich, wenn in dem Titel einer Organisation das Wort
feministisch oder Feminismus auftaucht. Und das auch zurecht. Vielleicht darf
ich kurz erklären, wie es zu dieser Bezeichnung gekommen ist, was es damit auf
sich hat, damit Sie alle ein warmes Gefühl dazu bekommen bzw. das Ihrige
behalten.
Ich habe die naturwissenschaftlich
begründete Pädagogik ins Leben gerufen. Das ist eine Pädagogik, die auf
Gesetzmäßigkeiten des eigentlich-Menschlichen aufbaut. Ziel dieser Pädagogik
ist, die individuelle Entwicklung von jedem Menschen zu fördern, d. h. von
Jungen und Mädchen in gleicher Weise, von Männern und Frauen in gleicher
Weise. Es geht um die individuelle Entwicklung - das betone ich noch einmal -
nicht um irgendeine Entwicklung. Als ich damit anfing, mußte ich feststellen,
daß Mädchen, daß Frauen in derartigen Behinderungen stecken, daß sie gar
nicht an ihre Entwicklungsmöglichkeiten, an ihre Potentiale, herankommen. Das führte
zur Entscheidung, diese Behinderungen zu bearbeiten und auflösen zu helfen. So
ist die Bezeichnung entstanden, Praxis-orientierte feministische Wissenschaft.
Als ich das Thema der heutigen
Tagung zum ersten Male las, dachte ich: wie mutig, über die Liebe eine Tagung
zu veranstalten - und dazu so viele Expertinnen und Experten (Anm.: Der
Tagungsraum war voll.)
Wundervoll! Ich bedanke mich bei den
Organisatorinnen für diese mutige Initiative!
Was mich hier und heute besonders
freut, das ist die Atmosphäre. Eine Atmosphäre wie diese macht Bewegung möglich,
Bewegung aufgrund von neuen Einsichten, von neuen Informationen. Was mich
betrifft, mich hat sie schon erfaßt. Auch dafür herzlichen Dank an die
Organisatorinnen, vor allen Dingen an Frau Riedl..
1. Wir haben heute schon einiges zur
Liebe gehört und es hat sich gezeigt: wir alle haben Erfahrungen in der Liebe.
Haben wir nicht alle irgendwann einmal von der Liebe geträumt - oder träumen
noch davon?
Sie werden alle Ihre Vorstellungen
haben, was Liebe sei, was dazu gehöre - was noch Liebe und was keine Liebe mehr
sei - was nicht mehr zu ihr gehöre - wo Liebe aufhöre bzw. wo sie anfange.
Vielleicht haben Sie sogar Ihre Liebesphilosophie!
Wenn uns etwas gemeinsam ist, so
sind es Erfahrungen in diesem Bereich - wie verschieden sie im Einzelnen auch
ausgefallen sein mögen.
Ich kenne kein Phänomen, über das
so viel geredet - gesagt - nachgedacht - geträumt - geschrieben - gesungen -
philosophiert wird - und das so vermarktet wird wie die Liebe. Und mir ist kein
zwischenmenschlicher Bereich bekannt, in dem so viel Enttäuschung - Schmerz -
Leid erfahren wird, sie in der Liebe / im Namen der Liebe - ich kenne keinen
anderen Sachverhalt, der so viele Tränen auslöst, so viel Verzweiflung
aufkommen läßt, zu so vielen Selbstmorden führt, wie Liebe.
Auf der einen Seite die prächtigen
Vorstellungen von Liebe -
auf der anderen ihre ernüchternde
Realität!
Herzlichen Dank für Ihr Klatschen.
Das ist nicht selbstverständlich, wenn in dem Titel einer Organisation das Wort
feministisch oder Feminismus auftaucht. Und das auch zurecht. Vielleicht darf
ich kurz erklären, wie es zu dieser Bezeichnung gekommen ist, was es damit auf
sich hat, damit Sie alle ein warmes Gefühl dazu bekommen bzw. das Ihrige
behalten.
