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GLEICHBERECHTIGUNG = GLEICHBEHANDLUNG ? Was ist richtig an der amerikanischen Frauenbewegung? Und was ist falsch? Vom 26. bis 30. Nobember 1997 fand in Washington D.C., USA die dritte internationale Frauenkonferenz der Internationalen Frauenföderation für Weltfrieden statt. Von den vielen inhaltsreichen und praxisbezogenen Referaten, haben wir eines gewählt, das auch für die europäischen bzw. österreichischen Frauen interessant sein dürfte. Frau Professor Christina Hoff Sommers, vom American Enterprice Institute, sprach über die historischen Wurzeln des amerikanischen Feminismus und dessen verschiedene Strömungen und Auswirkungen. Guten Morgen. Ich bin besonders glücklich, mich an so ehrenwerte und so verschiedenartige Frauen aus allen Teilen der Welt wenden zu können. Niemals zuvor in der Geschichte haben die Frauen dieser Welt mehr Einfluss und Macht gehabt, als sie es heute tun. Und diese Macht und dieser Einfluss werden im nächsten Jahrhundert wachsen. In den Ländern auf der ganzen Welt - in den entwickelten und den sich entwickelnden Ländern gleichermaßen - ändert sich der Stellenwert der Frauen. Wir sind besser ausgebildet als je zuvor, wir haben mehr Rechte als je zuvor, wir sind mächtiger als jemals zuvor in der Geschichte. Mit unseren neuen Freiheiten und Rechten kommen auch Möglichkeiten und Gelegenheiten, den Lauf der Welt in positiver Weise zu beeinflussen. Als diejenigen, die Kinder gebären, besitzen wir ein inneres Wissen um die Zerbrechlichkeit und den unendlichen Wert jedes menschlichen Lebens. Das gibt uns Frauen eine spezielle moralische und geistige Autorität. Deshalb hat eine organisierte, internationale Frauenbewegung wie die Frauenföderation für Weltfrieden soviel Möglichkeiten, Gutes zu tun. Ich spreche heute zu Ihnen als jemand, der die letzten zehn Jahre damit verbrachte, den amerikanischen Feminismus zu studieren. Heute Morgen will ich Sie, so gut ich kann, über die sehr gegensätzliche Bewegung informieren. Da gibt es vieles, was sehr gut am amerikanischen Feminismus ist. Frauen in der ganzen Welt mögen sich einiges davon abschneiden und es ihrer Kultur anpassen. Aber einiges am amerikanischen Feminismus, ist nicht so gut. Wir amerikanischen Frauen haben, in unserem Bestreben nach Befreiung, eine Menge Fehler gemacht. Auch darüber will ich Ihnen berichten: Zuerst ein bisschen Hintergrundinformation. Der
westliche Feminismus hat seine historischen Anfänge in den Schriften einer
britischen Philosophin des 18. Jahrhunderts, Mary Wollstonecroft. 1792 brachte sie ein Buch mit dem Titel "Eine Verteidigung der Rechte der Frauen" heraus. Es wurde sofort ein Bestseller. Sie schrieb im Geiste der europäischen Aufklärung, deren oberstes Prinzip die moralische Gleichheit aller menschlichen Wesen, die Würde und die natürlichen Rechte aller vernunftbegabten Wesen war. Wollstonecroft hob hervor, dass Frauen auch vernunftbegabte Wesen sind und sie war die erste, die die Aufklärungslehre von den natürlichen Rechten auf die Frauen ausdehnte. Die Entwicklung der Frauenrechte wurde durch den großartigen, britischen Philosophen John Stuart Mill weiter entwickelt. Mill glaubte, dass Gleichheit zwischen Männern und Frauen lebenswichtig für die Gesundheit einer Gesellschaft ist. Für ihn war das der Eckstein für eine glückliche, freie und moralische Gesellschaft. Er betrachtete die Mann-Frau- Beziehung als die fundamentalste" aller Beziehungen. In seiner bemerkenswerten Abhandlung über die Unterwerfung der Frauen, schrieb Mill: Die moralische Erneuerung der Menschheit wird nur dann beginnen, wenn die fundamentalste aller sozialen Beziehungen dem Gesetz der Gleichheit unterstehen." Die