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Orientierung für ein Leben im A.I.D.S. - Zeitalter

Seit den 60er Jahren bahnen sich die Ideen der sexuellen Befreiung unbeirrt ihren Weg und verändern nach und nach unser kulturelles, erzieherisches und soziales Umfeld. Diese angebliche sexuelle Befreiung hat jedoch unserer Gesellschaft nicht viel Liebe gebracht. Obwohl alle sexuellen Tabus gefallen sind, obwohl jeder von Kindheit an in alle Aspekte der Sexualität eingeweiht wird - ja sogar in Fragen, die ihn überhaupt nicht interessieren -, mangelt es den zwischenmenschlichen Beziehungen immer mehr an Herzlichkeit und Spontaneität. Viele der sogenannten „emanzipierten“ Paare leiden an dem Syndrom des „Nicht- miteinander - kommunizieren - Könnens“.

Die Ideologie der sexuellen Emanzipation ist das genaue Abbild eines hemmungslosen Wirtschaftsliberalismus, allerdings nicht mehr das Geld betreffend, sondern auf das Sexuelle übertragen.

Eines ist eindeutig festzustellen: Sexualität besitzt eine gewaltige Macht im Bereich der Werbung, die durch die Medien voll ausgenützt wird. Angesichts dessen, daß der Sexualtrieb so leicht stimuliert werden kann, ist es leicht verständlich, daß der tabufreie Sex die Lieblingsphilosophie aller jener ist, die etwas verkaufen wollen. Die Ideologie der „sexuellen Emanzipation“ ist übrigens das genaue Abbild eines hemmungslosen Wirtschaftsliberalismus, allerdings nicht mehr das Geld betreffend, sondern auf das Sexuelle übertragen: Jeder besitzt sein eigenes Kapital an Libido und investiert es nach seinem Gutdünken. Es ist nicht verwunderlich, daß Geld und Sex gut miteinander auskommen.

Es ist auch nicht verwunderlich, daß der Hedonismus im Bereich der Sexualität seine eigenen Abarten der Ausbeutung, des Elends und der Kriminalität hervorgebracht hat. Noch nie haben Mädchenhandel, Prostitution, Sextourismus, Vergewaltigungen und Pädophilie größere Schäden angerichtet. Unter dem Banner des Kampfes gegen die Ausgrenzung und die „moralische Ordnung“ hat die sexuelle Laxheit ein wahrhaftig „unmoralisches Durcheinander“ erzeugt.

  • Wir müssen lernen, daß die „sexuelle Verantwortung“ die Grundlage der Ethik und Voraussetzung für wahre sexuelle Freiheit ist.

    Ein Vierteljahrhundert nach dieser falschen Befreiung ist es nun an der Zeit, andere Entscheidungen zu treffen. Die Jugend von heute hat es in der Hand, sich von der Vorprogrammierung durch hedonistische und materialistische Ideologien der vorangegangenen Generation zu emanzipieren. Wir müssen lernen, daß „sexuelle Verantwortung“ die Grundlage der Ethik und Voraussetzung für wahre sexuelle Freiheit ist.

    A.I.D.S. (Acquired Immune Deficiency Syndrom) ist ein unübersehbarer Anlaß, sich die Frage nach dieser Verantwortung zu stellen. Die Hochrechnung der WHO (Weltgesundheitsorganisation) für das Jahr 2000 zeigt ein erschreckendes Bild: Weltweit 10 Millionen A.I.D.S.-kranke, 30 bis 40 Millionen HIV positiv, davon 10 Millionen Kinder.

    In Österreich sind bisher fast 1000 Menschen an A.I.D.S. gestorben, 500 sind erkrankt. Während bei uns bei 20 Menschen von einer Million A.I.D.S. diagnostiziert wird, sind es in Spanien fast 200, in Frank reich zirka 100. „Die Explosion der Neuerkrankungen in diesen Ländern ist vor allem auf die Drogenproblematik zurückzuführen“, erklärt Jean-Paul Klein vom Gesundheitsministerium den Unterschied. Zur Zeit leben in Österreich Schätzungen zufolge 16.000 Menschen, die mit dem HI-Virus infiziert sind. Der Großteil ist zwischen 16 und 35 Jahren alt. Und unter den Neuinfizierten im vergangenen Jahr waren bereits 25 Prozent Frauen, die sich fast alle bei ihrem Partner angesteckt haben. (KURIER, 15. 9. 1995)

    Bedauerlicherweise haben es einflußreiche Minderheiten verstanden, ihre Ansichten zur A.I.D.S.-Verhütung durchzusetzen, um zu verhindern, daß der zur Staatsreligion erhobene Hedonismus in Frage gestellt wird. Die einfache Wahrheit, nämlich daß sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe und eheliche Treue die besten Schutzrezepte gegen A.I.D.S. sind, hört man deshalb nur ganz selten. Wir wollen hier eine sachliche Überprüfung jener weitverbreiteten Annahmen anstellen, die zur Ideologie des freien Sex geführt haben.

    1. SEX OHNE RISIKO

    Die heute vorherrschende Politik der A.I.D.S.-Bekämpfung be schränkt sich auf die Propagierung des Kondoms als Heilsinstrument, ja sogar als Kultobjekt. Nun zeigen einige wissenschaftliche Daten die Fehlerquote des Präservativs als Schutzmittel:

    Das Kondom bietet keinen absoluten Schutz

    1. Die Präservative weisen eine Riß - bzw. Rutschquote von 15% auf. Bei Jugendlichen liegen die Werte noch höher (Family Planning perspectives, Jänner - Februar 1992; „Wissenschaft und Leben“, August 1993; „50 Millionen Konsumenten“, April 1994). Laut einer Studie, die 1993 von der Universität Texas durchgeführt wurde, beträgt die Gefahr einer A.I.D.S.- Ansteckung bei 100mal „geschütztem“ Geschlechtsverkehr mit einem HIV-positiven Partner bei Verwendung eines hochwertigen Kondoms 18 Prozent, bei Verwendung eines Kondoms von durchschnittlicher Qualität sogar 54 Prozent (Social Science and Medcine, Juni 1993). Das Kondom schützt dessen Träger wirksam, aber die Partnerin nur sehr bedingt.

