LIEBE MIT VERANTWORTUNGOrientierung für ein Leben im A.I.D.S. -
Zeitalter
Seit den 60er Jahren bahnen sich die Ideen der
sexuellen Befreiung unbeirrt ihren Weg und verändern nach und nach unser
kulturelles, erzieherisches und soziales Umfeld. Diese angebliche sexuelle
Befreiung hat jedoch unserer Gesellschaft nicht viel Liebe gebracht. Obwohl alle
sexuellen Tabus gefallen sind, obwohl jeder von Kindheit an in alle Aspekte der
Sexualität eingeweiht wird - ja sogar in Fragen, die ihn überhaupt nicht
interessieren -, mangelt es den zwischenmenschlichen Beziehungen immer mehr an
Herzlichkeit und Spontaneität. Viele der sogenannten „emanzipierten“ Paare
leiden an dem Syndrom des „Nicht- miteinander - kommunizieren - Könnens“.
Die Ideologie der sexuellen Emanzipation ist
das genaue Abbild eines hemmungslosen Wirtschaftsliberalismus, allerdings nicht
mehr das Geld betreffend, sondern auf das Sexuelle übertragen.
Eines ist eindeutig festzustellen: Sexualität
besitzt eine gewaltige Macht im Bereich der Werbung, die durch die Medien voll
ausgenützt wird. Angesichts dessen, daß der Sexualtrieb so leicht
stimuliert werden kann, ist es leicht verständlich, daß der tabufreie Sex die
Lieblingsphilosophie aller jener ist, die etwas verkaufen wollen. Die
Ideologie der „sexuellen Emanzipation“ ist übrigens das genaue Abbild eines
hemmungslosen Wirtschaftsliberalismus, allerdings nicht mehr das Geld
betreffend, sondern auf das Sexuelle übertragen: Jeder besitzt sein eigenes
Kapital an Libido und investiert es nach seinem Gutdünken. Es ist nicht
verwunderlich, daß Geld und Sex gut miteinander auskommen.
Es ist auch nicht verwunderlich, daß der
Hedonismus im Bereich der Sexualität seine eigenen Abarten der Ausbeutung, des
Elends und der Kriminalität hervorgebracht hat. Noch nie haben Mädchenhandel,
Prostitution, Sextourismus, Vergewaltigungen und Pädophilie größere Schäden
angerichtet. Unter dem Banner des Kampfes gegen die Ausgrenzung und die
„moralische Ordnung“ hat die sexuelle Laxheit ein wahrhaftig
„unmoralisches Durcheinander“ erzeugt.
- Wir müssen lernen, daß die „sexuelle
Verantwortung“ die Grundlage der Ethik und Voraussetzung für wahre
sexuelle Freiheit ist.
Ein Vierteljahrhundert nach dieser falschen
Befreiung ist es nun an der Zeit, andere Entscheidungen zu treffen. Die
Jugend von heute hat es in der Hand, sich von der Vorprogrammierung durch
hedonistische und materialistische Ideologien der vorangegangenen Generation
zu emanzipieren. Wir müssen lernen, daß „sexuelle Verantwortung“ die
Grundlage der Ethik und Voraussetzung für wahre sexuelle Freiheit ist.
A.I.D.S. (Acquired Immune Deficiency Syndrom)
ist ein unübersehbarer Anlaß, sich die Frage nach dieser Verantwortung zu
stellen. Die Hochrechnung der WHO (Weltgesundheitsorganisation) für das
Jahr 2000 zeigt ein erschreckendes Bild: Weltweit 10 Millionen
A.I.D.S.-kranke, 30 bis 40 Millionen HIV positiv, davon 10 Millionen Kinder.
In Österreich sind bisher fast 1000 Menschen
an A.I.D.S. gestorben, 500 sind erkrankt. Während bei uns bei 20 Menschen
von einer Million A.I.D.S. diagnostiziert wird, sind es in Spanien fast 200,
in Frank reich zirka 100. „Die Explosion der Neuerkrankungen in diesen Ländern
ist vor allem auf die Drogenproblematik zurückzuführen“, erklärt
Jean-Paul Klein vom Gesundheitsministerium den Unterschied. Zur Zeit leben
in Österreich Schätzungen zufolge 16.000 Menschen, die mit dem HI-Virus
infiziert sind. Der Großteil ist zwischen 16 und 35 Jahren alt. Und unter
den Neuinfizierten im vergangenen Jahr waren bereits 25 Prozent Frauen, die
sich fast alle bei ihrem Partner angesteckt haben. (KURIER, 15. 9. 1995)
Bedauerlicherweise haben es einflußreiche
Minderheiten verstanden, ihre Ansichten zur A.I.D.S.-Verhütung
durchzusetzen, um zu verhindern, daß der zur Staatsreligion erhobene
Hedonismus in Frage gestellt wird. Die einfache Wahrheit, nämlich daß
sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe und eheliche Treue die besten
Schutzrezepte gegen A.I.D.S. sind, hört man deshalb nur ganz selten. Wir
wollen hier eine sachliche Überprüfung jener weitverbreiteten Annahmen
anstellen, die zur Ideologie des freien Sex geführt haben.
1. SEX OHNE RISIKO
Die heute vorherrschende Politik der
A.I.D.S.-Bekämpfung be schränkt sich auf die Propagierung des Kondoms als
Heilsinstrument, ja sogar als Kultobjekt. Nun zeigen einige
wissenschaftliche Daten die Fehlerquote des Präservativs als Schutzmittel:
Das Kondom bietet keinen absoluten Schutz
-
Die Präservative weisen eine Riß - bzw.
Rutschquote von 15% auf. Bei Jugendlichen liegen die Werte noch höher (Family
Planning perspectives, Jänner - Februar 1992; „Wissenschaft und
Leben“, August 1993; „50 Millionen Konsumenten“, April 1994). Laut
einer Studie, die 1993 von der Universität Texas durchgeführt wurde,
beträgt die Gefahr einer A.I.D.S.- Ansteckung bei 100mal „geschütztem“
Geschlechtsverkehr mit einem HIV-positiven Partner bei Verwendung eines
hochwertigen Kondoms 18 Prozent, bei Verwendung eines Kondoms von
durchschnittlicher Qualität sogar 54 Prozent (Social Science and
Medcine, Juni 1993). Das Kondom schützt dessen Träger wirksam, aber
die Partnerin nur sehr bedingt.