Ich habe die naturwissenschaftlich
begründete Pädagogik ins Leben gerufen. Das ist eine Pädagogik, die auf
Gesetzmäßigkeiten des eigentlich-Menschlichen aufbaut. Ziel dieser Pädagogik
ist, die individuelle Entwicklung von jedem Menschen zu fördern, d. h. von
Jungen und Mädchen in gleicher Weise, von Männern und Frauen in gleicher
Weise. Es geht um die individuelle Entwicklung - das betone ich noch einmal -
nicht um irgendeine Entwicklung. Als ich damit anfing, mußte ich feststellen,
daß Mädchen, daß Frauen in derartigen Behinderungen stecken, daß sie gar
nicht an ihre Entwicklungsmöglichkeiten, an ihre Potentiale, herankommen. Das führte
zur Entscheidung, diese Behinderungen zu bearbeiten und auflösen zu helfen. So
ist die Bezeichnung entstanden, Praxis-orientierte feministische Wissenschaft.
Als ich das Thema der heutigen
Tagung zum ersten Male las, dachte ich: wie mutig, über die Liebe eine Tagung
zu veranstalten - und dazu so viele Expertinnen und Experten (Anm.: Der
Tagungsraum war voll.)
Wundervoll! Ich bedanke mich bei den
Organisatorinnen für diese mutige Initiative!
Was mich hier und heute besonders
freut, das ist die Atmosphäre. Eine Atmosphäre wie diese macht Bewegung möglich,
Bewegung aufgrund von neuen Einsichten, von neuen Informationen. Was mich
betrifft, mich hat sie schon erfaßt. Auch dafür herzlichen Dank an die
Organisatorinnen, vor allen Dingen an Frau Riedl..
1. Wir haben heute schon einiges zur
Liebe gehört und es hat sich gezeigt: wir alle haben Erfahrungen in der Liebe.
Haben wir nicht alle irgendwann einmal von der Liebe geträumt - oder träumen
noch davon?
Sie werden alle Ihre Vorstellungen
haben, was Liebe sei, was dazu gehöre - was noch Liebe und was keine Liebe mehr
sei - was nicht mehr zu ihr gehöre - wo Liebe aufhöre bzw. wo sie anfange.
Vielleicht haben Sie sogar Ihre Liebesphilosophie!
Wenn uns etwas gemeinsam ist, so
sind es Erfahrungen in diesem Bereich - wie verschieden sie im Einzelnen auch
ausgefallen sein mögen.
Ich kenne kein Phänomen, über das
so viel geredet - gesagt - nachgedacht - geträumt - geschrieben - gesungen -
philosophiert wird - und das so vermarktet wird wie die Liebe. Und mir ist kein
zwischenmenschlicher Bereich bekannt, in dem so viel Enttäuschung - Schmerz -
Leid erfahren wird, sie in der Liebe / im Namen der Liebe - ich kenne keinen
anderen Sachverhalt, der so viele Tränen auslöst, so viel Verzweiflung
aufkommen läßt, zu so vielen Selbstmorden führt, wie Liebe.
Auf der einen Seite die prächtigen
Vorstellungen von Liebe -
auf der anderen ihre ernüchternde
Realität!
2. Damit Liebe sich entfalten
kann
eine dezente und gleichwohl prägnante
Formulierung, die deutlich macht, wir wollen uns mit Problemen des Phänomens
der Liebe beschäftigen - genauer: mit der Frage, was muß geschehen, damit
Liebe sich entfalten kann oder sich mehr entfalten kann, als bisher möglich war
-
Oder anders formuliert:
Was hindert Liebe an ihrer
Entfaltung?
Um hier zu tragfähigen, weiterführenden
Antworten zu kommen, ist notwendig, nach den Ursachen zu fragen, die Entfaltung
von Liebe erschweren oder gar verunmöglichen. Probleme lassen sich bekanntlich
nur durch Behebung der Ursachen lösen, in denen sie wurzeln.