    2. Man kann auch durch die äußere Seite des Kondoms durch männliche oder vaginale Säfte, die ja auch Träger des Virus sind, infiziert werden. Das heißt, man müßte sich der Vorsichtsmaßnahmen eines Chirurgen bedienen und Gummihandschuhe verwenden, um Keimfreiheit zu erzielen. Professor Henri LESTRADET von der französischen Académie Nationale de Médecine (le quotidien du médecin, 6. Dezember 1993), wie auch die Ärzte Joel LE PRÈVOST (le quotidien du médecin, 6. Dezember 1993 und André GERNETZ (réussir votre santé Nr.7) stellen klar, daß das Kondom nur dem Träger wirksamen Schutz bietet, seiner Partnerin jedoch nur sehr bedingt.

    Drei Situationen sind besonders risikoträchtig:

    1. Der erste Geschlechtsverkehr, bei dem durch den Riß des Jungfernhäutchens eine offene Wunde verursacht wird;

    2. Wenn die Schleimhaut der Vagina bereits von einer anderen Krankheit befallen ist (Herpes usw.);

    3. Analverkehr, aufgrund der dünnen und empfindlichen Schleimhaut des Rektums.

    Denn, wie Dr. GERNEZ betont, ist die rektale Schleimhaut für alles durchlässig und nimmt nicht nur lösbare Substanzen auf, wie es etwa bei einem Zäpfchen der Fall ist, sondern läßt auch Teilchen durch, die millionenfach größer als Viren sind (das Prinzip, das die Verwendung rektaler Nährlösungen ermöglicht). Die hohe Ansteckungsgefahr im Zusammenhang mit dem Analverkehr erklärt das vermehrte Auftreten und das Überhandnehmen von A.I.D.S. in homo-sexuellen Kreisen.

    Daher konnten auch unter Kondom-Benützern zahlreiche An steckungen festgestellt werden. Dr. Margaret FISCHL berichtete auf dem 1987 in Washington abgehaltenen 3. Internationalen A.I.D.S.- Kongreß über ihre Untersuchungen an Paaren, von denen ein Partner HIV-positiv war. 18 Monate später waren bei 17%, also jedem 6. Paar beide Partner HIV-positiv, wenn es sich um aufgeklärte und vorsichtige Erwachsene handelte.

    Selbst das amerikanische Familienplanungsinstitut äußert erste Vor behalte über die Wirksamkeit des Kondoms: „Wirklich verunsichernd an der ganzen Sache ist die Tatsache, daß wir zehn Jahre nach Beginn der Epidemie noch immer sehr wenig über die Wirksamkeit des Kon doms während des Gebrauchs wissen“ („Familiy Planning Perspecti ves“, Jänner- Februar 1992).

    Die Unverläßlichkeit des Kondoms bei der Schwangerschaftsverhü tung ist übrigens seit langem bekannt. Dieselbe Ausgabe der Family Planning Perspectives enthüllt, daß das Kondom in 13,2% bis 27,3% der Fälle versagt, eine Schwangerschaft zu verhüten, nämlich aufgrund der Tatsache, daß es reißen und verrutschen kann. Wenn das Kondom schon als Schwangerschaftsverhütungsmittel so unverläßlich ist, wie kann man glauben, daß es gegen das A.I.D.S.- Virus schützen kann, wenn man weiß, daß es 450mal kleiner ist als ein Samenfaden und 365 Tage im Jahr ansteckend ist?

    Zum A.I.D.S.-Risiko kommt die Gefahr der anderen sexuell übertrag baren Kankheiten. Man spricht weniger davon, weil sie nicht tödlich sind, aber einige bringen ernste Folgen mit sich, wie etwa Unfrucht barkeit. Schätzungen zufolge leidet 1 von 200 Franzosen an Hepatitis B. Diese Krankheit, gegen die es kein wirksames Gegenmittel gibt, wird vorwiegend sexuell übertragen. Eine Schutzfähigkeit des Kon doms gegen Hepatitis B, die weit ansteckender ist als das A.I.D.S.- Virus, gibt es praktisch nicht.

  • „Es handelt sich um eine Krankheit, bei der ethische, soziale, philosophische, ja sogar ideologische Überlegungen rein medizinische Erwägungen überflügelt haben“ (Prof. Roger Henrion).

    Die Sicherheit, die ein Kondom während des Beischlafs mit einer Person gewährleistet, von der man nicht weiß, ob sie das A.I.D.S.- Virus trägt oder nicht, läßt sich also eher mit „Russisches Roulette“ beschreiben als mit „Sex ohne Risiko“. Die offizielle Propaganda für das Kondom ist trügerisch und verantwortungslos. Tatsächlich ist sie ein noch größerer Skandal als die Abgabe verseuchter Blutkonserven an Bluter, die auch in Österreich zu mehre ren Todesfällen geführt und die Gerichte beschäftigt hat.

    Der Widerstand gegen systematische A.I.D.S.-Tests

    Warum die Weigerung, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen? Eben weil, wie Professor Roger HENRION mit Bedauern feststellt, „es sich um eine Krankheit handelt, bei der ethische, soziale, philosophische, ja sogar ideologische Überlegungen rein medizinische Erwägungen überflügelt haben, wie ich es im Laufe meiner Karriere noch nie erlebt habe“.

    Da die „sexuelle Freiheit“ für einige mehr Wert hat als das Leben von Millionen, widersetzen sich einflußreiche Minderheiten gegen die Durchführung systematischer A.I.D.S.-Tests. Genau das wird jedoch von maßgebenden medizinischen Fachleuten empfohlen. Nur eine Politik der systematischen Durchführung von A.I.D.S.-Tests würde ermöglichen, daß sich der einzelne verantwortlich verhält. Das Fehlen einer politischen Entscheidung für eine systematische Durchführung von A.I.D.S.-Tests hat eine hohe Dunkelziffer A.I.D.S.- Infizierter zur Folge. Auch in Österreich sind also zahlreiche Menschen Träger des A.I.D.S.-Virus, ohne davon zu wissen. Sie können ungestört von Gewissensbissen durch verantwortungsloses Verhalten die Krankheit weiterverbreiten.

  • Weil es keine Politik für die systematische Durchführung von A.I.D.S.-Tests gibt, wissen viele nicht, daß sie Träger des HI-Virus sind.

    Das Fehlen einer Politik zur systematischen A.I.D.S.-Früherkennung in Verbindung mit der trügerischen Kondom-Propaganda hat verheerende Folgen. Ihr wahres Ausmaß beschreibt der ehemalige amerikanische Gesundheitsminister Everett KOOP folgendermaßen: Jeder Beischlaf mit einer Person, deren sexuelle Vergangenheit uns nicht bekannt ist, bedeutet bezüglich der Gefahr einer A.I.D.S.- Ansteckung zumindest theoretisch, daß man sexuellen Kontakt hat mit allen ehemaligen Geschlechtspartnern samt deren Partnern.