-
Man kann auch durch die äußere Seite
des Kondoms durch männliche oder vaginale Säfte, die ja auch Träger
des Virus sind, infiziert werden. Das heißt, man müßte sich der
Vorsichtsmaßnahmen eines Chirurgen bedienen und Gummihandschuhe
verwenden, um Keimfreiheit zu erzielen. Professor Henri LESTRADET von
der französischen Académie Nationale de Médecine (le quotidien du médecin,
6. Dezember 1993), wie auch die Ärzte Joel LE PRÈVOST (le quotidien du
médecin, 6. Dezember 1993 und André GERNETZ (réussir votre santé
Nr.7) stellen klar, daß das Kondom nur dem Träger wirksamen Schutz
bietet, seiner Partnerin jedoch nur sehr bedingt.
Drei Situationen sind besonders risikoträchtig:
-
Der erste Geschlechtsverkehr, bei dem
durch den Riß des Jungfernhäutchens eine offene Wunde verursacht wird;
-
Wenn die Schleimhaut der Vagina bereits
von einer anderen Krankheit befallen ist (Herpes usw.);
-
Analverkehr, aufgrund der dünnen und
empfindlichen Schleimhaut des Rektums.
Denn, wie Dr. GERNEZ betont, ist die rektale
Schleimhaut für alles durchlässig und nimmt nicht nur lösbare Substanzen
auf, wie es etwa bei einem Zäpfchen der Fall ist, sondern läßt auch
Teilchen durch, die millionenfach größer als Viren sind (das Prinzip, das
die Verwendung rektaler Nährlösungen ermöglicht). Die hohe
Ansteckungsgefahr im Zusammenhang mit dem Analverkehr erklärt das vermehrte
Auftreten und das Überhandnehmen von A.I.D.S. in homo-sexuellen Kreisen.
Daher konnten auch unter Kondom-Benützern
zahlreiche An steckungen festgestellt werden. Dr. Margaret FISCHL berichtete
auf dem 1987 in Washington abgehaltenen 3. Internationalen A.I.D.S.- Kongreß
über ihre Untersuchungen an Paaren, von denen ein Partner HIV-positiv war.
18 Monate später waren bei 17%, also jedem 6. Paar beide Partner
HIV-positiv, wenn es sich um aufgeklärte und vorsichtige Erwachsene
handelte.
Selbst das amerikanische
Familienplanungsinstitut äußert erste Vor behalte über die Wirksamkeit
des Kondoms: „Wirklich verunsichernd an der ganzen Sache ist die Tatsache,
daß wir zehn Jahre nach Beginn der Epidemie noch immer sehr wenig über die
Wirksamkeit des Kon doms während des Gebrauchs wissen“ („Familiy
Planning Perspecti ves“, Jänner- Februar 1992).
Die Unverläßlichkeit des Kondoms bei der
Schwangerschaftsverhü tung ist übrigens seit langem bekannt. Dieselbe
Ausgabe der Family Planning Perspectives enthüllt, daß das Kondom in
13,2% bis 27,3% der Fälle versagt, eine Schwangerschaft zu verhüten, nämlich
aufgrund der Tatsache, daß es reißen und verrutschen kann. Wenn das Kondom
schon als Schwangerschaftsverhütungsmittel so unverläßlich ist, wie kann
man glauben, daß es gegen das A.I.D.S.- Virus schützen kann, wenn man weiß,
daß es 450mal kleiner ist als ein Samenfaden und 365 Tage im Jahr
ansteckend ist?
Zum A.I.D.S.-Risiko kommt die Gefahr der
anderen sexuell übertrag baren Kankheiten. Man spricht weniger davon, weil
sie nicht tödlich sind, aber einige bringen ernste Folgen mit sich, wie
etwa Unfrucht barkeit. Schätzungen zufolge leidet 1 von 200 Franzosen an
Hepatitis B. Diese Krankheit, gegen die es kein wirksames Gegenmittel gibt,
wird vorwiegend sexuell übertragen. Eine Schutzfähigkeit des Kon doms
gegen Hepatitis B, die weit ansteckender ist als das A.I.D.S.- Virus, gibt
es praktisch nicht.
- „Es handelt sich um eine Krankheit, bei
der ethische, soziale, philosophische, ja sogar ideologische Überlegungen
rein medizinische Erwägungen überflügelt haben“ (Prof. Roger Henrion).
Die Sicherheit, die ein Kondom während
des Beischlafs mit einer Person gewährleistet, von der man nicht weiß, ob
sie das A.I.D.S.- Virus trägt oder nicht, läßt sich also eher mit
„Russisches Roulette“ beschreiben als mit „Sex ohne Risiko“. Die
offizielle Propaganda für das Kondom ist trügerisch und verantwortungslos.
Tatsächlich ist sie ein noch größerer Skandal als die Abgabe verseuchter
Blutkonserven an Bluter, die auch in Österreich zu mehre ren Todesfällen
geführt und die Gerichte beschäftigt hat.
Der Widerstand gegen systematische
A.I.D.S.-Tests
Warum die Weigerung, der Wahrheit ins Gesicht
zu schauen? Eben weil, wie Professor Roger HENRION mit Bedauern feststellt,
„es sich um eine Krankheit handelt, bei der ethische, soziale,
philosophische, ja sogar ideologische Überlegungen rein medizinische Erwägungen
überflügelt haben, wie ich es im Laufe meiner Karriere noch nie erlebt
habe“.
Da die „sexuelle Freiheit“ für einige
mehr Wert hat als das Leben von Millionen, widersetzen sich einflußreiche
Minderheiten gegen die Durchführung systematischer A.I.D.S.-Tests. Genau
das wird jedoch von maßgebenden medizinischen Fachleuten empfohlen. Nur
eine Politik der systematischen Durchführung von A.I.D.S.-Tests würde ermöglichen,
daß sich der einzelne verantwortlich verhält. Das Fehlen einer politischen
Entscheidung für eine systematische Durchführung von A.I.D.S.-Tests hat
eine hohe Dunkelziffer A.I.D.S.- Infizierter zur Folge. Auch in Österreich
sind also zahlreiche Menschen Träger des A.I.D.S.-Virus, ohne davon zu
wissen. Sie können ungestört von Gewissensbissen durch verantwortungsloses
Verhalten die Krankheit weiterverbreiten.
- Weil es keine Politik für die systematische Durchführung
von A.I.D.S.-Tests gibt, wissen viele nicht, daß sie Träger des HI-Virus
sind.
Das Fehlen einer Politik zur systematischen
A.I.D.S.-Früherkennung in Verbindung mit der trügerischen
Kondom-Propaganda hat verheerende Folgen. Ihr wahres Ausmaß beschreibt der
ehemalige amerikanische Gesundheitsminister Everett KOOP folgendermaßen: Jeder
Beischlaf mit einer Person, deren sexuelle Vergangenheit uns nicht bekannt
ist, bedeutet bezüglich der Gefahr einer A.I.D.S.- Ansteckung zumindest
theoretisch, daß man sexuellen Kontakt hat mit allen ehemaligen
Geschlechtspartnern samt deren Partnern.
