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DAS RECHT AUF ELTERN – VON DER FAMILIENSTRUKTUR ZUM
INHALT Als die wichtigsten Faktoren zum Erwerb von Identität nannte der Referent die Erfahrung, geliebt zu werden Sicherheit, Geborgenheit, Zugehörigkeit, das Gefühl "Ich zähle etwas" Die Familie ist nun der Ort, an dem der heranwachsende Mensch diese Elemente erfahren kann. Ob diese "Primärzelle" funktioniert oder nicht, wirkt bereits in frühester Kindheit prägend für die seelische Entfaltung wenn nicht schon früher: Es ist hinlänglich bekannt, dass sich schon die Lebenssituation der Mutter auf das noch Ungeborene auswirkt. Durchaus logisch wäre auch der Gedanke, dass das Verhältnis der Eltern zueinander bereits vor der Zeugung das Fundament für die Entwicklung des zukünftigen Menschen legt( oder zerstört). Als einen wesentlichen Punkt für das seelische "Handwerkszeug" erkennt die Psychologie zunehmend das Verhalten der Eltern zueinander: wie gehen Mann und Frau bzw. Vater und Mutter miteinander um, wie viel Respekt und Wertschätzung bringen sie einander entgegen. Im allgemeinen wird dieses Vorbild von Generation zu Generation weitergegeben, kaum verändert und fast unabhängig davon, ob die Kinder bei der Weltanschauung ihrer Eltern bleiben oder es in ihrem eigenen Leben "ganz anders" machen wollen. Ebenso hat das Erleben von Geborgenheit im frühen Kindesalter eine große Bedeutung: fehlt diese, so haben erste Untersuchungen gezeigt, dass ungeliebte Kinder auch im späteren Leben (Kindergarten, Schule etc. ) von anderen wenig geliebt werden. Sie ziehen die Liebe nicht an wie andere Kinder gleichen Alters. Ein Schwerpunkt des Referates lag in der Beschreibung der Stufen, die der Mensch in seiner Persönlichkeitsentwicklung idealer weise durchlaufen soll. I. Die Stufe der "Gestaltung" oder der Harmonie von Geist und Körper. Der Geist beginnt die Körperfunktionen zu kontrollieren, später gehören das Erlernen von Sprache und Kommunikation dazu. Die kreative Hauptaufgabe des Menschen in dieser Stufe liegt darin, sich als Geistwesen zu etablieren und sozusagen sich die Materie untertan zu machen; andererseits geht es darum, sein intellektuelles, emotionelles und Willens-Potential zu entfalten und angemessen auszudrücken. In diesem Stadium der Persönlichkeitsentfaltung sind Vorbilder, Grenzen und Richtlinien sehr wichtig. II. In der nächsten Stufe, der eigentlichen Wachstumsphase des Geistes, soll der Mensch lernen, seinen eigenen Geist zu beherrschen. Das heißt, seine Gefühle, Gedanken und Motivationen frei willig an einer höheren Instanz (Gott, Ideal, Gewissen) auszurichten. Wer seinen Geist "im Griff' hat, wie der Referent es nannte, kann von außen nicht mehr manipuliert werden, sein Wertesystem wird nicht von Ideologien, Vorschriften oder vom Werbefernsehen bestimmt, sondern von seiner eigenen Grundhaltung. Er hat, wie Paulus es ausdrückte, die Fähigkeit erworben, "die Geister zu scheiden". III. Die Vollendung der Persönlichkeit durch die Fähigkeit, ohne Zwang, Vorschriften oder Kontrolle "aus dem Herzen" zu leben und zu handeln. In diesem grundsätzlich allen Menschen inne- wohnenden Potential sieht der Referent das, was den Menschen zum Ebenbild Gottes macht. Letztlich ist die Vollendung der Persönlichkeit für den isolierten Einzelmenschen nicht möglich, weil man nur durch konkrete Wechselbeziehungen der Liebe und Hingabe sein Herz entwickeln kann. Ihren höchsten Ausdruck findet diese Vollendung in wahrer Elternliebe. Sie ist das Zentrum und der Halt jeder Familie und schafft sozusagen die Voraussetzungen für alle anderen Arten der Zuneigung. Vergleichen wir nun diese Stufen der inneren Entwicklung, die der Mensch in seinen Kindheits- und Jugendjahren durchlaufen haben sollte, mit der Realität, so kommen wir zu der Erkenntnis, dass wir alle irgendwo auf der Strecke geblieben sind. Zwar sehen wir wie Erwachsene aus, befinden uns aber in unserer seelischen und geistigen Entwicklung in vielen Punkten noch auf der Stufe von Kindern. Eine problematische Angelegenheit, wenn man bedenkt, dass wir dadurch große Schwierigkeiten haben, unsere Rollen als Lebenspartner und Erzieher angemessen zu spielen. Der Referent sieht die Lösung für unsere derzeitige katastrophale gesellschaftliche Situation nicht in geschlechtsspezifischen Schuldzuschreibungen, die ja selbst wieder ein Symptom für Unreife darstellen. Gelöst werden unsere Probleme dann, wenn wir -Männer und Frauen gemeinsam uns um die Erkenntnis nach dem Sinn unseres Daseins bemühen. Ein erster Schritt dazu liegt in der Anerkennung des Menschenrechts auf Eltern. Zur Person: Gert Schmidinger wurde 1952 in Graz geboren. Studierte Malerei und Graphik an der Hochschule für Angewandte Kunst und einige Semester Theologie an der Universität Wien. Arbeitete in den 80er Jahren als Journalist, leitete das Ressort " Mensch und Gesellschaft" der Monatszeitschrift " Integral". Schrieb für " Die Presse", die "Neue Zürcher Zeitung " und andere. Seit 1986 in der Vereinigungskirche als Seelsorger tätig. Zahlreiche Seminare zu religiösen, weltanschaulichen und kulturellen Themen. Gert Schmidinger lebt in Wien. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.
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