    Alle diese Fakten sind heutzutage bekannt. Angesichts des Versagens dieser „Sex ohne Risiko“- Politik, wenden sich immer mehr Länder, darunter die Vereinigten Staaten und Großbritannien, einer „Verhaltens“-Erziehung zu, durch die die Jugend mehr Verantwortungsbewußtsein bei der Partnerwahl lernen soll. Von Treue und Verantwortung als positive Schutzmaßnahme ist in der öffentlichen A.I.D.S.-Diskussion bisher leider kaum etwas zu hören.

    2. MYTHEN UND WIRKLICHKEIT RUND UM DIE SEXUALITÄT

    Der Glaube an „Sex ohne Risiko“, der die A.I.D.S. Gespräche von Seiten der Politik und der Medien beherrscht, dient auch der Verschleierung anderer Mythen, nämlich der Ideologie des „freien Sex“. Diese Mythen dringen heute in jede Familie ein, insbesondere über den Fernseher.

    „Freier Sex ist natürlich“

    Mit dem Siegeszug des Materialismus hat sich die Auffassung ver breitet, daß menschliche Sexualität so wie die tierische Sexualität ganz von allein funktioniere. Man brauche ihr nur freien Lauf zu lassen, und schon werde sie sich ganz frei ausdrücken und ungehindert entfalten. Kulturbedingte Verbote seien allein verantwortlich für alle sexuellen Abartigkeiten, weil durch sie die Sexualität unterdrückt werde. Eine Ideologie, die sich auf die Naturwissenschaft beruft und den Men schen zu einem Tier reduziert, hat es einigen Zoologen wie Alfred KINSEY ermöglicht, sich ein Renommee als Experte in Sachen der menschlichen Sexualität aufzubauen.

    In Wirklichkeit liegen Welten zwischen der tierischen und der mensch lichen Sexualität: Die tierische Sexualität ist sehr genau in Jahres- Zyklen geregelt und ausschließlich auf die Vermehrung ausgerichtet. Die Tiere kopulieren zum Großteil nur sehr kurz, ein bis zweimal im Jahr, und die Weibchen sprechen nicht mehr an, sobald sie befruchtet worden sind.

    Die menschliche Sexualität hingegen enthält eine weiträumige seelische Komponente, die die Richtung bestimmt. Psychoanalytiker und Biologen verzichten heute großteils darauf, die menschliche Sexualität als animalistischen „Instinkt“ zu bezeichnen.

    „Sex ist Kultur“

    Die Befürworter des „freien Sex“ berufen sich einmal auf die Naturforschung, dann wieder die Kulturanthropologie (Milieuforschung). Diese sagt, daß der Mensch kein selbstbestimmtes Wesen ist, sondern daß alle seine Verhaltensweisen von seinem gesellschaftlichen Umfeld geprägt werden.

    Die Homosexualität wird dann als Einstellung dargestellt, als mögliche Option der Sexualität unter vielen anderen, die alle moralisch gleichwertig sind. Wir leben, wie man oft hört, in einer „multisexuellen“ Gesellschaft, in der alle „Formen“ der Sexualität zum Ausdruck kommen. Manche fordern bereits, daß die Pädophilie legalisiert und daß das Tabu des Inzests abgeschafft wird.

  • Natur und Kultur müssen harmonisch wie Geist und Körper zusammenleben. Die Sexualität kann sich erst entfalten, wenn sie vereinbar mit ihrem ursprünglichen Ziel erlebt wird.

    Der Mythos der Kulturanthropologen ist genauso trügerisch wie jener der Naturwissenschaftler. Es ist absurd, die natürlichen Gesetze, die Teile unseres Lebens bestimmen, in Abrede zu stellen. Natur und Kultur müssen also harmonisch wie Geist und Körper zusammen leben.

    Obschon es stimmen mag, daß die Richtung unserer sexuellen Triebe durch unsere Familiengeschichte und kulturelle Vorbilder beeinflußt wird, stimmt es genauso, daß Einflüsse, die uns prägen, nicht alle gleichwertig sind. Eine Person, die in einem harmonischen Familienumfeld aufgewachsen ist, hat alle Voraussetzungen, heterosexuell und monogam zu werden. Ein feindlicher oder abwesender Vater hin gegen oder eine übertrieben besitzergreifende Mutter, können Ursachen für Homosexualität und andere Abartigkeiten sein.

    „Sex ist Unterhaltung“

    „Wir sind Befürworter eines fröhlichen Sex, für Sexualität als nettes Kommunikationsmittel, etwa wie ein gutes Fressen“, erklärte einmal eine Fernsehproduzentin (Liberation, 13.9.1986). Nach dem naiven Mythos „sex is love“ (Sex ist Liebe), folgt nun der zynische Mythos „sex is fun“ (Sex ist Spaß), der von Sexverkäufern aller Art geäußert wird. Demnach soll Sexualität einfach Unterhaltung sein. Sie soll aber vor allem ausgiebig, abwechslungsreich konsumiert werden. Mit den von Sex-Experten im Rundfunk gesendeten Ratschlägen soll Sex nun auch unterhaltsam sein.

    Diese Vorstellung basiert auf Unkenntnis der menschlichen Sexualität. Seit FREUD weiß man tatsächlich, daß Sexualität nicht nur eine physische Angelegenheit ist, sondern alle psychischen Bereiche betrifft. Es gibt nämlich keine sexuelle Aktivität, nicht einmal jene, die nur auf geistiger Ebene geschieht, die unsere emotionelle Verfassung, unsere Fähigkeit zu lieben nicht dauerhaft beeinflußt

  • Es gibt keine sexuelle Aktivität, nicht einmal jene, die nur auf geistiger Ebene geschieht, die nicht unsere emotionelle Verfassung, unsere Fähigkeit zu lieben, beeinflußt.

    Jede sexuelle Erfahrung wird in unserem Unterbewußtsein gespeichert und prägt uns seelisch wie geistig. Wenn die Sexualität im Rahmen einer echten Liebe erlebt wird, die auf der ganzen gegenseitigen Hingabe der Partner beruht, bindet die Erinnerung dieser Beziehung die beiden Ehepartner. Wenn die Sexualität hingegen mit egoistischen und kindischen Beweggründen erlebt wird, neigt sie dazu, die Entwicklung der Betroffenen zur Stagnation zu bringen.

