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VERSCHWESTERUNG Verbrüderung, Bruderschaft, Waffenbrüderschaft, Blutsbrüder, Brudermord, ...diese Ausdrücke kennen wir, und sie hinterlassen keineswegs nur angenehme Gefühle. So schön Verbrüderung sein kann, aber denken wir nicht auch an lautes Gegröhle bei Bier und Rauch? Bruderschaft assoziieren wir nicht "Bruderschaft trinken"? Oder die Bruderschaft in manchen Studentenverbindungen, nämlich den sogenannten "schlagenden " Verbindungen, in denen es zur Ehre gehört, einen ordentlichen Schmiss (Narbe) auf der Wange zu haben, als Beweis von Mut -Mut im Kampf, Mut, sich verletzen zu lassen, zu unterliegen, gekämpft zu haben, in diesem Fall eigentlich auch noch ohne Grund? Das Wort "Waffenbrüderschaft" spricht wohl für sich selbst. "Blutsbrüder" ist der Ausdruck, bei dem wir noch am ehesten positive Gefühle haben -eine hehre Tat, als Winnetou und Old Shatterhand (Alte Schmetterhand ...ein lieblicher Name!) sich eine Wunde ritzten und so ihr Blut in Verbindung brachten. Dennoch ist das eine blutige Angelegenheit, dieser Austausch. Brudermord ist wohl das Schlimmste, was Brüder einander antun können -ein gravierender Fehler, der schon zu Anbeginn der Menschheit passierte, als Kain seinen Bruder Abel erschlug, auf grund ihrer Rivalität. Eigenartig, aber viel weniger geläufig sind uns die Worte Verschwesterung, Schwesternschaft, Waffenschwesternschaft, Blutsschwestern, ... Zwar gibt es Schwesternmorde in der Geschichte aufzuweisen, man denke nur an die arme Maria Stuart, und Rivalität zwischen Frauen ist auch keine Seltenheit. Das ist jedoch, sieht man von der Art der Austragung ab, keine weibliche Spezialität. Aber außer den gemeinsam kämpfenden Amazonen fällt mir spontan kaum eine militaristische oder aggressive Frauenvereinigung ein, sieht man von gewissen emanzipatorischen Bewegungen der Neuzeit ab, wo es für einen Mann ein Risiko bedeutete, auch nur an der Tür zu fragen, ob wer ein Taxi bestellt hätte. Wenn er auch nicht ermordet wurde, musste er doch mit Ächtung und erheblichen Verletzungen rechnen! Verschwesterung und Schwesternschaft sind aber praktisch unbenutzte Ausdrücke und erinnern bestenfalls an "Klosterschwestern", Frauen, die von der Intention her motiviert sind, zielbewusst im positiven Sinne, freundlich und unterstützend miteinander umzugehen, und etwas an der Welt, der Gesellschaft, zu verbessern - nicht durch blutige Revolution, sondern durch Erziehung, Beispiel oder Gebet. Das gelingt ihnen vielleicht auch nicht immer, aber das Konzept ist positiv. Diese Gedanken erheben natürlich nicht den Anspruch, die Geschichte von Kampfund Versöhnung auf Männer und Frauen bezogen objektiv und erschöpfend beschrieben zu haben, ich erlaube mir, "aus den Augen einer Frau" Gefühle zu beschreiben, die "aus dem Bauch ", wie man heute zu sagen pflegt, kommen. Doch lassen wir unserer Phantasie noch ein wenig freien Lauf und denken wir an eine "mutige Frau". Wie könnte diese aussehen? Vielleicht denkt so manche(r) jetzt an Jeanne d' Arc. Ich aber denke an Frauen. die wissenschaftlich und politisch tätig waren oder sind und den Mut haben unpopuläre Ansichten zu vertreten und sie durch die Kraft der Überzeugung durchzusetzen. Ich glaube. Johanna Dohnal ist eine mutige Frau, egal, ob man nun ihre Meinungen teilt oder nicht. Eine mutige Frau ist eine, die gegen den Strom schwimmt, um etwas positives für Mensch und Natur zu erreichen. etwas "mehr" zum Nutzen der Gerechtigkeit. der Versöhnung, des Aufeinander- Zugehens. keinesfalls eine Frau. die sich absichtlich mit einem Säbel verletzen lässt. Einer solchen Frau wären wir eher geneigt, psychiatrische Hilfe zu empfehlen! Natürlich ist es nicht Frauen vorbehalten, gegen den Strom zu schwimmen, doch haben sie es trotz Gleichberechtigungsbestrebungen immer noch ungleich schwerer als Männer, gehört und akzeptiert zu werden. Ich erinnere mich auch an Frauen, die für ihre Überzeugung gestorben sind, die zum Beispiel auf dem Scheiterhaufen verbrannten, doch das war bitterer Ernst, keine "Mutprobe"! "Verschwesterung" hat nun aber seit dem letzten Wochenende, das ich in Prag verbrachte, noch eine andere Bedeutung für mich: Frauen, die einander nicht kannten aus Ländern, zwischen denen es immer noch historische Ressentiments gibt, trafen einander nicht, um Krieg zu führen (damit endlich Klarheit herrsche und der Feind vernichtet würde!), sondern um diese Ressentiments auszuräumen, einander kennen und verstehen zu lernen und so neuen Generationen die Möglichkeit zu geben, frei von alten Feindschaften aufzuwachsen, die -siehe unser Nachbarland - wieder zu Kriegen führen können. Die Organisation, die weltweit diesen Akt der Versöhnung voran- treibt, heißt "Frauenföderation für Weltfrieden" und erklärt ihre positive Intention schon durch ihren Namen, noch mehr durch ihre Taten. Die "Schwesternschaft" wurde nicht durch Blut besiegelt, welches ausgetauscht wurde, sondern durch eine Blume. In der Luft lag nicht die unheilschwangere Atmosphäre der Kampfesbrüder, sondern unermessliche Freude, Herzlichkeit und Wohlbehagen, als wir neue Freunde fanden, ja, eigentlich mehr als Freunde. Freundschaft kann vergeben, die Bindung zwischen Schwestern ist unauflösbar. Schwestern werden immer Schwestern bleiben, ob sie einander gut verstehen oder gerade sauer aufeinander sind. Also wird es gut sein, immer nach Verständnis und Versöhnung zur gegenseitigen Unterstützung, zum Wachstum und zur Vervielfältigung der Liebe und Wärme und schließlich auch zum eigenen Wohlbefinden, zu streben. Susanne Benes |
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