FRAUEN
To the women in my life Das Heldentum arabischer Frauen in der Folklore
9. Oesterreichischer Journalistinnenkongress 2007

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Die Rolle der Frau

Von Dr. Anneliese Fuchs /ARGE f. Präventivpsychologie
Gekürzt wiedergegeben von Renate Amesbauer

Es geht um die biologisch - genetischen Unterschiede zwischen Mann und Frau  -und die gesellschaftliche Situation der Frau.
Es herrscht eine erschütternde Verwirrung zu diesem Thema, die dadurch hervorgerufen wird, das sich viele Bücher und Artikel in der Hauptsache mit äußeren, gesellschaftlich bedingten Kriterien in der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau beschäftigen.

War die Rolle der Frau im vorigen Jahrhundert streng umrissen, so bemerkte man, dass mit diesen Vorstellungen Fehler gemacht wurden. Die bürgerliche Frau des vorigen (vor - vorigen) Jahrhunderts war nur Mutter und Hausfrau und man traute ihr keine weiteren Fähigkeiten zu; nun verwandelt man dieses Verhalten ins vollkommene Gegenteil und will die bisher aufgerichteten Schranken zwischen Frau und Mann niederreißen und eine totale Gleichheit beider Geschlechter propagieren. Bei beiden Extremen fühlen wir aber ein Unbehagen, das anzeigt, dass weder die historische Lösung noch aber die sogenannten modernen Gleichmache-Tendenzen eine wirklich befriedigende Überwindung dieses Problems darstellen. (REICH W., Die sexuelle Revolution)

Um die Frage nach der Rolle der Frau, aber auch der des Mannes (die ja unmittelbar damit zusammenhängt) beantworten zu können, muss man vorerst auf jene Grundlagen zurückgreifen, die sozial nicht beeinflussbar sind. Es ergibt sich dabei die Frage, worin denn nun im Biologischen die Unterschiede bzw. Gleichheiten bei Frau und Mann bestehen.

1. Biologische Komponente der Rollenproblematik

Mann und Frau sind in vielen Dimensionen gleich strukturiert, der wesentlichste Unterschied ist eine andersartige Zusammensetzung der Sexualhormone (siehe dazu untenstehende schematische Darstellung).

PRINZIP DES MÄNNLICHEN (masculinityFaktor)   

PRINZIP DES WEIBLICHEN (femininity Faktor)

geschlossenes System

biologisch: 
Produktionskomponente
Sexualtrieb

psychologisch:
Kampf   
Durchsetzungsvermögen
FUNKTIONAL 
eher problemzentriertes Denken

biologisch:
Aufzuchtskomponente, 
Muttertrieb

psychologisch:
persönliche Zuwendung
Anpassung
PERSONAL
eher ganzheitliches Denken

 Abb. Nr. 1: Schematische Darstellung -Geschlossenes System - nach Hofstede.

Wenn man annimmt, dass durch ein energetisches Schöpfungsprinzip in einem abgeschlossenen Systemraum (wie die Erde ihn darstellt) trotz der starken egozentrierten Triebenergien des Individuums (Esstrieb, Trinktrieb etc.) die Erhaltung der Art gesichert ist, wird verständlich, warum diese Generationenfolge zweifach abgesichert wird, und zwar durch die Biparentalität; jeder Mensch hat zwei Elternteile.

Diese doppelte Sicherung der nachfolgenden Generation erfolgt biologisch durch zwei Grundhormone. Biologisch gesehen haben wir es mit dem Prinzip des Männlichen (männliches Sexualhormon) und dem Prinzip des Weiblichen (weibliches Sexualhormon) zu tun. Das Prinzip des Männlichen ist von der biologischen Ausrichtung her auf die Produktion von Nachkommen programmiert. Alle Außenreize, die auf das männliche Sexualhormon Einfluss nehmen, drängen nur zu diesem einen Endziel, nämlich dem Geschlechtsakt und der damit verbundenen Zeugung von Nachkommen.