Frauenbewegung begann in den USA in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Sie wuchs aus der Abschaffungsbewegung - der Bewegung zur Beendigung der Sklaverei. Sobald die Frauen im Kampf für die Freiheit und Gleichheit der afrikanisch- amerikanischen Sklaven aktiv wurden, steIlte sich die Frage, warum die Frauen sich nicht derselben Rechte erfreuen wie die Männer! Zu dieser Zeit durften Frauen nicht wählen, konnten keine Aufgaben in der Justiz wahrnehmen, hatten begrenzte Eigentumsrechte und verloren oft, im Falle einer Scheidung, ihre Kinder. Feministenführerinnen wie Elizabeth Cady Stanton, Susan B. Anthony und eine afrikanisch - amerikanische Frau namens Sojourner Truth leiteten die lange, schwierige und sogar gefährliche Schlacht der Frauenemanzipation. Diese Leitfiguren in der Frauenbewegung gründeten ihre feministischen Forderungen auf den Prinzipien der europäischen Aufklärung, nämlich Demokratie und Gerechtigkeit für jeden einzelnen. Die amerikanischen Frauen bekamen 1920 das Wahlrecht. Der geschichtliche Zeitraum zwischen 1848, als Elizabeth Cady Stanton und Susan B. Anthony offiziell die Frauenbewegung initiierten und 1920, ist als Erste Welle des amerikanischen Feminismus bekannt. Nach dem Erhalt des Stimmrechts 1920 verlangsamte sich die Frauenbewegung. In den nächsten 50 Jahren war sie fast bedeutungslos. In den späten 60er und frühen 70er Jahren kam sie mit Wucht zurück. Diese Zeit ist bekannt als die Zweite Welle: Sie war weniger eine Welle - sie war ein Tsunami.* Die Erste Welle hatte ihren Ursprung in der Anti-Sklaverei- Bewegung. Die Zweite Welle hatte ihren Ursprung in der Anti-Kriegs- Bewegung, der Protestbewegung gegen den Vietnam-Krieg. Als Frauen begannen, die moralische Autorität amerikanischer Institutionen in Frage zu stellen - die Regierung, das Militär -begannen sie, auch andere Dinge zu hinterfragen, u.a. auch die Rolle der Männer und Frauen in der Familie, wie auch in der amerikanischen Gesellschaft. Die meisten Sozialkritiker - liberale und konservative - religiöse und nichtreligiöse - waren sich darüber einig, dass das, was bei der Ersten Welle des Feminismus herauskam, sehr gut für die Frauen im einzelnen und für die amerikanische Gesellschaft generell war. Sie brachte mehr Gerechtigkeit für Frauen - das Wahlrecht und bessere Bildungsmöglichkeiten. Man möchte sagen, die Erste Welle des Feminismus war eindeutig gut. Auf der anderen Seite ist das Urteil über den Gesamtwert der Zweiten Welle sehr gemischt: Die Zweite Welle des Feminismus brachte Amerika viel Gutes. Aber sie hatte auch ihre zerstörerische Seite. Ich möchte über die guten Dinge einiges sagen, aber auch über die weniger guten Dinge. Die verdienstvolle Seite: Die Zweite Welle brachte der amerikanischen Gesellschaft viele dringend gebrauchte Reformen. Feministen und andere Leute in der Frauenbewegung arbeite- ten daran, Gesetze zu verabschieden, die gewährleisten sollten, dass Frauen für die gleiche Arbeit gleich viel Lohn erhalten. Die 70er Jahre brachten eine Flut von Gerichtsbeschlüssen, die den Frauen mehr Rechtssicherheit gaben. Vor den 70er Jahren tendierten Frauen dazu, Sekretärinnen, Lehrerinnen oder Haushälterinnen zu werden und Männer wurden alles andere. Nach den 70er Jahren änderte sich das: Die Arbeitgeber konnten nicht länger, gesetzlich gedeckt, einem Geschlecht eine Arbeit vorenthalten. Wenn eine Frau dieselbe Qualifikation hatte, musste sie für die Position eines Buchhalters, Anwalts, ja sogar Bauarbeiters oder Polizisten genauso berücksichtigt werden. Aufgrund der gesetzlichen Reformen konnte ein Chef eine Frau nicht einfach entlassen, weil sie schwanger wurde. Eine Firma konnte sich nicht mehr davor drücken, eine Frau