Alle diese Fakten sind heutzutage bekannt.
Angesichts des Versagens dieser „Sex ohne Risiko“- Politik, wenden sich
immer mehr Länder, darunter die Vereinigten Staaten und Großbritannien,
einer „Verhaltens“-Erziehung zu, durch die die Jugend mehr
Verantwortungsbewußtsein bei der Partnerwahl lernen soll. Von Treue und
Verantwortung als positive Schutzmaßnahme ist in der öffentlichen
A.I.D.S.-Diskussion bisher leider kaum etwas zu hören.
2. MYTHEN UND WIRKLICHKEIT RUND UM DIE
SEXUALITÄT
Der Glaube an „Sex ohne Risiko“, der die
A.I.D.S. Gespräche von Seiten der Politik und der Medien beherrscht, dient
auch der Verschleierung anderer Mythen, nämlich der Ideologie des „freien
Sex“. Diese Mythen dringen heute in jede Familie ein, insbesondere über
den Fernseher.
„Freier Sex ist natürlich“
Mit dem Siegeszug des Materialismus hat sich
die Auffassung ver breitet, daß menschliche Sexualität so wie die
tierische Sexualität ganz von allein funktioniere. Man brauche ihr nur
freien Lauf zu lassen, und schon werde sie sich ganz frei ausdrücken und
ungehindert entfalten. Kulturbedingte Verbote seien allein verantwortlich für
alle sexuellen Abartigkeiten, weil durch sie die Sexualität unterdrückt
werde. Eine Ideologie, die sich auf die Naturwissenschaft beruft und den Men
schen zu einem Tier reduziert, hat es einigen Zoologen wie Alfred KINSEY ermöglicht,
sich ein Renommee als Experte in Sachen der menschlichen Sexualität
aufzubauen.
In Wirklichkeit liegen Welten zwischen der
tierischen und der mensch lichen Sexualität: Die tierische Sexualität ist
sehr genau in Jahres- Zyklen geregelt und ausschließlich auf die Vermehrung
ausgerichtet. Die Tiere kopulieren zum Großteil nur sehr kurz, ein bis
zweimal im Jahr, und die Weibchen sprechen nicht mehr an, sobald sie
befruchtet worden sind.
Die menschliche Sexualität hingegen enthält
eine weiträumige seelische Komponente, die die Richtung bestimmt.
Psychoanalytiker und Biologen verzichten heute großteils darauf, die
menschliche Sexualität als animalistischen „Instinkt“ zu bezeichnen.
„Sex ist Kultur“
Die Befürworter des „freien Sex“ berufen
sich einmal auf die Naturforschung, dann wieder die Kulturanthropologie
(Milieuforschung). Diese sagt, daß der Mensch kein selbstbestimmtes Wesen
ist, sondern daß alle seine Verhaltensweisen von seinem gesellschaftlichen
Umfeld geprägt werden.
Die Homosexualität wird dann als Einstellung
dargestellt, als mögliche Option der Sexualität unter vielen anderen, die
alle moralisch gleichwertig sind. Wir leben, wie man oft hört, in einer
„multisexuellen“ Gesellschaft, in der alle „Formen“ der Sexualität
zum Ausdruck kommen. Manche fordern bereits, daß die Pädophilie
legalisiert und daß das Tabu des Inzests abgeschafft wird.
- Natur und Kultur müssen harmonisch wie
Geist und Körper zusammenleben. Die Sexualität kann sich erst entfalten,
wenn sie vereinbar mit ihrem ursprünglichen Ziel erlebt wird.
Der Mythos der Kulturanthropologen ist
genauso trügerisch wie jener der Naturwissenschaftler. Es ist absurd, die
natürlichen Gesetze, die Teile unseres Lebens bestimmen, in Abrede zu
stellen. Natur und Kultur müssen also harmonisch wie Geist und Körper
zusammen leben.
Obschon es stimmen mag, daß die Richtung
unserer sexuellen Triebe durch unsere Familiengeschichte und kulturelle
Vorbilder beeinflußt wird, stimmt es genauso, daß Einflüsse, die uns prägen,
nicht alle gleichwertig sind. Eine Person, die in einem harmonischen
Familienumfeld aufgewachsen ist, hat alle Voraussetzungen, heterosexuell und
monogam zu werden. Ein feindlicher oder abwesender Vater hin gegen oder
eine übertrieben besitzergreifende Mutter, können Ursachen für
Homosexualität und andere Abartigkeiten sein.
„Sex ist Unterhaltung“
„Wir sind Befürworter eines fröhlichen
Sex, für Sexualität als nettes Kommunikationsmittel, etwa wie ein gutes
Fressen“, erklärte einmal eine Fernsehproduzentin (Liberation,
13.9.1986). Nach dem naiven Mythos „sex is love“ (Sex ist Liebe), folgt
nun der zynische Mythos „sex is fun“ (Sex ist Spaß), der von Sexverkäufern
aller Art geäußert wird. Demnach soll Sexualität einfach Unterhaltung
sein. Sie soll aber vor allem ausgiebig, abwechslungsreich konsumiert
werden. Mit den von Sex-Experten im Rundfunk gesendeten Ratschlägen soll
Sex nun auch unterhaltsam sein.
Diese Vorstellung basiert auf Unkenntnis der
menschlichen Sexualität. Seit FREUD weiß man tatsächlich, daß Sexualität
nicht nur eine physische Angelegenheit ist, sondern alle psychischen
Bereiche betrifft. Es gibt nämlich keine sexuelle Aktivität, nicht einmal
jene, die nur auf geistiger Ebene geschieht, die unsere emotionelle
Verfassung, unsere Fähigkeit zu lieben nicht dauerhaft beeinflußt
- Es gibt keine sexuelle Aktivität, nicht
einmal jene, die nur auf geistiger Ebene geschieht, die nicht unsere
emotionelle Verfassung, unsere Fähigkeit zu lieben, beeinflußt.
Jede sexuelle Erfahrung wird in unserem
Unterbewußtsein gespeichert und prägt uns seelisch wie geistig. Wenn die
Sexualität im Rahmen einer echten Liebe erlebt wird, die auf der ganzen
gegenseitigen Hingabe der Partner beruht, bindet die Erinnerung dieser
Beziehung die beiden Ehepartner. Wenn die Sexualität hingegen mit
egoistischen und kindischen Beweggründen erlebt wird, neigt sie dazu, die
Entwicklung der Betroffenen zur Stagnation zu bringen.