Das Prinzip des Weiblichen jedoch ist triebmäßig ganz anders strukturiert, hier steht nicht die Produktion, sondern die Aufzucht der Nachkommen im Vordergrund. Diese Triebkomponente wird in der Psychologie ja auch als Muttertrieb angesprochen. Es steht also beim prinzipiell Weiblichen die Pflege, Aufzucht und Sozialisation der Jungen im Vordergrund.

Diese biologische Funktion hat aber auch psychologische Begleiterscheinungen. Das prinzipiell Männliche ist charakterisiert durch Kampf und Eroberungsverhalten (denken wir nur an das Kampfverhalten bei Tieren, das mit der Brautwerbung oft Hand in Hand geht). Damit einher geht zugleich auch das Streben nach persönlicher Durchsetzung, wobei der Erfolg real gesehen werden muss. Die Grundstimmung ist demzufolge eher aggressiv, und die Orientierung erfolgt z. B. im Denkansatz am Einzelproblem, das gelöst werden soll.

Das prinzipiell Weibliche ist vom Biologischen her gesehen ganz anders determiniert. Die Programmierung ist nicht auf Kampf und Durch- setzen, sondern auf Zuwendung, Anpassung ausgerichtet. Beim Menschen bedeutet dies einen intensiveren Personalbezug, während beim männlichen Prinzip eher eine Ausrichtung nach funktionalen Aspekten erfolgt. Interessant ist, dass HOFSTEDE bei einer Befragung von 250.000 Menschen in 66 Ländern der Erde genau diese Charakteristik mit Hilfe von Fragebogen auffindet und diese mit "Masculinity" und "Femininity" bezeichnet.

Der einzelne jedoch besitzt nicht nur eines der beiden oben erwähnten Hormone, hat damit nicht nur Anteil an einem der beiden Prinzipien, sondern an beiden Prinzipien. In jedem Menschen sind weibliche und männliche Komponenten gemischt. Es ist aber die Mischung der bei- den Grundhormone bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt, und es gibt sogar biochemische Theorien, die, je nach dem Mischungsverhältnis, sogar versuchen, die Anziehung der Geschlechter zu definieren. Eines ist aber klar, wenn die primären oder sekundären Geschlechtsmerkmale eindeutig von einem Geschlecht vorhanden sind, so behält jenes Hormon, welches das Geschlecht bestimmt, die Oberhand. Es besteht daher eine Tendenz, alle Grundcharakteristika z. B. des Männlichen sowohl im biologischen als auch im psychologischen Sinn aufzuweisen. Wenn ein Mensch männliche Geschlechtsorgane besitzt, wird bei ihm die männliche Komponente überwiegen. Es ist aber nicht klar, wie stark dies der Fall ist. Es können große oder kleinere Anteile weiblicher Tendenzen vorhanden sein.

Gegen diesen eindeutigen Hintergrund muss nun die Rollenverteilung von Frau und Mann gesehen werden. Diese Grundanlagen können nun je nach Gesellschaft verschieden interpretiert werden und zur Auswirkung kommen. Daher ist das Rollenbild einer Gesellschaft mitbestimmend, inwieweit der Mensch dann zur vollen Selbstentfaltung kommt oder nicht.

Indem nun das menschliche Leitbild der westlichen, industrialisierten Welt eine Oberbetonung der männlichen Komponente darstellt, werden die als weiblich angesehenen Tendenzen total unterdrückt, da sie auch mit einem negativen Prestige verknüpft sind. Auf diese Weise wird die Frau, die ja gerade diese weiblichen Qualitäten in stärkerem Maße als der Mann aufzuweisen hat, unter Druck gesetzt. Das Idealbild unserer Zeit wird zum Feindbild der Frau. Wenn der Druck des Feindes jedoch zu stark wird, so tritt zum Selbstschutz des Individuums eine Identifikation mit diesem Feindbild auf. Wir haben diese Erscheinung auch in den Konzentrationslagern beobachten können, wo der Druck des Quälers auf sein Opfer so stark wurde, dass die Identifikation mit dem persönlichen Quäler erfolgte.