einzustellen, nur weil sie Kinder hat. In den 80er Jahren kamen Gesetze heraus, um Frauen vor sexueller Belästigung zu schützen und ebenso vor gewalttätigen Ehemännern und Gewalttaten Diese Reformen waren für die amerikanischen Frauen gut und ich denke, diese Reformen werden für Frauen überall dringend gebraucht. Die Amerikanerinnen gehören zu den meist befreiten Frauen in der Welt. Es gehen mehr Frauen als Männer in höhere Schulen. Frauen ziehen mit den Männern in den Studienrichtungen Jus, Medizin und Wirtschaft gleich. Der Lohnunterschied ist so gut wie nicht vorhanden. Man findet Frauen in jedem erreichbaren Beruf: Da gibt es Wissenschaftlerinnen, Astronautinnen, Jazzmusikerinnen, Geschäftsführerinnen, ja sogar Frauenringkämpferinnen! Wir erleben, wenn man eine Tür für uns Frauen öffnet, und sei es nur ein Spalt, gehen wir durch ihn durch, in immer größerer Zahl. Wenn man ihnen eine Gelegenheit gibt, zu zeigen was sie können, beweisen sie, dass Frauen genauso fähig sind, ihre Aufgaben zu erfüllen, wie die Männer. So, was kann schlecht sein? Warum sollten Sie uns nicht nacheifern? Betty Friedan, eine berühmte, amerikanische Feministin, besuchte letztes Jahr einige asiatische Länder, und sie war von deren Frauenbewegungen sehr enttäuscht. Sie sagte, dass die Frauen in Asien zu furchtsam seien. Sie sagte, die Entwicklung dort geht zu langsam. Sie möchte, dass sie sich aufraffen und Feministinnen, wie sie, folgen. Mein Rat heute an Sie: Kopieren Sie nicht die amerikanischen Feministen. Finden Sie ihren eigenen Weg. Das weiseste was Sie jetzt tun können ist, langsamer und behutsamer vorzugehen - nach vorsichtiger Auswertung der Errungenschaften des amerikanischen Feminismus, hege ich keine Zweifel, dass Sie möglicherweise viele Reformen, die wir erreicht haben, übernehmen werden, falls Sie es noch nicht getan haben. Aber mein Rat ist, wählerisch zu sein: Mein Rat wäre, sich die amerikanische Frauenbewegung sehr genau anzusehen, bevor Sie sie in ihr Land importieren. Nimm das Gute -, weise das Schlechte zurück! Was meine ich mit schlecht? Ja, die amerikanischen Frauen gehören zu den freiesten in der Welt. Aber die Freiheit hat ihren Preis. Obgleich die Frauenbewegung die der Frauen sei. Die führende Feministengruppe in diesem Land heißt „Die Nationale Organisation für Frauen“. Die NOW (National Organisation for Women) hat eine Menge Ratschläge für Frauen wie sie sich von der Mutterschaft befreien können: Abtreibung, Sterilisation, Geburtenkontrolle. Im Falle einer Geburt, setzen sie sich für eine Ganztagsbetreuung ein. Auf der anderen Seite waren sie auffallend uninteressiert daran, die Familien vor den vielen Gefahren, denen sie in der modernen Gesellschaft gegenübersteht, zu beschützen. Mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen, ist das, was die meisten Frauen wollen - und das ist sicherlich das, was die Kinder am meisten brauchen. Aber mehr Zeit mit Kindern zu verbringen, ist nicht das Ziel, das amerikanische Feministen fördern. Und damit sind wir bei einem weiteren Problem mit der Zweiten Welle des amerikanischen Feminismus. Seit den 60er Jahren war der amerikanische Feminismus nicht nur feindselig gegenüber den Familien, sondern auch gegenüber Männern. Gloria Steinern sagte einmal: .Eine Frau braucht einen Mann, so wie ein Fisch ein Fahrrad.