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WAS GEHT MICH MEIN MITMENSCH AN

Fr. Maria LOLEY
Veranstaltung in Wien, Herrengasse
  14. März 2001

Kurzer Lebenslauf: Geboren wurde Frau LOLEY 1924 in Südmähren; sie hatte vier Brüder. Die Familie war arm, aber sie fühlte sich als Kind dennoch zu Hause geborgen; Frau Loley führt dies auf den tiefen Glauben ihrer Eltern zurück. 1938 war kein Studium möglich; sie machte die Ausbildung zur Fürsorgerin. Die Familie hilft den Flüchtlingen aus Südmähren.

Nach dem Krieg lebt sie in der Steiermark und hilft dort den vertriebenen Volksdeutschen aus Jugoslavien: sie richtet eine Familienbetreuungsstelle ein und Betreuung für alleinstehende ältere Menschen.

1975 bekommt sie von der Landesregierung den Auftrag zur Errichtung einer Psychosozialen Dienststelle.
1979 geht sie in Pension, setzt aber später ihre Beratungstätigkeit fort.
1992 kommen viele bosnische Flüchtlinge nach Poisdorf für die sie Hilfe organisiert.
1994 bekommt sie den UNCHR –Preis für INTEGRATIVE FLÜCHTLINGSHILFE.
1995 gründet sie den Verein: BEWEGUNG MITMENSCH, erhielt den Bruno KreiskyPreis für Menschenrechte, kurze Zeit später wurde sie Opfer eines Briefbombenattentates 1996 übersiedelte sie nach Wien.

Der Verein wurde ausgeweitet auf "Bewegung Mitmensch – Hilfe für Menschen in Not" für In –und Ausländer.
Herausgabe eines Märchenbuches: "FERNE HEIMAT" –erzählt von Flüchtlingen, mit deren Kurzbiographein vor jeder Geschichte.

Frau LOLEY erzählt:" 1992 kamen plötzlich diese Flüchtlinge aus Bosnien- Menschen mit einem Plastiksackerl in der Hand, oder mit gar nichts- den Schrecken vor dem, was sie soeben erlebt hatten noch ins Gesicht geschrieben. Sie waren mit dem blanken Leben davongekommen, während andere um sie herum –Nachbarn, Freunde, Familienmitglieder erschossen worden waren, die Häuser vor ihren Augen in Flammen aufgegangen sind ..... Jede Existenzgrundlage war ihnen genommen und damit jegliche Zukunftsperspektive.

Es ging darum Unterkunft zu finden, Bettwäsche herbei zu schaffen, etc. Das ganze Dorf war in diese Hilfe mit eingebunden: Dadurch, dass in dieser Gegend viele Junge Leute abwandern bleiben oft leere Häuser zurück. Von Dorf zu Dorf suchten wir diese leerstehenden Häuser, es war wie die Herbergssuche in Bethlehem. Jeder half mit –es ging um schnelles, spontanes Helfen, ohne zu delegieren oder lange zu organisieren. Es entstand eine Solidarität im Helfen.

Man versuchte Ballungen zu vermeiden und es wurden 2-3 Familien pro Haus einquartiert und einheimische Familien haben sich persönlich um sie gekümmert um so die erste , schlimmste Not zu überbrücken.

Es war eine Situation wo Gedanke und Handlung praktisch im selben Augenblick geschahen. Ich ging von Dorf zu Dorf und sprach zu Gruppen, manchmal auch am Sonntag vor der Gottesdienstgemeinde; es ging mir darum an das Gewissen zu appellieren und das Gefühl der Menschen für diese Mitmenschen zu wecken. Es gab an die 70 ehrenamtliche Mitarbeiter im Weinviertel, es war ein mittleres Unternehmen.