Jetzt kommt es also in unserem Kulturkreis dazu, dass die einzige Gegenkraft gegen das Ungleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Tendenzen ebenfalls wegfällt. Die Frau orientiert sich am Männerbild und übernimmt - verursacht durch den Druck der letzten Jahrhunderte - das momentane, männliche Idealbild als persönliches Leitbild. Die Folge davon ist, dass sie ein verstärktes Durchsetzungs- streben zeigt, sich am Außenerfolg orientiert und auf diese Weise zur "Emanzipierten Frau" wird. Sie wird zur Mann-Frau, die dieselben Leitvorstellungen wie der Mann besitzt. Welche Auswirkungen eine solche Einstellung hat, werden wir noch in der Folge analysieren.

Die Frau ist also durch den starken Druck der Gesellschaft nicht mehr fähig, das jetzt Wichtige, nämlich die spezifisch weiblichen Qualitäten als echte Gegenkraft gegen den momentanen Trend einzusetzen. Damit findet aber keine Trendänderung statt, was aber dringend nötig wäre. Wir orientieren uns immer mehr an äußeren Erfolgskriterien und vergessen den Menschen, der in einer solchen Umwelt zugrunde gehen muss. Gerade aber die Verantwortung der Frau für die nachfolgende Generation, durch den Muttertrieb biologisch fixiert, müsste aus ihr eine Kämpferin für Menschlichkeit machen, da sie ja eine Änderung der momentanen Situation nicht für sich selbst, sondern für die nach- folgende Generation anstreben muss.

2. Auswirkung falsch verstandener Rollenvorstellung

Wie wirkt sich nun eine solche falsch verstandene Emanzipation auf die junge Generation aus? Wie wirkt sich die Orientierung des Mannes an einem einseitigen Rollenbild aus? Welche Auswirkungen sieht man in der internationalen Statistik, wenn Frauen ein falsch verstandenes, ein nur am Männlichen orientiertes Frauenideal besitzen?

Das Nichtakzeptieren der Mutterrolle der Frau ist nicht nur für ihre eigene Entwicklung entscheidend. Diese Einstellung der Frau, die nicht Mutter sein will, hat auch Auswirkungen auf die Gesellschaft, denn die Mutter ist ja schließlich verantwortlich für die "Aufzucht der Jungen". Sie ist es, die Sorge trägt, ob die Kinder sozialisiert werden; sie ist es, die über die notwendige Kapazität der Zuwendung den Kindern gegenüber verfügt. Natürlich benötigt sie für diese Tätigkeit die Unterstützung des Mannes, doch sie trägt die Hauptlast. In der STUDIA, (Studiengruppe für internationale Analysen, Wien) wurde unter- sucht, wie die Entwicklung der europäischen Familienstruktur in den letzten 20 Jahren vor sich gegangen ist, und dabei zeigte sich, dass wirklich grundlegende Änderungen eingetreten sind. Wir stehen heute vor einer Situation, die es in dieser Form noch nie gab. Die Zuwendung zum Menschen, besonders der Mutter zum Kind, wurde bisher doch eher positiv bewertet und von der Gesellschaft gefördert. Die positive Einstellung der Ehepaare zum Kind aber ist die Grundvoraussetzung für eine harmonische Entwicklung des Kindes. Die von uns dargestellten Zusammenhänge zeigen dies auch immer wieder.

Wird ein Kind nicht nur in frühen Lebensjahren und in frühen Ehejahren, sondern auch noch ein zweites, drittes oder auch viertes Kind in den späteren Jahren der Ehe bzw. ein nach dem 35. Lebensjahr der Frau geborenes Kind noch akzeptiert, kann man daraus schließen, dass die positive Einstellung zum Kind gegeben ist. Wo aber diese Tendenz besonders stark ausgeprägt ist, sind die negativen Sozialindikatoren wie Selbstmord und Mord nur in ganz geringem Ausmaß vorhanden.

Andererseits könnte man ja argumentieren, dass gerade frühes generatives Verhalten eine positive Einstellung zum Kind spiegelt. Man sozusagen früher mit der Produktion von Nachkommen beginne und daher viel mehr Nachkommen in die Welt setzen könne.

Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall. Je häufiger in einem europäischen Land die frühen Geburten beobachtet werden, desto kleiner sind die Familieneinheiten und desto stärker ist die Tendenz des Geburtenrückganges beobachtbar. Frühes Sexualverhalten ist daher nicht so sehr ein Zeichen für positive Zuwendung zum Partner und zum Kind, sondern muss andere Wurzeln haben.