    Das ist der Grund, warum eine unkontrollierte Sexualität dazu neigt, immer unkontrollierter und zwanghafter zu werden. Es ist heute bewiesen, daß Pornographie wie Suchtgift wirkt. Ein Suchtgift, dessen Verkauf uneingeschränkt ist, und dessen Erlös 25% des Umsatzes der Presse und 40% des Videoverkaufs ausmacht. Zwischen leichter und harter Pornographie bestehen dieselben Unterschiede wie zwischen leichten und harten Drogen: Man geht, ohne es zu merken, auf eine härtere über. Der Gewöhnungseffekt an die Pornographie beeinträchtigt Millionen von Männern. Sie zerstört zahllose Paare, da Süchtige sich entweder für ihre Frauen nicht mehr interessieren oder ihre gewalttätigen und demütigenden Vorstellungen tatsächlich auf Kosten der Partnerin ausleben. Denn die noch passive Phantasie ist bei ihnen übersättigt und sucht neue, gesteigerte Stimulationen durch Umsetzung der Phantasie in die Tat. Schließlich begünstigt Pornographie die Entwicklung der Sexualkriminalität.

  • Pornographie ist ein Suchtgift, das Millionen von Männer betrifft. Sie zerstört die Intimität der Paare, indem sie die sexuelle Gewalt einführt.

    Laut einer Studie, die in Gefängnissen durchgeführt wurde, geben 82% der Pädophilen zu, daß die Pornographie einen gewissen Einfluß auf ihre Gedanken und ihr Verhalten ausübt. Bei 40% der sexuell motivierten Verbrechen gibt der Kriminelle zu, pornographisches Material unmittelbar vor der Straftat benützt zu haben (gemäß Meese, Ausschuß über Pornographie, USA 1986) In unserer übererotisierten Gesellschaft beeinflussen die immer präsenten sexuellen Vorstellungen nicht nur die potentiellen Kriminellen. Sie erreichen uns alle, insbesondere Kinder und Jugendliche.

    Die Wichtigkeit der „Sexuellen Erfahrung“

    Viele glauben, daß häufige Liebeserlebnisse und sexuelle Erfahrungen der beste Weg sind, lieben zu lernen. Dieser Logik zufolge müßte es heißen: „ ... je öfter ich sexuelle Beziehungen habe, und das mit möglichst vielen verschiedenen Partnern, umso besser kann ich lieben.“ Diese grundlegende Lebenseinstellung wird auch von zahlreichen Jugendzeitschriften vertreten.

  • Je mehr verschiedene sexuelle Partner jemand gehabt hat, umso mehr ist sein emotionelles Gedächtnis mit Erinnerungen belastet, die ihn daran hindern, sich völlig in einer wahren und exklusiven Liebesbeziehung zu investieren.

    In Wirklichkeit sind die „Verführer oder Verführerinnen“ Menschen, die sich unfähig fühlen, wirklich zu lieben, und die ihre affektive Leere wettmachen, indem sie jemanden beherrschen oder sogar verletzen wollen. Außerdem wird durch die „sexuelle Wanderschaft“ die Kraft der Gefühle abgestumpft. Aufgrund des Erinnerungsvermögens der sexuellen Emotionen durchqueren die Erinnerungen an vergangene sexuelle Erlebnisse die jetzigen und zukünftigen Beziehungen, oft in Form von klaren Bildern und Empfindungen während des Beischlafs. Dieses Phänomen zerstört die Intimität der Partner. So wird jemand, der viele verschiedene Partner gehabt hat, durch seine emotionelle Erinnerungen daran gehindert, sich völlig in eine wahre und exklusive Liebesbeziehung zu investieren.

    Die ideale Situation bleibt die Jungfräulichkeit vor der Ehe: In diesem Fall ist die Sexualität des Ehepaares ein geheimer Platz, den niemand vorher betreten hat, und dies stärkt die Intimität des Paares.

    Die Jungfräulichkeit des Körpers ermöglicht die Jungfräulichkeit des Herzens. Es ist daher kein Hindernis, wenn jemand vor der Ehe keine sexuellen Erfahrungen hat. Im Gegenteil, es ermöglicht dem verheirateten Paar gemeinsam den Garten der Wonne und des Glücks zu entdecken. Der Psychologe Coleen MAST schreibt dazu: „ Innerhalb der Ehe steigert die Erfahrung und die Erinnerungen an die Beziehung die Sehnsucht der Ehepartner, sich besser kennen zulernen und ihre Liebe zu vertiefen. Der Geschlechtsakt vereinigt sie, bereichert sie und stimuliert ihr gegenseitiges Engagement“ (The World and I, September 1989).

  • In der Ehe steigert die Erfahrung und die Erinnerung an die Beziehung die Sehnsucht der Ehepartner, sich besser kennen zulernen und ihre Liebe zu vertiefen

    Die Jugendlichen, die schon sexuelle Erfahrungen vor der Ehe gehabt haben, können ihren Lebenswandel ändern und mit Enthaltsamkeit beginnen, um sich so eine „zweite Jungfräulichkeit“ zu erwerben und sich auf die Ehe vorzubereiten.

    Die Begriffsverwirrung zwischen Sex und Liebe

    „Peace and love“, „Liebe statt Krieg“ skandierte man im Jahr 1968, als ob Sexualität automatisch ein Ausdruck des Friedens und der Liebe wäre. Diese enorme Naivität der sexuellen Revolution ist Quelle einer gefährlichen Verwirrung.

    Die Sexualität kann genauso zur allerschlimmsten Form der Gewalt entarten. Ja sogar schlimmer als physische Gewalt, da sie die Seele des Menschen angreift: dies trifft etwa im Falle der Vergewaltigung, der Pädophilie und der sexuellen Sklaverei zu. Die Pornographie macht reichlich Gebrauch von diesem gestörten und gewalttätigen Aspekt des unkontrollierten Sexualtriebes. Sogar unter Eheleuten kann Sexualität als Aggression erlebt werden.

  • „Es scheint, daß jedes heftige Gefühl, wobei die Liebe nur eines unter zahlreichen ist, das Privileg besitzt, die sexuelle Lust zu erregen und sie sich eigen zu machen“ (Erich Fromm).