“ Belustigend! Aber in der Tat nicht wahr. Die meisten von uns, sogar Gloria Steinern selbst, brauchen Männer ein ganzes Stück mehr, als ein Fisch ein Fahrrad braucht. Die meisten von uns lieben Männer - unsere Väter , unsere Brüder, Ehemänner, Söhne. Unser Wohlbefinden ist mit dem ihren aufs Engste verbunden. Was Männer verletzt, verletzt auch uns. Eine Bewegung, die Männer angreift, greift auch uns an. Aber die Rhetorik der amerikanischen Feministenbewegung wurde unerbittlich antimännlich. In den letzten Jahren wiederholten die Medien einige empörende und falsche Statistiken, die den durchschnittlichen Amerikaner als gewalttätig und unver- antwortlich darstellen. Viele Feministen haben sich selbst in einen Zustand der ständigen Entrüstung und des Grolls gebracht. Ihre Verbitterung schadet den Beziehungen zwischen Männern und Frauen in unserem Land. Ich möchte noch ein letztes Problem der Zweiten Welle der amerikanischen feministischen Bewegung erwähnen. Viele Zweite Welle-Feministen glauben, dass in einer wahren, gerechten und ehrlichen Gesellschaft, Männer und Frauen gleich sein würden. Sie glauben, dass die meisten Unterschiede zwischen Männern und Frauen künstlich sind. Viele feministische Theoretiker glauben, dass .Männlichkeit und Weiblichkeit“ von der Gesellschaft erfunden wurden. Sie glauben, dass in einer gerechten Gesellschaft Männer und Frauen mehr oder weniger das Gleiche sind: Nicht Männer, nicht Frauen, sondern einfach nur Personen. In der gegenwärtigen amerikanischen Gesellschaft unterstützen die Gesetze und politischen Vorgangsweisen dieses Ideal. In Schulbüchern werden Mädchen dazu ermuntert, sich wie Buben zu benehmen und Buben, sich wie Mädchen zu benehmen. Vielleicht haben Sie davon gehört, dass in unserem Militär jetzt Männer und Frauen zusammen trainieren. Und es entsteht ein Druck, dass Frauen Seite an Seite mit Männern in den Kampf ziehen. Ich denke, all das ist ganz falsch. Männer und Frauen sind gleich; aber wir sind dennoch verschieden. Sogar in den USA, mit all unseren Freiheiten, will der weitaus größere Teil der Frauen noch Frau im traditionellen Sinne sein. Wie ich vorhin erwähnt habe, haben amerikanische Frauen bewiesen, dass sie in fast allen Berufen erfolgreich sein können. Aber die Wahrheit ist, dass viele von uns sich nicht dafür entschieden haben, eine berufliche Karriere mit derselben Intensität zu betreiben, wie Männer es tun. Weit mehr Frauen als Männer, beharren immer noch auf dem Wunsch, zuhause bei den Kindern zu bleiben. Unsere Vorlieben bezüglich Berufswahl sind verschieden. Obgleich die Barrieren gefallen sind, ist es die Wahrheit, dass weit mehr Frauen als Männer es immer noch bevorzugen, Lehrer oder Sozialarbeiter als, sagen wir mal, Computeranalytiker oder Ingenieur zu sein. Feministen sehen keine andere Erklärung, als dass es Beeinflussung des weiblichen Geschlechts bzw. Sexismus ist. Sie können einfach nicht die Möglichkeit zulassen, dass die meisten Männer und Frauen nicht dasselbe sind, sondern unterschiedliche Neigungen haben. Sie wollen die Möglichkeit nicht zugeben, dass Frauen keine „uni- sex"- Gleichheit wollen. Viele amerikanische Feministen - besonders solche, die in den Bereichen der Frauenstudien auf unseren Universitäten unterrichten -, missbilligen die traditionelle Weiblichkeit. Frauen, die Make-up mögen und weibliche Kleidung tragen, glaubt man, werden unterdrückt. Sie haben den Ruf, in dem gefangen zu sein, was Feministen den Schönheitsmythos nennen. Die Feministen bemitleiden solche Frauen und suchen nach Wegen, sie von der .Sucht der Weiblichkeit" zu befreien. Ich wünschte, jemand würde den amerikanischen Feministen sagen, dass es viele Seiten der Weiblichkeit gibt, an denen man sich ganz einfach erfreuen kann. Die meisten Frauen suchen niemanden, der sie davor schützt, .weiblich" zu sein. Ein Buch, das ich sehr mag, heißt .Leben und Tod in Shanghai". Die Autorin ist die bemerkenswerte und wunderbare Chinesin Neng Chang. Sie beschreibt das Leben in China während der schrecklichen und mörderischen Kulturrevolution unter Mao Tsetung. Es ist ein wunderschönes, aber trauriges