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BILDUNG UND WERTE

Die Rolle der Persönlichkeitsbildung und Kommunikationsfähigkeit
für die Entwicklung unserer Kinder

Podiumsdiskussion mit

Mag. Katherina Cortolezis-Schlager, Stadtraetin Wiener Stadtsenat

Dr Rudolf Gehring, Vizeobmann "Die Christen"

Caroline Klade, Wiener Kommunikationsakademie

Dr Dietrich Seidl, Theologe und Familienberater UTS New York

   
   
   
   

Einleitung zum Themenabend Bildung und Werte

Von Josef Gundacker Familienforum Österreich

 Erlauben Sie mir, einige einleitende Worte an Sie zu richten. Bildungswissenschafter haben heuer auf dem 39. Salzburger Symposium die Frage diskutiert: „Was ist Bildung?“

 Diese grundsätzliche Frage bestimmte den kritischen Auftakt des Symposions. Andreas Pönitsch, Erziehungswissenschaftler aus Koblenz, betonte. "Nicht überall, wo Bildung drauf steht, ist Bildung drinnen". Mit dieser saloppen These wies er darauf hin, dass in der Bildungsforschung wie auch Politik ein undifferenzierter Bildungsbegriff vorherrsche. Bildung sei dementsprechend mehr, als die Fähigkeit, gewisse Aufgabenstellungen zu bewältigen.

 Die Grundlagen für die heutige Bildung sind in der Philosophie der Aufklärung zu finden. Demnach ist der Mensch ein vernunftbegabtes Wesen. Aus diesem Grund wird der Hauptschwerpunkt auf Wissensvermittlung gelegt. Hier finden wir bereits die erste Schwachstelle in der Bildungsdebatte, denn  der Mensch ist mehr als ein vernunftbegabtes Wesen. Wir sind emotionelle und geistige Wesen und neben dem Intelligenzquotienten (IQ) gibt es auch noch einen emotionalen Quotienten (EQ). Für die Entwicklung der Beziehungsfähigkeit ist unser Gefühl der ausschlaggebende Faktor.  

 In Bezug auf die emotionale Entwicklung unserer Kinder und auf eine Wertevermittlung wird aber an unseren Schulen eine wertneutrale oder wertfreie Haltung vertreten. Dies wird am deutlichsten in der Sexualerziehung. „Ich bin OK, du bist OK“ wird gelehrt. „Deine Gefühle gehören dir. Du musst dich nicht festlegen.“ Diese wertfreie Haltung ist ein weiterer Schwachpunkt in der heutigen Bildung.

 Seitens des Familienforums sagen wir, wir brauchen mehr Charakterbildung. Was meine ich damit? Meine Persönlichkeit und mein Charakter werden maßgeblich von meinen Motiven und Gedanken geformt und geprägt.

Ein Beispiel:

Stellen Sie sich vor, ich bin um 30 Jahre jünger, ohne graue Haare und auf der Suche nach einer Frau. In diesem Lebensabschnitt kommt es öfter vor, dass jemand Schmetterlinge im Bauch verspürt. Also, es melden sich gewisse Sehnsüchte und Triebe. D.h. nicht ganz freiwillig werde ich eine Strategie entwickeln, wie ich eine Frau für mich gewinnen bzw. wie ich anbandeln kann.

 Wenn aber mein Motiv für eine Beziehung nicht richtig ist und ich nur meinen Sehnsüchten, meinen Trieben folge, dann ist als Resultat meiner Bemühungen ein Beziehungsunfall vorprogrammiert und eine solche Beziehung kann nur kurzlebig sein.

 Ich beobachte im täglichen Leben, dass viele Menschen große Defizite in der  Kommunikationsfähigkeit haben, sodass dauerhafte Beziehungen rar geworden sind. Wir leben in einer Konfliktkultur, oder wie ich es nennen möchte, einer Schubladengesellschaft.  Was wir aber dringend benötigen, ist eine Kommunikationskultur. Wir müssen lernen zu kommunizieren!

 Oscar Wilde sagte einmal: „Bildung ist wunderbar. Doch sollte man sich von Zeit zu Zeit daran erinnern, dass wirklich Wissenswertes nicht gelehrt werden kann.“

Ich ergänze, der Grundstein für das Wesentliche und wirklich Wissenswerte wird in der Familie gelegt. Daher meine Anregung an die Politik, wir müssen über Bildungsinhalte im Gesamtkontext von Schule, Familie und Gesellschaft diskutieren.

 Die Wissenschafter beim Salzburger Symposium stellten fest, dass Leseverständnis, Kenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften Kompetenzen sind, die im Rahmen der PISA-Studien gemessen und verglichen werden. Sie waren sich einig, dass die von Politik und Wirtschaft massiv eingeforderte Messbarkeit und Vergleichbarkeit so etwas wie Reflexivität, das Verhältnis vom Selbst und der Welt sowie das Verstehen dieses Verhältnisses ausblende.

 Wollen wir in der Bildungsdebatte vorankommen, müssen wir den gesamten Menschen vor Augen haben und wir brauchen eine Vision, ein klares Bild, einer Familie und der familiären Beziehungen. Warum?

 Haben Sie schon einmal eine fremde Stadt in einem fremden Land besucht, dessen Landessprache sie nicht kennen? Nehmen  wir an, Sie fahren nach Warschau, dort angekommen entdecken Sie, dass Sie anstatt der Straßenkarte von  Warschau jene von Wien eingepackt haben. Das Wörterbuch haben Sie auch vergessen. Sie sind dann ziemlich verloren.

 Wir denken alle in Bildern, wir brauchen sozusagen die richtige Landkarte im Kopf und das Wort „Bild“ ist auch in Bildung enthalten.

 Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und übergebe das Wort an Frau Mag. Cortolezis Schlager,

die wir mit einem herzlichen Applaus begrüßen wollen.

 

last edited 29.10.2007 lg

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