Im Dezember des Vorjahres fand das 2.BENEFIZKONZERT in der
Geschichte der ÖFFW statt. Es wurde ein klassisches Konzert im Festsaal der
Diplomatischen Akademie in Wien. Das Programm gestalteten Mitglieder des
1.FRAUEN- KAMMERORCHESTERS von Österreich und Mitglieder der WIENER
PHILHARMONIKER und des BRUCKNERKONSERVATORIUMS zur großen Zufriedenheit der
Gäste. Der Reinerlös von 12.000 Schilling ging an CONCORDIA ein Projekt für
Straßenkinder in Rumänien, gegründet von Pater Georg SPORSCHILL.
Ehrenpräsidentin ist Prinzessin Marie Eleonore Liechtenstein. Sie war es auch,
die uns heuer im Frühjahr in der Herrengasse davon berichtete. Sie zeigte uns
ein sehr beeindruckendes Video STRASSENKINDER WERDEN HOFFNUNGSKINDE.: Am 26.
Oktober 1991 bricht der Jesuitenpater Georg SPORSCHILL mit drei ehrenamtlichen
Mitarbeitern aus Deutschland und Österreich nach Bukarest auf; der Auftrag der
CARITAS lautet, in sechs Monaten ein Haus für Straßenkinder aufzubauen. Das
Kinderhaus St. Ioan wird erworben und renoviert. Gleichzeitig beginnt die Arbeit
am Bahnhof und auf den Straßen. Als Trägerorganisation wird der Verein
CONCORDIA gegründet.
Im Sommer 1992 wird eine aufgelassene Kolchose 80 km
nördlich von Bukarest erworben und zu unserer Farm für Kinder mit elf
Kinderhäusern, Kapelle, Lehrwerkstätten für Bäckerei, Schlosserei,
Tischlerei und einer kleinen Landwirtschaft ausgebaut.
Im Sommer 1993 verselbständigt sich CONCORDIA, Ruth Zenkert geht als Projektleiterein nach Rumänien. Seit 1996 können die Häuser
(inzwischen 14 an der Zahl) in die Verantwortung der Caritas Bukarest übergeben
werden.
P. GEORG SPORSCHILL SJ: "Wer hilft, dem wird
geholfen". Bei meinen nächtlichen Streifzügen um den Nordbahnhof in
Bukarest geschieht immer das gleiche: Kinder und Jugendliche kommen aus
Kanallöchern, aus dunklen Stiegenhäusern, aus Häuserruinen und Metrostationen
und laufen mir nach. Die Horde wird immer größer und ungestümer. "Wir
wollen etwas zuessen! Hast du einen Platz für mich. Es ist kalt, ich möchte
Schuhe". Andere sind krank, haben Schmerzen, Fieber Ausschläge, ein
Mädchen ist schwanger. Ich fühle mich überfordert und habe ein wenig Angst.
Ich gehe schneller, aber es werden trotzdem immer mehr, die mitlaufen. In einem
Geschäft, das auch nachts geöffnet hat, kaufe ich, was sie sich gewünscht
haben: Brot, Wurst, Milch. Die Verteilung wird schwierig. Unter Drogen sind die
Jugendlichen unberechenbar und oft gewalttätig. Ivan und Moise, die besonders
verwahrlost aussehen, retten die Situation. Sie sorgen für Ruhe und Ordnung.
Großzügig verteilen sie das Essen. Endlich haben sich alle beruhigt. Ivan
selbst will nicht essen, er will mit mir reden. Er hat einen etwa vierjährigen
Buben an der Hand und zieht mich ins Vertrauen. "Der ist zu klein, um auf
der Straße zu überleben. Für ihn brauchen wir einen Platz auf der Farm".
Ivan erinnert mich an Mose, als er die Schafe hütete.
Gott sah, wie er einem verlorenen Schaf in die Wüste nachging und dachte sich:
Das ist der Hirte für mein Volk. Ivan hat nicht nur den kleinen Razvan
gerettet, er hat mir oft am Bahnhof geholfen, mich beschützt, mich dorthin
geführt, wo Kinder in größter Not waren. Heute lebt er mit anderen ehemaligen
Straßenkindern in einer unserer Wohngemeinschaften, er arbeitet und holt
nebenbei seinen Schulabschluss nach. Wie konnte dieses Wunder geschehen?
Ivan hat zuerst gerettet und wurde dann selbst gerettet
nicht umgekehrt. So fangen hoffnungsvolle Geschichten mit Straßenkindern an.
Wir können ihnen helfen, wenn sie anderen Helfen: Kleineren, Schwächeren,
Kranken. Wer selber rettet, der wird gerettet. Wer hilft, dem wird geholfen.
An Ivan sehe ich, dass unsere Kinder für ihre Heimat
einmal wichtig werden. Aber Ivan ist nicht der einzige. Niculae, der
Straßendieb war, ist Lehrling und will einmal unsere Landwirtschaft
übernehmen. Costel, der von seiner geisteskranken Mutter verstoßen wurde,
besucht sie regelmäßig in der Anstalt. Er macht heuer die Gesellenprüfung als
Bäcker........
Eines ist sicher: im Einsatz für die Straßenkinder sind
wir es die gewinnen. Wir geben Brot und empfangen dafür Sinn und Lebensmut und
die Fähigkeit, das eigene Glück zu spüren.......
Es werden zur Zeit ca. 200 Kinder in den Häusern von
CONCORDIA betreut.
So wichtig wie Geld sind gute Gedanken für die Kinder und
ihre Betreuer. Sie sind so zu sagen die geistigen Träger einer solchen Arbeit.
Dies waren die abschließenden Worte von M. Eleonore Liechtenstein. Frau
Liechtenstein ist auch in der CARITAS- Flüchtlingshilfe tätig.