Buch. Fast beiläufig erwähnt sie eine kleine Tatsache über die Kulturrevolution, die ich faszinierend fand. Sie bemerkte, dass das allererste Anzeichen für den Herrschaftsverlust der Kulturrevolution über die Chinesen war, das sich junge Frauen lippenstifttragend auf den Straßen Shanghais sehen ließen. Die Kommunisten hatten solche (sogenannte) .Bourgeoise, kapitalistische Dekadenz" verbannt. Unter dem Kommunismus hatten Männer und Frauen gleich auszusehen. Aber wenn sie befreit werden, erfreuen sich Frauen auf der ganzen Welt daran, sich schön zu machen. Die meisten von uns werden den amerikanischen Feministen nicht gerade dankbar dafür sein, dass sie einen Krieg gegen das führen, was die Franzosen .Den Unterschied" nennen. Der Zweite-Welle-Feministen-Kampf gegen die Tatsachen des Lebens ist schier endlos. Letztes Jahr testete Hasbro- Toys, ein großer, amerikanischer Spielwarenhersteller, ein Puppenhaus, welches sie unter Umständen für Mädchen und Buben gleichermaßen anbieten wollen. Aber die Hasbro - Forscher fanden heraus, dass Buben und Mädchen nicht in der seIben Weise mit dem Puppenhaus umgehen. Die Mädchen zogen die Puppen an und pflegten das Haus: Die Buben ließen den Kinderwagen vom Dach herunterfallen. Sharon Hartley, eine Hasbro - Generalmanagerin, machte eine Aussage, die die wenigsten Eltern überraschen würde: .Buben und Mädchen sind verschieden!". Die amerikanischen Zweite- Welle-Feministen warten trotzdem auf den Tag, wo Buben lernen, mit einem Puppenhaus zu spielen. Wie Gloria Steinern sagte, .Wir haben es dringend notwendig, die Buben mehr wie Mädchen zu erziehen". Nun, warum soll das ein Ideal für die Frauenbewegung sein? Es wird noch viele Jahre erfolgloser Versuche zur Änderung der Gesellschaft brauchen, bis die Feministen endlich begreifen, dass völlige Gleichmacherei der Geschlechter ein hoffnungsloses Unterfangen ist. (Als Mutter zweier Buben weiß ich, dass es hoffnungslos ist.) Die Aussicht, dass die Frauen, das Interesse an der Weiblichkeit verlieren, ist ebenso trübe. Frauen sind nicht Männer. Mehr noch, wir freuen uns, Frauen zu sein. Also, da sind einige meiner Kritikpunkte: Die Zweite – Welle - Femi- nisten -Bewegung hat drei ernsthafte Mängel; und Sie werden es sicher vermeiden wollen, diese in ihr Land hinein zu tragen. Die Bewegung ist gegen die Familie, sehr oft auch gegen die Männer, und sie beharrt auf dem Standpunkt, dass Männer und Frauen genau gleich sind. Diese Art von Feminismus erzeugt mehr Probleme, als sie löst. Mein Rat an Sie: Seien sie sich dessen bewusst und vermeiden Sie es, dieselben Fehler zu machen. Meine Botschaft heute ist sehr einfach: Nehmen Sie das Gute vom amerikanischen Feminismus an: Weisen Sie das Schlechte zurück. Insgesamt betrachtet, ist eine Frauenbewegung, die den gesetzlichen Status der Frauen erhöht, gut. Das ist wahrhaft wichtig. Eine Frauenbewegung, die sich dafür ein- setzt, Frauen vor Belästigung und Gewalt zu schützen, ist gut. Das ist wahrhaft wichtig. Aber eine Bewegung, die die Familie schwächt, und uns angreift und uns von ihr trennt, ist zer- störerisch. Und ein Feminismus, der unter Gleichheit Gleichmacherei ver- steht, ist ebenfalls zerstörerisch. Zum Abschluss möchte ich sagen, dass ich an die demokratischen Ideale von Mary Wollstonecroft, John Stuart Mill, Elizabeth Cady Stanton und Sojourner Truth glaube. Wir alle haben eine moralische Verpflichtung, uns gegen schlechte Behandlung und Ungerechtigkeit gegen uns Frauen zu erheben. Wir brauchen eine Stärkung der Rolle der Frauen im Weltgeschehen. Aber um das ganz realistisch und effektiv tun zu können, brauchen wir eine Frauenbewegung, die die Familie stärkt, und sich um das Wohlergehen der Kinder kümmert. Wir brauchen eine Frauenbewegung, die Mitgefühl und Verständnis zwischen Männern und Frauen fördert. Wir brauchen eine Frauenbewegung, die auf geistigen und moralischen Werten begründet ist. Die Frauenföderation für Weltfrieden ist so eine Bewegung. Ich gratuliere Ihnen dazu, dass Sie ein Teil dieser Bewegung sind und wünsche Ihnen großen Erfolg. Danke. (Aus dem Amerikanischen übersetzt von Elvira Ebinger)