Die PROFW hat sich darauf
eingerichtet - und ist so ausgerichtet - in Bezug auf drängende Fragen unserer
Zeit nach der Ursache oder den Ursachen zu fragen und zu forschen und auf dieser
Erkenntnisgrundlage konkrete praktikable praxis-orientierte Lösungsstrategien
vorzuschlagen und einzubringen.
Diese Vorgehensweise, von den
Ursachen statt von Symptomen aus zu arbeiten, ist oft auch noch unbequem, weil
es genau da ansetzt, was eigentlich nicht zur Disposition stehen sollte -
unseren Gewohnheiten - das uns so gut Vertraute und Bekannte.
II.
1. Erich Fromm spricht von der
„Kunst des Liebens". Dieser Titel macht sogleich deutlich: Lieben
erfordert Können, besonderes Können, eben Können, das an Kunst grenzt. Was du
können willst, das mußt du
1. lernen wollen,
2. wenn du es gelernt hast, mußt
du es ständig praktizieren wollen, damit es nicht verlernt wird.
Mit anderen Worten - Entscheidungen
sind gefragt.
Daran zeigt sich schon, daß Liebe
weit mehr ist als ein Gefühl - als Gefühlsrausch und Hingabe, mehr als Gefühlsduselei,
mehr als lediglich Emotion.
Liebe ist ein Wert - und wie kein
Wert sich von selbst zu entfalten vermag, so vermag es auch die Liebe nicht.
Damit Liebe sich entfalten kann -
dazu sind wir gefordert und gefragt.
Und folglich stellt sich die Frage,
die uns weiterbringt, so:
Was müssen wir tun, was ändern, damit wir aktiv dazu beitragen können, daß
Liebe sich entfalten kann?
2. Aus dem Titel meines Beitrages
entnehmen Sie, daß es nicht nur darum gehen soll, gemeinsam darüber
nachzudenken, was der Mensch tun / verändern müßte, um in bezeichnetem Sinne
tätig zu werden, sondern darum, was schwerpunktmäßig die Frau tun und verändern
kann, um aktiv, d. h. durch ihr Tun und Verhalten, die Entfaltung der Liebe
voranzubringen.
Warum dieser Schwerpunkt für unsere
Betrachtung?
Der Grund für die Notwendigkeit,
nach Frauen und Männern zu differenzieren, ist in unserer
geschlechtsspezifischen Sozialisation angelegt, sie produziert nämlich zwei
Kategorien menschlicher Wesen,
über die typisch männliche
Geschlechterrolle - den männlichen Menschen, der dominant zu sein hat, der
dominiert, der Macht für sich beansprucht und auch 90 % davon in seinen Händen
hält und über die
typisch weibliche Geschlechterrolle - den weiblichen Menschen, der sich durch
das Gegenteil der Dominanz ausweist, der als minderwertig gilt, so behandelt
wird und sich auch so fühlt - und dessen gesellschaftliche Stellung in der
Folge durch Ohn-Macht geprägt ist.
Auf der einen Seite Menschen, die in
ihrer übergroßen Mehrheit Macht verkörpern, auf der anderen Seite das genaue
Gegenteil, Menschen, die in ihrer übergroßen Mehrheit Ohn-Macht verkörpern
und die sich in der Folge in einem Verhaltensspektrum bewegen, das von dem der Männer
erheblich - in signifikanter Weise - abweicht.
Da Jungen und Mädchen - Männer und
Frauen von klein auf so
verschieden erzogen werden, wie es durch das Hineinzwängen in die jeweiligen
typischen Geschlechterrollen nun einmal passiert, können für beide
Geschlechter nicht dieselben Maßnahmen greifen, damit Liebe mehr als bisher zur
Entfaltung kommt.