Das ist der Grund, warum eine unkontrollierte
Sexualität dazu neigt, immer unkontrollierter und zwanghafter zu werden. Es
ist heute bewiesen, daß Pornographie wie Suchtgift wirkt. Ein Suchtgift,
dessen Verkauf uneingeschränkt ist, und dessen Erlös 25% des Umsatzes der
Presse und 40% des Videoverkaufs ausmacht. Zwischen leichter und harter
Pornographie bestehen dieselben Unterschiede wie zwischen leichten und
harten Drogen: Man geht, ohne es zu merken, auf eine härtere über. Der Gewöhnungseffekt
an die Pornographie beeinträchtigt Millionen von Männern. Sie zerstört
zahllose Paare, da Süchtige sich entweder für ihre Frauen nicht mehr
interessieren oder ihre gewalttätigen und demütigenden Vorstellungen tatsächlich
auf Kosten der Partnerin ausleben. Denn die noch passive Phantasie ist bei
ihnen übersättigt und sucht neue, gesteigerte Stimulationen durch
Umsetzung der Phantasie in die Tat. Schließlich begünstigt Pornographie
die Entwicklung der Sexualkriminalität.
- Pornographie ist ein Suchtgift, das
Millionen von Männer betrifft. Sie zerstört die Intimität der Paare,
indem sie die sexuelle Gewalt einführt.
Laut einer Studie, die in Gefängnissen
durchgeführt wurde, geben 82% der Pädophilen zu, daß die Pornographie
einen gewissen Einfluß auf ihre Gedanken und ihr Verhalten ausübt. Bei 40%
der sexuell motivierten Verbrechen gibt der Kriminelle zu, pornographisches
Material unmittelbar vor der Straftat benützt zu haben (gemäß Meese,
Ausschuß über Pornographie, USA 1986) In unserer übererotisierten
Gesellschaft beeinflussen die immer präsenten sexuellen Vorstellungen nicht
nur die potentiellen Kriminellen. Sie erreichen uns alle, insbesondere
Kinder und Jugendliche.
Die Wichtigkeit der „Sexuellen
Erfahrung“
Viele glauben, daß häufige Liebeserlebnisse
und sexuelle Erfahrungen der beste Weg sind, lieben zu lernen. Dieser Logik
zufolge müßte es heißen: „ ... je öfter ich sexuelle Beziehungen habe,
und das mit möglichst vielen verschiedenen Partnern, umso besser kann ich
lieben.“ Diese grundlegende Lebenseinstellung wird auch von zahlreichen
Jugendzeitschriften vertreten.
- Je mehr verschiedene sexuelle Partner
jemand gehabt hat, umso mehr ist sein emotionelles Gedächtnis mit
Erinnerungen belastet, die ihn daran hindern, sich völlig in einer wahren
und exklusiven Liebesbeziehung zu investieren.
In Wirklichkeit sind die „Verführer oder
Verführerinnen“ Menschen, die sich unfähig fühlen, wirklich zu lieben,
und die ihre affektive Leere wettmachen, indem sie jemanden beherrschen oder
sogar verletzen wollen. Außerdem wird durch die „sexuelle Wanderschaft“
die Kraft der Gefühle abgestumpft. Aufgrund des Erinnerungsvermögens der
sexuellen Emotionen durchqueren die Erinnerungen an vergangene sexuelle
Erlebnisse die jetzigen und zukünftigen Beziehungen, oft in Form von klaren
Bildern und Empfindungen während des Beischlafs. Dieses Phänomen zerstört
die Intimität der Partner. So wird jemand, der viele verschiedene Partner
gehabt hat, durch seine emotionelle Erinnerungen daran gehindert, sich völlig
in eine wahre und exklusive Liebesbeziehung zu investieren.
Die ideale Situation bleibt die Jungfräulichkeit
vor der Ehe: In diesem Fall ist die Sexualität des Ehepaares ein geheimer
Platz, den niemand vorher betreten hat, und dies stärkt die Intimität des
Paares.
Die Jungfräulichkeit des Körpers ermöglicht
die Jungfräulichkeit des Herzens. Es ist daher kein Hindernis, wenn jemand
vor der Ehe keine sexuellen Erfahrungen hat. Im Gegenteil, es ermöglicht
dem verheirateten Paar gemeinsam den Garten der Wonne und des Glücks zu
entdecken. Der Psychologe Coleen MAST schreibt dazu: „ Innerhalb der Ehe
steigert die Erfahrung und die Erinnerungen an die Beziehung die Sehnsucht
der Ehepartner, sich besser kennen zulernen und ihre Liebe zu vertiefen. Der
Geschlechtsakt vereinigt sie, bereichert sie und stimuliert ihr
gegenseitiges Engagement“ (The World and I, September 1989).
- In der Ehe steigert die Erfahrung und die
Erinnerung an die Beziehung die Sehnsucht der Ehepartner, sich besser kennen
zulernen und ihre Liebe zu vertiefen
Die Jugendlichen, die schon sexuelle
Erfahrungen vor der Ehe gehabt haben, können ihren Lebenswandel ändern und
mit Enthaltsamkeit beginnen, um sich so eine „zweite Jungfräulichkeit“
zu erwerben und sich auf die Ehe vorzubereiten.
Die Begriffsverwirrung zwischen Sex und
Liebe
„Peace and love“, „Liebe statt Krieg“
skandierte man im Jahr 1968, als ob Sexualität automatisch ein Ausdruck des
Friedens und der Liebe wäre. Diese enorme Naivität der sexuellen
Revolution ist Quelle einer gefährlichen Verwirrung.
Die Sexualität kann genauso zur
allerschlimmsten Form der Gewalt entarten. Ja sogar schlimmer als physische
Gewalt, da sie die Seele des Menschen angreift: dies trifft etwa im Falle
der Vergewaltigung, der Pädophilie und der sexuellen Sklaverei zu. Die
Pornographie macht reichlich Gebrauch von diesem gestörten und gewalttätigen
Aspekt des unkontrollierten Sexualtriebes. Sogar unter Eheleuten kann
Sexualität als Aggression erlebt werden.
- „Es scheint, daß jedes heftige Gefühl,
wobei die Liebe nur eines unter zahlreichen ist, das Privileg besitzt, die
sexuelle Lust zu erregen und sie sich eigen zu machen“ (Erich Fromm).