Die Tendenz zu diesem frühen, generativen Verhalten nimmt in allen hochindustrialisierten Ländern ständig zu; ebenso ist beispielsweise auch die Tendenz zur Herabsetzung des Heiratsalters in ganz Europa beobachtbar. Gleichzeitig damit wird aber die psychische Situation in diesen Ländern immer schlechter, was an einem Ansteigen der negativen Sozialindikatoren sichtbar wird. Wie ist das zu erklären? Es zeigt wahrscheinlich, dass diejenigen Jugendlichen, die ein vorverlegtes Sexualverhalten zeigen, bereits Familien entstammen, die nicht mehr die Voraussetzung für eine harmonische, emotionale Entwicklung bieten. Die Zuwendung zu einem Sexualpartner kann nur im Sinne einer Nachholtendenz verstanden werden. MOSS und GINGELS haben in einer Arbeit in den 70er Jahren in Amerika ähnliche Schlüsse gezogen. Sie haben untersucht, welche Collegestudentinnen bereit sind, ihr Studium abzubrechen, um eine Frühehe einzugehen. Es hat sich gezeigt, dass vor allem jene Mädchen ihr Studium vorzeitig abgebrochen haben, die sich zu Hause nicht angenommen gefühlt haben und emotional labil waren.

Wir wissen aber aus der Entwicklungspsychologie, dass die Vorverlegung von Verhaltensweisen auf die Entwicklung des Menschen einen ungünstigen Einfluss hat. Was passiert mit jenen Jugendlichen, die beim Partner die Liebe der Eltern nachkonsumieren wollen?

Der Zusammenhang zwischen frühen Scheidungen und den negativen Sozialindikatoren gibt die entsprechende Antwort darauf (siehe Abb. Nr. 5). Die verfrühte Bindung führt nicht dazu, dass der junge Mensch nun endlich die ihm entsprechende Geborgenheit findet; ganz im Gegenteil, die Beziehung zum Partner, dem er sich ja gar nicht zuwenden kann, wird ihm zur Last und die Bindung zerbricht. Die Folge der zu frühen Bindungen von Jugendlichen, die unter falschen Auspizien diese Bindung eingegangen sind, ist die Instabilität dieser Beziehung. Damit beschreiben wir jedoch einen Regelkreis, der sich selbst negativ auflädt und bei dem wir rein von der politischen Brisanz her sehen, wie man eine negative Entwicklung durch entsprechende Außensteuerungen noch anheizen kann (siehe dazu Abb. Nr. 6).Gestörte Beziehungen in einer Familie, die an sich Geborgenheit vermitteln soll, führen zu frühem Bindungsverhalten. Diese Bindung ist aber nur im Sinne einer Nachkonsumation von Elternliebe zu verstehen und führt zwangsläufig zur Instabilität dieser Beziehung. Da aber die Bindung oft mit einem frühen generativen Verhalten Hand in Hand geht, werden Kinder in die Welt gesetzt, die keine ausgereiften Mütter 1aben, die dadurch keine Geborgenheit mehr erleben. Diese gestörten Kinder neigen dann zu noch früheren Bindungen, weil ihr Mangel nach emotionaler Zuwendung noch gesteigert wurde. So ist zu verstehen, dass in Europa das Heiratsalter immer noch im Sinken begriffen ist und laut unseren statistischen Trendextrapolationen in 100 Jahren auf die stolze Zahl von 11 Jahren bei Frauen und 15 Jahren bei Männern absinken wird, wenn der momentane europäische Trend unvermindert anhält.

