Kundgebung "Familie ist Zukunft"
Rund 600 Teilnehmer nahmen an der
Kundgebung des Österreichischen Familiennetzwerks vor dem
österreichischen Parlament teil, darunter Kardinal Christoph
Schönborn und "Familienbischof" Klaus Küng. Das Gros der
Anwesenden bildeten Eltern und zahlreiche Kinder.
Für ein Umdenken in Richtung einer "umfassenden Kinder- und
Familienfreundlichkeit" haben sich die Teilnehmer der Kundgebung
unter dem Motto "Familie schenkt Zukunft" vor dem Parlament in
Wien ausgesprochen.
Dass trotz des strahlend heißen
Sommerwetters so viele auf die Straße gegangen waren, um die
Forderungen des Netzwerkes zu unterstützen, ist nach den Worten
Günter Danhels, Koordinator des Österreichischen
Familiennetzwerks ein Zeichen großen Unbehagens mit der
bisherigen Familienpolitik in Österreich. Anstelle der
bisherigen "strukturellen Rücksichtslosigkeit gegenüber
Familien" und der unzureichenden Berücksichtigung deren Anliegen
müsse es zu einer viel wirksameren materiellen und ideellen
Unterstützung der Familien kommen. Die Hauptziele des heuer
gegründeten, überparteilich und
überkonfessionell ausgerichteten Netzwerkes seien "Generationen-
und Geschlechtergerechtigkeit" sowie eine bessere
Berücksichtigung der Leistungen, die Familien - etwa durch
Erziehung, Betreuung und Pflege
- auch im Interesse der Allgemeinheit erbringen.
Kardinal Schönborn äußerte in seinem Statement Unverständnis
darüber, dass es den politischen Parteien bei einem "vitalen
Zukunftsthema wie Familie" oft so schwer falle, zu einem Konsens
zu kommen. Wer wie die vor dem Parlament versammelten
Kundgebungsteilnehmer für das Wohl der Familien eintrete, stehe
nicht für Partikularinteressen, sondern die Zukunft Österreichs,
betonte der Wiener Erzbischof. Die Forderungen des Netzwerkes
seien "weder ungebührlich noch anmaßend", sondern "das
Naheliegendste, wenn man an die Zukunft denkt". Schönborn dankte
ausdrücklich jenen Eltern, die ja auch zu vielen Kindern sagten
und dadurch oft viele Opfer brächten und sich vieles nicht
leisten könnten. Sie leisteten aber Wichtigeres, nämlich ihren
Kindern Rücksicht, Verständnis und Vertrauen mit auf den
Lebensweg zu geben.
Viele Maßnahmen eher "gut gemeint als gut"
Günter Danhel hatte davor die Forderungen des Familiennetzwerkes
konkretisiert und zugleich jüngste, im Vorfeld der kommenden
Nationalratswahlen erhobene familienpolitische Maßnahmen als
manchmal eher "gut gemeint als gut" bewertet: Er forderte
Wahlfreiheit für Eltern, ihr Kind auch selbst zu betreuen; ein
Kindergartenpflichtjahr vor dem Schuleintritt stelle letztlich
eine "Zwangsmaßnahme für die gesamte Altersgruppe" dar. Kritik
übte Danhel daran, dass alle derzeit in Diskussion stehenden
Verbesserungsvorschläge für die Kinderbetreuung auf eine "noch
frühere Rückkehr der Mutter in den Erwerb" abzielten und
letztlich eine "Diskriminierung der Eigenbetreuung" darstellten.
Das Netzwerk fordere weiters eine laufende Valorisierung der
Familientransferzahlungen und eine Steuerreform, die die
Situation der Familien spürbar verbessert. Es sei von
existenzieller Bedeutung,
wie viele Familienmitglieder von einem Einkommen leben müssen,
so Danhel. Auch müssten Erwerbs- und Familienarbeit "ebenbürtig
werden", immerhin betrage laut dem deutschen Familienbericht der
Wert der Familienarbeit 51 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.
Ausgebaut werden müsse der Schutz des Lebens; die seit mehr als
drei Jahrzehnten versprochenen "flankierenden Maßnahmen" zur
Fristenregelung seien endlich umzusetzen.
Auch ideell bedürften Familien einer besseren Förderung: "Auch
wenn heute verschiedene Lebenskonzepte und -entwürfe scheinbar
gleich gültig nebeneinander stehen, ist das Leitbild der auf der
Ehe von Mann und Frau gegründeten Familien unverzichtbar", so
Danhel.
Ansprache von Günter Danhel zum Download
Parteienvertreter nahmen Stellung
Vertreter aller fünf Parlamentsparteien nahmen zu den
Forderungen des Familiennetzwerkes Stellung. Der Zweite
Nationalrats-Präsident Michael Spindelegger (ÖVP) befürwortete
die gemeinsame Befassung aller Parteien mit den Forderungen und
hoffte auf Konsens bei familienfördernden Maßnahmen. Die frühere
Familienministerin Ursula Haubner (BZÖ) sagte, sie teile viele
Anliegen des Netzwerkes wie eine stärkere Förderung von
Familienleistungen und den Schutz des ungeborenen Lebens. Der
SPÖ-Parlamentarier Franz Riepl stellte in Aussicht, dass über
familienrelevante Fragen wie eine Erhöhung der Familienbeihilfe
und des Pflegegeldes noch vor der nächsten Wahl Beschlüsse durch
den Nationalrat gefasst werden. Norbert Hofer von der FPÖ sprach
sich für ein Nacheinander von Familienarbeit und
Erwerbstätigkeit aus, wobei Väter die Mütter nicht ersetzen
könnten. Nur in schriftlicher Form äußerte die durch eine
Parteiklausur verhinderte Grün-Abgeordnete Sabine Mandak: Sie
plädierte für eine faire Aufteilung von Beruf und Familie unter
den Eltern und für eine Gleichbehandlung von verheirateten und
unverheirateten Paaren.
(6.9.2008 - apa)