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 Die beinahe täglichen Vorfälle zwischen Israel und Palästina bewegten uns gemeinsam mit dem „International Women Bond“ eine Podiumsdiskussion zu veranstalten:

 WAS KOMMT NACH DEM KRIEG ?

 5.Juni 2002

Podiumsdiskussion mit VertreterInnen aus Sudan, Afghanistan, Palästina und Österreich. Die Präsanz des Themas brachte an diesem Abend zahlreiche Gäste zusammen, so dass sich letztlich ein buntes Bild an Hautfarben und Kleidung bot. Die Berichte waren ausführlich und brachten verschiedene Meinungen zutage: Vor allem was die Stellung der Frau im Islam betrifft. Über eines waren sich alle einig: Krieg und ein ständiges Rache –nehmen wird die Probleme niemals lösen können; im Gegenteil, Hass und Ressentiments vermehren sich ununterbrochen.

Da es einer der Grundsätze der Österreichischen Frauenföderation ist „Brücken des Friedens“ zu bauen wo immer dies möglich ist, nützten wir auch diese Gelegenheit der kulturellen Vielfalt um Brücken zu schlagen: Zum Ausklang der Veranstaltung – als jeder froh war sich nach zwei Stunden wieder vom Sitz erheben zu dürfen – teilten wir Blumen aus mit der Ermutigung, diese jemandem aus einem andern Land /Kultur/Religion zu überreichen. Diese Anregung wurde mit großer Begeisterung aufgenommen, und die Blumen- Nelken- waren bald „verbraucht“. Die Hintergrundmusik am Klavier lieferte Sophie Kliman (16J).

 Am internationalen Buffett wurde noch lange angeregt geplaudert.

Im folgenden einige der Beiträge:

Was kommt nach dem Krieg ?

Beitrag zur Podiumsdiskussion von Eckhart Riehl am 5.6.2002

(Ing. Eckhart Riehl, Vater von 5 Kindern, war viele Jahre Leiter von FORUM OST, einer Organisation, die auf vielerlei Art Hilfe in den Osteuropäischen Nationen zur Zeit des Eisernen Vorhanges leistete.)

Das Thema: „Was kommt nach dem Krieg?” ist zwar eine sehr allgemeine und plakative Frage, trotzdem aber eine sehr wichtige. Soviel es im Detail darüber zu sagen gibt, möchte ich diese Frage zunächst ebenso allgemein und einfach beantworten: Nach dem Krieg kommt Elend, Elend und noch einmal ELEND!

Ich habe die Situation im ehemaligen Jugoslawien ein wenig miterlebt und muss sagen, dass diese Feststellung meiner Beobachtung nach für alle Kriegsparteien gilt. Mein stärkster Eindruck war: Es gibt eigentlich nur Verlierer!

Gerade unlängst lese ich einen Bericht über Bosnien, wo sieben Jahre nach dem Kriegsende noch immer eine halbe Million Menschen Flüchtlinge im eigenen Land sind. Armut, Unsicherheit und Korruption kennzeichnen die Lage. Experten meinen, dass noch über eine Million Minen vergraben sind. Da verwundert es nicht, wenn der Wiederaufbau nur sehr schleppend voran geht. Trotzdem gibt es Hoffnung etwa durch  die Aufnahme Bosniens in den Europarat und die Aussicht, einmal Mitgliedsland der EU zu werden.

Nun zu meinen persönlichen Erlebnissen. Von 1984 bis 1996 durfte ich den Verein „Forum Ost” leiten - und viele Erfahrungen sammeln. Unsere Aufgabe war es immer, den Menschen zu helfen, welche unter dem System des Kommunismus und dessen Folgen leiden.

Im Herbst 1991 begannen wir mit Hilfstransporten nach Kroatien. Ich selbst bin zunächst mehrmals nach Osijek gefahren - dort habe ich meine ersten persönlichen Erfahrungen mit dem Krieg gemacht. Die Stadt war auf einer Seite von Serben belagert und ich hörte auch während der Nacht immer wieder Schüsse. Wir unterstützten damals das schon halb zerstörte Krankenhaus mit Medikamenten, Nahrung und anderen Hilfsgütern.

Später kam ich auch nach Djakovo und dann nach Pakrac. Zusammen mit der UNO, welche die Grenze zwischen Kroaten und Serben sicherte, konnte ich damals auch die „andere” Seite besuchen und mit den Menschen reden. Von beiden Seiten hörte ich die gleichen herzergreifenden Geschichten - was für Gräuel der jeweils „Andere” anrichtete - bis zu Gewalttaten, welche die Opfer in ihrer eigenen Familie miterleben mussten. Da blieb mir mein Mund verschlossen - konnte ich da von „Liebe Deine Feinde” und von „Verzeihung” sprechen?? Mir wurde klar, dass diese Menschen hier absolut keinen guten Rat brauchen, sondern Mitgefühl - und dass Moral, wenn sie nur den eigenen Standpunkt rechtfertigt, keinerlei Berechtigung hat. Trotzdem müsste eine echte Lösung auf der Basis von Vergebung zustande kommen – nur ist die Frage, wie dazu eine Basis geschaffen werden kann?

Wie ist nun diesen Menschen am besten zu helfen? Die Lieferungen mit Medikamenten, Kleidung und Nahrung machten vor allem Sinn, weil wir den Menschen näher kamen und versuchten zu verstehen - aber war das genug? Kann ich erwarten, dass Menschen, die unvorstellbares Leid erlebt haben, alles vergessen und an einer neuen Vision arbeiten? Wohl nur in den seltensten Fällen. Meine Hoffnung und Sorge waren vor allem die Kinder und Jugendlichen. Welches Verhalten lernt die nächste Generation und wer hilft ihnen eine Vision für eine bessere Zukunft zu entwickeln?