FRAUENTHEMEN GLEICHBERECHTIGUNG = GLEICHBEHANDLUNG ? Heuer durften wir die Anwältin für Gleichbehandlungsfragen, Frau Dr. Ingrid Nikolay - Leitner, in unserem Innenstadttreff Herrengasse begrüßen. Auslöser hierfür war ein Zusammentreffen bei einer ORF-Diskussion, bei der Frau Dr. Nikolay - Leitner Podiumsteilnehmerin war. Eine ihrer Aussagen war alarmierend (sinn- gemäß wiedergegeben): Von außen betrachtet, ist die Gesetzeslage günstig für die Gleichstellung der Frau im Berufsleben; aber in der Realität wird oft versucht, daran vorbei zu manövrieren. Dies war dann auch das Thema für diesen Abend. Frau Dr. Nikolay-Leitner erzählte aus ihrer Praxis - das Büro in Wien gibt es seit Anfang der 90er Jahre: Das Gleichbehandlungsgesetz verbietet die Benachteiligung aufgrund des Geschlechtes - z.B. bei der Einstellung, der Lohnfestsetzung, der Beförderung. Gleichzeitig besteht ein Recht auf Schadenersatz, wenn ein Verstoß gegen dieses Gesetz nachgewiesen werden kann. Eine schockierende Tatsache ist jedoch, dass in den Chefetagen vieler Firmen die Frauen den Männern im Wert nicht gleichgestellt sind, wenn es um die Bezahlung, die Beförderung und damit eng verbunden, um die Möglichkeit der Fortbildung geht, bzw. schon gleich zu Be- ginn, wenn es um die Auswahl neu er Mitarbeiterlinnen geht! In vielen Fällen sucht man erst gar nicht eine Frau, obwohl es gesetzlich vorgeschrieben ist, Bewerbungen an beide Geschlechter zu richten. Bewirbt sich eine Frau mit besserer Vorbildung als ein männlicher Bewerber, wird sie dennoch oft nicht genommen. Dagegen kann Klage erhoben werden und sich in der Folge eine Schadensersatzforderung ergeben. Bekommt eine Frau einen Posten, dann besteht die Gefahr, dass sie gehaltsmässig schlechter eingestuft wird, als ein männlicher Kollege es sein würde. Beim Angebot von Firmen zur Weiterbildung werden häufig männliche Mitarbeiter bevorzugt; bei einer Beförderung inner- halb der Firma ebenfalls. Nach Angaben der Anwältin nehmen viele Frauen diese ungleiche Behandlung in Kauf, um das "Betriebsklima" nicht zu schädigen! Die Frage - bleibt, wie gut ist dieses Betriebsklima, wo es zwei Kategorien Mensch gibt?! Wenn Frauen sich gegen solches Unrecht zur Wehr zu setzen beginnen, brauchen sie meistens Hilfe von außen - die GleichbehandlungsanwäItin (bzw. Anwalt). Die Anwältin hat die Aufgabe, einen objektiven Bericht zu geben und die betroffene Person (in über 90 Prozent der Fälle handelt es sich um Frauen) in Kenntnis der Rechtsfrage zu unterstützen, notfalls auch beim Gang zum Arbeitsgericht. in jedem fall braucht es eine starke Natur, um eine solche Prozedur durchzustehen, hat man/ frau im eigenen Betrieb oftmals auch die Mitarbeite/rinnen nicht auf seiner/ihrer Seite. Es braucht offensichtlich noch viel Mut unter den Frauen, damit bei den Chefs Gleichbehandlung = Gleichwertigkeit ein '“normaler" Denkansatz wird. Der Diskussionsbeitrag eines Herrn aus dem Publikum war: Warum bemühen sich die Frauen so sehr um die Positionen in der männlichen Machtstruktur, anstelle femininere Strukturen einzuführen. (Vielleicht aus dem Glauben, wer die Macht hat, hat die Macht zu Veränderungen) auf die Gefahr hin, dass Frauen zu "vermännlichen" neigen, als ihr volles Potential des femininen Charakters zu entwickeln und einzubringen. Es würde viele Vorteile bringen -und vor allem zur Gesundung der Gesellschaft beitragen. Ein gesundes Gleichgewicht zwischen "männlicher Logik" und "weiblicher Logik" würde entstehen. Der Abend war sehr erfolgreich und die Diskussionen und Gespräche beim anschließenden Imbiss entsprechend angeregt. Renate Amesbauer