Wir erhielten den 1.UNO Preis für "Integrierte Flüchtlingshilfe" und dadurch wurde das Innenministerium auf uns aufmerksam. Es wurde empfohlen einen gemeinnützigen Verein zu gründen, da wir als solcher Subventionen entgegennehmen können. Ziele des Vereines sind:

Etwas von Mensch zu Mensch zu bewegen; Das notwendige Geld aufzubringen

Daher "BEWEGUNG MITMENSCH"

Mit der Preisverleihung kamen die Beschimpfungen, Hass und Zerstörung- ein kalter Wind blies uns um die Ohren. Mitarbeiter wurden bedroht. Im September 1995 wurde uns der BRUNO KREISKY – MENSCHENRECHTSPREIS verliehen, dann geschah das Briefbombenattentat. Danach wurde es sehr schwer.

Da übersiedelten wir den Verein nach Wien und erweiterten unsere Arbeit: "BEWEGUNG MITMENSCH- HILFE FÜR MENSCHEN IN NOT" für alle Menschen, die Hilfe brauchen. Der Verein hat vier Mitarbeiter.

Die Hilfe ist vielfältig: Gastarbeiterfamilien, die vom Erhalter im Stich gelassen wurden, Behördenwege um Rechtsansprüche geltend zu machen.......

Es gibt keine öffentliche Förderung, ich muss betteln gehen, so wie viele andere (Vereine) auch. Aber es begleitet mich immer die Gewissheit, dass Gott mich nicht im Stich lässt.

Oft ist es mühsam, aber die Not des anderen ist unsere Verpflichtung. Oft geht es um Gespräche, die Möglichkeit sich aussprechen zu können auch wenn man die Situation direkt nicht verändern kann; dann können Möglichkeiten und Wege für die Zukunft gefunden werden.

Es gibt die Dinge, die man nicht kaufen kann: Das Gefühl zu geben, nicht alleine zu sein, in dieser schwierigen Situation.

Allgemein:" Wir können für einander Mitmensch sein", größtes Leid ist oft, wenn niemand einen ansieht , ein Lächeln für einen hat, oder sich ein paar Minuten Zeit nimmt für einen. Solche Dinge können Leben retten, heraus aus der Verzweiflung führen. So mancher ist schon auf dem Weg gewesen seinem Leben ein Ende zu bereiten, aber eine Begegnung mit einem Mitmenschen hat ihn zur Umkehr bewegt.

Es ist wie mit einer schönen grünen Wiese: auch sie besteht aus einzelnen Grashalmen, die jeder zu einer anderen Zeit wachsen. Jedes Zeichen von Mitgefühl, jedes Wort oder Lächeln ist einer solcher Grashalm; alle zusammen machen die Wiese grün. Wir sollen jede Gelegenheit für eine mitmenschliche Begegnung nützen.

Es ändert sich nicht die Menschheit, aber ein einzelner Mensch kann sich ändern; ich kann nicht der Menschheit begegnen, aber ich begegne einem einzelnen Menschen.

Wir haben die Fähigkeit in uns, das Gut e zu tun; wir sind Mittler, denn wir haben uns auch nicht selber geschaffen; wer uns geschaffen hat, kann durch uns wirken. Unser Helfer ist in Wahrheit, einer über uns.

Ein wichtiger Grundsatz für unsere Arbeit stammt aus der Bergpredigt: WAS IHR WOLLT, DAS EUCH DIE MENSCHEN TUN, DAS TUE SELBST.
Meine eigene Bedürftigkeit leitet mich: denn was mir selber gut tut, weiß ich, tut auch dem anderen gut und ich helfe, dass es geschehen kann.

Wir geben weiter, was wir selbst umsonst erhalten.

Das Büro des Vereines befindet sich in: Boltzmanngasse 7,1090 WIEN
Tel::319 998 68 Fr. Loley (Tonband)
, 310 88 92 andere Mitarbeiter

Zusammenfassender Bericht von Renate AMESBAUER

 

 

Mit Herz und Hand ist die Online Zeitschrift der 
Österreichischen Frauenföderation für Weltfrieden

Redaktion: Renate Amesbauer
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