JAPANISCHE
TEEZEREMONIE
(in japanisch: CHANOYU)
Mehr
als nur eine Geste der Gastfreundschaft
Wieder
einmal kamen wir im Rahmen unserer Abendveranstaltungen in Wien/Herrengasse in
den Genuss einer japanischen Teezeremonie. Wie bei vielem in der Kultur jenes
Landes (Ikebana -Blumensteckkunst, Sumie - Maltechnik, Origami
-Papierfaltkunst... ) geht eine eigene Ruhe davon aus und dies steht in starkem
Gegensatz zu unserer Alltagshektik. So manche(r) mag denken es geht um
„Miteinander Tee zu trinken“, aber es ist dies und noch mehr:
Der
Brauch des Tee-trinkens reicht in China bis vor die Geburt Jesu zurück. Tee
wurde ursprünglich als Erfrischungsgetränk aus China nach Japan importiert.
Erst durch die Jahrhunderte hindurch hat sich aus dem einfachen Tee- trinken die
Zeremonie CHANOYU (Teezeremonie ) entwickelt und noch später CHADO. Diese
Zeremonie ist sehr gut geeignet um Disziplin und Respekt für andere zu lehren.
Die
Japaner haben das Teetrinken auf einzigartige Weise zu einer spirituellen
Handlung weiter entwickelt. Nach dem Kontakt mit Zen –Buddhismus wurden dessen
Ideale auch auf die Teezeremonie übertragen. So steht die Teezeremonie seither
auch für: FRIEDE, RESPEKT, REINHEIT und innere Stärke. Über die Jahrhunderte
hat sich CHANOYU tief mit der japanischen Kultur verbunden.
EISAI
Eisai
(1141 – 1215) der in China
studierte, gründete eine Zen –Sekte in Japan und brachte Teesamen und den
chinesischen Brauch des Tee-trinkens mit zurück. Er schrieb ein Buch über die
medizinische Wirkung von Tee (Kissa Yojoki): „ Tee ist eine Medizin die
Krankheiten heilt und ein langes Leben bewirkt.“
ZEN
UND CHANOYU
Myo-e,
ein enger Freund Eisai´s, befürwortete das Trinken von Tee als einen Weg zu
langem Leben und Gesundheit, als auch als eine asketische Übung des Zen-
Trainings. So wurden Tee und Zen untrennbar.
Dogen
(1200- 1253) brachte die Soto- Zen Schule der Schrittweisen Erleuchtung nach
Japan. Darin war Tee- trinken als eine tägliche Routine der religiösen
Handlungen integriert. Das antike Ritual des YOTSUGASHIRA (Form des Tee-
trinkens) im Kennin-ji Tempel ist deshalb wichtig, weil es diese Form der
Teezeremonie bis heute erhalten hat.
Eison,
der den Saidai-ji Tempel in Nara gründete, servierte immer Tee wenn er zur Öffentlichkeit
predigte.
So
begleitete der Brauch des Tee-trinkens die Verkündung des Buddhismus,
insbesondere die der Zen-Mönche.
RIKYU:
Rikyo
wurde in Sakai 1522 geboren. Seinerster Name war Yoshiro als er bereits in sehr
jungen Jahren begann die Teezeremonie zu studieren. Sein erster Lehrer war
Kitamuki Dochin, der die Zeremonie in einem Stil lehrte, der zu dem Shoin-
Empfangsraum passte. Später lernte er von Jo-o-in die Version, die sich in
einem kleinen Vorhaus abspielt.
Der
Daitoku-ji Tempel in nordwest Kyoto hatte eine sehr lange, tiefe Verbindung zur
Teezeremonie. Rikyu, ebenso wie Shuko und Jo-o genoss seine Zen Erziehung in
Daitoku-ji. Danach änderte er seinen Namen von Yoshiro zu Sen Soeki indem er
den Namen Sen von seines Großvaters Namen Sen-ami nam.
Es
war zu dieser Zeit als Rikyu den Vers schuf: „Obwohl viele Menschen Tee
trinken kennen sie nicht die richtige Form des Tee-trinkens, und so werden sie
in der Tat vom „Tee getrunken“.“ Ohne die spirituelle bedeutung des
Tee-triknens zu kennen, trinken wir zwar Tee, haben aber keinen spirituellen
Gewinn davon.
Es
war Rikyo der auf einzigartige Weise eine Handlung des täglichen Lebens mit
hohen spirituellen und philosophischen Inhalten verband. Diese wurde uns bis in
die heutige Zeit als „Teezeremonie“ überliefert.
Im
Alter von 58 Jahren diente er dem Shogun Oda Nobunaga. Nach dessen Tod wurde er
zum Teezeremonienmeister des Shogun Hideyoshi, der Mann der Japan erstmals in
der Geschichte vereinte. In dieser wichtigen Position hatte er auch in anderen
Belangen (als das der Teezeremonie) großen Einfluss auf Hideyoshi.
Als
Hideyoshi 1585 eine Teezeremonie im Kaiserpalast durchführen ließ, erhielt
Rkyu den buddhistischen Titel eines „Koji“ von Kaiser Ogimachi, und wurde so
führend was die Form der Teezeremonie anbelangt.
CHANOYU
und das CHRISTENTUM
Während
diese Zeit kamen viele Missionare zu Sakai und Kyoto, wo sie Rikyu und andere
Zeremonienlehrer kennen lernten. Unter den 7 Hauptschülern von Rikyu befanden
sich drei sehr ernsthafte Christen: Furuta Oribe, Takayama Ukon und Gamou
Ujisato. Rikyus ausgeprägter Sinn für Schönheit hinterließ deutliche Spuren
in der Keramik, Architektur, dem Design und Kunsthandwerk, die mit der
Teezeremonie in Verbindung stehen.
So
lernten wir an diesem Abend die Zeremonie nach der Form von CHANOYU kennen und
erfuhren, dass sie in eigens dafür gestalteten angebauten Häuschen /Räumen
stattfindet, dass dafür eigens Zeremonienmeister geladen werden, und dass zu
besonderen Anlässen zur Teezeremonie speziell eingeladen wird. Der Raum wird
mit Ikebana dekoriert und die Utensilien gemäß der Jahreszeit ausgewählt; die
Zeremonie selber findet in völliger Stille statt. Geplaudert wird zwischen den
einzelnen Abschnitten.Entsprechend dem hohen Ernst der Zeremonie erscheinen die
Gäste auch nach Möglichkeit in traditioneller Kleidung.
So wurde Urasenke in Kyoto
berühmt. Heutzutage reisen Menschen aus der ganzen Welt dort hin um die
Teezeremonie zu erleben und zu studieren. Mit der immer größer werdenden Zahl
an Menschen, die die Zeremonie kennen lernen, wächst die Hoffnung, dass wir
durch diese Art eine Tasse Tee miteinander zu trinken dem Frieden im Kleinen wie
auch im Großen ein Stückchen näher rücken.
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