Straftaten ohne Komplizen. Dieser Typ wird 1972 nur mehr ganz selten angetroffen. Es tritt ein neuer Delinquententyp auf. Ein Großteil der Mädchen hat praktische sexuelle Erfahrung, viele davon auch schon Geschlechtskrankheiten. Es zeigt sich ganz starke Sexualgier, wie dies bisher nur bei pubertären, männlichen Jugendlichen der Fall war. 50% haben den elterlichen Haushalt verlassen und versuchen das Leben von Erwachsenen zu führen, sind aber unreif, egozentriert und liebesunfähig. Sie können keine Gefühle äußern, wie dies noch 1995' sichtbar war .Sie können weder weinen noch rot werden, noch sich schuldig fühlen. Es entsteht der Eindruck, dass alle weiblichen, mütterlichen Qualitäten bei den Mädchen von 1972 fehlen und dieser neue Mädchentyp scheinbar nur jene Komponenten gestärkt hat, die mit dem männlichen Leitbild übereinstimmen. Sie sind auch effizienter in ihrer Kriminalitätskarriere geworden, indem sie zu Bandenleadern zählen und Verbrechen gut durchplanen.

All dies würde jedoch darauf hinweisen, dass es bestimmte sensible Perioden für Verhaltens-Lernprozesse gibt und dass es, wenn diese Perioden nicht genützt werden, zu irreversiblen Schädigungen kommt. Wenn man solche Untersuchungen ernst nimmt, fragt man sich un- willkürlich, ob ein solcher Frauentyp überhaupt noch jemals fähig sein wird, sich einem eigenen Kind zuzuwenden. Wenn dies aber in größerem Ausmaß nicht der Fall ist, hat die nachfolgende Generation keine Entwicklungschance mehr, und die Unfähigkeit der Jungen zur Mutterrolle würde einer Zerstörung unserer eigenen Kultur gleichkommen. Alle negativen Erscheinungen der Jugendlichen müssen daher immer gegen den Hintergrund der Familie und der Mutterrolle gesehen wer- den. Es muss klar sein, dass hier die oberste Leitbildvorstellung einer Kultur steuernd sowohl ins individuelle Leben als auch in den Weg, den eine ganze Gesellschaft nimmt, eingreift.

In den Arbeiten der STUDIA hat sich immer wieder gezeigt, dass nur eine Balance der beiden eben beschriebenen Dimensionen "funktional" und "personal" die idealen Bedingungen für ein gesundes seelisches und körperliches Leben des Menschen darstellen. Es hat sich aber bereits in den Wirtschaftsstudien der STUDIA gezeigt, dass nur der Abstand vom eigenen System jemanden befähigt, diese Balance zu schaffen. Nur das "Transzendieren" aus dem eigenen System gibt die Möglichkeit, diese Balance zu meistern. Dies ist eine Tatsache, die allen Kulturen eigen war und auch nachgewiesen werden kann. Am Anfang einer Kultur steht die Religion, die Möglichkeit, das System zu transzendieren. Und hier erhebt sich die Frage der Werte, die Suche nach dem Sinn, die die Jugendlichen bewegt. Wenn jemand mit dem derzeit obersten Wert, nämlich Wohlstand, Güterproduktion, persönlicher Erfolg, Karrierestreben, einverstanden ist, wird er sich in unserer Gesellschaft wohl fühlen. Nur wenn die Frustration erfolgt, weil eben diese Dinge einen Menschen nicht erfüllen können, wird hinterfragt.

Gerade die Jugend aber sucht; sie ist anfällig für alle jene, die ihr die Möglichkeit, zu transzendieren, versprechen.

Die Jugend ist bereit für Werte, nur werden sie weder in Schule, Elternhaus noch am Arbeitsplatz oder sonst wo vermittelt.

Gesellschaft psychisch gesunden. Andererseits ist aber auch klar geworden, dass der Einfluss der Frau bei der Steuerung von gesellschaftlichen Prozessen insofern wertvoll ist, als mit ihrer Hilfe und durch das Einbringen ihrer, für sie charakteristischen Tendenz, eine in naher Zukunft nötige Trendänderung vollzogen werden kann. Gibt die Frau nämlich ihre Zentrierung auf den Menschen auf und orientiert sich in Zukunft nur mehr an einem maskulinen Menschenbild, wird der bisherige Trend zur Funktionalität auch von ihr noch verstärkt. Einem Trend, dessen negative Auswirkungen wir bereits messen können, da das Balancesystem funktional-personal zu stark ins Ungleichgewicht geraten ist.