Der deutsch-amerikanische Psychologe Erich
FROMM schreibt: „Die sexuelle Lust kann durch Angst vor der Einsamkeit
erregt werden, durch Hoffnung zu erobern oder erobert zu werden, durch
Eitelkeit, durch den Wunsch zu verletzen, ja sogar zu zerstören, genauso
wie durch die Liebe. Es scheint, daß jedes heftige Gefühl das Privileg
besitzt, sexuelle Lust zu erregen und sie sich zu eigen zu machen, wobei die
Liebe nur eines unter zahlreichen ist. Da die meisten Leute sexuelle Lust
und die Vorstellung von Liebe im Zusammenhang sehen, kommen sie leicht zu
dem irrtümlichen Schluß, daß sie in einander verliebt sind, wenn sie sich
physisch zueinander hingezogen fühlen“ („Die Kunst des Liebens“).
Die Sexualität wird erst zu einem tatsächlichen
Liebesakt, wenn der einzelne die Liebe erlernt hat, bevor er sich in eine
sexuelle Beziehung stürzt. Der Jugendliche sollte diese Herzensreife
erringen, indem er Selbstkontrolle lernt und Beziehungen ohne Eigennutz
meistert. Wenn die Sexualität des Jugendlichen zu früh „losgelassen“
wird, was heutzutage positiv bewertet wird, ist sie auf sich selbst (narzißtisch)
und nicht auf die Beziehung ausgerichtet. Prof. Henri JOYEUX bringt es auf
den Punkt: „Frühzeitige sexuelle Beziehungen sind in Wirklichkeit nichts
anderes als Onanie zwischen Buben und Mädchen“, da beide vor allem die
eigene Befriedigung anstreben.
Die Ärztin Susanne KEPES schreibt zu dem
Thema: „Es besteht unter den Jugendlichen das tiefe Bedürfnis, die Männlichkeit
oder Weiblichkeit zu behaupten. Sie verstehen es aber noch nicht, dies auf
der Grundlage der Liebe zu verwirklichen. Psychologisch gleicht der Vorgang,
abgesehen vom Geld, auch der Prostitution. Es geht um die Behauptung der
Macht und der Identität ohne Liebe, ja sogar, wenn nötig, mit Verachtung,
selbst wenn Reue und Schuldgefühle im Nach hinein auftreten.“
Den Jugendlichen zu schmeicheln, indem man
ihnen vortäuscht, daß ihre sexuellen Gelüste Liebe seien, bedeutet, daß
man sie von anderen Arten von Beziehungen ablenkt, die ihrerseits die
Heranreifung ihrer Charaktere begünstigen würde, nämlich Freundschaft,
Teamgeist, Respekt voreinander. Freundschaft fördert den ethischen
Sinn, denn sie setzt Ehrlichkeit, Treue und Hingabe voraus. Die frühzeitige
leidenschaftliche Liebe hingegen steigert Eigenliebe und Heuchelei (im Verführungsspiel),
und es entwickelt sich beim Jugendlichen ein „falsches Ich“ statt einer
wahrhaftigen Identität.
3. DIE ENTDECKUNG DER TEENAGER-SEXUALITÄT
Früher vertrat man die Meinung, daß der
sexuelle Drang in der Pubertät erwacht und seine Reife erst am Ende der
Jugend erreicht. Die Jugend war der Übergang von der Kindheit zum
Erwachsensein. Während dieser Zeit galt es die Reife des Herzens zu
entfalten, die eine Disziplin der Sinne erfordert.
Seit den Sechziger Jahren jedoch glaubt man,
das jugendliche Alter sei die ideale Zeit für sexuelle Erfahrungen. Mit Gefühlen
wie Unverletzbarkeit, Allmacht und „cool“ sein, typisch für dieses
Alter, spielt unsere Gesellschaft alle narzißtischen, unsozialen und
selbstzerstörerischen Triebe hoch, statt die Jugendlichen auf ihrem Weg zur
sozialen Reife zu unterstützen. Wir leben, so der Psychoanalytiker Tony
ANATRELLA in einer „jugendzentrischen“ Gesellschaft.
Die wenig besprochenen Folgen frühzeitiger
sexueller Aktivität
Die sexuellen Erfahrungen sind tiefgehend
destabilisierend für die Jugendlichen. Sie werden in eine Gefühlswelt
hineingeschleudert, die sie nicht imstande sind zu bewältigen. Es wird in
ihnen die Illusion geweckt, daß sie fähig sind zu lieben, obwohl sie in
der sexuellen Erfahrung viel mehr die Bestätigung ihrer Männlichkeit bzw.
ihrer Weiblichkeit suchen, als das Glück des anderen. So werden sexuelle
Erfahrungen eine Quelle tragischer Mißverständnisse für viele
Jugendliche. Sie erhöhen das Risiko von Depressionen und Selbstmorden bei
Jugendlichen. Laut einer amerikanischen Studie sind 36% der
Selbstmordversuche von Jugendlichen auf zerbrochene Beziehungen zu rückzuführen
(„Pediatrics“, Febr. 1991).
Glücklicherweise sind nicht alle jungen
Leute so sexhungrig, wie man es uns glauben machen will. Der Bericht des
ACSF von 1993 über das sexuelle Verhalten in Frankreich stellt fest: Die
erste sexuelle Beziehung läßt sich im Durchschnitt bei Männern mit 17
Jahren und bei Frauen mit 18 Jahren festlegen. Viele Jugendliche haben übrigens
ihre erste Erfahrung unter dem Einfluß und dem Druck ihrer Umgebung gemacht
- aus Angst, nicht „normal“ zu sein, wenn sie mit 16 Jahren noch jungfräulich
sind. Schlimmer noch, 60% der Mädchen, die vor 15 einen Geschlechtsverkehr
hatten, und 74% aller Männer, die vor 14 eine Beziehung hatten, wurden
durch Drohungen oder Gewaltanwendung von Erwachsenen oder eines älteren
Jugendlichen dazu gezwungen (Guttmacher Institute, „Sex and America´s
Teenagers“).
Nach einer deutschen Untersuchung haben heute
bereits zwei Drittel der Mädchen und 59 Prozent der Jungen mit 17 Jahren
„das erste Mal“ erlebt. 1980 waren es erst 56 Prozent der Mädchen und
38 Prozent der Jungen. Dies ergab eine Studie vom April 1995 im Auf trag der
Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BzgA, Köln), für die 3000
Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sowie 3000 Eltern befragt wurden.
- Männer haben heute mit 17 und Frauen mit
18 Jahren die erste Geschlechtsbeziehung. Was bezweckt man also mit der
Verteilung von Kondomen an Teenager unter 14?
In einer Umfrage des Amerikanischen
Familienplanungsinstituts wurde den jungen Mädchen über 16 Jahren, die
schon sexuelle Erfahrungen hatten, die Frage gestellt, über welches
sexuelle Thema sie mehr informiert werden wollen. Eine Mehrheit von 81%
antwortete: „Wie kann ich NEIN sagen, ohne den anderen zu verletzen?“
(„USA Weekend“, 27-29 Dez. 1991).
