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Kraueterspaziergang - 2006 KUNST UND KULTUR - Japanische Teezeremonie
 

 

JAPANISCHE TEEZEREMONIE
(in japanisch: CHANOYU)

Mehr als nur eine Geste der Gastfreundschaft

Wieder einmal kamen wir im Rahmen unserer Abendveranstaltungen in Wien/Herrengasse in den Genuss einer japanischen Teezeremonie. Wie bei vielem in der Kultur jenes Landes (Ikebana -Blumensteckkunst, Sumie - Maltechnik, Origami -Papierfaltkunst... ) geht eine eigene Ruhe davon aus und dies steht in starkem Gegensatz zu unserer Alltagshektik. So manche(r) mag denken es geht um „Miteinander Tee zu trinken“, aber es ist dies und noch mehr:

Der Brauch des Tee-trinkens reicht in China bis vor die Geburt Jesu zurück. Tee wurde ursprünglich als Erfrischungsgetränk aus China nach Japan importiert. Erst durch die Jahrhunderte hindurch hat sich aus dem einfachen Tee- trinken die Zeremonie CHANOYU (Teezeremonie ) entwickelt und noch später CHADO. Diese Zeremonie ist sehr gut geeignet um Disziplin und Respekt für andere zu lehren.

Die Japaner haben das Teetrinken auf einzigartige Weise zu einer spirituellen Handlung weiter entwickelt. Nach dem Kontakt mit Zen –Buddhismus wurden dessen Ideale auch auf die Teezeremonie übertragen. So steht die Teezeremonie seither auch für: FRIEDE, RESPEKT, REINHEIT und innere Stärke. Über die Jahrhunderte hat sich CHANOYU tief mit der japanischen Kultur verbunden.

EISAI

Eisai (1141 – 1215) der in  China studierte, gründete eine Zen –Sekte in Japan und brachte Teesamen und den chinesischen Brauch des Tee-trinkens mit zurück. Er schrieb ein Buch über die medizinische Wirkung von Tee (Kissa Yojoki): „ Tee ist eine Medizin die Krankheiten heilt und ein langes Leben bewirkt.“

ZEN UND CHANOYU

Myo-e, ein enger Freund Eisai´s, befürwortete das Trinken von Tee als einen Weg zu langem Leben und Gesundheit, als auch als eine asketische Übung des Zen- Trainings. So wurden Tee und Zen untrennbar.

Dogen (1200- 1253) brachte die Soto- Zen Schule der Schrittweisen Erleuchtung nach Japan. Darin war Tee- trinken als eine tägliche Routine der religiösen Handlungen integriert. Das antike Ritual des YOTSUGASHIRA (Form des Tee- trinkens) im Kennin-ji Tempel ist deshalb wichtig, weil es diese Form der Teezeremonie bis heute erhalten hat.

Eison, der den Saidai-ji Tempel in Nara gründete, servierte immer Tee wenn er zur Öffentlichkeit predigte.

So begleitete der Brauch des Tee-trinkens die Verkündung des Buddhismus, insbesondere die der Zen-Mönche.

RIKYU:

Rikyo wurde in Sakai 1522 geboren. Seinerster Name war Yoshiro als er bereits in sehr jungen Jahren begann die Teezeremonie zu studieren. Sein erster Lehrer war Kitamuki Dochin, der die Zeremonie in einem Stil lehrte, der zu dem Shoin- Empfangsraum passte. Später lernte er von Jo-o-in die Version, die sich in einem kleinen Vorhaus abspielt.

Der Daitoku-ji Tempel in nordwest Kyoto hatte eine sehr lange, tiefe Verbindung zur Teezeremonie. Rikyu, ebenso wie Shuko und Jo-o genoss seine Zen Erziehung in Daitoku-ji. Danach änderte er seinen Namen von Yoshiro zu Sen Soeki indem er den Namen Sen von seines Großvaters Namen Sen-ami nam.

Es war zu dieser Zeit als Rikyu den Vers schuf: „Obwohl viele Menschen Tee trinken kennen sie nicht die richtige Form des Tee-trinkens, und so werden sie in der Tat vom „Tee getrunken“.“ Ohne die spirituelle bedeutung des Tee-triknens zu kennen, trinken wir zwar Tee, haben aber keinen spirituellen Gewinn davon.

Es war Rikyo der auf einzigartige Weise eine Handlung des täglichen Lebens mit hohen spirituellen und philosophischen Inhalten verband. Diese wurde uns bis in die heutige Zeit als „Teezeremonie“ überliefert.

Im Alter von 58 Jahren diente er dem Shogun Oda Nobunaga. Nach dessen Tod wurde er zum Teezeremonienmeister des Shogun Hideyoshi, der Mann der Japan erstmals in der Geschichte vereinte. In dieser wichtigen Position hatte er auch in anderen Belangen (als das der Teezeremonie) großen Einfluss auf Hideyoshi.

Als Hideyoshi 1585 eine Teezeremonie im Kaiserpalast durchführen ließ, erhielt Rkyu den buddhistischen Titel eines „Koji“ von Kaiser Ogimachi, und wurde so führend was die Form der Teezeremonie anbelangt.

CHANOYU und das CHRISTENTUM

Während diese Zeit kamen viele Missionare zu Sakai und Kyoto, wo sie Rikyu und andere Zeremonienlehrer kennen lernten. Unter den 7 Hauptschülern von Rikyu befanden sich drei sehr  ernsthafte Christen: Furuta Oribe, Takayama Ukon und Gamou Ujisato. Rikyus ausgeprägter Sinn für Schönheit hinterließ deutliche Spuren in der Keramik, Architektur, dem Design und Kunsthandwerk, die mit der Teezeremonie in Verbindung stehen. 

So lernten wir an diesem Abend die Zeremonie nach der Form von CHANOYU kennen und erfuhren, dass sie in eigens dafür gestalteten angebauten Häuschen /Räumen stattfindet, dass dafür eigens Zeremonienmeister geladen werden, und dass zu besonderen Anlässen zur Teezeremonie speziell eingeladen wird. Der Raum wird mit Ikebana dekoriert und die Utensilien gemäß der Jahreszeit ausgewählt; die Zeremonie selber findet in völliger Stille statt. Geplaudert wird zwischen den einzelnen Abschnitten.Entsprechend dem hohen Ernst der Zeremonie erscheinen die Gäste auch nach Möglichkeit in traditioneller Kleidung. 

So wurde Urasenke in Kyoto berühmt. Heutzutage reisen Menschen aus der ganzen Welt dort hin um die Teezeremonie zu erleben und zu studieren. Mit der immer größer werdenden Zahl an Menschen, die die Zeremonie kennen lernen, wächst die Hoffnung, dass wir durch diese Art eine Tasse Tee miteinander zu trinken dem Frieden im Kleinen wie auch im Großen ein Stückchen näher rücken.

 
   

Mit Herz und Hand ist die Online Zeitschrift der 
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