Um es an einem Beispiel zu
verdeutlichen:
Wie kann ich einer Person, die
gewohnt ist, andere anzuschreien, und
einer Person, die gewohnt ist, sich das Anschreien gefallen zu lassen, ein und
dasselbe Vorgehen vorschlagen oder nahelegen? z. B.: Versuch es doch mal ohne
Schreien?
Dann braucht sich nicht gewundert zu
werden, wenn Probleme nicht gelöst werden.
Solange wir es mit bezeichneten
Macht- und Wertgefälle zwischen den Geschlechtern zu tun haben, ist sich auf
jedes Geschlecht besonders einzustellen, wenn ihm konkret Möglichkeiten
erschlossen werden sollen, konstruktive Beiträge zu leisten.
In meinen Ausführungen wird auf den
wichtigen Beitrag von Frauen fokussiert, und auch der männliche Part soll nicht
ganz ungeschoren davonkommen.
III.
Bevor wir zu konkreten inhaltlichen
Maßnahmen und Vorschlägen kommen, zunächst einig grundsätzliche
wissenschafts-theoretische Einsichten zum Phänomen der Liebe.
1. Wir sagten: „Liebe ist ein
Wert", als solcher nicht entfaltbar und damit auch nicht erfahrbar.
Erfahrbar - weil entfaltbar - ist das Verhalten, das dann entsteht, wenn
Verhalten sich an Liebe orientiert. Gemeint ist das Verhalten, das aus der
Orientierung am Wert der Liebe folgt, das liebe-volle Verhalten, die Tätigkeit
des Liebens. Das kannst du erfahren / wahrnehmen / erkennen / spüren. wie der
Wert des Lebens, der uns sicherlich recht nahe ist, erweist sich auch der Wert
der Liebe als absoluter Wert. Solche Werte beanspruchen Geltung, die völlig
losgelöst ist von unserer Meinung über diese Geltung.
Auch wenn sich nicht nach diesen
Werten gerichtet wird: ihre Geltung wird dadurch nicht tangiert.
So wie der Wert des Lebens durch
seine absolute Geltung menschliches Leben überhaupt auf Zeit erst möglich
macht (denken wir uns diesen Wert für einen Augenblick weg - so wäre Chaos die
Folge), so macht der Wert der Liebe menschliches Leben überhaupt erst erträglich.
Und wenn es erträglicher werden soll - und das ist bitter von Nöten - dann
kann dazu beigetragen werden, indem das konkrete Verhalten an dem Wert der Liebe
ausrichtet und so liebe-volles Verhalten realisiert und fortgesetzt Wirklichkeit
wird.
2. Diese Orientierung, sich
liebe-voll verhalten zu wollen, erfordert die Entscheidung, das individuelle
Dasein grundsätzlich am Wert der Liebe zu orientieren. Diese Entscheidung
erweist sich als erster notwendiger Schritt. Der zweite notwendige Schritt ist,
diese Entscheidung ständig, ja fortgesetzt - in jedem einzelnen Falle, in jeder
Situation, in der du dich verhalten sollst - zu wiederholen! - Carl JASPERS
spricht in diesem Zusammenhang von der Grundbefindlichkeit des Menschen!
Es ist keinesfalls davon auszugehen,
wenn einmal die Entscheidung getätigt wurde, das Verhalten am Wert der Liebe zu
orientieren, daß dann jedes einzelne Verhalten automatisch liebe-voll ausfällt.
Jedes einzelne Verhalten erfordert von neuem die demgemäße Entscheidung. Die
Entscheidung, das Verhalten am Wert der Liebe auszurichten, umfaßt sogleich die
Entscheidung für weitere Aspekte des absoluten Wertes, wie Frieden und
Gerechtigkeit. Dort, wo sich liebe-voll verhalten wird, dort wird sich zugleich
fried-voll verhalten und gerecht.