    Der deutsch-amerikanische Psychologe Erich FROMM schreibt: „Die sexuelle Lust kann durch Angst vor der Einsamkeit erregt werden, durch Hoffnung zu erobern oder erobert zu werden, durch Eitelkeit, durch den Wunsch zu verletzen, ja sogar zu zerstören, genauso wie durch die Liebe. Es scheint, daß jedes heftige Gefühl das Privileg besitzt, sexuelle Lust zu erregen und sie sich zu eigen zu machen, wobei die Liebe nur eines unter zahlreichen ist. Da die meisten Leute sexuelle Lust und die Vorstellung von Liebe im Zusammenhang sehen, kommen sie leicht zu dem irrtümlichen Schluß, daß sie in einander verliebt sind, wenn sie sich physisch zueinander hingezogen fühlen“ („Die Kunst des Liebens“).

    Die Sexualität wird erst zu einem tatsächlichen Liebesakt, wenn der einzelne die Liebe erlernt hat, bevor er sich in eine sexuelle Beziehung stürzt. Der Jugendliche sollte diese Herzensreife erringen, indem er Selbstkontrolle lernt und Beziehungen ohne Eigennutz meistert. Wenn die Sexualität des Jugendlichen zu früh „losgelassen“ wird, was heutzutage positiv bewertet wird, ist sie auf sich selbst (narzißtisch) und nicht auf die Beziehung ausgerichtet. Prof. Henri JOYEUX bringt es auf den Punkt: „Frühzeitige sexuelle Beziehungen sind in Wirklichkeit nichts anderes als Onanie zwischen Buben und Mädchen“, da beide vor allem die eigene Befriedigung anstreben.

    Die Ärztin Susanne KEPES schreibt zu dem Thema: „Es besteht unter den Jugendlichen das tiefe Bedürfnis, die Männlichkeit oder Weiblichkeit zu behaupten. Sie verstehen es aber noch nicht, dies auf der Grundlage der Liebe zu verwirklichen. Psychologisch gleicht der Vorgang, abgesehen vom Geld, auch der Prostitution. Es geht um die Behauptung der Macht und der Identität ohne Liebe, ja sogar, wenn nötig, mit Verachtung, selbst wenn Reue und Schuldgefühle im Nach hinein auftreten.“

    Den Jugendlichen zu schmeicheln, indem man ihnen vortäuscht, daß ihre sexuellen Gelüste Liebe seien, bedeutet, daß man sie von anderen Arten von Beziehungen ablenkt, die ihrerseits die Heranreifung ihrer Charaktere begünstigen würde, nämlich Freundschaft, Teamgeist, Respekt voreinander. Freundschaft fördert den ethischen Sinn, denn sie setzt Ehrlichkeit, Treue und Hingabe voraus. Die frühzeitige leidenschaftliche Liebe hingegen steigert Eigenliebe und Heuchelei (im Verführungsspiel), und es entwickelt sich beim Jugendlichen ein „falsches Ich“ statt einer wahrhaftigen Identität.

    3. DIE ENTDECKUNG DER TEENAGER-SEXUALITÄT

    Früher vertrat man die Meinung, daß der sexuelle Drang in der Pubertät erwacht und seine Reife erst am Ende der Jugend erreicht. Die Jugend war der Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein. Während dieser Zeit galt es die Reife des Herzens zu entfalten, die eine Disziplin der Sinne erfordert.

    Seit den Sechziger Jahren jedoch glaubt man, das jugendliche Alter sei die ideale Zeit für sexuelle Erfahrungen. Mit Gefühlen wie Unverletzbarkeit, Allmacht und „cool“ sein, typisch für dieses Alter, spielt unsere Gesellschaft alle narzißtischen, unsozialen und selbstzerstörerischen Triebe hoch, statt die Jugendlichen auf ihrem Weg zur sozialen Reife zu unterstützen. Wir leben, so der Psychoanalytiker Tony ANATRELLA in einer „jugendzentrischen“ Gesellschaft.

    Die wenig besprochenen Folgen frühzeitiger sexueller Aktivität

    Die sexuellen Erfahrungen sind tiefgehend destabilisierend für die Jugendlichen. Sie werden in eine Gefühlswelt hineingeschleudert, die sie nicht imstande sind zu bewältigen. Es wird in ihnen die Illusion geweckt, daß sie fähig sind zu lieben, obwohl sie in der sexuellen Erfahrung viel mehr die Bestätigung ihrer Männlichkeit bzw. ihrer Weiblichkeit suchen, als das Glück des anderen. So werden sexuelle Erfahrungen eine Quelle tragischer Mißverständnisse für viele Jugendliche. Sie erhöhen das Risiko von Depressionen und Selbstmorden bei Jugendlichen. Laut einer amerikanischen Studie sind 36% der Selbstmordversuche von Jugendlichen auf zerbrochene Beziehungen zu rückzuführen („Pediatrics“, Febr. 1991).

    Glücklicherweise sind nicht alle jungen Leute so sexhungrig, wie man es uns glauben machen will. Der Bericht des ACSF von 1993 über das sexuelle Verhalten in Frankreich stellt fest: Die erste sexuelle Beziehung läßt sich im Durchschnitt bei Männern mit 17 Jahren und bei Frauen mit 18 Jahren festlegen. Viele Jugendliche haben übrigens ihre erste Erfahrung unter dem Einfluß und dem Druck ihrer Umgebung gemacht - aus Angst, nicht „normal“ zu sein, wenn sie mit 16 Jahren noch jungfräulich sind. Schlimmer noch, 60% der Mädchen, die vor 15 einen Geschlechtsverkehr hatten, und 74% aller Männer, die vor 14 eine Beziehung hatten, wurden durch Drohungen oder Gewaltanwendung von Erwachsenen oder eines älteren Jugendlichen dazu gezwungen (Guttmacher Institute, „Sex and America´s Teenagers“).

    Nach einer deutschen Untersuchung haben heute bereits zwei Drittel der Mädchen und 59 Prozent der Jungen mit 17 Jahren „das erste Mal“ erlebt. 1980 waren es erst 56 Prozent der Mädchen und 38 Prozent der Jungen. Dies ergab eine Studie vom April 1995 im Auf trag der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BzgA, Köln), für die 3000 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sowie 3000 Eltern befragt wurden.

  • Männer haben heute mit 17 und Frauen mit 18 Jahren die erste Geschlechtsbeziehung. Was bezweckt man also mit der Verteilung von Kondomen an Teenager unter 14?

    In einer Umfrage des Amerikanischen Familienplanungsinstituts wurde den jungen Mädchen über 16 Jahren, die schon sexuelle Erfahrungen hatten, die Frage gestellt, über welches sexuelle Thema sie mehr informiert werden wollen. Eine Mehrheit von 81% antwortete: „Wie kann ich NEIN sagen, ohne den anderen zu verletzen?“ („USA Weekend“, 27-29 Dez. 1991).