Zahlreiche Studien beweisen, daß die
Enthaltsamkeit einen Gleichgewichtsfaktor bei den Jugendlichen darstellt.
Eine Meinungsumfrage von Who´s Who Among American High School Students von
1987 zeigt, daß 73% der besten Studenten jungfräulich waren. Eine andere
Studie zeigt, daß enthaltsam lebende Jugendliche 6mal weniger
Selbstmordrisiken, 18mal weniger Ausbrecher, 10mal weniger drogenabhängig
sind und 5mal seltener von der Schule fliegen als solche die sich sexuell
betätigen.
Der Erzieher Guy DURAND dazu: „Die
sexuellen Erfahrungen, besonders bei Jugendlichen, bringen die Gefahr mit
sich, sie in der Entwicklung ihres Gefühlslebens zur seelisch-sexuellen
Reife zu blockieren. Wenn man sich daran gewöhnt, die Sexualität nur als
Vergnügen zu erleben, wird man immer weniger fähig, sie auch später als
gemeinsame Sprache und Verbindlichkeit zu verstehen“ („L’ éducation
sexuelle“).
- „Wenn man sich daran gewöhnt, die
Sexualität nur als Vergnügen zu erleben, wird man immer weniger fähig,
sie später auch als gemeinsame Sprache und Verbindlichkeit zu erleben“
Die sexuellen Vorstellungen werden oft durch
die ersten Erfahrungen geprägt. Das ist der Grund, warum ein Kind, das
sexuell mißbraucht wurde, als Erwachsener die kindlichen Reaktionen im
Zusammenhang mit diesem Erlebnis weiter beibehält. Oft entwickelt sich dann
das Opfer zum Täter.
Auch ein Jugendlicher, der seinen Körper
mißbraucht,
wird, wenn er verheiratet ist, Schwierigkeiten haben, die narzißtische
Verhaltens weise seines sexuellen Empfindens zu überwinden. Auch der Mißbrauch
durch Masturbation kann zu einer Gewohnheit bis ins Erwachsenenalter werden
und spiegelt den Egoismus und die Schuldgefühle der Sexualität des
Jugendlichen wider. Außerdem verschlimmert sie die Phantasien, die nicht
mit der Realität der sexuellen Beziehung eines Paares übereinstimmen, und
sie zerstören die Beziehungsorientiertheit im Geschlechtsverkehr. In der
Pubertät und im „Teenager“- Alter muß der Kampf gegen die Masturbation
gewonnen werden.
Schlußfolgernd können wir sagen, daß die Pubertät das Erwachen der
Sexualität und nicht deren Reife bedeutet. Sie ist eher der Beginn eines
Wachstumsprozesses, in dessen Verlauf der Jugendliche die Bedürfnisse
seines Körpers beherrschen lernt, indem er sie für eine Beziehung der
wahren und dauerhaften Liebe aufbewahrt.
Die Irreführung durch Aufklärungsprogramme
Unter diesen Voraussetzungen kann man sich
fragen, worin die Logik der Aufklärungsprogramme liegt, die sich an
Jugendliche unter 14 Jahren so heranmachen als ob diese sexuell aktiv wären
oder es sein sollten?
Viele dieser Aufklärungsprogramme sind eine
Einladung, sich sexuell zu betätigen, und eine regelrechte Werbung für das
Kondom. Weil aber die absolute Verläßlichkeit des Kondoms angezweifelt
werden muß, trägt diese Art von Aufklärung noch zur Verbreitung von
A.I.D.S. bei. Man ermutigt die Jugendlichen, tödliche Gefahren auf sich zu
nehmen, und täuscht einen Schutz vor, der nicht hundertprozentig gewährleistet
ist. Um sich von dem Verführungseffekt dieser Programme zu überzeugen,
braucht man sich nur an die Erfahrungen erinnern, die bei der Erziehung zur
Verhütung in den Schulen gemacht wurden, die ungewollte Schwangerschaften
bei jungen Mädchen bekämpfen sollte.
Seit 1973, als diese Programme in Amerika vom
Familienplanungsinstitut gestartet wurden, hat die sexuelle Aktivität der
Jugendlichen stark zugenommen und konsequenterweise auch die Zahl der
ungewollten Schwangerschaften (+ 87%) und Abtreibungen (+67%). Genau das
Gegenteil von dem, was man erreichen wollte, ist also eingetroffen („Pediatrics“,
Februar 1991).
- Man kann sich die Frage stellen, ob das
alles nicht ein großer Köder ist, mit dem die Erwachsenen die Jugendlichen
anlocken, weil sie selbst noch von der Jugendsexualität fasziniert sind und
sich damit identifizieren
Die Aufklärung, so wie sie meistens
gehandhabt wird, ruft in den jungen Leuten ein Gefühl des Unbehagens
hervor, indem sie Jugendsexualität als etwas völlig Selbstverständliches
darstellt und Jungfräulichkeit als etwas, dessen man sich schämen muß.
Der Psychoanalytiker Tony ANATRELLA warnt vor den wirklichen Absichten:
„Man kann sich die Frage stellen, ob das alles nicht ein großer Köder
ist, mit dem die Erwachsenen die Jugendlichen anlocken, weil sie selber noch
von der Jugendsexualität fasziniert sind und sich damit identifizieren.
Dieser kinderschändende Charakter und dieses fieberhafte Verlangen, Kinder
in die Sexualität einzuweihen, sind ernst hafte Fehlorientierungen der
Erzieher“ („Der vergessene Sex“).
Enthaltsamkeit ist keine Schande
Man versucht mit aller Gewalt, Teenager in
das Sexualleben einzuweihen, und zerstört so ihre kindliche Unschuld und
Reinheit. Es gilt das Vorurteil, ein natürliches Schamgefühl sei das
Produkt einer repressiven Moral und „die letzte Festung einer verlogenen
gutbürgerlichen Gesellschaft..“. In Wirklichkeit ist genau das Gegenteil
der Fall. Das natürliche Schamgefühl ist jenes verinnerlichte Gefühl, daß
die Sexualität etwas Heiliges ist und daß sie sehr tief mit unserer
Identität zusammenhängt. Sie ist für die Intimität des Paares bestimmt
und muß deshalb beschützt werden. „Das Schamgefühl“,sagt Xavier LA
CRIOX, „ist ein Schutz der Individualität“.