Sich liebe-voll verhalten wollen,
erfordert zudem - das ist der dritte Schritt - unsere Entscheidung, gegen das
Gegenteil von Liebe / Frieden / Gerechtigkeit vorzugehen - mithin gegen
Lieblosigkeit / gegen Unrecht / gegen Unfrieden / gegen Ausbeutung / gegen
Gewalt / gegen geschlechtsspezifische Gewalt / gegen Benachteiligung /
Behinderung / Diskriminierung.
Es erfordert unsere Entscheidung,
Unrecht nicht hinzunehmen. Ausbeutung Nicht zuzulassen, unfaires Verhalten nicht
zu dulden. Benachteiligung / Behinderung unserer individuellen Entwicklung nicht
zu ertragen / nicht zu akzeptieren!
3. Erich FROMM spezifiziert, was
gekonnt werden muß, wenn tatsächlich liebevolles Verhalten gewollt ist, wenn
liebe-volles Verhalten greifen / sich entfalten soll.
- tätige Sorge (für das Leben und
Wachsen, den wir lieben),
- echtes Interesse (daß der
Mitmensch / die Frau wachsen und sich entfalten kann),
- Achtung (- das Fehlen von
Ausbeutung)
- Verantwortungsgefühl: meine
Antwort auf die ausgesprochenen oder auch unausgesprochenen Bedürfnisse, „fähig
und bereit zu antworten",
- Erkenntnis - dringt in den Kern
vor.
Liebe-volles Verhalten beinhaltet
Milde und Güte genauso wie Strenge und Konsequenz - und Empfindungen von
Sanftheit bis zur Wut (angemessene situationsbezogene Wut).
Erich FROMM hat zudem deutlich
gemacht: Wenn die Entscheidung gefallen ist, sich liebe-voll verhalten zu
wollen, bezieht sich dieses Verhalten auf alle Bereiche. Alle Aufgaben - in
welchem Bereich auch immer - sind demgemäß zu gestalten.
IV.
1. Liebe wird den Bereichen Sexualität
und Fortpflanzung besonders eng/stark zugeordnet. Dazu ist weitverbreitete
Meinung:
Liebe sei dasselbe wie Sexualität
und der Bereich der Sexualität ist
identisch
mit dem Bereich der Fortpflanzung.
2. Diese willkürliche Gleichsetzung
. von denjenigen, die die Definitionsmacht innehaben, vorgenommene - haben
Frauen übernommen - ganz einfach deshalb, weil sie von denen stammt, die sich
als wertvoll im Vergleich zu uns Frauen definieren!
Frauen haben in ihrer
ansozialisierten Minderwertigkeit gelernt, das für richtig zu halten, was Männer
- die vermeintlich höheren Wesen - uns vorgeben. Daher greift der Irrtum, Liebe
sei dasselbe wie Sexualität, bei Frauen auch dann noch, wenn über Generationen
(von Urgroßmutter über Großmutter über Mutter zu Tochter) persönliche
schmerzvolle Erfahrungen vorliegen, die das Gegenteil vermuten lassen.
Frauen halten gleichwohl an der männlichen
Definition von Liebe fest und fügen oft hinzu, um des lieben Friedens willen täten
sie das.
3. Da kein Bereich automatisch
liebe-voll ist - so sind es auch die Bereiche Sexualität und Fortpflanzung
nicht. Vielmehr gilt es auch hier, sich zu entscheiden, ob sich liebe-voll oder
lieb-los verhalten wird.
Und es ist ein Verdienst der
Frauen-Bewegung, daß mittlerweile unstreitig ist:
das übliche männliche Sexualverhalten - das Frauen gesundheitlichen Risiken
und der ständigen Angst vor ungewollter Schwangerschaft aussetzt, das hat mit
liebe-vollem Verhalten nichts gemeinsam.