    Zahlreiche Studien beweisen, daß die Enthaltsamkeit einen Gleichgewichtsfaktor bei den Jugendlichen darstellt. Eine Meinungsumfrage von Who´s Who Among American High School Students von 1987 zeigt, daß 73% der besten Studenten jungfräulich waren. Eine andere Studie zeigt, daß enthaltsam lebende Jugendliche 6mal weniger Selbstmordrisiken, 18mal weniger Ausbrecher, 10mal weniger drogenabhängig sind und 5mal seltener von der Schule fliegen als solche die sich sexuell betätigen.

    Der Erzieher Guy DURAND dazu: „Die sexuellen Erfahrungen, besonders bei Jugendlichen, bringen die Gefahr mit sich, sie in der Entwicklung ihres Gefühlslebens zur seelisch-sexuellen Reife zu blockieren. Wenn man sich daran gewöhnt, die Sexualität nur als Vergnügen zu erleben, wird man immer weniger fähig, sie auch später als gemeinsame Sprache und Verbindlichkeit zu verstehen“ („L’ éducation sexuelle“).

  • „Wenn man sich daran gewöhnt, die Sexualität nur als Vergnügen zu erleben, wird man immer weniger fähig, sie später auch als gemeinsame Sprache und Verbindlichkeit zu erleben“

    Die sexuellen Vorstellungen werden oft durch die ersten Erfahrungen geprägt. Das ist der Grund, warum ein Kind, das sexuell mißbraucht wurde, als Erwachsener die kindlichen Reaktionen im Zusammenhang mit diesem Erlebnis weiter beibehält. Oft entwickelt sich dann das Opfer zum Täter.

    Auch ein Jugendlicher, der seinen Körper mißbraucht, wird, wenn er verheiratet ist, Schwierigkeiten haben, die narzißtische Verhaltens weise seines sexuellen Empfindens zu überwinden. Auch der Mißbrauch durch Masturbation kann zu einer Gewohnheit bis ins Erwachsenenalter werden und spiegelt den Egoismus und die Schuldgefühle der Sexualität des Jugendlichen wider. Außerdem verschlimmert sie die Phantasien, die nicht mit der Realität der sexuellen Beziehung eines Paares übereinstimmen, und sie zerstören die Beziehungsorientiertheit im Geschlechtsverkehr. In der Pubertät und im „Teenager“- Alter muß der Kampf gegen die Masturbation gewonnen werden.
    Schlußfolgernd können wir sagen, daß die Pubertät das Erwachen der Sexualität und nicht deren Reife bedeutet. Sie ist eher der Beginn eines Wachstumsprozesses, in dessen Verlauf der Jugendliche die Bedürfnisse seines Körpers beherrschen lernt, indem er sie für eine Beziehung der wahren und dauerhaften Liebe aufbewahrt.

    Die Irreführung durch Aufklärungsprogramme

    Unter diesen Voraussetzungen kann man sich fragen, worin die Logik der Aufklärungsprogramme liegt, die sich an Jugendliche unter 14 Jahren so heranmachen als ob diese sexuell aktiv wären oder es sein sollten?

    Viele dieser Aufklärungsprogramme sind eine Einladung, sich sexuell zu betätigen, und eine regelrechte Werbung für das Kondom. Weil aber die absolute Verläßlichkeit des Kondoms angezweifelt werden muß, trägt diese Art von Aufklärung noch zur Verbreitung von A.I.D.S. bei. Man ermutigt die Jugendlichen, tödliche Gefahren auf sich zu nehmen, und täuscht einen Schutz vor, der nicht hundertprozentig gewährleistet ist. Um sich von dem Verführungseffekt dieser Programme zu überzeugen, braucht man sich nur an die Erfahrungen erinnern, die bei der Erziehung zur Verhütung in den Schulen gemacht wurden, die ungewollte Schwangerschaften bei jungen Mädchen bekämpfen sollte.

    Seit 1973, als diese Programme in Amerika vom Familienplanungsinstitut gestartet wurden, hat die sexuelle Aktivität der Jugendlichen stark zugenommen und konsequenterweise auch die Zahl der ungewollten Schwangerschaften (+ 87%) und Abtreibungen (+67%). Genau das Gegenteil von dem, was man erreichen wollte, ist also eingetroffen („Pediatrics“, Februar 1991).

  • Man kann sich die Frage stellen, ob das alles nicht ein großer Köder ist, mit dem die Erwachsenen die Jugendlichen anlocken, weil sie selbst noch von der Jugendsexualität fasziniert sind und sich damit identifizieren

    Die Aufklärung, so wie sie meistens gehandhabt wird, ruft in den jungen Leuten ein Gefühl des Unbehagens hervor, indem sie Jugendsexualität als etwas völlig Selbstverständliches darstellt und Jungfräulichkeit als etwas, dessen man sich schämen muß. Der Psychoanalytiker Tony ANATRELLA warnt vor den wirklichen Absichten: „Man kann sich die Frage stellen, ob das alles nicht ein großer Köder ist, mit dem die Erwachsenen die Jugendlichen anlocken, weil sie selber noch von der Jugendsexualität fasziniert sind und sich damit identifizieren. Dieser kinderschändende Charakter und dieses fieberhafte Verlangen, Kinder in die Sexualität einzuweihen, sind ernst hafte Fehlorientierungen der Erzieher“ („Der vergessene Sex“).

    Enthaltsamkeit ist keine Schande

    Man versucht mit aller Gewalt, Teenager in das Sexualleben einzuweihen, und zerstört so ihre kindliche Unschuld und Reinheit. Es gilt das Vorurteil, ein natürliches Schamgefühl sei das Produkt einer repressiven Moral und „die letzte Festung einer verlogenen gutbürgerlichen Gesellschaft..“. In Wirklichkeit ist genau das Gegenteil der Fall. Das natürliche Schamgefühl ist jenes verinnerlichte Gefühl, daß die Sexualität etwas Heiliges ist und daß sie sehr tief mit unserer Identität zusammenhängt. Sie ist für die Intimität des Paares bestimmt und muß deshalb beschützt werden. „Das Schamgefühl“,sagt Xavier LA CRIOX, „ist ein Schutz der Individualität“.