4. WAS IST LIEBE ?
Romantischer Traum und leidenschaftliche
Liebe
In den romantischen Hollywood-Filmen wird
Liebe mit Leidenschaft gleichgesetzt. In der heutigen Auffassung ist Liebe
ausschließlich ein Gefühl. Lieben heißt, sich verliebt „fühlen“, ein
Erlebnis, das einen aus heiterem Himmel trifft, ohne daß man darauf einen
Einfluß hat, und dieses Gefühl verschwindet auch wieder genauso mysteriös,
wie es gekommen ist. Dieser Betonung der Leidenschaft steht eine andere
Auffassung der Liebe gegenüber, die auf Verantwortung und eheliche Harmonie
ausgerichtet ist. Liebe, nicht nur ein Gefühl, sondern ein Willensakt und
die Fähigkeit, sich bedingungslos für das Glück des andern hinzugeben,
indem man seine eigenen egoistischen Gefühle überwindet. In diesem Konzept
ist die Eheschließung nicht das er wünschte Endresultat der Liebe, sondern
das Fundament. „Liebe der Taten“ statt „Liebe der Leidenschaft“, wie
es der Philosoph Denis ROUGEMONT ausdrückte. Und er fügte hinzu: „Aber
wie viele Menschen kennen den Unterschied zwischen einem Gefühls rausch,
dem man nachgibt, und dem Schicksal, das man selber in die Hand nimmt?“
Die zwei Dimensionen der ehelichen Liebe
Leidenschaft und Verbindlichkeitsgefühl sind
dennoch kein Widerspruch, sondern die zwei Seiten einer ausgeglichenen
harmonischen Beziehung zwischen Ehepartnern. Die Psychologen sind der
Meinung, daß die leidenschaftliche Liebe, durch das Idealisieren des geliebten
Partners charakterisiert, eine Widerspiegelung der Anhänglichkeit und
Zuneigung des Kindes gegenüber seinen Eltern ist. Die Bereitschaft, für
das Kind Opfer zu bringen und sich auf längere Zeit verantwortlich zu fühlen,
ist das Wesen der elterlichen Liebe. Eine ausgewogene Liebe zwischen
Ehepartnern beinhaltet zwei Dimensionen: Die erste, die von der Einstellung
des Kindes gegenüber seinen Eltern herrührt, und die sich in Dankbarkeit
ausdrückt in Vertrauen und emotionaler Abhängigkeit vom andern („nicht
ohne den andern leben zu können“). Die zweite Dimension ist die, die von
einem elterlichen Herz stammt und sich in einer Ernsthaftigkeit ausdrückt,
einem Sinn für Verantwortung, die beide für einander empfinden. So wie das
Kind das Gefühl der Ewigkeit braucht, das die Absolutheit und Unzerstörbarkeit
der Elternliebe ihm vermittelt, so braucht der Ehemann bzw. die Ehefrau auch
das Ewigkeitsgefühl, das eine völlige Hingabe des Partners erfordert.
Diese Basis ermöglicht das gegenseitige Vertrauen und die Geborgenheit, die
notwendig sind für die Heilung und Entfaltung der Herzen.
Die Tiefe des Engagements der Liebe
bestimmt die Dauerhaftigkeit der Ehe. Die Leidenschaft hingegen ist stets
veränderlich. Der Psychologe Erich FROMM schrieb: „Liebe sollte vor
allen Dingen ein Willensakt sein, die Entscheidung, sein ganzes Leben einem
andern Menschen zu widmen. Liebe ist nicht die Kraft eines Gefühls, sondern
einer Entscheidung, eines Urteils, eines Versprechens.“
- „Liebe sollte vor allem ein Willensakt
sein, die Entscheidung, sein ganzes Leben einem andern Menschen zu widmen“
Durch die absolute Verbindlichkeit in der
Ehe erreicht eine partnerschaftliche Beziehung auch eine soziale Dimension:
Das gemeinsame Unterfangen eines verheirateten Paares beginnt gewöhnlich
mit dem Kinderwunsch, drückt sich aber auch aus in der sozialen
Verantwortung in der Gesellschaft. Die Bedeutung der Ehe hat nicht nur
einen privaten Charakter, sondern auch einen sozialen. Diese soziale
Dimension trägt dazu bei, die Liebe der Ehepartner zu stärken. Weit über
den „Egoismus zu zweit“ der Flitterwochen hinaus, entwickeln sie einen
Sinn für soziale und elterliche Verantwortung.
- „Lieben heißt nicht, sich gegenseitig
anschauen, sondern gemeinsam in dieselbe Richtung schauen“
Jeder sehnt sich nach einer exklusiven Liebe
mit absoluter Verbindlichkeit. Jeder Jugendliche träumt von einem idealen
Partner, mit dem er sein ganzes Leben teilen kann. Wir möchten jemanden das
ganze Leben lieben, und wenn möglich für die Ewigkeit. Unsere erste
Erfahrung in der Liebe gibt uns das Gefühl der Ewigkeit.
Der junge Mensch hat jedoch noch nicht die
Reife des Herzens, die erforderlich ist, um sich ein Leben lang zu binden.
Sein Liebesideal bleibt in seiner Vorstellungswelt, während die
leidenschaftliche Liebe in seinem Körper „tobt“. Er muß lernen, beide
miteinander in Übereinstimmung zu bringen, indem er die Befriedigung seiner
körperlichen Triebe auf später verschiebt. Das Ideal seiner Ehe ermöglicht
es ihm, rein zu bleiben für seine(n) zu künftige(n) Partner(in). Das Ideal
der Enthaltsamkeit vor der Ehe entspringt unmittelbar dem absoluten Ideal
der Liebe.
Ehe oder freie Liebe?
Auf den ersten Blick könnte man glauben, daß
das Zusammenleben vor der Ehe oder die „Versuchsehe“ eine gute
Vorbereitung auf die Ehe sei oder ein guter Test vor der endgültigen
Entscheidung. Das scheint so logisch, daß viele Eltern nicht wissen, was
sie ihren Kindern darauf antworten sollen, wenn sie diese Richtung
einschlagen wollen.
- Laut Statistik weisen die verheirateten
Paare, die schon vor der Hochzeit zusammengelebt haben, eine höhere
Scheidungsrate auf.
Laut Statistik weisen die verheirateten
Paare, die schon vor der Ehe zusammengelebt haben, eine höhere
Scheidungsrate auf. Die Ehe auf Probe ist also indirekt ein wichtiger
Scheidungsfaktor.