Es ist als das erkannt, was es ist,
als lieb-los und destruktiv, als ein Akt gegen die
Menschenwürde der Frau, gegen die Unversehrtheit ihres Körpers und zudem wider
die eigentliche Natur des Menschen, wie es sich um zwei verschiedene Bereiche,
mit zwei verschiedenen Aufgaben des menschlichen Daseins handelt.
4. Die UNO-Weltkonferenzen (Cairo
und Peking) fordern in ihren Aktionsplattformen deshalb die Männer auf, endlich
Verantwortung für ihr Sexualverhalten zu übernehmen und keine ungewollten
Schwangerschaften mehr zu produzieren.
Die Bevölkerungskatastrophe, vor
der die Menschheit steht und die nach Lösung schreit, wurzelt in den ca. 100
Mill. ungewollten Schwangerschaften, um die die Weltbevölkerung jährlich
weiter ausufert. Die Hälfte der Menschheit - das gilt auch für Europa - ist
aus solchen ungewollten Schwangerschaften hervorgegangen. Und immer mehr
Menschen aus diesen - die im übrigen in den Familien produziert werden - werden
zu Straßen- und Wegwerfkindern.
5. Bereits 1990 - auf dem
Weltkindergipfel hat der damalige Bundespräsident Richard von WEIZSÄCKER
gefordert:
„Man kann Kinder weder ernähren, noch kleiden mit einer Ethik, die nicht zur
besseren Familienplanung aufruft und beiträgt und zwar gerade aus ethischen Gründen."
Bis heute wurde der zitierten Norm männlichen
Sexualverhaltens der Öffentlichkeit gegenüber nicht abgesagt - auch nicht von
Männern, die in Amt und Würde sind und folglich das notwendige politische und
gesellschaftliche Gewicht mitbrächten, hier eine Veränderung herbeizuführen -
eine Änderung der Sexualethik.
Soviel zum männlichen Part.
V.
1. Lieb-loses Verhalten hinzunehmen
- es über sich ergehen zu lassen oder gar daran aktiv mitzuwirken - das erweist
sich ebenfalls als mit liebe-vollem Verhalten nicht vereinbar. Das Wesen von
liebe-vollem Verhalten ist, gegen lieb-loses, gewalttätiges Verhalten - wo
dieses auch immer zugemutet wird, vorzugehen, es mit Entschiedenheit abzulehnen
/ es zurückzuweisen / in jedem Falle nicht mitzumachen.
Wer liebt - läßt nicht mit sich
machen, läßt nichts über sich ergehen - auch in den Bereichen der Sexualität
und Fortpflanzung nicht, gerade dort nicht!
Dort, wo die gesundheitlichen
Risiken oder gar das Risiko einer nicht gewollten Schwangerschaft hingenommen
werden, da mag sich
- aufopfernd / altruistisch
- hingebungsvoll
- sexy / leidenschaftlich
- duldend / ertragend usf.
verhalten werden. Es wird sich aber
nicht liebe-voll verhalten. Liebe-voll wäre vielmehr, denjenigen gegenüber,
die sich lieb-los verhalten oder verhalten wollen, klar zu machen, daß solch
ein destruktives Verhalten inakzeptabel ist und bleibt und in der konkreten
Situation nicht hingenommen wird.
2. Warum fällt dieses Vorgehen uns
Frauen so schwer?
Weil es logische Konsequenz ist, die
mit Minderwertigkeitsgefühlen einhergeht.
Ich darf in diesem Zusammenhang noch
einmal auf Erich FROMM verweisen:
Liebe-volles Verhalten, die Tätigkeit
des Liebens, ist grundsätzlich unteilbar. Das liebe-volle Verhalten zu anderen
ist vom liebevollen Verhalten zum eigenen Selbst nicht zu trennen. (Die Kunst
des Liebens, S. 71)
Erich FROMM nennt es die Selbstliebe
(verschieden von der Eigenliebe, dem Egoismus) - die sich als Voraussetzung dafür
erweist, anderen liebe-voll begegnen zu können. Und ist diese
„Selbstliebe" Frauen - solange sie in ihrer Minderwertigkeit gefangen
bleiben, nicht nahezu verschlossen?