Dem anderen Mut machen Grit Ebner und die Aktion Leben Einen Diskussionsabend zum Thema "Bedrohung des Lebens" veranstaltete die Österreichische Frauenföderation für Weltfrieden Ende Februar in Wien. Mag. Grit Ebner, Vorsitzende der "Aktion Leben", erzählte über die Ziele und Aktivitäten der Aktion Leben und über ihren persönlichen Lebens- weg. Sie war von 1975 bis 1990 Generalsekretärin der Aktion Leben. Frau Grit Ebner, von Beruf Englischlehrerin, ist Gründerin der Mütterseminare, die nicht berufstätigen Frauen mit Kindern Bildungsangebote zugängig machen. Fernergründete sie 1970 ei- ne Frauenkreis, den "Arbeitskreis 30", der der Wiener Frauenbewegung der ÖVP nahe stand. 1973 wurde Grit Ebner Generalsekretärin des Katholischen Familienverbandes Osterreich. Anschließend war sie Generalsekretärin des Vereins "Aktion Leben", wo sie intensive Aufbauarbeit leistete. Zur Zeit ist sie Vorsitzende des Vereins "Aktion Leben". "Wir setzen uns für den Schutz des menschlichen Lebens ein, von der Empfängnis bis zum Tod." meinte sie einleitend. "Der Schwerpunkt bei uns liegt je- doch auf dem Schutz des vorgeburtlichen Lebens." Die Aktion Leben Österreich unterhält eine Beratungststelle in Wien 1., Dorotheergasse 6-8. Dort kommen Frauen und Familien hin, die sich aufgrund einer unerwarteten oder ungeplanten Schwangerschaft in einer Konfliktsituation befinden. Die Mitarbeiter haben eine positive Einstellung zum Schutz des ungeborenen Lebens. Sie beraten jedoch, nach Aussagen von Frau Ebner, nicht in eine Richtung. Sie bieten Hilfestellung, Aussprache und Informationen an, können und wollen aber den betroffenen Frauen ihre persönliche Entscheidung nicht abnehmen. Die BeratungssteIle in Wien, wird jährlich von etwa 1600 Frauen in Anspruch genommen. Eine zweite Säule der Aktivitäten der Aktion Leben ist die Bildungsarbeit. Es werden Bildungsveranstaltungen für alle Altersgruppen angeboten. Themen sind: Die Entwicklung des Kindes von der Zeugung bis zur Geburt, Liebe und Sexualität, Abtreibung und ihre möglichen Folgen. Euthanasie, Gentechnik und AIDS. "Wir sagen Ja zur Empfängnisverhütung." meint Frau Ebner. "Wir werden sowohl von konservativ-katholischer Seite als auch von feministischer Seite kritisiert." Anlässlich der Diskussion um die Einführung der Abtreibungspille "Mifegyne" hat die Aktion Leben ca. 90 000 Unterschriften gegen deren Einführung gesammelt, bemerkt die Vortragende am Ende ihres Einführungsreferates. In der Diskussion wird das kinderunfreundliche Klima in der Gesellschaft angesprochen. Frauen in der Stadt. die den ganzen Tag über allein mit kleinen Kindern sind, ohne viel Kontakt zu anderen Erwachsenen zu haben, kämpfen mit enormen Belastungen. Auf die Zahl der Abtreibungen in Österreich angesprochen, meint Frau Ebner, es gäbe keine offiziellen Statistiken. Die Schätzungen würden zwischen 25 000 und 70000 schwanken. Zur Diskussion um den Zeitpunkt, wann menschliches Leben mit einem persönlichen Schicksal anzunehmen sei, meldet sich ein Diskussionsteilnehmer. Er argumentiert, dass im Schöpfungsbericht vom Einblasen des Geistes in die Nase (Nasenlöcher) gesprochen werde. Dies sei erst nach der Geburt möglich, gleichsam mit dem ersten Atemzug. Ab diesem Zeitpunkt sei die ewige Dimension eröffnet. Frau Ebner teilt diesen Standpunkt nicht, lässt ihn aber als neues Argument im Raum stehen. Karl Ebinger |
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