Dieses Phänomen ist leicht zu erklären. Das
Zusammenleben vor der Ehe ist eine Beziehung, die direkt oder indirekt auf
einer Angst beruht, sich zu binden. Jeder läßt sich für den Fall von
eintretenden Schwierigkeiten eine Tür offen. In der Ehe jedoch muß das
Paar die Krisen überwinden und kann dadurch die Einheit in der Beziehung stärken,
indem es gemeinsam die Schwierigkeiten meistert. Obwohl diese beiden
Lebensformen äußerlich gesehen gleich erscheinen, so sind sie innerlich
und im Unterbewußtsein doch völlig verschieden. Ein Paar, das die
Beziehung auf eine Basis der Unverbindlichkeit stellt, eignet sich gewisse
Gewohnheiten an und kann sich dadurch schwer eine andere Beziehung mit
bedingungsloser Verbindlichkeit vorstellen.
In einer Meinungsumfrage zu Beginn der 80er
Jahre, stellte man Nicht-Verheirateten folgende Frage: „Ab dem Moment, in
dem ihr angefangen habt zusammenzuleben, hat es da eine bewußte
Entscheidung gegeben, oder hat es sich so ergeben?“ Zwei Drittel (mehr Männer
als Frauen) antworteten, das Letztere sei der Fall gewesen (Louis
Roussel,“ Unsichere Familie“). Kann man ernsthaft glauben, daß auf
einer solchen Basis die Beziehung des Paares lang anhalten wird, auch wenn
die beiden heiraten ?
Der Begriff „Ehe auf Probe“ ist schon in
sich selbst eine Unmöglichkeit. Heiraten kann man nicht probieren, genauso
wenig wie geboren werden oder sterben. Es ist ein einschneidendes Ereignis
in unserem Leben, so wie der Übergang von einer Existenz zu einer anderen.
Es ist nicht übertrieben, wenn man die ganze Jugendzeit als Vorbereitung für
dieses Abenteuer betrachtet.
- Der Begriff „Ehe auf Probe“ ist ein
Widerspruch in sich selbst. Heiraten kann man nicht probieren, genauso wenig
wie geboren werden oder sterben.
Wenn manche glauben, die Ehe sei eine Flucht
in eine gutbürgerliche Sicherheit, so ist genau das Gegenteil der Fall.
Diejenigen, die nur eine Sicherheit in der Liebe suchen, sind nicht fähig,
ein glückliches Paar zu werden, und noch weniger eine glückliche Familie.
Die Ehe verlangt einen totalen Einsatz, ein „Ja“ zu einem heroischen und
außergewöhnlichen Abenteuer.
Die Familie, eine Schule der Liebe
In seinem berühmten Buch „Die Kunst des
Liebens“ schreibt Erich FROMM, daß die Liebe eine Kunst ist, die wie jede
andere Kunst erlernt sein will. Es ist mit Sicherheit die schwierigste Kunst
und auch die wichtigste, die der Mensch erlernen muß. Die Regeln der Kunst
des Liebens beinhalten eine gewisse „Moral“. Diese ist nicht als
repressive Maßnahme zu sehen, sondern als bestimmte Normen, die die
Entwicklung und das Praktizieren der wahren Liebe ermöglichen. Auch wenn
die moralischen Regeln von einer Kultur zur anderen verschieden sind, so
gibt es doch universelle Regeln. Wenn man diese verliert oder mißachtet,
gehen die Zivilisationen zugrunde. Männer und Frauen verlieren das Recht,
die Liebe zu lernen, und dies ist das wichtigste Recht überhaupt.
Vor allem sind die Prinzipien der
Enthaltsamkeit vor der Ehe und die Treue innerhalb der Ehe ein Ideal, das
dem Einzelnen zu seiner Entfaltung verhilft, und ein wichtiger Faktor für
eine harmonische Gesellschaft. Die Eltern müssen die Kinder diese Tugenden
lehren und sie selber vorleben . So werden sie das Fundament für ihr zukünftiges
Glück sein.
- Das Prinzip der Enthaltsamkeit vor der Ehe
und die Treue innerhalb der Ehe sind ein Ideal, das die Menschen zu ihrer
Entfaltung brauchen, und zugleich ein wichtiger Faktor für Harmonie in der
Gesellschaft.
Vor allem in der Familie muß man die Kunst
des Liebens lernen. Die Familie ist die unersetzbare Schule der Liebe.
Unsere erste Erfahrung der Liebe machen wir in unserer Familie.
Darum ist es eine große Verantwortung, eine
Familie zu gründen und Kinder in die Welt zu setzen. Dies bedarf der Reife
und Großzügigkeit. Es wurde schon zur Genüge bewiesen, daß Kinder, die
in konfliktreichen oder zerbrochenen Familien aufgewachsen sind, seelische
und emotionelle Schäden aufweisen, weil ihnen die psychische Struktur und
die Beziehungsanhaltspunkte fehlen. Daher wiederholen sie später oft
dieselben Fehler wie ihre Eltern.
Oft ist das übertrieben große Interesse für
Sexualität bei den Jugendlichen nur das Resultat eines Mangels an Liebe und
einer positiven Orientierung in der Familie. Dasselbe gilt für all die
destruktiven Verhaltensweisen von Jugendlichen. Laut Claude COUDEREC, Autor
des Buches „unsere Kinder und die Drogen“, suchen viele Jugendliche in
den Drogen oder in der Kriminalität einen Ersatz für die Familie. Als der
Schriftsteller André Gide und eine ganze Generation Intellektueller schrie:
„Familien, ich hasse euch, ihr geschlossenen Heime, verschlossenen Türen,
eifersüchtigen Besitzergreifer des Glücks“, so drückte er in
Wirklichkeit seine eigene Erfahrung aus: Die Familie kann wirklich zu einer
Hölle werden, einem Ort der Ausschließung und der Unterdrückung, wenn sie
auf einem schlechten Fundament aufgebaut ist.
Zahlreiche Männer und Frauen machen heute
diese bittere Erfahrung. Wie viele Kinder zahlen mit einem sehr hohen Preis
die Folgen der unreifen Liebe ihrer Eltern?
- „Liebe beginnt zu Hause. Die Menschen,
die sich aufrichtig und tief lieben, sind die Glücklichsten auf der Welt.
Wir sehen es überall, auch bei den Armen. Wenn sie ihre Kinder und ihre
Familie lieben, dann sind sie glücklich, auch wenn sie fast nichts oder gar
nichts haben“. Mutter Teresa
Um aus diesem Teufelskreis des Leidens in
der Familie herauszukommen, lassen wir uns nicht täuschen und verführen
durch die irreführende Propaganda der modernen Gesellschaft! Suchen wir
vielmehr für uns und für unsere Kinder das Ideal der wahren Liebe, einer
absoluten und dauerhaften Liebe! Diese Liebe gibt es! Sie ist das nobelste
und mutigste gemeinsame Unterfangen von Männern und Frauen. Wirkliche Liebe
verlangt eine totale Investition seiner eigenen Person. Und vor allem.......
... persönliche Verantwortung.
|
|