    4. WAS IST LIEBE ?

    Romantischer Traum und leidenschaftliche Liebe

    In den romantischen Hollywood-Filmen wird Liebe mit Leidenschaft gleichgesetzt. In der heutigen Auffassung ist Liebe ausschließlich ein Gefühl. Lieben heißt, sich verliebt „fühlen“, ein Erlebnis, das einen aus heiterem Himmel trifft, ohne daß man darauf einen Einfluß hat, und dieses Gefühl verschwindet auch wieder genauso mysteriös, wie es gekommen ist. Dieser Betonung der Leidenschaft steht eine andere Auffassung der Liebe gegenüber, die auf Verantwortung und eheliche Harmonie ausgerichtet ist. Liebe, nicht nur ein Gefühl, sondern ein Willensakt und die Fähigkeit, sich bedingungslos für das Glück des andern hinzugeben, indem man seine eigenen egoistischen Gefühle überwindet. In diesem Konzept ist die Eheschließung nicht das er wünschte Endresultat der Liebe, sondern das Fundament. „Liebe der Taten“ statt „Liebe der Leidenschaft“, wie es der Philosoph Denis ROUGEMONT ausdrückte. Und er fügte hinzu: „Aber wie viele Menschen kennen den Unterschied zwischen einem Gefühls rausch, dem man nachgibt, und dem Schicksal, das man selber in die Hand nimmt?“

    Die zwei Dimensionen der ehelichen Liebe

    Leidenschaft und Verbindlichkeitsgefühl sind dennoch kein Widerspruch, sondern die zwei Seiten einer ausgeglichenen harmonischen Beziehung zwischen Ehepartnern. Die Psychologen sind der Meinung, daß die leidenschaftliche Liebe, durch das Idealisieren des geliebten Partners charakterisiert, eine Widerspiegelung der Anhänglichkeit und Zuneigung des Kindes gegenüber seinen Eltern ist. Die Bereitschaft, für das Kind Opfer zu bringen und sich auf längere Zeit verantwortlich zu fühlen, ist das Wesen der elterlichen Liebe. Eine ausgewogene Liebe zwischen Ehepartnern beinhaltet zwei Dimensionen: Die erste, die von der Einstellung des Kindes gegenüber seinen Eltern herrührt, und die sich in Dankbarkeit ausdrückt in Vertrauen und emotionaler Abhängigkeit vom andern („nicht ohne den andern leben zu können“). Die zweite Dimension ist die, die von einem elterlichen Herz stammt und sich in einer Ernsthaftigkeit ausdrückt, einem Sinn für Verantwortung, die beide für einander empfinden. So wie das Kind das Gefühl der Ewigkeit braucht, das die Absolutheit und Unzerstörbarkeit der Elternliebe ihm vermittelt, so braucht der Ehemann bzw. die Ehefrau auch das Ewigkeitsgefühl, das eine völlige Hingabe des Partners erfordert. Diese Basis ermöglicht das gegenseitige Vertrauen und die Geborgenheit, die notwendig sind für die Heilung und Entfaltung der Herzen.

    Die Tiefe des Engagements der Liebe bestimmt die Dauerhaftigkeit der Ehe. Die Leidenschaft hingegen ist stets veränderlich. Der Psychologe Erich FROMM schrieb: „Liebe sollte vor allen Dingen ein Willensakt sein, die Entscheidung, sein ganzes Leben einem andern Menschen zu widmen. Liebe ist nicht die Kraft eines Gefühls, sondern einer Entscheidung, eines Urteils, eines Versprechens.“

  • „Liebe sollte vor allem ein Willensakt sein, die Entscheidung, sein ganzes Leben einem andern Menschen zu widmen“

    Durch die absolute Verbindlichkeit in der Ehe erreicht eine partnerschaftliche Beziehung auch eine soziale Dimension: Das gemeinsame Unterfangen eines verheirateten Paares beginnt gewöhnlich mit dem Kinderwunsch, drückt sich aber auch aus in der sozialen Verantwortung in der Gesellschaft. Die Bedeutung der Ehe hat nicht nur einen privaten Charakter, sondern auch einen sozialen. Diese soziale Dimension trägt dazu bei, die Liebe der Ehepartner zu stärken. Weit über den „Egoismus zu zweit“ der Flitterwochen hinaus, entwickeln sie einen Sinn für soziale und elterliche Verantwortung.

  • „Lieben heißt nicht, sich gegenseitig anschauen, sondern gemeinsam in dieselbe Richtung schauen“

    Jeder sehnt sich nach einer exklusiven Liebe mit absoluter Verbindlichkeit. Jeder Jugendliche träumt von einem idealen Partner, mit dem er sein ganzes Leben teilen kann. Wir möchten jemanden das ganze Leben lieben, und wenn möglich für die Ewigkeit. Unsere erste Erfahrung in der Liebe gibt uns das Gefühl der Ewigkeit.

    Der junge Mensch hat jedoch noch nicht die Reife des Herzens, die erforderlich ist, um sich ein Leben lang zu binden. Sein Liebesideal bleibt in seiner Vorstellungswelt, während die leidenschaftliche Liebe in seinem Körper „tobt“. Er muß lernen, beide miteinander in Übereinstimmung zu bringen, indem er die Befriedigung seiner körperlichen Triebe auf später verschiebt. Das Ideal seiner Ehe ermöglicht es ihm, rein zu bleiben für seine(n) zu künftige(n) Partner(in). Das Ideal der Enthaltsamkeit vor der Ehe entspringt unmittelbar dem absoluten Ideal der Liebe.

    Ehe oder freie Liebe?

    Auf den ersten Blick könnte man glauben, daß das Zusammenleben vor der Ehe oder die „Versuchsehe“ eine gute Vorbereitung auf die Ehe sei oder ein guter Test vor der endgültigen Entscheidung. Das scheint so logisch, daß viele Eltern nicht wissen, was sie ihren Kindern darauf antworten sollen, wenn sie diese Richtung einschlagen wollen.

  • Laut Statistik weisen die verheirateten Paare, die schon vor der Hochzeit zusammengelebt haben, eine höhere Scheidungsrate auf.

    Laut Statistik weisen die verheirateten Paare, die schon vor der Ehe zusammengelebt haben, eine höhere Scheidungsrate auf. Die Ehe auf Probe ist also indirekt ein wichtiger Scheidungsfaktor.

    Dieses Phänomen ist leicht zu erklären. Das Zusammenleben vor der Ehe ist eine Beziehung, die direkt oder indirekt auf einer Angst beruht, sich zu binden. Jeder läßt sich für den Fall von eintretenden Schwierigkeiten eine Tür offen. In der Ehe jedoch muß das Paar die Krisen überwinden und kann dadurch die Einheit in der Beziehung stärken, indem es gemeinsam die Schwierigkeiten meistert. Obwohl diese beiden Lebensformen äußerlich gesehen gleich erscheinen, so sind sie innerlich und im Unterbewußtsein doch völlig verschieden. Ein Paar, das die Beziehung auf eine Basis der Unverbindlichkeit stellt, eignet sich gewisse Gewohnheiten an und kann sich dadurch schwer eine andere Beziehung mit bedingungsloser Verbindlichkeit vorstellen.