Diese beiden Forderungen würden jedoch für die Frau die Gefahr einer Doppelbelastung in sich tragen. Einerseits fordern wir ja die Zuwendung zum Kind, das Akzeptieren der Mutterrolle, das Akzeptieren auch einer größeren Kinderzahl, andererseits postulieren wir den Einfluss der Frau auf gesellschaftliche Mechanismen. Wie kann die Frau das überhaupt bewältigen, ohne durch den Stress der Doppelbelastung zugrunde zu gehen?

Nur mit Hilfe des Mannes, der aufgrund seiner Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung sich bewusst geworden ist, dass das weibliche Element sowohl in unserem individuellen Leben als auch auf der gesellschaftlichen Ebene nicht auszuklammern ist. Diese Einstellung des Mannes wird in die Gesellschaft hineinwirken und der Frau bisher noch nicht erprobte Gelegenheiten schaffen, beiden Dimensionen des neuen Rollenbewusstseins gerecht zu werden. Die bisher von uns ein geschliffenen Vorstellungen von einer Wirksamkeit der Frau in der Gesellschaft erfüllen ja keineswegs die hier besprochenen Kriterien der gesellschaftlichen Einflussnahme. Wenn die Frau als Sekretärin 8 Stunden am Tag hinter einer Schreibmaschine sitzt, so wird der Einfluss der weiblichen Dimension auf ein funktionalorientiertes Menschenbild nicht stärker werden. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass das patente Rezept -Gleichstellung der Frau erfolgt nur, wenn sie ebenfalls ganztägig außerhäuslich berufstätig wird - nicht den gewünschten Erfolg bringt.

Nur wenn man sich der beiden Grundtatsachen bewusst ist;

a) die Frau muss Mutter sein wollen, um die gesunde Entwicklung der nachfolgenden Generation zu sichern, und

b) die personale Zuwendung, die als typisch weiblich bezeichneten Charakteristika müssen sich in unserer Gesellschaft auswirken.

In der nun eher verfahrenen Situation muss nach neuen Wegen gesucht werden.

Auch die Frau selbst muss durch einen intensiven Umdenk- und Umlernprozess dazu beitragen. Frauen, die zwar für die eigene Familie noch die nötige Zuwendungskapazität aufbringen, aber völlig uninteressiert sind an den gesellschaftlichen Vorgängen, können eher als traditionelle Familienegoisten bezeichnet werden. Erst wenn ihnen selbst klar wird, dass eine Trendänderung in der Gesellschaft von heute bessere Lebensbedingungen für ihre Kinder in der Gesellschaft von morgen bringt, wird es möglich sein, ein neues Frauenbild und auch ein neues Menschenbild mitzuformen.

Dieses Fernziel ist aber nicht zu erreichen, wenn jeder für sich allein bleibt, sondern nur durch:

INFORMATION, GRUPPENBILDUNG UND INITIATIVE.

Information bedeutet Bildung im weitesten Sinn. Gerade die Zeit, in der die Kinder klein sind und eine lange außerhäusliche Berufstätigkeit gar nicht möglich ist, kann die Chance für einen zweiten Bildungsweg bieten. Damit ist jedoch nicht nur intellektuelle Schulung gemeint, sondern auch die Erlernung kreativer Techniken, gewerblicher und eventuell auch handwerklicher Fähigkeiten. Es beginnt daher bei der Frau mit dem Heranwachsen der Kinder ein zweiter Identifikationsprozess. In dieser Phase wird es wichtig sein, dass sich die Frau bewusst wird, auf welcher Ebene sie wirksam werden soll; auf der rein individuellen, durch Zuwendung zum einzelnen Menschen, oder auf der gesellschaftlichen. Die Frau von morgen soll sich, wenn sie zu Hause bei den Kindern bleibt, nicht als von der Gesellschaft ausgestoßenes Heimchen am Herd vorkommen, sondern durch positive Akzeptieren ihres Mutterseins zur echten Partnerin des Mannes in Familie und Gesellschaft werden können.  

 

 

Mit Herz und Hand ist die Online Zeitschrift der 
Österreichischen Frauenföderation für Weltfrieden

Redaktion: Renate Amesbauer
Freie Mitarbeit: Mag. Maria Pammer, Ingrid Hauseder,  Therese Heitzinger,

 

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