Wie soll Frau etwas Minderwertiges,
sich selbst, lieben - damit liebe-voll umgehen?
Wie soll Frau ihren minderwertigen Körper
lieben, der den Mythen der Männer zufolge als so minderwertig angesehen wird,
daß er nicht einmal über die Fähigkeit einer eigenen Sexualität verfüge??
Ihr vermeintlich minderwertiger Körper
- und damit sie selbst - so der weitverbreitete Mythos - würde erst wertvoll,
erst Wert erlangen, wenn er (der Körper der Frau) von Männern begehrt würde.
3. Sich liebe-voll verhalten wollen
- fordert zwingend ein gutes, rundes Körpergefühl ein. Die Frauen-Bewegung hat
zurecht immer wieder darauf aufmerksam gemacht. Ein gesundes Körpergefühl
macht sicher - das läßt zu, sich für liebe-volles Verhalten mit seinen
Implikationen zu entscheiden, die durchaus auch anstrengend sein können, aber
keinesfalls so anstrengend, wie ungewollte Schwangerschaften hinzunehmen.
4. Unabhängige Untersuchungen
zeigen - solange in den Bereichen Sexualität und Fortpflanzung lieb-loses,
gewalttätiges Verhalten mit all den schmerzhaft - folgeträchtigen Auswirkungen
hingenommen, sich nicht dagegen zur Wehr gesetzt, mithin Konflikten ausgewichen
wird, wird auch in anderen Bereichen des
Zusammenlebens aggressivem und destruktivem Verhalten Nichts entgegengesetzt.
Mit Feststellungen wie
- So ist er halt mal!
- Du kennst doch Vater! Laß ihn!
- Gib doch nach - laß doch sein -
mir zuliebe!
kehren Frauen unter den Tisch, um
des lieben Friedens willen, und tragen dadurch zur Aufrechterhaltung des Status
quo bei - statt diesen zu verändern. Christina THÜRMER-ROHR bezeichnet dieses
Phänomen als Mittäterschaft. Damit meint sie, daß Frauen mit den Tätern
schaffen - und damit gegen ihre ureigenen Interessen und Bedürfnisse und die
ihrer Mitfrauen.
VI.
1. Sich liebe-voll Verhalten und
destruktives Vorgehen hinzunehmen - das schließt sich gegenseitig aus.
Liebe-volles Verhalten, dieses tätige
Streben, die eigene individuelle, wertvolle Entwicklung und die von anderen
voranzubringen, erfordert - denn das ist Teil seines Wesens - gegen lieb-loses,
destruktives, gewalttätiges Verhalten (in welcher Form auch immer) vorzugehen.
D. h. die Entscheidung, sich
liebe-voll verhalten zu wollen, dazu beizutragen, daß "Liebe sich
entfalten kann", in Ehe, Familie, in Beziehungen, „erfordert zugleich die
Entscheidung: die Konflikte mit denjenigen auszutragen, die sich lieb-los,
behindernd und gewalttätig verhalten - folglich
auch mit dem Mann, mit dem Frau zusammenlebt.
2. Diese Konfliktfähigkeit ist
Frauen offensichtlich bisher kaum bzw. gar nicht eigen, wie die Lebensrealität
von Frauen belegt.
Was nicht verwundert, denn diese Fähigkeit
steht der typisch weiblichen Sozialisation und den ihr implizierten, von Männern
gewollten Fähigkeiten diametral entgegen.
Dort, wo tatsächlich Ziel ist, daß „Liebe sich zu entfalten vermag", genauer
„daß Frau Liebe zu entfalten vermag", dort
ist genau diese Konfliktfähigkeit von Frauen gefragt, die jede, wenn sie sich
dafür entscheidet, systematisch erschließen kann.