    In einer Meinungsumfrage zu Beginn der 80er Jahre, stellte man Nicht-Verheirateten folgende Frage: „Ab dem Moment, in dem ihr angefangen habt zusammenzuleben, hat es da eine bewußte Entscheidung gegeben, oder hat es sich so ergeben?“ Zwei Drittel (mehr Männer als Frauen) antworteten, das Letztere sei der Fall gewesen (Louis Roussel,“ Unsichere Familie“). Kann man ernsthaft glauben, daß auf einer solchen Basis die Beziehung des Paares lang anhalten wird, auch wenn die beiden heiraten ?

    Der Begriff „Ehe auf Probe“ ist schon in sich selbst eine Unmöglichkeit. Heiraten kann man nicht probieren, genauso wenig wie geboren werden oder sterben. Es ist ein einschneidendes Ereignis in unserem Leben, so wie der Übergang von einer Existenz zu einer anderen. Es ist nicht übertrieben, wenn man die ganze Jugendzeit als Vorbereitung für dieses Abenteuer betrachtet.

  • Der Begriff „Ehe auf Probe“ ist ein Widerspruch in sich selbst. Heiraten kann man nicht probieren, genauso wenig wie geboren werden oder sterben.

    Wenn manche glauben, die Ehe sei eine Flucht in eine gutbürgerliche Sicherheit, so ist genau das Gegenteil der Fall. Diejenigen, die nur eine Sicherheit in der Liebe suchen, sind nicht fähig, ein glückliches Paar zu werden, und noch weniger eine glückliche Familie. Die Ehe verlangt einen totalen Einsatz, ein „Ja“ zu einem heroischen und außergewöhnlichen Abenteuer.

    Die Familie, eine Schule der Liebe

    In seinem berühmten Buch „Die Kunst des Liebens“ schreibt Erich FROMM, daß die Liebe eine Kunst ist, die wie jede andere Kunst erlernt sein will. Es ist mit Sicherheit die schwierigste Kunst und auch die wichtigste, die der Mensch erlernen muß. Die Regeln der Kunst des Liebens beinhalten eine gewisse „Moral“. Diese ist nicht als repressive Maßnahme zu sehen, sondern als bestimmte Normen, die die Entwicklung und das Praktizieren der wahren Liebe ermöglichen. Auch wenn die moralischen Regeln von einer Kultur zur anderen verschieden sind, so gibt es doch universelle Regeln. Wenn man diese verliert oder mißachtet, gehen die Zivilisationen zugrunde. Männer und Frauen verlieren das Recht, die Liebe zu lernen, und dies ist das wichtigste Recht überhaupt.

    Vor allem sind die Prinzipien der Enthaltsamkeit vor der Ehe und die Treue innerhalb der Ehe ein Ideal, das dem Einzelnen zu seiner Entfaltung verhilft, und ein wichtiger Faktor für eine harmonische Gesellschaft. Die Eltern müssen die Kinder diese Tugenden lehren und sie selber vorleben . So werden sie das Fundament für ihr zukünftiges Glück sein.

  • Das Prinzip der Enthaltsamkeit vor der Ehe und die Treue innerhalb der Ehe sind ein Ideal, das die Menschen zu ihrer Entfaltung brauchen, und zugleich ein wichtiger Faktor für Harmonie in der Gesellschaft.

    Vor allem in der Familie muß man die Kunst des Liebens lernen. Die Familie ist die unersetzbare Schule der Liebe. Unsere erste Erfahrung der Liebe machen wir in unserer Familie.

    Darum ist es eine große Verantwortung, eine Familie zu gründen und Kinder in die Welt zu setzen. Dies bedarf der Reife und Großzügigkeit. Es wurde schon zur Genüge bewiesen, daß Kinder, die in konfliktreichen oder zerbrochenen Familien aufgewachsen sind, seelische und emotionelle Schäden aufweisen, weil ihnen die psychische Struktur und die Beziehungsanhaltspunkte fehlen. Daher wiederholen sie später oft dieselben Fehler wie ihre Eltern.

    Oft ist das übertrieben große Interesse für Sexualität bei den Jugendlichen nur das Resultat eines Mangels an Liebe und einer positiven Orientierung in der Familie. Dasselbe gilt für all die destruktiven Verhaltensweisen von Jugendlichen. Laut Claude COUDEREC, Autor des Buches „unsere Kinder und die Drogen“, suchen viele Jugendliche in den Drogen oder in der Kriminalität einen Ersatz für die Familie. Als der Schriftsteller André Gide und eine ganze Generation Intellektueller schrie: „Familien, ich hasse euch, ihr geschlossenen Heime, verschlossenen Türen, eifersüchtigen Besitzergreifer des Glücks“, so drückte er in Wirklichkeit seine eigene Erfahrung aus: Die Familie kann wirklich zu einer Hölle werden, einem Ort der Ausschließung und der Unterdrückung, wenn sie auf einem schlechten Fundament aufgebaut ist.

    Zahlreiche Männer und Frauen machen heute diese bittere Erfahrung. Wie viele Kinder zahlen mit einem sehr hohen Preis die Folgen der unreifen Liebe ihrer Eltern?

  • „Liebe beginnt zu Hause. Die Menschen, die sich aufrichtig und tief lieben, sind die Glücklichsten auf der Welt. Wir sehen es überall, auch bei den Armen. Wenn sie ihre Kinder und ihre Familie lieben, dann sind sie glücklich, auch wenn sie fast nichts oder gar nichts haben“. Mutter Teresa

    Um aus diesem Teufelskreis des Leidens in der Familie herauszukommen, lassen wir uns nicht täuschen und verführen durch die irreführende Propaganda der modernen Gesellschaft! Suchen wir vielmehr für uns und für unsere Kinder das Ideal der wahren Liebe, einer absoluten und dauerhaften Liebe! Diese Liebe gibt es! Sie ist das nobelste und mutigste gemeinsame Unterfangen von Männern und Frauen. Wirkliche Liebe verlangt eine totale Investition seiner eigenen Person. Und vor allem.......

    ... persönliche Verantwortung.

 
   

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