So war es für mich bald sehr klar, dass eine Hilfe nach dem Krieg bei der Erziehung der Jugend einen enorm wichtigen Beitrag leisten muss. Das war ein entscheidender Grund, dass unser Verein 1992 Jugendliche aus den Ost- und Südosteuropäischen Ländern zum ersten Jugendseminar des “Forum Ost” nach Österreich einlud, das seither jährlich stattfindet. Der schönste Erfolg ist es immer wieder, wenn nach dem Seminar die jungen Leute Freundschaften schließen – hinweg über alle Grenzen der Religion und Kultur – wenn sie mit einer neuen Vision und Tatendrang in ihre Heimat zurückkehren.

Was „lernen“ die jungen Teilnehmer auf unserem Seminar? – Nun, zunächst sollen sie herausfordert werden, selbst Zusammenhänge zu erkennen und untereinander Erfahrungen auszutauschen, kreativ zu sein und Visionen für ihre Zukunft zu entwickeln. Letztlich sollte die Jugend die Basis für ein friedliches Miteinander schaffen - damit aus Fehlern der Vergangen gelernt werden kann diese zu verzeihen, anstatt sie zu wiederholen! Auch wollen wir bewusst machen, dass die menschliche Gesellschaft mit all ihrer Vielfalt eigentlich einen wunderbaren vernetzten Organismus bildet. Viele globale Probleme können heute nur mehr gemeinsam gelöst werden, wenn wir den Vorteil für den Gesamtorganismus „Menschheit“ als vorrangig anstreben.

Nach dem Krieg kommt Elend - aber wie geht es weiter? Seit Menschengedenken gibt es Kriege - Zerstörung und wieder einen neuen Anfang. Diese traurige Begebenheit wurde im Kommunismus zum Prinzip erhoben. Da entsteht der Fortschritt in der Auseinandersetzung von „These” und „Antithese”. Letztlich sollte sich aus dem Klassenkampf eine neue Gesellschaft entwickeln. Ich befürchte, dass diese Gedanken noch immer in manchen Köpfen eine Lösung vorgaukelt,  welche bestenfalls als Friedhofsfrieden bezeichnet werden kann. Wie kommt es sonst, dass weltweit immer noch Kriege – heiße und kalte in unvorstellbarer Zahl, geführt und angedroht werden??

Natürlich will niemand offen den Krieg - alle wollen den Frieden! Früher habe ich oft kommunistische Länder besucht - ein großes Schlagwort war immer “MIR” das heißt „FRIEDE”. Man konnte es auf den meisten Plakaten sehen - es gehörte einfach zur Propaganda. Auch heute werden die Worte oft sehr bewusst und gezielt für Propaganda missbraucht. Mir scheint fast, dass auch mit so einem „Propaganda-Frieden“ Krieg geführt wird!

Ich erwähne dies, da meiner Ansicht nach der „Friede“ oft nur ein sehr trügerisches Ziel sein kann. Eigentlich ist wahrer Friede nicht das Resultat von sogenannten „Friedensaktivitäten“, sondern natürliches Ergebnis eines vernünftigen Zusammenlebens. Wenn wir die Menschheit als Organismus betrachten, entspricht Frieden der Gesundheit. Krankheit ist dementsprechend Unfrieden und Krieg – und verursacht Leid! Wenn wir unser Bewusstsein schärfen, wird uns klar, dass jeder Krieg der ganzen menschlichen Gesellschaft schadet und Schmerz verursacht! Und wer spürt nicht den Schmerz eines Krieges? Aber allzu oft machen wir es wie mit unseren Krankheiten – wir bekämpfen nur die Symptome – ein Almosen gegen Hunger und Armut, damit ist unser Gewissen beruhigt.

Trotzdem glaube ich, dass wir aus der Vergangenheit schon einiges gelernt haben. Dies zeigt zum Beispiel die Beziehung von Frankreich und Deutschland. Die positive Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg war nicht selbstverständlich, sondern ein oft mühsamer Prozess der Geschichts-Aufarbeitung und des Einsatzes von verantwortungsvollen Politikern wie Charles de Gaulle und Konrad Adenauer. Ohne dieser Entwicklung wäre die Europäische Union undenkbar. Innerhalb dieser können wir uns heute einen Krieg nicht mehr vorstellen. Das heißt nicht, das schon alle Probleme gelöst sind, aber wir respektieren uns als gleichwertige Partner – jeder hat seinen Platz, seine Würde und Rechte. Dieser Prozess, der uns in Europa Frieden gebracht hat, ist aber noch nicht abgeschlossen und er sollte noch viel mehr, speziell bei der Jugend, gefördert werden.

Abschließend möchte ich zusammenfassen: Nach dem Krieg kommt Elend, aber da­rin liegt auch ein Neubeginn und die Chance zu lernen. Das bedingt aber ein Umdenken – weg von einem „linearen Denken“ (was ich brauche nehme ich und dann werfe ich es wieder weg) – zu einem „verbundenen Denken“ indem wir einander als „Organismus Menschheit“ begreifen – als Mikrokosmos im Makrokosmos. Das ist meine Hoffnung für eine bessere Zukunft! Wenn dieses Denken Platz greift, brauchen wir uns nicht mehr den Kopf zerbrechen, was wohl nach dem Krieg kommt, dann können wir  für die Gesundheit und zum Wohlbefinden dieses „Organismus Menschheit“ kreativ zusammenarbeiten. 

 

Mit Herz und Hand ist die Online Zeitschrift der 
Österreichischen Frauenföderation für Weltfrieden

Redaktion: Renate Amesbauer
Freie Mitarbeit: Mag. Maria Pammer, Ingrid Hauseder,  Therese Heitzinger,

 

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